
Äthiopien
Äthiopien Binnenstaat im Nord-Osten Afrikas und die Heimat zahlreicher Spitzenläufer.
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Das Land
Äthiopien grenzt an Eritrea, den Sudan, Kenia, Somalia und Dschibuti.
Mit einer Fläche von 1.104.300 km² ist es dreimal so groß wie Deutschland, hat aber mit rund 88 Millionen nur etwa 6 Millionen mehr Einwohner. Äthiopien ist neben Lesotho das am höchsten gelegene Land des Kontinents: 50 % seiner Fläche liegen höher als 1200 Meter, mehr als 25 % über 1.800 Meter, über 5 % erreichen gar Höhen über 3.500 Meter. Dennoch hat der größte Teil des Hochlandes Mittelgebirgscharakter. Zwischen 1952 und 1993 hatte Äthiopien einen Zugang zum Meer, der jedoch mit der Unabhängigkeit Eritreas verloren ging. Durch die historischen Spannungen herrscht eine große Rivalität zwischen Läufer der beiden Länder.
Höhenbedingt gibt es innerhalb Äthiopiens starke klimatische Unterschiede. In den Tiefebenen ist es heiß und in den Hochebenen relativ kühl. Äthiopien ist landwirtschaftlich geprägt. Das wichtigste Exportgut ist Kaffee. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von durchschnittlich von etwa 120 US-Dollar zählt das Land zu den ärmsten der Welt. Selbst regional liegt es damit deutlich unter dem Durchschnitt.
Die Läufer
In Äthiopien gibt es eine Vielzahl verschiedener Ethnien. Die größte unter ihnen, die Oromo, stellt auch die meisten Spitzenläufer. Hinter Kenia ist Äthiopien international eines der erfolgreichsten Läuferländer. Obwohl sich in dem Land auch Fußball und Volleyball großer Beliebtheit erfreuen, nimmt der Laufsport seit dem Olympiasieg des Marathonläufers Abebe Bikila 1960 in Rom eine exponierte Stellung ein.
Bikila genießt auch Jahrzehnte nach seinem Tod Heldenstatus und hat Generationen von äthiopischen Läufern inspiriert. Darunter befinden sich Athleten wie Haile Gebrselassie und Kenenisa Bekele, die ihrerseits selbst zu prägenden Figuren der Szene avancierten.
Die Äthiopier - Männer wie Frauen - sind vor allem auf den Langstrecken von 5.000 Metern ab aufwärts bis zur Marathondistanz sowie im Crosslauf erfolgreich. Auf den Mittelstrecken und im Hindernislauf fehlt es hingegen an einer vergleichbaren Tradition wie in Kenia.
Geschichte der internationalen Erfolge
Meilensteine
- 1960, Rom: Abebe Bikila siegte im olympischen Marathon in der Weltrekordzeit von 2:15:16 Stunden[1], obwohl er barfuß läuft. Damit wird er zum ersten afrikanischen Olympiamedaillengewinner in der Geschichte.
- 1964, Tokio: Abebe Bikila verteidigt seinen Titel bei den Olympischen Spielen erfolgreich und verbessert den Weltrekord - diesmal mit Schuhen - auf 2:12:11 Stunden.[1]
- 1982, Rom: Mohamed Kedir wird zum ersten äthiopischen Crosslauf-Weltmeister.
- 1989, Boston: Abebe Mekonnen gewinnt als erster Äthiopier den Boston-Marathon.
- 1993, Stuttgart: Haile Gebrselassie gewinnt seinen ersten von insgesamt vier Weltmeistertiteln im 10.000-Meter-Lauf.
- 1995, Durham: Derartu Tulu siegt als erste äthiopische Frau bei Crosslauf-Weltmeisterschaften.
- 1999, Sevilla: Gete Wami gewinnt den 10.000-Meter-Lauf und wird zur ersten Weltmeisterin aus Äthiopien.
- 2001, Edmonton: Nach seinem Olympiasieg im Vorjahr wird Gezahegne Abera auch Weltmeister.
- 2001, New York City: Tesfaye Jifar gewinnt als erster Äthiopier den New-York-City-Marathon.
- 2002, Dublin: Kenenisa Bekele gewinnt bei der Crosslauf-Weltmeisterschaft sowohl das Langstrecken- als auch das Kurzstreckenrennen und beginnt seinen Aufstieg zum besten Crossläufer aller Zeiten. Auf beiden Distanzen verteidigt er seine Titel in den folgenden vier Jahren jeweils erfolgreich.
- 2008, Berlin: Haile Gebreselassie steigert beim Berlin-Marathon den Weltrekord auf 2:03:59 Stunden und bleibt als erster Mensch in der Geschichte unter der 2:04-Stunden-Marke.
Olympiasieger
| Athlet/in | Disziplin | Jahr und Ort |
| Gezahegne Abera | Marathon | 2000, Sydney |
| Kenenisa Bekele | 10.000 m | 2004, Athen |
| Kenenisa Bekele | 5.000 m | 2008, Sydney |
| Kenenisa Bekele | 10.000 m | 2008, Sydney |
| Abebe Bikila | Marathon | 1960, Rom |
| Abebe Bikila | Marathon | 1964, Tokio |
| Meseret Defar | 5.000 m | 2004, Athen |
| Tirunesh Dibaba | 5.000 m | 2008, Peking |
| Tirunesh Dibaba | 10.000 m | 2008, Peking |
| Haile Gebrselassie | 10.000 m | 1996, Atlanta |
| Haile Gebrselassie | 10.000 m | 2000, Sydney |
| Fatuma Roba | Marathon | 1996, Atlanta |
| Derartu Tulu | 10.000 m | 1992, Barcelona |
| Derartu Tulu | 10.000 m | 2000, Sydney |
| Mamo Wolde | Marathon | 1968, Mexiko-Stadt |
| Million Wolde | 5.000 m | 2000, Sydney |
| Miruts Yifter | 5.000 m | 1980, Moskau |
Äthiopische Rekorde
Männer
| Disziplin | Leistung | Athlet | Datum | Ort | Bermerkung |
| 800 m | 1:45,28 min | Berhanu Alemu | 11.06.2004 | Bergen | |
| 1.500 m | 3:31,13 min | Mulugeta Wendimu | 31.07.2004 | Heusden-Zolder | |
| 5.000 m | 12:37,35 min | Kenenisa Bekele | 31.05.2004 | Hengelo | Weltrekord |
| 10.000 m | 26:17,53 min | Kenenisa Bekele | 26.08.2005 | Brüssel | Weltrekord |
| Halbmarathon | 58:55 min | Haile Gebrselassie | 15.01.2006 | Phoenix | ehemaliger Weltrekord |
| Marathon | 2:03:59 h | Haile Gebrselassie | 28.09.2008 | Berlin | Weltrekord |
| Hindernislauf | 8:09,87 min | Roba Gari | 05.09.2010 | Split |
Frauen
| Disziplin | Leistung | Athlet | Datum | Ort | Bermerkung |
| 800 m | 1:59,37 min | Kutre Dulecha | 10.07.1999 | Papendal | [2] |
| 1.500 m | 3:58,43 min | Kutre Dulecha | 08.08.1998 | Monaco | |
| 5.000 m | 14:11,15 min | Tirunesh Dibaba | 06.06.2008 | Oslo | Weltrekord |
| 10.000 m | 29:53,80 min | Meselech Melkamu | 14.06.2009 | Utrecht | Afrikarekord |
| Halbmarathon | 1:07:13 h | Mare Dibaba | 19.02.2010 | Ras Al Khaima | |
| Marathon | 2:20:42 h | Berhane Adere | 22.10.2006 | Chicago | |
| Hindernislauf | 9:15,04 min | Sofia Assefa | 26.05.2011 | Rom |

