
Atmungsaktiv
Atmungsaktiv ist ein beschönigender, wenn nicht gar irreführender Begriff in Bezug auf Kleidung. Oft wird er werbemäßig verwendet, gerade in Verbindung mit Membranjacken.
Atmungsaktivität bei Laufbekleidung soll dabei für Temperaturausgleich und den Feuchtigkeitstransport stehen, der mit der Wasserdampfdurchlässigkeit eines Materials von innen nach außen gemessen wird. Je höher dieser ist, umso besser. Das ist besonders bei Funktionsjacken mit Membran von Belang. Sie bilden allerdings bei Laufbekleidung in puncto Atmungsaktivität oft das schwächste Glied in der (Bekleidungs-)Kette.
Mit dem so genannten Ret-Wert messen die Hersteller den Wasserdampf-Durchgangswiderstand der Bekleidung, der für Laufbekleidung möglichst gering sein sollte (= bessere Atmungsaktivität). Die Fasern dürfen deshalb bei Feuchtigkeitseinwirkung nicht aufquellen – ein Grund, warum bisher nur wenig Naturfasern bei Laufbekleidung verwendet werden. Weiterhin ist keine Membran so leistungsfähig, dass sie die gesamte Feuchtigkeitsmenge, die ein Durchschnittsläufer aussschwitzt, bewältigen kann. Folglich ist die Jacke innen feucht, die Bekleidung darunter nass und kalt.
Atmungsaktiv ist im Grunde genommen kein Gewebe, schon gar nicht eine Membran: Denn sie reagieren jeweils nur auf physikalische Unterschiede zwischen den beiden Gewebeseiten, die vom Menschen, also vom Läufer, erzeugt werden. Die Verwendung des Begriffs „atmungsaktiv“ verleitet viele Läufer zu einer falschen Bekleidungswahl.

