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Der Marathon - Als Wettkampf zu lang?

Der Marathon - Als Wettkampf zu lang?

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Das ist der Titel eines Artikels, der im Mai 2010 in der Running Times erschien (neuerdings auch auf Deutsch), auf den in diesem Forum schon mehrfach verlinkt wurde.

Die Frage mag vielen vielleicht blöd vorkommen, aber aus gegebenem Anlaß beschäftigt sie mich zur Zeit ein wenig überproportional.

Um es gleich vorauszuschicken: Auf die Erfahrungen des Autors kann ich nicht zurückblicken. Einen Marathon bin ich noch nicht gelaufen. Demnächst steht aber einer an, und von den bisherigen Erfahrungen mit der Vorbereitung her muß ich sagen, daß mir die Position einleuchtet. Sie mag ein wenig elitär sein, besonders wenn ich an die berühmt-berüchtigten Diskussionen darüber denke, ob ein Marathon in 5:00 h noch ein Marathon ist. Aber wenn ich einen Wettkampf laufe, will ich auch gern möglichst gut präpariert sein. Suboptimal verbrachte Zeit kann ich nicht zurückholen, um etwas Besseres damit anzufangen. Also will ich meine Trainingszeit möglichst sinnvoll nutzen (was einen spielerischen Charakter des Trainings z.B. in Gestalt eines Fartlek ja nicht ausschließt). Die Vorbereitung auf Wettkämpfe als Aufhänger bietet mir dafür eine gute Motivation. Der Trainingsalltag ist dem Wettkampf also nicht untergeordnet, sondern beide inspirieren einander.

Als Kriterium für einen erfolgreichen Wettkampf und damit auch für ein sinnvolles Training ist mir wichtig, wie überzeugend ich dabei meine Grenzen auslote und mein Potential umsetze. Bei der derzeitigen Marathonvorbereitung muß ich leider klar sagen, daß ich von den in den gängigen Trainingsplänen genannten Einstiegsvoraussetzungen und den Trainingstempi her zwar gut auf eine kürzere Zielzeit hin hätte trainieren können. Das aber hätte ein wöchentliches Laufpensum erforderlich gemacht, das für mich einfach nicht realisierbar ist. Also laufe ich die Einheiten aus dem langsameren Plan mit Tempovorgaben, die an einen schnelleren Plan angenähert sind. Zusätzlich nehme ich immer wieder Tempoprogressionen vor, wenn ich mich bei der letzten gleichartigen Einheit stark unterfordert vorkam. Der Trainingserfolg ist bisher deutlich sichtbar, aber es bleibt das Gefühl, daß eigentlich mehr drin gewesen wäre. Bei Vorbereitungen zu Wettkämpfen über kürzere Distanzen ist mir das nie so gegangen. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich freue mich auf diesen Marathon und bin überzeugt, ihn einigermaßen passabel über die Bühne zu bringen.

Aber ich weiß eben noch nicht, ob der Marathon wirklich mein Ding werden wird. Mit demselben Trainingsaufwand, wie ich ihn momentan betreibe, kann ich mir auf kürzeren Wettkampfstrecken wahrscheinlich viel intensivere Erfolgserlebnisse verschaffen. Denn die schiere Distanz ist für mich längst nicht (mehr) alles, was zählt. Und die Freuden des Alltags, all diese vielen kleinen Erfolgserlebnisse aus dem Training, die sich von Woche zu Woche verbessernden Zeiten, sind ja auch nicht zu vernachlässigen.

Mich würde mal interessieren, wie das für Leute mit Marathonerfahrung in der Rückschau aussieht und was Ihr zu dem Artikel so meint. Und damit meine ich gar nicht mal so sehr die Marathonjunkies und die traumatisierten Einmalundniewiederlinge, sondern die Masse der Leute in dem breiten Spektrum dazwischen.
Дуа кинум йах иди, ту пуц ца бофт тар ту-хез йатов̌!

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Der wahre Snob liest den Artikel in der Running Times nicht. Der wahre Snob überfliegt Deinen Beitrag nur. Der wahre Snob nimmt belustigt an der Diskussion über diese berümte 5-Stunden-Mauer teil. Der wahre Snob kommt durchs Brandenburger Tor und gibt noch einmal Gas, weil er sieht, dass er brutto ( :tocktock: ) unter 5 Stunden bleiben kann.

Der wahre Snob, unsicher darüber was er seinem Henker als Trinkgeld geben soll, ruft in die anwesende Zuschauerschar: "Was gibt man dem Mann?".

Knippi

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aghamemnun hat geschrieben: kann ich mir auf kürzeren Wettkampfstrecken wahrscheinlich viel intensivere Erfolgserlebnisse verschaffen.
Das kann jeder!

Marathon laufen kann nicht jeder!


gruss hennes, 6xM., leider viel zu wenige :frown:

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aghamemnun hat geschrieben:Aber ich weiß eben noch nicht, ob der Marathon wirklich mein Ding werden wird.
Sali,

finde ich nicht schlimm! Und normal. Woher sollst du das denn vor deinem ersten Lauf auch wissen? Viele schöne Läufe, für die es sich lohnt zu reisen, sind halt Marathons. Ich würde bspw den Graubündenmarathon dieses Jahr auch laufen, wenn er 30k lang wäre, die Zeit ist da sowieso uninteressant.
Mit demselben Trainingsaufwand, wie ich ihn momentan betreibe, kann ich mir auf kürzeren Wettkampfstrecken wahrscheinlich viel intensivere Erfolgserlebnisse verschaffen.
Dem einen liegt es mehr, sich auf 10k um 10s zu verbessern, der andere zählt lieber seine Marathons :wink: Ich laufe gerne Halbmarathon bis Marathon, weil ich mich bei den Wettkampfschwindigkeiten am wohlsten fühle. Tempo, aber noch im grünen Bereich - ja ich weiss, ich bin ein Weichei :nick:
Alles über Marathon ist dann für mich derzeit Spasslauf.
Denn die schiere Distanz ist für mich längst nicht (mehr) alles, was zählt. Und die Freuden des Alltags, all diese vielen kleinen Erfolgserlebnisse aus dem Training, die sich von Woche zu Woche verbessernden Zeiten, sind ja auch nicht zu vernachlässigen.
das ist für mich sowieso das wichtigste! Und wenn du diese Einstellung zum Training hast, sind die paar Wettkämpfe zum Gesamtlaufvolumen doch schon fast egal.

Gruss,
Jens

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Ich finde den Artikel ziemlich zutreffend. Aber was nützt dir das?
Du wirst schon selber herausfinden müssen, ob Marathon deine Distanz ist. Und ich denke, du solltest dir dafür mindestens 3 Versuche geben, bevor du dir eine Meinung bildest. Im Übrigen schließt das eine ja das andere nicht aus. Ich bin auch immer gerne 10 Km oder HM gelaufen.
"If I had no sense of humor, I would long ago have committed suicide." (Gandhi)

Der Marathon - Als Wettkampf zu kurz!

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Um mal ein ganz anderes Licht auf die Wettkampflänge zu werfen: Je länger, desto unberechenbarer!

Einen 10er kann man wohl aus Trainingseinheiten wie 8*1000 Meter relativ gut vorhersagen. Beim Marathon gibt es dann schon mehr Leute, die ihr berechnetes Ziel deutlich verpassen. (z.B. Vorleistung Halbmarathon 1:30 -> Marathon 3:10 ist halt kein Selbstgänger.) Und auf längeren Strecken wird es noch krasser, glaube ich. So kann ich für meinen anstehenden Ultra im Sommer noch überhaupt nicht abschätzen, ob ich 13 oder 17 Stunden brauchen werde oder ob ich überhaupt die Strecke schaffe.

Ich finde es schön so. Man muss sich wirklich zielgerichtet vorbereiten. Und der Schuss muss sitzen. Nicht so beliebig wie ein 10er, wo man schon eine oder zwei Wochen später eine zweite Chance hat, noch mal anzugreifen.

Grüße
Jan

*** Ironman Regensburg 2010 ***
*** Ironman Hawaii 2010 ***

Mythos Marathon

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Ich bin kein geborener Marathonläufer (von der Statur zu kräftig/ zu viel Gewicht und eher schnellkräftig) und meine Zeiten auf den Unterdistanzen sind relativ besser als im Marathon.
Ich mache auch lieber ein knackiges 10 x 400m als einen 35er mit Endbeschleunigung, aber ersterer bringt mir für den M längst nicht so viel wie letzterer.

Und: Marathon ist halt Marathon! DIE Distanz im Langstreckenlauf schlechthin, ein Mythos!

Joe
Mein Flow ist mein Ziel!

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Ach ja, die Running Times. Ich habe sie mal als „ähnlich wie die Runner's World, aber für Läufer“ beschrieben, war dann aber, als ich sie gekauft hatte, doch nicht so begeistert.
aghamemnun hat geschrieben:Mich würde mal interessieren, wie das für Leute mit Marathonerfahrung in der Rückschau aussieht und was Ihr zu dem Artikel so meint.
Das meiste, das in dem Artikel steht, halte ich für offensichtlich richtig. Wie ich in dem Licht nun meine eigene Laufkarriere rückblickend bewerten würde, ist schwieriger und würde eine längere Antwort erfordern als zu schreiben ich jetzt Zeit habe. Ein paar Stichpunkte dazu:
  • Ich fand es schon immer richtig, dass ich zumindest nicht mehr als einen Marathon im Jahr gelaufen bin, und die kürzeren Distanzen waren mir auch immer wichtig.
  • Ich denke, dass ich von 5000m bis Marathon ziemlich gleichwertige PBs habe. Die im Marathon ist mir wahrscheinlich die liebste, aber nur deshalb, weil ich da mein Ziel erreicht habe, dafür aber mehr als einen Versuch brauchte. Es war ein tolles Rennen *g*
  • Meine Marathon-PB bin ich mit 4500km im Jahr gelaufen, und das habe ich nie für viel gehalten. Ich war der Meinung, um mich noch zu verbessern, müsste ich auch mehr laufen, aber dazu kam es nie.
  • Die im Artikel erwähnte disziplinierende Wirkung der Angst vor der Distanz kenne ich. Ob ich auf den kürzeren Distanzen mehr erreicht hätte, wenn ich die Energie, die ich auf den Marathon verwandt habe, auf diese verwandt hätte?
Ich glaube auch, dass es viele Läufer gibt, die meinen, ihr Training für den Marathon zu optimieren, in Wirklichkeit aber nur ihre Schnelligkeit nicht entwickeln und daher auch im Marathon unter ihren Möglichkeiten bleiben. Andererseits habe ich auch noch keine abschließende Meinung dazu, warum meine Zeiten auf den kürzeren Distanzen früher stagniert sind als ich erwartet hatte.

Gruß

Carsten

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aghamemnun hat geschrieben:
Als Kriterium für einen erfolgreichen Wettkampf und damit auch für ein sinnvolles Training ist mir wichtig, wie überzeugend ich dabei meine Grenzen auslote und mein Potential umsetze.
Das wirst du nirgendwo so sehr herausfinden wie bei (d)einem ersten Marathon.
aghamemnun hat geschrieben:
Aber ich weiß eben noch nicht, ob der Marathon wirklich mein Ding werden wird.

das wirst du nicht durch das Lesen von solchen Ergüssen herausfinden sondern nur dadurch, dass du es auprobierst.

Ist es wirklich nicht "dein Ding", dann hast du das mit recht weinig Aufwand herausgefunden und kannst dich in Zukunft auf andere, kürzere Strecken konzentrieren.

Ist es "dein Ding", dann ist es möglicherweise der Start für eine wundervolle, aber gelegentlich auch frustrierende und öfter mal schmerzhafte neue Lauferfahrung für dich.

Im Übrigen schließe ich mich Jan's Meinung an: die richtige Herausforderung fängt jenseits der Marathondistanz an :D .

Viel Spaß weiterhin beim Training!

Walter
You can only fail if you give up too soon

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viermaerker hat geschrieben:Das wirst du nirgendwo so sehr herausfinden wie bei (d)einem ersten Marathon.
Nein. Der erste Marathon ist doch nur ein Versuch, bei dem man mit Sicherheit unter seinen Möglichkeiten bleibt, weil man entweder zu optimistisch oder zu vorsichtig war.
"If I had no sense of humor, I would long ago have committed suicide." (Gandhi)

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Nach 4 Marathons wußte ich, daß ich kein Marathonläufer bin. Ein optimales Training mit genügend langen Läufen in der Vorbereitung war/wäre mir zu aufwändig. Ohne kann man zwar die Strecke schaffen, aber nicht sein Potential ausschöpfen. Dann also lieber konsequent verzichten.

Gruß Rono

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Marathon ist aufgrund der erwähnten relativen Unberechenbarkeit also mehr Abenteuer bzw. Erlebnis (für mich als Lusche) als ein 10er WK.

Aber ist das schlimm ?

Das minimale Marathonpensum hat dabei aber zu schönen Verbesserungen im 10er geführt :D .

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WinfriedK hat geschrieben:Nein. Der erste Marathon ist doch nur ein Versuch, bei dem man mit Sicherheit unter seinen Möglichkeiten bleibt, weil man entweder zu optimistisch oder zu vorsichtig war.

Seh ich auch so. Und ich kann nach dem ersten Marathon daher auch die Frage, ob das nun mein Ding ist nach wie vor nicht beantworten. Obwohl mir die reine Bewältigung der Strecke im Vergleich mit meinen Mittrainierern verhältnismäßig leicht gefallen ist, steckt man doch erstmal eine ganze Menge Aufwand in diesen Aspekt. Und erst wenn man diesen Aspekt 'abgehakt' hat, kann man sich um das richtige Tempo kümmern. D.h. ich gehe davon aus, dass ich noch deutlich mehr als einen Versuch brauchen werde (bzw. würde), um auch nur annähernd zu wissen, wo denn meine Möglichkeiten liegen. Andererseits kann man diese Versuche auch nicht beliebig dicht hintereinander machen und kann sich daher in der Vorbereitung auf die Versuche deutlich weniger 'Störungen' leisten als für küzere Strecken.

Meine spontane Meinung nach dem ersten Marathon war daher auch dass das Aufwands-Ertragsverhältnis zumindest auf meinem Leistungsniveau genaugenommen nicht stimmt. Woraus man natürlich nicht unbedingt folgern muss, dass man so etwas nicht mehr macht, aber wenn es um das optimale Ausreizen der eigenen Möglichkeiten geht, sind Strecken, die man jederzeit laufen kann sicher die bessere Alternative.

tina

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Hennes hat geschrieben:Marathon laufen kann nicht jeder!
Neiiiin! Nicht schon wieeeeeeeder!
steilkueste hat geschrieben:Je länger, desto unberechenbarer! (...) Man muss sich wirklich zielgerichtet vorbereiten. Und der Schuss muss sitzen.
Ein gewisser Widerspruch ist das natürlich schon. Trotz aller guten Vorbereitung bleibt eben doch noch vieles unberechenbar, z.B. weil die meisten einen Marathon nicht einfach mit Bordmitteln laufen können, sondern unterwegs nachfassen müssen. Der Artikel spricht diese Unwägbarkeiten ja nebenher auch an: "An einer Startlinie zu stehen, nicht zu wissen, ob man das Ziel erreicht, und dann tatsächlich anzukommen, ist ein überwältigendes Erlebnis." Wer weiß, vielleicht sind es ja gerade diese Grenzen der Machbarkeit und Planbarkeit, die ich eines Tages als den eigentlichen Reiz der Veranstaltung entdecken werde. Mal sehen.
CarstenS hat geschrieben:Ob ich auf den kürzeren Distanzen mehr erreicht hätte, wenn ich die Energie, die ich auf den Marathon verwandt habe, auf diese verwandt hätte?
Guter Punkt. Ich erlebe z.Z. auch, daß mir die schnellen Einheiten leichter von der Hand gehen als noch vor ein paar Monaten, und das liegt bestimmt auch an der breiten Basis, die ich jetzt gerade im Grundlagenbereich legen muß. Und das scheint nicht nur im physischen Sinn zu gelten: Für wirklich schnelle Intervalle braucht man anscheinend auch eine gewisse mentale Härte - und die hole ich mir jetzt sonntags über 32-35 Zeitlupen-km, für die ich mir eigens einen ganz besonders sterbenslangweiligen Parcours rausgesucht habe. :teufel:
viermaerker hat geschrieben:Das wirst du nirgendwo so sehr herausfinden wie bei (d)einem ersten Marathon.
Das sehe ich nun eher so wie Winfried. Erst mal ankommen und dann weitersehen. Bisher bin ich immer eher defensiv an Wettkämpfe herangegangen, und das hat sich am Ende jedes Mal bewährt. Beim nächsten Versuch lasse ich es dafür eben gleich ein wenig flotter angehen.
die richtige Herausforderung fängt jenseits der Marathondistanz an.
Und worin besteht die?

Auf jeden Fall schon mal vielen Dank für die vielfältigen Rückmeldungen. Deutlich geworden ist mir dabei bisher vor allem, daß der Reiz der Unberechenbarkeit, der in dem Artikel nur im Vorbeigehen angesprochen wird, wohl von viel größerer Bedeutung ist, als dem Autor (und mit ihm vielen der ambitionierten Läufer, an die er sich wendet) bewußt ist. Im Gegensatz zum normalen Alltag, in dem alles immer zur ordentlich zu funktionieren hat, bietet so ein Marathon mehr als jede sog. Unterdistanz die Chance, auch mal aus dieser Mühle auszubrechen und zwar eine gewissenhafte Vorbereitung zu betreiben, aber trotzdem einen erheblichen Teil des Gelingens dem Zufall überlassen zu dürfen und sich hinterher um so mehr zu freuen, wenn es geklappt hat. Ist es das?
Дуа кинум йах иди, ту пуц ца бофт тар ту-хез йатов̌!

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aghamemnun hat geschrieben: Im Gegensatz zum normalen Alltag, in dem alles immer zur ordentlich zu funktionieren hat, bietet so ein Marathon mehr als jede sog. Unterdistanz die Chance, auch mal aus dieser Mühle auszubrechen und zwar eine gewissenhafte Vorbereitung zu betreiben, aber trotzdem einen erheblichen Teil des Gelingens dem Zufall überlassen zu dürfen und sich hinterher um so mehr zu freuen, wenn es geklappt hat. Ist es das?

Und genau dafür muss man tatsächlich der Typ sein. Ich hatte das Gefühl, dass es mich eher belastet, so sehr vom Glück oder Zufall oder wasauchimmer abhängig zu sein. Obwohl alles gut gegangen ist. Denn irgendwie fällt es mir jetzt schwer, das als eigenen Verdienst zu sehen.

tina

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Ich halte das für einen sehr interessanten Artikel.

Vorweg: ich bin noch nie einen Marathon gelaufen. Meine größte Strecke im Training waren bisher 38,5 km.

Aber exakt die Frage wie sie in dem Artikel gestellt wird, habe ich mir im verganenen Jahr gestellt.

Mein persönliches Ergebnis: ich werde mit Sicherheit einen oder zwei Marathons laufen. Einfach für mich. Ohne Ambitionen. Aber der Marathon, das weis ich schon jetzt im Vorfeld, wird nie meine Distanz werden.
Ich weis auch schon jetzt, daß mich nicht dieses berühmt-berüchtigte "Marathonfieber" erfassen wird. Das hat mehrere Gründe.
Erstens sind mittlerweile die Marathons eine Großveranstaltung mit einem, für meinen Geschmack, sehr seltsamen Auftritt nach außen. Der Kommerz schlägt mittlerweile sehr stark durch.
Zweitens sind mir die meisten Marathons einfach zu groß. In diesem Punkt ist natürlich jeder anders. Ich persönlich habe keinen Genuß dabei, wenn tausende von Läufer mit an der Startlinie stehen. Das bedeutet für mich nur Streß und macht jeden Spaß zunichte.
Ein weiterer Punkt: Bei mir persönlich hängt im Hintergrund auch immer "die Zeit" beim Marathon als Damoklesschwert über meinem Kopf. Aber über eine solche Distanz will ich mir diesen zusätzlichen Streß nicht antun. Ich bewundere alle die diesen "Zeitgedanken" komplett ablegen können - ich kann es leider nicht (obwohl ich wirklich eine lahme Ente bin).

Als mein persönliches Ergebnis bei diesen Überlegungen ist herausgekommen: der Halbmarathon wird meine Strecke sein, der ich (im Wettkampf) den absoluten Vorrang geben werde. Das ist eine Distanz die einfach sehr angenehm ist und die den Körper nicht so sehr belastet.

Allerdings habe ich auch Vorstellungen jenseits des Marathons, diese jedoch nicht auf Wettkampfebene.
Ich kann mir schon vorstellen so wie andere Radtouren machen, eben Lauftouren zu machen. Morgens los mit einem Laufrucksack "bewaffnet" die Umgebung erkunden.
Das ist mein langfristiges Ziel auf dessen Umsetzung (auch wenn es noch lange dauern wird) ich mich schon jetzt freue.
Liebe Grüße

Chris

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aghamemnun hat geschrieben:
Und worin besteht die?
Zu verstehen das Marathon nur ein Wort ist, nur eine Strecke...mehr nicht. Im Gefühl vieler Läufer ist Marathon ein Mythos, das Ende und danach hört irgendwie die Vorstellungskraft auf. Ging mir nicht anders. Ist es aber nicht. Es ist nur ein Wort.
„Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein!“
(Philip Rosenthal)

Hängt von der Anzahl ab

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Das ist ein bedenkenswerter Artikel. Allerdings ist er aus der Perspektive eines 26maligen Marathonfinishers geschrieben. Bei dieser Häufigkeit des Erlebnisses Marathon ist der Reiz des Neuen wohl endgültig verflogen, und wenn man dann noch auf der Jagd nach der PB ist, wird es in der Tat recht trainingsaufwändig.
Für die ersten fünf Marathons würde ich mir solche Gedanken nicht machen, sondern so engagiert trainieren, wie es mir möglich ist und dann das Abenteuer erleben. Um das mal ein bisschen mit eigenen Erfahrungen zu illustrieren: Ich schaffe selten mehr als 60 km / Woche, auch in absoluten Spitzenzeiten. Trotzdem laufe ich gerne Marathon und versuche jedesmal, aus den begrenzten Möglichkeiten das Optimum herauszuholen. Wenn das klappt, bin ich hoch zufrieden. Beispielsweise konnte ich 2010 wegen Arbeit, Familie und Verletzung nur sehr eingeschränkt für Münster trainieren. Ich hab mich nach H. Steffny 3:45 Plan gerichtet und bin konsequent auf einen negative split hin gelaufen. Das hat dann auch mit netto knapp unter 3:45 (Split: - 1:40) wunderbar geklappt. Dieser, mein elfter, Marathon ist mir trotz der recht bescheidenen Zeit einer der liebsten, weil die Umsetzung des (mir möglichen) Trainings im Wettkampf optimal gelungen ist.
Was folgt daraus für Aghamemnun? Plan abarbeiten, Marathon laufen, zwei Wochen regenerieren und dann Bilanz ziehen.
Viel Spaß dabei

Brennberg

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Für mich ziemlich irrelevant..

Ich laufe nicht, um auf irgendeiner beliebigen Strecke mein Leistungsmaximum zu erreichen. Ich gewinne sowieso nicht und ob ich mich um 2' auf 10 km oder um 5' auf dem Marathon verbessere, dient daher höchstens meinem Ego.
Deshalb stehen andere Gründe für mich im Vordergrund, warum ich laufe.
Neue Laufabenteuer im Blog

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19joerg61 hat geschrieben:Für mich ziemlich irrelevant..

Ich laufe nicht, um auf irgendeiner beliebigen Strecke mein Leistungsmaximum zu erreichen. Ich gewinne sowieso nicht und ob ich mich um 2' auf 10 km oder um 5' auf dem Marathon verbessere, dient daher höchstens meinem Ego.
Deshalb stehen andere Gründe für mich im Vordergrund, warum ich laufe.
:daumen: :daumen: :daumen: :daumen:
Liebe Grüße

Chris

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viermaerker hat geschrieben: Im Übrigen schließe ich mich Jan's Meinung an: die richtige Herausforderung fängt jenseits der Marathondistanz an :D .
Für manche vielleicht. Für andere gehört das eher zu den Selbstbeweihräucherungstendenzen mancher Ultraläufer. Für andere ist die Herausforderung eben eher, eine gewisse Strecke schnell zu laufen, als eine Strecke überhaupt zu bewältigen.

Was soll die große Herausforderung an 50 km im Vergleich zum M. im sein? Die kann wohl fast jeder aus einem ambitionierten Marathontraining einigermaßen laufen ...
WinfriedK hat geschrieben:Nein. Der erste Marathon ist doch nur ein Versuch, bei dem man mit Sicherheit unter seinen Möglichkeiten bleibt, weil man entweder zu optimistisch oder zu vorsichtig war.
Oder weil man noch nicht genug trainieren konnte oder wollte oder nicht wusste wie es geht. Aber du hast recht, der erste Versuch ist üblicherweise suboptimal, es gibt viele mögliche Gründe dafür.
Einer ist vielleicht auch, dass ein voll gelaufener Marathon ein Mentaltraining für den nächsten Marathon ist - und das hat man beim Debut eben noch nicht gemacht.
Corruptor hat geschrieben:Zu verstehen das Marathon nur ein Wort ist, nur eine Strecke...mehr nicht. Im Gefühl vieler Läufer ist Marathon ein Mythos, das Ende und danach hört irgendwie die Vorstellungskraft auf. Ging mir nicht anders. Ist es aber nicht. Es ist nur ein Wort.
Mich wundert, dass es dir als sehr talentiertem Läufer so ging. War dir nicht immer klar, dass du den Marathon und auch die 50k durchziehen kannst?
Meine Wenigkeit ist ja deutlich langsamer, aber ich brauchte nur einen 30k WK um mir gut vorstellen zu können, die letzten 12,2k auch noch abzureissen ...

Natürlich ist der Mythos fast nur auf der Legende, eben dem antiken Mythos, begründet und hat mit der Strecke wenig zu tun. Es gibt aber auch ganz reale Anhaltspunkte, warum manche Strecken schwer optimal zu laufen sind.

Beim Marathon ist es imo der Energiemix aus Fett und KH, der das Training dafür relativ schwierig macht, gerade bei schnelleren Läufem mit ambitionierten Zielen (ein Marathon in 4,5 h entspricht vom Energiemix eher einem kürzeren Ultra).
Beim 100km Lauf ist das Training dagegen in gewisser Hinsicht einfacher zu optimieren, weil der Energiemix deutlich fettlastiger und die Intensität geringer ist. Dafür mag der WK mental schwierieger sein oder eine andere Mentalität fordern.

Es gibt aber auch viel kürzere Strecken, die auf ihre Art sehr schwierig sind, wie die 800m, bei denen eine heftige Mischung aus enormen Sprintqualitäten und recht großer Ausdauer benötigt wird, oder die 400, bei der das Anfangstempo für optimale Resultate auf auf ersten 200 fast auf 0,1 Sekunden genau dosiert werden muss ... für mich persönlich sind auch z. B. 10000m sehr schwierig, (leider deutlich) über 30', viel zu lang bei relativ hoher Intensität.

Mythos 400m? Mythos 800m? Mythos 10000m? :confused:

Imo muss man aber nicht von Mythos sprechen, nur weil eine Strecke oder Disziplin ihr Tücken hat. Stabhochsprung: Der Wind passt, und du springst Rekord. Eine Windbö im Rücken, und du unterläufst den Stab und verletzt dich vielleicht. Ein plötzlicher Gegenwind, und du "verhungerst" in der Luft. Nebenbei muss man ein guter Sprinter, Springer und Turner sein. Deswegen immer vom Mythos Stabhochsprung sprechen?

Der große Unterschied zu den kürzeren Disziplinen ist: Die kann man recht gefahrlos öfter sehr nah am Maximum absolvieren als den (voll gelaufenen) Marathon.
Olympische Sommerspiele sind nur alle 4 Jahre. Deswegen zählt ein Olympiasieg für die meisten viel mehr als ein WM-Titel, den es alle 2 Jahre gibt. und es steckt auch hier der antike Mythos drin. Ein befreundeter Marathonläufer hat mal gesagt: "Der Marathonlauf ist das Olympia des Hobbysportlers". Weil der M. eines der wenigen Ziel ist, die Läufer dazu bringt, ein halbes Jahr oder gar länger sehr viel für dieses Ziel zu tun.

gruß

C.

"If a man coaches himself, then he has only himself to blame when he is beaten."
- Sir Roger Bannister

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19joerg61 hat geschrieben:Ich laufe nicht, um auf irgendeiner beliebigen Strecke mein Leistungsmaximum zu erreichen. Ich gewinne sowieso nicht und ob ich mich um 2' auf 10 km oder um 5' auf dem Marathon verbessere, dient daher höchstens meinem Ego.
Deshalb stehen andere Gründe für mich im Vordergrund, warum ich laufe.
Und die dienen nicht deinem Ego? Oder nur auf andere Weise? :confused:

SCNR

C.

"If a man coaches himself, then he has only himself to blame when he is beaten."
- Sir Roger Bannister

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Ich persönlich habe einfach Spaß daran bei längeren Volksläufen und Wettkämpfen mitzulaufen. Warum? Ganz einfach. Als Schauläufer will man das drumherum länger genießen und die lanfschaftlich schönsten Läufe sind oftmals lang und eben nicht eben, z.B. Bergläufe, Trails usw. Und das Schönste: Ich kann durch die Höhenmeter meine Distanzzeiten verschiedener Läufe nur bedingt oder gar nicht miteinander vergleichen.
Natürlich taugen solche Läufe auch nicht um anderen mit meinen Zeiten zu imponieren. Herrlich. Ich genieße es für mich selbst meine läuferischen Grenzen in Bezug auf die Laufdauer auszuloten, weil es für mich faszinierend ist in Laufberichten hier zu lesen wozu der menschliche Körper in der Lage ist.

Das Drumherum zählt für mich mindestens genauso wie meine persönliche Leistung (unabhängig vom Erfolg).

Grüßle Klaus
13.04. 12h Lauf Grüntal
14.04. LIWA-Mara
27.04. Tri-speck 69 km 1100 hm
28.04. Ditzinger Lebenslauf
05.05. Trolli-Mara
11.05. Albtraum 115 k 3000 hm
06.07. Heuchelbergtrail 50 k
28.07. Schönbuch Trophy 47, k 1300 hm
17.08. 100 M Berlin

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aghamemnun hat geschrieben:Trotz aller guten Vorbereitung bleibt eben doch noch vieles unberechenbar, z.B. weil die meisten einen Marathon nicht einfach mit Bordmitteln laufen können, sondern unterwegs nachfassen müssen.
Die Energieversorgung beim Marathon ist zwar nicht unwichtig, wird aber immer wieder sehr überbewertet, was möglicherweise auch eine Folge davon ist, dass man mit Spezialnahrung ganz gut Geld verdienen kann, also eine Folge der Kommerzialisierung des Mythos Marathon.

Einen älteren Bekannten habe ich letzten Sommer mal auf dem Sportplatz getroffen, es war recht warm und sonnig, wir waren schon ein paar Stunden da (als Trainer). Er ungefähr so zu mir "ich hab noch nix getrunken seit ich hier bin. Ich bin Marathon unter 2:30 gelaufen ohne was zu trinken, wieso soll ich jetzt was trinken?" Das die Zeiten stimmen weiß ich, ich hab die alten Listen. Ob er damals wirklich nix getrunken hat, weiß ich natürlich nicht. Die Geschichte ist eben ein Beispiel dafür, dass sich viele Läufer früher weniger Gedanken um unwichtigere Dinge gemacht haben, dafür aber mehr und schneller gelaufen sind.

Aber je schneller man im M. unterwegs ist, desto weniger kann man an Energie nachtanken. Man probiert halt vorher mal was aus, was man verträgt (am besten bei einem Trainingslauf im MRT) und dann nimmt man das im WK. Also die Nahrungsaufnahme wird oft überbewertet, es geht ums laufen, nicht um ein Picknick. Besser nur Wasser trinken und das gut vertragen, dafür etwas weniger Energie zur VErfügung haben, als irgendwas zu nehmen, weswegen man das Rennen aufgeben muss.

aghamemnun hat geschrieben: Und das scheint nicht nur im physischen Sinn zu gelten: Für wirklich schnelle Intervalle braucht man anscheinend auch eine gewisse mentale Härte - und die hole ich mir jetzt sonntags über 32-35 Zeitlupen-km, für die ich mir eigens einen ganz besonders sterbenslangweiligen Parcours rausgesucht habe. :teufel:
Für die Schnelligkeit brauche ich diese mentale Härte nicht, aber für den Umfang der schnellen Einheiten. Nach einem Urlaub in den Bergen mit langen Wanderungen fand ich 10 Wdh auf einmal wenig. Der von dir beschriebene Effekt ist imo zumindest bei einigen wirklich da und wichtig.
aghamemnun hat geschrieben: Im Gegensatz zum normalen Alltag, in dem alles immer zur ordentlich zu funktionieren hat, bietet so ein Marathon mehr als jede sog. Unterdistanz die Chance, auch mal aus dieser Mühle auszubrechen und zwar eine gewissenhafte Vorbereitung zu betreiben, aber trotzdem einen erheblichen Teil des Gelingens dem Zufall überlassen zu dürfen und sich hinterher um so mehr zu freuen, wenn es geklappt hat. Ist es das?
Bei guter Vorbereitung und guten Bedingungen am Renntag ist ein Marathon meist relativ gut vorhersehbar.

Der Fehler, den viele machen, ist, dass sie das Laufen als Wunschkonzert sehen und sich eine Marathonzeit wünschen und so anlaufen, anstatt wirklich eine vernünftige Abschätzung der Möglichkeiten und der eigenen Leistungsstärke vorzunehmen. Und seriöse Abschätzung heißt nicht nur, die 10km- oder HM-Zeit in irgendeinen Laufzeitenrechner im Internet einzugeben. Da muss man sich schon etwas mehr Gedanken machen. Ich habe einige Marathonvorbereitungen mitbekommen oder als Trainer mitgestaltet, bei denen am Ende sehr genau das rauskam, was erwartet und angestrebt wurde. Dafür muss man sich aber ein realistisches Ziel setzen und auch am Renntag nur das laufen wollen, was bei den Bedingungen möglich ist.

Natürlich gibt es auch Fälle in denen das anders ist. Da sind aber die Schwierigkeiten oder Mängel in der Vorbereitung oder die Fehler am Renntag oft relativ leicht zu ermitteln - zumindest im Nachhinein. :teufel:

Und - zugegeben - es gibt auch Fälle, bei denen selbst bei sorgfältiger Analyse noch im Dunkeln bleibt, warum Erwartung und Ergebnis so weit auseinander klafften. Die sind imo aber nicht so extrem häufig, dass man den M. als Glücksspiel bezeichnen könnte.
Und im Gegensatz zum Glücksspiel wird der Marathon für die meisten beim zweiten, dritten oder vierten Versuch berechenbarer - beim Roulette ist die Chance für die 0 jedes mal 1/37. :zwinker2:

Gruß

C.

"If a man coaches himself, then he has only himself to blame when he is beaten."
- Sir Roger Bannister

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Corruptor hat geschrieben:Im Gefühl vieler Läufer ist Marathon ein Mythos, das Ende und danach hört irgendwie die Vorstellungskraft auf. Ging mir nicht anders. Ist es aber nicht. Es ist nur ein Wort.
Das habe ich längst begriffen, auch ohne die Strecke gelaufen zu sein. Ich habe das Gefühl, die Attraktion liegt für viele, die ich davon habe erzählen hören, mindestens so sehr im Eventcharakter wie in der sportlichen Herausforderung. Auch das habe ich witzigerweise in dem Artikel wiedergefunden. Das will ich auf keinen Fall kleinreden. Erlaubt ist, was gefällt, und so halte ich es ja schließlich auch.
19joerg61 hat geschrieben:Ich laufe nicht, um auf irgendeiner beliebigen Strecke mein Leistungsmaximum zu erreichen. Ich gewinne sowieso nicht und ob ich mich um 2' auf 10 km oder um 5' auf dem Marathon verbessere, dient daher höchstens meinem Ego.
Deshalb stehen andere Gründe für mich im Vordergrund, warum ich laufe.
Bei Wettkämpfen trete ich durchaus mit gewissen Ambitionen an. Spaß an der Freude habe ich ja alle Tage im Training. Z.B. ist es schön, aus dem Stand ohne Probleme einen Aktionsradius jenseits der 30 km zu haben und dann im Urlaub im munteren Trab die Gegend erkunden zu können.
DerC hat geschrieben:Die Energieversorgung beim Marathon ist zwar nicht unwichtig, wird aber immer wieder sehr überbewertet, was möglicherweise auch eine Folge davon ist, dass man mit Spezialnahrung ganz gut Geld verdienen kann, also eine Folge der Kommerzialisierung des Mythos Marathon.
Vielleicht mal ein Beispiel für das, was ich sagen wollte: Mein Bruder ist eigentlich eine Sportskanone. Nicht nur im Vergleich zu mir, sondern auch absolut. Er legt sehr respektable Ironman-Zeiten hin, und von seinen HM-Leistungen kann ich auch nur träumen. Gemessen daran sind seine Marathonleistungen eher bescheiden. Das liegt bei ihm daran, daß er beim Laufen nichts verträgt. Ein bißchen Wasser geht gerade so rein, alles andere kann er nicht bei sich behalten, so daß er immer (für seine Verhältnisse) auf Sparflamme laufen muß, um seine Glykogenvorräte und Flüssigkeitsreserven zu schonen.

Aber ich sehe ein, daß ich mich zu diesem Thema erst post festum halbwegs kompetent (und auch dann nur sehr subjektiv) werde äußern können.
Für die Schnelligkeit brauche ich diese mentale Härte nicht, aber für den Umfang der schnellen Einheiten.
Kann ich gut verstehen. Ich brauche sie ja auch eher für den Umfang, wenn auch eher bei den langsameren Läufen. Und natürlich für die ewig lange Vorbereitung. Schade, daß es noch so lange hin ist.
Дуа кинум йах иди, ту пуц ца бофт тар ту-хез йатов̌!

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Nur mal zu den KHen: Meinen zweitbesten Marathon bin ich nur mit Wasser gelaufen. Es war immerhin eine 2:40.

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aghamemnun hat geschrieben: Vielleicht mal ein Beispiel für das, was ich sagen wollte: Mein Bruder ist eigentlich eine Sportskanone. Nicht nur im Vergleich zu mir, sondern auch absolut. Er legt sehr respektable Ironman-Zeiten hin, und von seinen HM-Leistungen kann ich auch nur träumen. Gemessen daran sind seine Marathonleistungen eher bescheiden. Das liegt bei ihm daran, daß er beim Laufen nichts verträgt. Ein bißchen Wasser geht gerade so rein, alles andere kann er nicht bei sich behalten, so daß er immer (für seine Verhältnisse) auf Sparflamme laufen muß, um seine Glykogenvorräte und Flüssigkeitsreserven zu schonen.
Das liegt sehr wahrscheinlich nicht nur daran, sondern auch am Training. Viele Läufer denken leider die spezifischen und wichtigsten Einheiten für den Marathon wären lang und langsam - das reicht vielleicht auch, wenn man nur langsam durchkommen möchte.
Aber "lang und langsam" ist nur die Voraussetzung für "lang und schnell". Und spezifische Einheiten für den Marathon verbinden "lang" mit "schnell"

Dein Bruder muss möglicherweise lernen, beim Marathontempo weniger Glykogen zu verbrauchen und mehr fett. Dafür gibt es Einheiten wie 4-5*5km MRT, 20-30k bei 100% MRT, 15k zügig + 15k MRT usw.
Wenn er einen Plan befolgt, der solche Mittel gut integriert, kann er sich wahrscheinlich auch nur mit Wasser noch weiter verbessern.

Möglicherweise geht er auch einen Irrweg mancher Triathleten, die denken, man müsste nicht so lang und auch nicht "lang und schnell" laufen, weil man den FSW ja auf dem Rad trainiert hätte. Das funktioniert aber offensichtlich nicht immer so gut. Im Training für den Marathon und längere Distanzen kann man Laufen deutlich schlechter durch anderes Ausdauertraining ersetzen als im Training für deutlich kürzere Distanzen.

Es geht bei langen Läufen ja bei weitem nicht nur um den FSW, sondern auch um das muskuläre und mentale Training. Manche TriathletInnen könnten sicher von mehr und längeren Läufen profitieren. Die derzeit mit Abstand beste Triathletin der Welt, Chrissie Wellington, läuft afaik deutlich mehr als in vielen gängigen Triathlon-Plänen angegeben ist. U. a. deshalb ist sie im Marathon am Ende der Langdistanz auch so gut.

Manche Triathleten sind auch auf Nahrungsaufnahme fixiert, weil der Ironman so lang ist, dass es eben sein muss und Nahrungsaufnahme gerade auf dem Rad eben auch ganz gut vertragen wird und organisiert werden kann. Im Schnitt dauert der M. eben deutlich kürzer als der IM, deswegen ist Nahrungsau8fnahme auch weit weniger wichtig.

Der Schlüssel zu besseren Marathonzeiten liegt aber mit höherer Wahrscheinlichkeit im Training als in der Nahrungsaufnahme.

Natürlich kann es auch sein, dass dein Bruder den M. nie so gut laufen wird wie kürzere Strecken. Nicht jeder ist ein Sprinttalent, nicht jeder ist ein Fußballtalent, wieso sollte jeder den Marathon genauso gut oder schlecht laufen können wie andere Strecken? :confused:
CarstenS hat geschrieben:Nur mal zu den KHen: Meinen zweitbesten Marathon bin ich nur mit Wasser gelaufen. Es war immerhin eine 2:40.
Und das ist Wasser auf meinen Mühlen. Es geht - möglicherweise nicht für alle. Ich würde es beim nächsten mal jedenfalls auch nur mit Wasser probieren.

Gruß

C.

"If a man coaches himself, then he has only himself to blame when he is beaten."
- Sir Roger Bannister

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Vielleicht sollte ich noch kurz verraten, wie die Sache schließlich ausgegangen ist.

Erstmal zum Training: Es war schließlich das Immunsystem, das meinen Ambitionen klare Grenzen gesetzt hat. Mehrmals bin ich hart am Rand eines Infekts entlanggeschrammt und mußte diverse Einheiten ausfallen lassen. Gegenüber meinem aufgebohrten 3:15-Steffny-Plan (schnellere Tempovorgaben und schnellere Steigerung auf 35 km bei den langen Läufen, zuletzt mit 10 km EB) hatte ich am Ende gut 100 km weniger auf dem Konto als vorgesehen. U.a. mußte ich den Test-HM drei Wochen vor dem heutigen Marathon sausen lassen.

Und daß Marathon nicht zuletzt Nervensache ist, weiß ich nunmehr auch. Da türmte sich ein Mythos vor mir auf, den ich bei aller Vorfreude als immer belastender empfand. Die letzte Woche litt ich unter massiven Schlafstörungen. Mir als Epileptiker haben die Neurologen von Jugend an eingeimpft, ich müsse pro Nacht mindestens 8 Stunden schlafen. Zuletzt war ich froh, wenn ich auf 2/3 dieses Pensums kam. Beim Versuch des abschließenden Carboloadings hatte ich das Gefühl, alles gehe einfach nur raus wie rein.

Und die positiven Eindrücke? Das Training hat insgesamt großen Spaß gemacht, und es war schön (nicht zuletzt fürs alternde Ego, ich geb's ja zu), die fortwährenden Leistungssteigerungen zu erleben. Diese Bilanz allein schon war der Mühe mehr als wert. Aufgrund der diversen genannten Unbillen und des Wetterberichts richtete ich mich dann schließlich auf eine Zeit um 3:20 ein.

Heute dann also der Bonn-Marathon. Als der Animateur bekannt gab, der Startschuß werde vom Bundespräsidenten abgefeuert werden, vermutete ich dahinter den Vorsitzenden eines örtlichen Bundes der anonymen alkoholfreien Karnevalisten. An der Startlinie vorbeilaufend erschien mir dann allerdings tatsächlich der Herr Wulff in höchsteigener Person.

Die Temperaturen näherten sich alsbald sehr bedenklich den 20°C. Da die Strecke weder Hochhausschluchten noch finsteren Tann zu bieten hatte, gab es Sonne pur. Lichtschutzfaktor 50 hat das Schlimmste verhindert. Ansonsten lief es sich eigentlich ganz angenehm, auch wenn ich mich nicht durchgehend so ganz im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte fühlte. Weder Thor noch Hephaistos ließen sich irgendwo blicken.

Was manche vermissen mögen, bekam mir recht gut. Es stand nicht überall ein Meer von Zuschauern an der Straße, um mit viel Getöse einen Rausch zu erzeugen, der meinem Nervenkostüm nicht unbedingt bekommen wäre - zumal mir mittendrin einfiel, daß ich vor dem Lauf im Eifer des Gefechts vergessen hatte, noch mein Antiepileptikum einzunehmen (ja, schon komisch, was manche für exotische Probleme haben). Andererseits hat es aber enorm motiviert, so massiv angefeuert zu werden. Immer wieder wurde uns Vorbeilaufenden zugerufen, wir seien "super" - und das in einem Zustand, in dem ich z.T. noch nicht einmal mehr zum Eigenlob fähig war. Was ja schon was heißen will.

Am Ende waren die (Zwischen-)Zeiten dann nach einem kleinen Endspurt so lehrbuchmäßig verteilt, wie ich mir das gewünscht hatte: Über 10-21,1-42,2 km gab es 47:48 - 1:39:49 - 3:18:11.

Fazit: Ein Marathondebüt, mit dem ich sehr zufrieden und auf das ich sogar ein wenig stolz bin.

Trotzdem ist mir der Marathon als Wettkampf eigentlich doch ein wenig lang. Zumindest als sportliches Leitmotiv für den ganz normalen Alltag. Man kann ihn eben nicht mal eben aus dem Training heraus laufen, sondern muß schon einen signifikanten Teil seiner Jahresplanung darauf ausrichten. Das führte zumindest bei mir zu einem gewissen Druck, am Stichtag auch wirklich optimal in Form zu sein. Möglicherweise kann ich das allerdings künftig entspannter sehen, jetzt wo der Marathon als solcher erst einmal entmystifiziert ist. Irgendwann werde ich es ganz bestimmt wieder tun. Aber jetzt genieße ich erstmal den sonnigen Abend.
Дуа кинум йах иди, ту пуц ца бофт тар ту-хез йатов̌!

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Herzlichen Glückwunsch!
Wirklich respektable Ziet für den Ersten.

Das mit dem "entspannter sehen" und dem genießen von sonnigen Abenden solltest Du dann als eigene Trainingseinheit integrieren
Respekt
Andreas

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Danke für die Blumen! Heute ist erstmal Wundenlecken angesagt. Immerhin komme ich mit Würde und Anstand die Treppen vorwärts runter...
Дуа кинум йах иди, ту пуц ца бофт тар ту-хез йатов̌!
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