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Die Gefährten - Teil 2

Veröffentlicht: 30.11.2011 um 11:28 von Gutenberg1964
Fortsetzung

Nach acht weiteren anstrengenden und beschwerlichen Anstiegen, bei km 51 ihrer Reise, erreichten Sie ein hoch gelegenes Plateau mit einem mächtigen Zeichen des christlichen Glaubens. Dieses Kreuz war einer der Punkte die es festzuhalten galt, als Beweis, dass sie die Strapazen auch wirklich auf sich genommen hatten. Was nun folgte, war ein erneuter Ab- und Aufstieg auf einen weiteren Gipfel. Dieser trug den klangvollen Namen Erpeler Ley. Hier hatten die Herren des Laufs eine riesige Bastion errichtet, in der der sich unsere wackeren Recken erneut stärken, ruhen und neu einkleiden konnten. Hier verweilten Sie, ob des Überflusses an Speis und Trank sehr lange und der Abschied in die dunkle Wildnis fiel ausgesprochen schwer. Noch ein kurzer atemberaubender Blick über die Klippen hinab zum Rhein und schon verschwanden die drei Mutigen auch wieder im Wald. Bei km 63 setzten sie zu einem über zwei Kilometer langen Anstieg durch den menschenfeindlichen Wald an. Es galt das sagenumwobene Auge Gotte zu finden. Auf guten, aber mit einer dicken Laubschicht bedeckten Wegen liefen sie stetig, schweigend und hoch konzentriert weiter in die Nacht hinein. In der Zwischenzeit hatte es zur Geisterstunde geschlagen und aus dem umliegenden Unterholz und Dickicht konnten sie raschelndes Laub, knackende Äste und fremde Tierstimmen vernehmen. Die Nacht war mondlos und das dichte Blätterdach über ihnen schluckte auch das letzte Licht der funkelnden Sterne. Plötzlich wie aus dem Nichts, stand die kleine Kapelle vor Ihnen. Nach einer kurzen Rast folgten die drei Unerschrockenen, dem Pfad weiter durch die Nacht. Warum dieser Rheinsteig genannte wird, war ihnen in der Zwischenzeit durchaus klar. Es gab kaum flache Passagen zu Laufen. Ständig wechselten sich Bergab- mit Bergaufpassagen ab. Mal steil und schmal, mal weniger steil und breit. Aber immer ein Wechsel von auf und ab. Oftmals gab es nur 100 oder 150 Höhenmeter zu überwinden. Ganz selten mehr. Kaum hatten sich die Gefährten gefreut eine Höhe erklommen zu haben, mussten Sie auch schon wieder die hart erkämpften Höhenmeter hergeben. Aber immer wieder wurden die Strapazen des Anstiegs durch grandiose Ausblicke auf den großen Fluß und die darauf verkehrenden Lastkähne, sowie die hell erleuchteten Städte am Rande des Stroms belohnt.

Zwischenzeitlich war die Nacht weit fortgeschritten und die Kälte kroch langsam in die matten Körper, als die nunmehr doch etwas müden Helden mit schweren Schritten nach weiteren 15 km und fast drei Stunden nächtlichen Laufens einen letzten bewirtschafteten Rastplatz vorfanden. Überglücklich über den freundlichen Helfer in tiefster Nacht, genossen sie ein letztes Mahl und die wohltuende Wärme des Feuers. 80 km und 14 Stunden waren die drei unscheinbaren Gestalten nun schon unterwegs. Immer das Ziel in Bonn, die Festung der Kobolte, vor Augen. Was nun auf sie wartete war die berühmt berüchtigte Drachenburg und der Drachenfels. Trotz zunehmender Müdigkeit durfte ihnen jetzt kein Fehler unterlaufen. Flink und fast lautlos passierten sie diese Stelle ohne auf sich aufmerksam zu machen. So konnten also ohne große Umwege ihren Lauf fortsetzen und den letzten großen Berg, den Petersberg erklimmen. Darauf befand sich eine mächtige Festung die mit Beobachtungsgeräten fast lückenlos überwacht wurde. Auch hier flitzten sie wie Waldläufer von Baum zu Baum und hatten bald, unbemerkt den Berg umrundet.

Mit ihren letzten Kräften kämpften sie sich die letzten Hügel hinauf und auf wieder hinab. Die Beine waren müde und schwer, die Körper ausgezehrt und die Köpfe hätten sich am liebsten in das weiche Laub des Waldes gebettet. Doch ihr unbändiger Wille, dieses Abenteuer zu dritt zu Ende zu bringen und der rauschende Empfang bei den Kobolten in Bonn ließen sie weiter ziehen. Die Nacht neigte sich ihrem Ende entgegen und mit einem zarten Schimmer deutete sich der nächste Morgen an. Nach 99 Kilometern war es dann endlich geschafft. Der letzte Hügel war erklommen, der neue Tag wurde von der Sonne wach geküsst und zu ihren Füßen lag die große Stadt Bonn. Über Treppen, Brücken und durch verschlafene Vorortsträßchen strebten sie ein letztes Mal dem großen Fluß entgegen. Die letzten zwei Kilometer auf der Uferpromenade wurden zum Schaulaufen für unsere drei unerschrockenen und unermüdlichen Helden. In voller Montur und mit kompletter Ausrüstung trotzten sie dem Strom der ihnen entgegen strebenden Sonntagmorgenpromenadenjoggern. Wie eine Wand aus Stolz und Schweiß liefen sie nebeneinander die letzten Meter. So wie sie auch schon zuvor 106.000 Meter gemeinsam zurück gelegt hatten.

Durch ein unscheinbares Tor und eine Treppe hinauf, traten sie ein in die heiligen Hallen. Sie hatten es geschafft! Nach 18 Stunden und zwei Minuten. Unbeeindruckt von wilden Waldtieren, Stolperfallen im zentimeterdicken Laubteppich, fehlenden Wegemarken, Hunger, Durst, Kälte und anderen Gefahren hatten sie ihren Weg gefunden.
Umsorgt von wunderschönen und überaus freundlichen, hilfsbereiten und zuvorkommenden Fräuleins wurden sie verköstigt und umsorgt. Nach einer dringend notwendigen und überaus wohltuenden Körperpflege, kleideten Sie sich frisch ein und ließen sich von den anderen anwesenden Kobolten feiern.

Und wer diese abenteuerliche Geschichte nicht glauben sollte, dem empfehle ich eine Teilnahme am Kleinen Kobolt. Einem der letzten wirklichen Abenteuer in unserer heute so zivilisierten und phantasielosen Welt. Zurück zu den Wurzeln des einfachen Laufens. Aufbrechen mit alten und neuen Freunden, neue Horizonte zu erobern und die eigenen Grenzen zu erweitern. Einzutauchen in eine verschworene Gemeinschaft und aufgenommen zu werden in den magischen Zirkel der Kleinen und Großen Kobolte.

Ich hoffe ihr hattet viel Spaß beim Lesen und habt Lust bekommen neue Abenteuer in Angriff zu nehmen.

"Wer etwas haben möchte, das er noch nie hatte, wird wohl etwas tun müssen, das er noch niemals tat". - unbekannt

Gruß
Gutenberg1964
Kommentare 12

Kommentare

Alt
Benutzerbild von Krümel-monster
Mit Tränen in den Augen und Gänsehaut überall habe ich deinen Bericht gelesen.
Ein sehr rührender Bericht!

Auch an dieser Stelle nochmal:

Herzlichen Glückwunsch Du OBER-Pitbull!!



Meinen allergrößten Respekt hast Du!
Wir sind schon einige Passagen des Rheinsteigs gewandert - aber 106km dort zu ERLAUFEN in so kurzer Zeit!! Einfach der Wahnsinn!!!

Oberhammer!! Wünsche Dir gute Erholung!
Liebe Grüße
Krümel

PS: damit hast Du ja schon sämtliche Kalorien der Vorweihnachtszeit und der Weihnachtstage schon im Vorfeld erlaufen Also: Feuer frei!!
Veröffentlicht: 30.11.2011 um 19:36 von Krümel-monster Krümel-monster ist offline
Alt
Benutzerbild von -Nicole-

Gefährten

Guten Abend Gutenberg

Eine wunderbare Läufer-Geschichte zum mitfiebern, bangen und
natürlich einem Happy End!
Du hast dich ja richtig ins Zeug gelegt - !

Klasse gemacht

Liebe Grüße Nicole!
Veröffentlicht: 30.11.2011 um 20:38 von -Nicole- -Nicole- ist offline
Alt
Benutzerbild von Knirschknie
Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn! Mein Respekt!

Für mich unvorstellbar einerseits, aber andererseits macht Dein Bericht schon Appetit... Aber dabei wird´s wohl bleiben.

Hat sich gelohnt, auf den Bericht zu warten. Hab immer wieder geschaut, ob schon was zu sehen ist... Toll geschrieben!

Liebe Grüße,
Knirschknie

Aber wie fühlt man sich denn nun, wenn man das Ziel vom kleinen Kobolt erreicht? Klar, man ist stolz wie Bolle, ist müde... Aber der Muskelmiau danach? Ich meine, ich konnte ja schon nach dem Crosslauf kaum vom Klo aufstehen, naja, jedenfalls nicht, ohne laut zu stöhnen... ;) Da frag ich mich natürlich, wie man sich nach 100 km fühlt... Und kann man nach ner längeren Pause wieder lostraben? Fragen über Fragen...

Wünsche jedenfalls gute Erholung!

Nochmals liebe Grüße!!!
Veröffentlicht: 30.11.2011 um 20:54 von Knirschknie Knirschknie ist offline
Alt
Benutzerbild von Gäu-Läufer
Herr von und zu KOBOLT. Der Gutenberg hat das Buchdrucken erfunden. Du aber bist durch die Wälder gezogen aus dehnen Bücher entstehen.

Danke für den Bericht.

Gruß Horst
Veröffentlicht: 01.12.2011 um 00:21 von Gäu-Läufer Gäu-Läufer ist gerade online
Alt
Benutzerbild von meinzu

der der aus dem Wald kam und "siegte"

Herzlichen Glückwunsch auch von meiner Seite. Haben mich sehr über diesen Bericht gefreut und auch Berichterstattung (der anderen) im Forum.

*Kurz den Altar aufbau* so fertig und jetzt:



Mein respekt vor dieser Leistung hat du. Eine so lange Strecke zu laufen für unvorstellbar, die zieht sich mit dem Auto schon manchmal wie Kaugummi.

lg
*jetztwiederaufstehender* meinzu
Veröffentlicht: 01.12.2011 um 07:20 von meinzu meinzu ist offline
Alt
Benutzerbild von cologne_biel_hawaii
Auch hier noch einmal "DANKE SCHÖN" für den geilen Bericht über Deinen tollen Lauf bei "kleiner KOBOLT".

Ich denke, das wir wegen dieser Zeilen im nächsten Jahr einen Run auf die "Kurzdistanz" haben werden.....;-)

Grüße
Michael
Veröffentlicht: 01.12.2011 um 12:29 von cologne_biel_hawaii cologne_biel_hawaii ist offline
Alt
Benutzerbild von Laufmaus64
Einfach nur schön zu lesen. Da kribbelt es schon wieder...
Es war sicher ein wirklich schönes Erlebnis, das kommt mit jeder Zeile so rüber. Danke fürs "Mitnehmen".
Veröffentlicht: 02.12.2011 um 22:12 von Laufmaus64 Laufmaus64 ist offline
Alt
Benutzerbild von zanshin
Wahnsinns-Bericht!!!!!!! DANKE!!!!!

Und auch hier nochmal meine allerhöchsten Respekt und meine herzlichsten Glückwünsche!!!!!

Veröffentlicht: 04.12.2011 um 19:55 von zanshin zanshin ist offline
Alt
Benutzerbild von Stummelbeinchen
Soooo, ich mußte ja erst alles runtergeschrieben haben, bevor ich "fremden" Text lese (ist gar nicht so fremd, kommt mir so vor, als hätte ich das schon alles durchlebt )

Ich mußte beim Lesen schon gewaltig grinsen. Lauf-Rollenspiel. Prima Idee!

Ich muss Dir zu der Hammer-Zeit auch noch gratulieren.

Viele liebe Grüße bis zum nächsten Lauf der tapferen Laufrecken um die Ehre (oder Bierchen) vom Stummelbeinchen
Veröffentlicht: 07.12.2011 um 00:25 von Stummelbeinchen Stummelbeinchen ist offline
Alt
Benutzerbild von Philippé
Hallo Niko,


ich bin erst jetzt zum Lesen gekommen Zum Lauf habe ich Dir ja schon gratuliert

Jetzt also auch noch einmal Glückwunsch für den kurzweiligen und unterhaltsamen Bericht!

Auf dem Drachenfels bis ich auch schon einige Male hochgelaufen - allerdings ohne 80 km einlaufen

Mach weiter so und lass uns von Deinen Heldentaten wissen!

Gruß

Philipp
Veröffentlicht: 07.12.2011 um 10:49 von Philippé Philippé ist gerade online
Alt
Benutzerbild von holle
Ein wunderbarer Bericht von einem bestimmt ganz arg tollen Erlebnis. Danke :o)
Veröffentlicht: 07.12.2011 um 20:35 von holle holle ist offline
Alt
Benutzerbild von DufterKecks
Echt Gemial und Inspirierend!!!! Herzlichen Glückwunsch.....
Finde ich echt Toll...

Liebe Grüße

DufterKecks
Veröffentlicht: 08.12.2011 um 07:52 von DufterKecks DufterKecks ist offline
 
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