Liebe Sportfreunde,

im April vergangenen Jahres wollte ich nach langer Pause (dauernd erkältet, Fersensporn) endlich wieder richtig loslegen, bin dann aber umgeknickt und gestürzt (und das nicht mal beim Sport, sondern beim ... Brötchen holen).
Der erste Arzt, bei dem ich gelandet bin, diagnostizierte eine Verstauchung, vielleicht sei auch ein Band angerissen. Nach 6 Wochen meinte er, ich soll den Fuß unbedingt bewegen und mich dabei an der Schmerzgrenze entlang hangeln. Mein Einwand, dass immer einige Zeit nach der Bewegung die Schmerzen extrem stark würden, ignorierte er einfach bzw. meinte, ich solle eben Geduld haben. Im weiteren Verlauf stellte sich dann heraus, dass er offenbar zur der Sorte gehörte, die im Fach "Statistik für Nicht-Mathematiker" promoviert haben: "Was wollen Sie denn, Sie haben sich den Knöchel verstaucht, zu 90% verheilt das in 6 Wochen ohne Probleme". Solche Bemerkungen machen 10 Wochen nach dem Sturz mit solchen Schmerzen, dass man nachts nicht schlafen kann, echt Mut. Gepaart mit "Dann nehmse eben Schmerztabletten, Sie haben doch wohl eine gesunde Leber und gesunde Nieren" und "na gut, dann schreib ich eben noch eine Bandage auf", "immer noch nicht zufrieden, dann eben auch noch Physiotherapie" landete er dann bei "Was soll ich denn noch machen?" - woraufhin ich einen anderen Arzt gesucht hatte (drei Monate nach dem Umknicken, sein Tipp zu diesem Zeitpunkt war "seien Sie nicht so ungeduldig"). Nach etwa 10 Wochen hatte ich mir eine Überweisung zur MRT erkämpft, die aber ergab, dass nur noch eine kleine, unbedeutende Entzündung im Fuß sei.
Die Physiotherapie, die ich nach Aussage des ersten Arztes bereits "ohne Ende" verschrieben bekam, führte auch nur zu neuen Schmerzen. Ich habe beim Gehen jede noch so kleine Unebenheit gespürt und abgesenkte Bordsteine wegen der Schräge echt hassen gelernt.
Den zweiten Arzt habe ich mir dann über eine Kollegin gesucht, die Leistungssport betreibt. Dieser Arzt war erstmal mächtig verwundert, warum ich ein Vierteljahr nach dem Umknicken denn überhaupt noch Probleme habe und dann etwas verärgert, dass Arzt Nr. 1 nur Geduld anzubieten hatte. Nachdem Arzt Nr. 2 mir eine Kortisonspritze verpasste, konnte ich erst einmal wieder eingermaßen schmerzfrei gehen und wieder ordentlich schlafen. Im Laufe der nächsten Monate kam dann nach Diclofenac-Tabletten, Szintigrafie ("an der Außenseite ist eine riesengroße Entzündung"), Physiotherapie und einem weiteren MRT raus, dass offenbar zwei von drei Bändern des oberen und ein Band des unteren Sprunggelenks komplett gerissen waren, Knochen und Knorpel aber OK sind und die Entzündung daher kommt, dass durch die ausgelatschten Bänder das Gelenk etwas wackelig ist ... und ich mich nach einer weiteren Kortisonspritze weiter in Geduld üben soll. Er hatte mir aber alles ordentlich erklärt und auch alle möglichen Frage geduldig, ggf. auch ein zweites Mal, beantwortet.
Jetzt bin ich zufällig (ein Kollege konnte einen privat gezahlten Termin zu einer Rückenmassage nicht wahrnehmen und fragte mich, ob ich für ihn hingehen will) bei einem Physiotherapeuten gelandet, der in ZWANZIG MINUTEN eine Verbesserung erreicht hat, von der ich fast nicht mehr zu träumen gewagt hätte: Vorher war der Unterschied in der Beweglichkeit zwischen rechts und links deutlich zu sehen und zu spüren, der kaputte Fuß verkrampfte dauernd und bei etwas stärkerem Beugen oder Strecken tat es sofort wieder etwas weh. Unmittelbar nach der Behandlung, die der Physiotherapeut als "manuelle Therapie" bezeichnete, war fast kein Unterschied mehr in der Beweglichkeit zu merken, das auch noch ohne jeden Schmerz, und die Krämpfe waren wie von Zauberhand verschwunden. Jetzt mit einem Tag Abstand ist zwar wieder eine kleiner Beweglichkeitsunterschied da und bei starken Strecken oder Beugen des Fußes fühlt sich das etwas wie Muskelkater an, aber ich habe dabei keine Krämpfe mehr.
Einerseits bin ich ungemein glücklich und zuversichtlich, dass ich möglicherweise doch noch mal wieder laufen oder springen kann, andererseits - und das macht mir wirklich zu schaffen - kann ich nicht glauben, dass etwa 30-40 Einheiten bei fünf verschiedenen Physiotherapeuten nichts gebracht haben und einer, der offenbar ein Könner seines Faches ist, mal eben in ZWANZIG MINUTEN das Problem ordentlich erkennt und schon fast löst. Natürlich werde ich mir noch mal ein Physiotherapie-Rezept holen. Und vielleicht kann ich dann mal wieder joggen gehen?
Aber was wäre ohne diesen ungeheuren Zufall gewesen? Wie kann es sein, dass man erst nach einem Dreivierteljahr und nur durch Zufall ordentliche, fachgerechte, zielführende Hilfe bekommt? Dass ein Arzt nonchalant "Geduld" predigt, ein zweites MRT zu einem gänzlich anderen Ergebnis als das erste kommt und ein Physiotherapeut in 20 Minuten mehr hinkriegt, als Heerscharen mit analoger Ausbildung in etlichen Monaten nicht zuwege bringen?
Ich habe für mich die Konsequenz gezogen, dass ich nur noch zu Ärzten gehe, von denen mir jemand, dem ich vertraue, sagt, dass sie gut sind und am besten auch, warum er zu dieser Einschätzung kommt.
Und ich kann nur jedem empfehlen, dass er sich nicht mit irgendwelchen flapsigen Ansagen abspeisen und abwimmeln lässt, sondern so lange nach guten Ärzten bzw. Physiotherapeuten sucht, bis er sie gefunden hat.
Bei Eckard von Hirschhausen habe ich gelesen "es gibt schon gute Ärzte, aber finde erst mal den einen von hundert" - das unterschreibe ich sofort!
Und wenn's wieder geht, laufe ich 'nen Halbmarathon - versprochen!

Igel