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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zu viel Ehrgeiz???



Bruce
12.02.2006, 14:14
Hallo an die Läuferschar!

Bisher war ich in meinem noch relativ frischen Läuferleben für meinen persönlichen Anspruch erfolgsverwöhnt. Jetzt ist es aber passiert: Mein erstes "DNF" ("Did not finish", zu deutsch "Rennabbruch") bewegt mich zu einem Laufbericht. Tja - Wer Erfolge feiern kann, muss auch Niederlagen verkraften...

Heute standen die 15 km der hiesigen Winterlaufserie auf dem Plan. Nachdem der 10er so furios gelaufen war, hatte ich mir sub60 vorgenommen. Mir war klar, dass es knapp werden würde. Aber getreu meinem Benutzertitel dachte ich mir wie immer: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt."

Aber es war von Anfang an der Wurm drin. Heute morgen viel zu spät dran. Beim Frühstück gewohnte Rituale durchbrochen: Die gewohnte Brotsorte war nicht da, auch keine Banane... :motz: Lacht mich ruhig aus - irgendwie stören mich solche Kleinigkeiten. Schnell auf zum Wettkampf. Dann Umziehen im Auto. Wo war meine kurze Wettkampfhose? Mist, zu hause vergessen. Na dann eben laufen mit langer Hose... Eine halbe Stunde vor dem Start konnte endlich das Einlaufen beginnen...

...zumindest theoretisch :hihi: : Wo war der verdammte Autoschlüssel??? Aaaargh!!! Fluchendes, hektischen Suchen begann. 10 Minuten später: Das sch*** Ding befand sich unter der Fußmatte des Fahrersitzes. Wie zu Teufel ist es denn dahin gekommen? Egal, die Zeit wird knapp: Einlaufen nur noch auf dem Parkplatz möglich. Schnell noch "entwässert" und dann ab in die Startaufstellung.

Der Startschuß fiel. Es lief nicht gerade brilliant, aber akzeptabel. Den 4er-Schnitt konnte ich zunächst gehen. Dann aber wurden meine Beine schwerer. Ich begann, mich an meiner langen Laufhose zu stören :motz: . Zu allem Überfluss ging auch noch mein Schuhband auf - trotz Doppelknoten! Ist mir im Training noch nie passiert, aber jetzt hier... :nene:

Mein Freund und Pacemake "Polar" teilte mir mit, dass ich unweigerlich über die 4-Minuten-Grenze rutschte. Zwar nur leicht, aber mir war klar, dass ich im weiteren Rennverlauf in Richtung 4:10 gehen würde, so dass ein Endzeit größer 61 Minuten rauskommen würde. Das fand ich nicht mehr attraktiv. Der Entschluss zum Ausstieg reifte in mir.

Als der Kurs dann wieder ins Stadion zurückführte, hatte ich den Kaffee auf. Ausstieg bei KM7. Nominell war da noch alles im Zeitplan: Die Uhr zeigt mir 27:52 min. Das Körpergefühl war ätzend - das Gefühl auszusteigen allerdings auch...

Zu viel Ehrgeiz??? Oder hättet ihr ähnlich entschieden?


Grüße, Bruce

Ripple
12.02.2006, 14:46
Da fällt mir spontan:

"Du Baumann du"

ein.

Im Ernst, das war ja ein Murphy-Erlebnis par excellence. Wenn etwas schief gehen kann, dann geht es schief. War wohl heute so bei Dir. Das Frühstückserlebnis kann ich gut nach vollziehen. Es gibt Dinge die müssen einfach stimmen, auch wenn sie noch so nebensächlich erscheinen. Aber ich könnte mir auch unter solchen Umständen einen Ausstieg nicht vorstellen, ich glaube ich würde den Wettkampf zu Ende, d. h. ins Ziel, bringen. Allerdings war ich noch nie in so einer Situation oder habe sie nicht als solche wahr genommen.

Ciao
Michael

Van
12.02.2006, 14:49
welche relevanz hat es für dich, wie andere user entschieden hätten?

Ripple
12.02.2006, 14:57
welche relevanz hat es für dich, wie andere user entschieden hätten?

Welche Relevanz hat es für Dich zu wissen, welche Relevanz es für Bruce hat, wie andere user entschieden hätten?

Wenn hier jemand eine Frage stellt, dann ist es für mich erst ein Mal wichtiger, auf die Frage einzugehen (wenn ich mich dafür zuständig fühle) als dessen Beweggründe zu hinterfragen. So was macht auf mich immer den Eindruck, als ob die Konfrontation gesucht wird.

Ciao
Michael

pingufreundin
12.02.2006, 15:05
Ich glaube, ich kann es verstehen. Wenn ich solche Zeiten laufen würde und es mir wirklich auf die gute Endzeit ankäme, dann zu merken, das wird eh nix.
Wenn es hlat wirklich das einzige Ziel war, diese Zeit zu laufen.
Aus ähnlichen Gründen- wenn auch in völlig anderen Dimensionen- hab ich beim letzten Lauf ja auch fast aufgehört. Ich bin dann doch zu Ende gelaufen- aber eben, weil es bei mir nicht NUR um die Zeit ging sondern am Ende dann ums trotzdem Durchhalten. Im Ziel hab ich mich geärgert, dass ich den Sch... zu Ende gemacht habe.

einfach-Marcus
12.02.2006, 15:48
Moin Bruce!

Kann das gut nachvollziehen, ich habe es bei mir unter "Erfahrung" gebucht. Frühstück klappte bisher immer, aber zu knapp am Start, da dann Aufregung, kein vernünftiges Einlaufen mehr - konnte ich auch abschminken das Ding.

Aber wieso dann abbrechen? Das war feig bis faul. Da läuft man durch, und dann haste halt ne 62er Zeit stehen - Motivation für den nächsten 15er das zu toppen. Wobei ich mich da mitunter schon bei dem Gedanken ertappt habe, absichtlich langsamer zu laufen damits leicher wird die Zeit beim nächsten Versuch zu unterbieten :D

Van
12.02.2006, 16:27
Welche Relevanz hat es für Dich zu wissen, welche Relevanz es für Bruce hat, wie andere user entschieden hätten?ich find's interessant zu erfahren, wie manch einer hier (z.b du) die meinungen der anderen bewertet. aus sinn für interesse
Wenn hier jemand eine Frage stellt, dann ist es für mich erst ein Mal wichtiger, auf die Frage einzugehen (wenn ich mich dafür zuständig fühle) als dessen Beweggründe zu hinterfragen. So was macht auf mich immer den Eindruck, als ob die Konfrontation gesucht wird.ja, so ein vorurteil ist schnell gefasst.

geniesser
12.02.2006, 18:11
hi,

heute morgen erlebt: Fußballtrainer tröstet Jungen, der auf der Linie klären wollte,
-> Eigentor "Es sind die Niederlagen, die deinen Charakter formen!"
Antwort: "Ich will keinen geformten Scheißcharakter, Mann, ich will gewinnen."

Das blöde an dnfs ist: das erste ist das Einfallstor zu weiteren. Mach dir nichts draus, und denk nicht zu lange drüber nach.

HendrikO
12.02.2006, 18:17
Aber wieso dann abbrechen? Das war feig bis faul.

Blödsinn, habe ich auch schon gemacht. Wenn man sich ein bestimmtes Ziel vorgenommen hat, aber nicht mehr erreichen kann, gibt es gute Gründe, auszusteigen. Man erspart sich z.B. unnötigen weiteren Frust und kann eher wieder voll trainieren, weil man weniger Wettkampfkilometer in den Beinen hat.

MfG
Hendrik

HendrikO
12.02.2006, 18:20
Das blöde an dnfs ist: das erste ist das Einfallstor zu weiteren.

Warum? Was beim ersten mal richtig ist, kann auch beim zweiten richtig sein.

Hendrik

RalfF
12.02.2006, 18:22
Hallo Bruce,

kann ich gut nachvollziehen, denn es ging mir schon ganz genauso. Wenn es nicht läuft, sehe ich häufig auch keinen Sinn darin weiter zu machen. So passiert bei meinem 1. Marathonversuch. HM nach 1:50 h, aber dann wurde es immer langsamer. Nach 30 km hatte ich genug gesehen, eine 5 h Zeit (nach den Maßstäben, die ich an mich stelle, mehr als nur unterirdisch) wollte ich nicht in der Liste stehen haben (die wäre wohl auf jeden Fall drin gewesen). Dann lieber beizeiten Schluss. Blöd war bloß, dass der Aufwand den ich getrieben hatte relativ groß war (Anreise, Übernachtung usw.)

Viele Grüsse

Ralf

Vo2
12.02.2006, 20:11
Hallo an die Läuferschar!

Als der Kurs dann wieder ins Stadion zurückführte, hatte ich den Kaffee auf. Ausstieg bei KM7. Nominell war da noch alles im Zeitplan: Die Uhr zeigt mir 27:52 min. Das Körpergefühl war ätzend - das Gefühl auszusteigen allerdings auch...

Zu viel Ehrgeiz??? Oder hättet ihr ähnlich entschieden?


Grüße, Bruce

In meinen Augen war der Ausstieg ein Fehler. Bisher hat sich bei mir in jedem Wettkampf meines kurzen Läuferlebens mein innerer Schweinehund gemeldet.

Seine Gründe für einen Ausstieg waren vielfältig und zum Teil wirklich verführerisch. Trotzdem bringe ich jedes Rennen (Ausnahme wären wirklich schwerwiegende gesundheitliche Probleme) zu Ende.

Auch das ist eine Form von Training. Der Kampf gegen die eigene Ausrede den Lauf zu beenden.

Ein Wettkampf ist ein Wettkampf und dauert vom Startschuss bis zur Ziellinie.

schneller!
12.02.2006, 20:40
Zwei Dinge kommen mir spontan in den Sinn:

1. Wenn VOR dem Lauf schon (fast) alles schief läuft, dann sind die Voraussetzungen für einen Exploit wohl wirklich nicht günstig... Kopf hoch: Nächstes Mal hast Du die kurzen Hosen dabei und der Autoschlüssel ist da, wo er hingehört :wink:

2. Ich würde mich nicht so fest auf eine Zielzeit fixieren (bei Dir eine Stunde), sondern so, wie ich es immer mache, mindestens genauso ständig in den Körper 'hineinhören'. d.h. das Renntempo bei Notwendigkeit nach unten korrigieren.
Sogar dann, wenn ich fast sicher bin, eine bestimmte Zeit in den Beinen zu haben. Ich laufe dann nämlich auf jeden Fall lockerer. Das Rennen macht mehr Spass, weil der psychische Druck kleiner ist. Wenn der Faden aber einmal 'gerissen' ist, dann ist es praktisch unmöglich, noch dranzubleiben, v.a. weil neben der Kraft auch die Moral im Keller ist.
Ich selber habe nur ein Mal ein ähnliches Rennen aufgegeben, weil ich nicht bereit war, die Zielzeit anzupassen (war übrigens auch beim Start-Ziel-Durchlauf nach der halben Distanz!). Dieses DNF hat bei mir ein ziemlich ungutes Gefühl hinterlassen. Danach habe ich Rennen nur noch dann aufgegeben, wenn ein Weiterlaufen mir körperlich geschadet hätte (Verletzung, Uebertraining). Letzteres passierte mir noch etwa 3 Mal (in 9 Jahren), hinterlies aber nie ein schlechtes Gefühl (Vernunftsentscheid). Letzten Sommer lief ich bei einem 10 km Lauf die ersten 4km in 16 Min. Dann lief ich voll in den Hammer hinein (30° im Schatten!) und wurde nur noch nach hinten 'durchgereicht'. Es resultierte eine Endzeit von 45.30 (!). Vorgestellt hatte ich mir etwa 41 bis 42 Min... Trotzdem war ich am Ziel sehr froh, (noch) angekommen zu sein! Ich hatte zwar die letzten 4km nicht mehr 'gebissen' (meiner Form zuliebe), trotzdem war's noch recht hart.

Du wirst die Stunde wohl bald packen :daumen:

Gruss von schneller!

marathonmann
13.02.2006, 02:17
Hallo Bruce!

Bloß weil ein Rennen nicht so läuft, wie ich mir das vorher vorgestellt habe, würde ich niemals aufgeben. Ich halte solche Rennen für wertvolle Erfahrungen, die mich psychisch stärker machen.
Ich hätte an deiner Stelle die Zähne zusammengebissen und trotzdem noch das Beste aus mir heraus geholt, auch wenn es dann nur zu 62 Minuten gereicht hätte.

knie
13.02.2006, 07:10
Ich wuerde auch nicht abbrechen. Mit der Zeit wird das Abbrechen der
Wettbewerbe sonst immer einfacher, weil "es das letzte mal auch so
einfach ging". Wenn man keine Verletzung hat - finishen, wenn man nicht
so schnell ist wie geplant - finishen um zu sehen was wirklich rauskommt als
Zeit - alles andere sind Vermutungen. Wenn man dann zu langsam war kann
man was aendern und dran arbeiten, das Umgehen mit solchen Dingen
schult einen auch.

Gruesse,
Tom

Bruce
13.02.2006, 10:41
Dank euch für eure Einschätzungen! Mittlerweile habe ich alles ganz gut verdaut und sehe es sportlich. Allerdings bin ich mir nach wie vor nicht sicher, ob das richtig war.


Da fällt mir spontan:

"Du Baumann du"

ein.

Im Ernst, das war ja ein Murphy-Erlebnis par excellence. Wenn etwas schief gehen kann, dann geht es schief. War wohl heute so bei Dir. Das Frühstückserlebnis kann ich gut nach vollziehen. Es gibt Dinge die müssen einfach stimmen, auch wenn sie noch so nebensächlich erscheinen. Aber ich könnte mir auch unter solchen Umständen einen Ausstieg nicht vorstellen, ich glaube ich würde den Wettkampf zu Ende, d. h. ins Ziel, bringen. Allerdings war ich noch nie in so einer Situation oder habe sie nicht als solche wahr genommen.
Baumann ist gut... Früher habe ich auch nicht verstanden, wieso er den Marathon nicht durchgebracht hat. 2:20 (oder so ähnlich) nach Einbruch wäre doch auch eine geradezu "unmenschliche" Zeit gewesen. Aus heutiger Sicht kann ich gut verstehen, dass ein 5.000 m-Olympia-Sieger eben solche verrückten Ansprüche an sich stellt. Da muss es dann eben die 2:10 sein.

Ich hoffe, dass ich mit dieser Verkettung unglücklicher Umstände (Murphy grüßt in der Tat) mein Pech für die nächsten Läufe abgearbeitet habe. Natürlich war ich z. T. auch selber Schuld. Nächstes Mal bin ich schlauer (hoffentlich!).


welche relevanz hat es für dich, wie andere user entschieden hätten?
Meine nichtlaufenden Bekannten und Verwandten glauben, dass ich an einer Wettkampf-Läufer-Neurose leide. Da hat mich doch die Diagnose des fachkundigen Publikums interessiert. Einige hier könnnen ja die Entscheidung gut nachvollziehen. Das hat mich schon einmal beruhigt - Es sei denn, wir leiden alle an derselben Krankheit... ;-)


Ich glaube, ich kann es verstehen. Wenn ich solche Zeiten laufen würde und es mir wirklich auf die gute Endzeit ankäme, dann zu merken, das wird eh nix.
Wenn es hlat wirklich das einzige Ziel war, diese Zeit zu laufen.
Aus ähnlichen Gründen- wenn auch in völlig anderen Dimensionen- hab ich beim letzten Lauf ja auch fast aufgehört. Ich bin dann doch zu Ende gelaufen- aber eben, weil es bei mir nicht NUR um die Zeit ging sondern am Ende dann ums trotzdem Durchhalten. Im Ziel hab ich mich geärgert, dass ich den Sch... zu Ende gemacht habe.
So z. B. auch pingu: Ich bin mir eben auch nicht sicher, ob das reine Durchlaufen an sich wirklich zufriedener macht. Die Distanz an sich ist ja nicht das Problem.


Aber wieso dann abbrechen? Das war feig bis faul. Da läuft man durch, und dann haste halt ne 62er Zeit stehen - Motivation für den nächsten 15er das zu toppen. Wobei ich mich da mitunter schon bei dem Gedanken ertappt habe, absichtlich langsamer zu laufen damits leicher wird die Zeit beim nächsten Versuch zu unterbieten
Vielleicht war es feige - Motto: Wenn schon, dann auch mit wehenden Fahnen untergehen... ;-) Das Problem ist auch, dass ich aus meiner 10er-Zeit eine bestimmte Erwartung abgeleitet habe, so dass ich das Ergebnis irgendwie nicht als Herausforderung für das nächste Mal gesehen hätte. Aber die Idee mit dem absichtlich langsamer... vielleicht hilft sie mir beim nächsten Mal. Das HM-Debüt steht ja noch bevor...


heute morgen erlebt: Fußballtrainer tröstet Jungen, der auf der Linie klären wollte,
-> Eigentor "Es sind die Niederlagen, die deinen Charakter formen!"
Antwort: "Ich will keinen geformten Scheißcharakter, Mann, ich will gewinnen."
Da musste ich wirklich lachen! Klasse Antwort...


Das blöde an dnfs ist: das erste ist das Einfallstor zu weiteren. Mach dir nichts draus, und denk nicht zu lange drüber nach.

Ich wuerde auch nicht abbrechen. Mit der Zeit wird das Abbrechen der
Wettbewerbe sonst immer einfacher, weil "es das letzte mal auch so
einfach ging".
Hmm... Das ist das, was ich das „Argument der schiefen Ebene“ (wahlweise auch „des Dammbruchs“) nenne. Kann man auf jeden Fall nicht von der Hand weisen. Dennoch will ich nicht so recht daran glauben. Ich muss mir doch meine Willensstärke nicht um jeden Preis unter Beweis stellen. Das habe ich ja schon bei den vergangenen, besser gelaufenen Wettkämpfen getan.


kann ich gut nachvollziehen, denn es ging mir schon ganz genauso. Wenn es nicht läuft, sehe ich häufig auch keinen Sinn darin weiter zu machen. So passiert bei meinem 1. Marathonversuch. HM nach 1:50 h, aber dann wurde es immer langsamer. Nach 30 km hatte ich genug gesehen, eine 5 h Zeit (nach den Maßstäben, die ich an mich stelle, mehr als nur unterirdisch) wollte ich nicht in der Liste stehen haben (die wäre wohl auf jeden Fall drin gewesen). Dann lieber beizeiten Schluss. Blöd war bloß, dass der Aufwand den ich getrieben hatte relativ groß war (Anreise, Übernachtung usw.)
Ja - beim Marathon ist die Hemmschwelle sicherlich höher wegen des größeren Aufwands drumherum. Dennoch glaube ich, dass auch hier irgendwann aussteigen würde. Ich denke, das wäre der Fall, wenn eine Zeit > 4 h drohen würde. Dann hätte ich eindeutig „verzockt“. Kann auch gut verstehen, dass Du Dich in Kiel für den HM umentschieden hast. Das bringt einfach nichts, nochmal 3:45 (oder so) zu laufen. Wenn man schon ein- oder mehrere Male gelaufen ist, dann muss der nächste Versuch einfach ein vernünftig vorbereiteter sein.


In meinen Augen war der Ausstieg ein Fehler. Bisher hat sich bei mir in jedem Wettkampf meines kurzen Läuferlebens mein innerer Schweinehund gemeldet.

Seine Gründe für einen Ausstieg waren vielfältig und zum Teil wirklich verführerisch. Trotzdem bringe ich jedes Rennen (Ausnahme wären wirklich schwerwiegende gesundheitliche Probleme) zu Ende.

Auch das ist eine Form von Training. Der Kampf gegen die eigene Ausrede den Lauf zu beenden.

Ein Wettkampf ist ein Wettkampf und dauert vom Startschuss bis zur Ziellinie.

Bloß weil ein Rennen nicht so läuft, wie ich mir das vorher vorgestellt habe, würde ich niemals aufgeben. Ich halte solche Rennen für wertvolle Erfahrungen, die mich psychisch stärker machen.
Ich hätte an deiner Stelle die Zähne zusammengebissen und trotzdem noch das Beste aus mir heraus geholt, auch wenn es dann nur zu 62 Minuten gereicht hätte.
Mit dem Schweinehund kämpfe ich auch jedes Mal. Laufen am Limit ist eben hart. Wenn man das dann aushält, ist das natürlich ein tolles Gefühl. Aber Quälerei als Selbstzweck auszuhalten (Stichwort: „Schulung des Willens") - ob das sinnvoll ist? Meine Moral wurde auch dadurch untergraben, dass ich langsam aber sicher nach hinten durchgereicht wurde.


Zwei Dinge kommen mir spontan in den Sinn:

1. Wenn VOR dem Lauf schon (fast) alles schief läuft, dann sind die Voraussetzungen für einen Exploit wohl wirklich nicht günstig... Kopf hoch: Nächstes Mal hast Du die kurzen Hosen dabei und der Autoschlüssel ist da, wo er hingehört

2. Ich würde mich nicht so fest auf eine Zielzeit fixieren (bei Dir eine Stunde), sondern so, wie ich es immer mache, mindestens genauso ständig in den Körper 'hineinhören'. d.h. das Renntempo bei Notwendigkeit nach unten korrigieren.
Sogar dann, wenn ich fast sicher bin, eine bestimmte Zeit in den Beinen zu haben. Ich laufe dann nämlich auf jeden Fall lockerer. Das Rennen macht mehr Spass, weil der psychische Druck kleiner ist. Wenn der Faden aber einmal 'gerissen' ist, dann ist es praktisch unmöglich, noch dranzubleiben, v.a. weil neben der Kraft auch die Moral im Keller ist.
Ich selber habe nur ein Mal ein ähnliches Rennen aufgegeben, weil ich nicht bereit war, die Zielzeit anzupassen (war übrigens auch beim Start-Ziel-Durchlauf nach der halben Distanz!). Dieses DNF hat bei mir ein ziemlich ungutes Gefühl hinterlassen. Danach habe ich Rennen nur noch dann aufgegeben, wenn ein Weiterlaufen mir körperlich geschadet hätte (Verletzung, Uebertraining). Letzteres passierte mir noch etwa 3 Mal (in 9 Jahren), hinterlies aber nie ein schlechtes Gefühl (Vernunftsentscheid). Letzten Sommer lief ich bei einem 10 km Lauf die ersten 4km in 16 Min. Dann lief ich voll in den Hammer hinein (30° im Schatten!) und wurde nur noch nach hinten 'durchgereicht'. Es resultierte eine Endzeit von 45.30 (!). Vorgestellt hatte ich mir etwa 41 bis 42 Min... Trotzdem war ich am Ziel sehr froh, (noch) angekommen zu sein! Ich hatte zwar die letzten 4km nicht mehr 'gebissen' (meiner Form zuliebe), trotzdem war's noch recht hart.
Bei dieser Schilderung fällt mir ein vergleichbares Lauferlebnis ein, bei dem ich auch kurz vorm Aussteigen war: Ein 10er bei großer Hitze (mein zweiter WK überhaupt), 10 Tage vor dem Marathon. Damals bin ich nur nach Gefühl gelaufen und habe keine Zwischenzeiten kontrolliert (hatte auch nur eine sehr einfache Stoppuhr). Resultat: Unbewusst auf dem ersten Streckendrittel viel zu schnell angegangen (auf ne 38er-Zeit, die damals unter keinem Gesichtspunkt realistisch war) und nach hinten raus richtig gelitten. Rausgekommen ist dann eine mittlere 42. Eigentlich gar nicht schlecht, aber ich glaube, das war das Rennen, wo ich mich am meisten gequält habe. Im Ziel bin ich erschöpft auf den Rasen gefallen. Damals wollte ich nicht aufgeben aus zwei Gründen: 1. Sind noch einige Kollegen mitgelaufen. Da wollte ich mir keine Blöße geben. und 2.: Ich habe immer gedacht: „Hier darfst Du nicht aufgeben. Wie soll es dann erst beim Marathon werden?“

Zum Thema „Laufen nach Gefühl“: So toll und motivierend die Polar als Pacemaker ist - in dieser Hinsicht ist sie natürlich absolut hinderlich. Ständiger Blick auf die Uhr verhindert eine gefühlsmäßige Einteilung. Vielleicht sollte ich’s mal wieder „ohne“ versuchen!

Grüße an alle!

Bruce

CarstenS
13.02.2006, 11:12
Hi,

ich habe auch schon mal ein Rennen aufgegeben, aber in Deinem Fall kann ich es nicht verstehen. Und auch in meinem Fall wünschte ich, ich hätte es nicht getan. Klar, Du hattest ein Ziel. Aber ein 15km-Lauf im Januar, ist doch sicher kein Rennen, auf das man eine gesamte Saison ausgerichtet hat und das man als verschwendet ansehen könnte, wenn man sein Zeitziel nicht erreicht. Eine kleine Aufgabe der Art, in der zweiten Hälfte des Rennens nicht mehr alles zu geben, wäre verständlich gewesen, auch wenn man auch damit vorsichtig sein sollte, damit man sich nichht daran gewöhnt.

Die falsche Art Ehrgeiz in der falschen Situation.

Außerdem: Sich nach der Hälfte des Rennens schlecht zu fühlen, gehört eigentlich dazu.

Mach's halt im Sommer besser!

Carsten

SchweizerTrinchen
13.02.2006, 11:32
Hallo Bruce,

Tut mir leid zu lesen, dass es dir so mies ergangen ist, und der Schweinehund gesiegt hat.

Scheinbar war aber wirklich alles gegen dich, und gerade so Mist wie offene Schnürsenkel geben einem wirklich den Rest, wenn eh schon alles schief läuft, und die Beine nur noch SOS funken. Insofern verstehe ich, dass du aufgegeben hast, wenn so viel nacheinander schief läuft. Manchmal gibts halt so Tage.

Pass einfach auf, dass das nicht einreisst mit dem Abbrechen (gibts einen guten thread dazu), und machs das nächste Mal besser.

Trinchen, Daumen drückend:daumen:

TinaS
13.02.2006, 11:33
Hallo Bruce,

ich kann dich gut verstehen, ich hätte (und hab es auch einmal) wahrscheinlich genauso gemacht. Das heißt noch lange nicht, dass ich es für eine optimale oder auch nur gute Entscheidung halte, aber gestrickt bin ich da wohl genau wie du, wenn auch auf einem anderen Leistungsniveau.

Tina

Van
13.02.2006, 11:49
Meine nichtlaufenden Bekannten und Verwandten glauben, dass ich an einer Wettkampf-Läufer-Neurose leide. Da hat mich doch die Diagnose des fachkundigen Publikums interessiert. Einige hier könnnen ja die Entscheidung gut nachvollziehen. Das hat mich schon einmal beruhigt - Es sei denn, wir leiden alle an derselben Krankheit... ;-)die postende Userschaft hier im allgemeinen als fachkundig zu bezeichnen ist aber sehr gewagt! Umso mehr find ich es besser, sich bei dem Thema nicht an anderen zu orientieren.

Vo2
13.02.2006, 12:00
Mit dem Schweinehund kämpfe ich auch jedes Mal. Laufen am Limit ist eben hart. Wenn man das dann aushält, ist das natürlich ein tolles Gefühl. Aber Quälerei als Selbstzweck auszuhalten (Stichwort: „Schulung des Willens") - ob das sinnvoll ist? Meine Moral wurde auch dadurch untergraben, dass ich langsam aber sicher nach hinten durchgereicht wurde.

Die Quälerei ist sogar sehr sinnvoll und sie ist nicht Selbstzweck, sondern dient der Wettkampfhärte. Auch dann noch alles zu geben wenn man nach hinten durchgereicht wird macht härter.



...Rausgekommen ist dann eine mittlere 42. Eigentlich gar nicht schlecht, aber ich glaube, das war das Rennen, wo ich mich am meisten gequält habe. Im Ziel bin ich erschöpft auf den Rasen gefallen.

Da geht noch was. Auf den Rasen fallen ist normal. Ich hab bei 3 meiner Wettkampfe im Ziel gekotzt. Bei einem sogar während des Laufes. Glaub mir da ist bei Dir noch viel mehr Potential zu Quälen vorhanden.

Bruce
13.02.2006, 13:53
Hallo!


ich habe auch schon mal ein Rennen aufgegeben, aber in Deinem Fall kann ich es nicht verstehen. Und auch in meinem Fall wünschte ich, ich hätte es nicht getan. Klar, Du hattest ein Ziel. Aber ein 15km-Lauf im Januar, ist doch sicher kein Rennen, auf das man eine gesamte Saison ausgerichtet hat und das man als verschwendet ansehen könnte, wenn man sein Zeitziel nicht erreicht. Eine kleine Aufgabe der Art, in der zweiten Hälfte des Rennens nicht mehr alles zu geben, wäre verständlich gewesen, auch wenn man auch damit vorsichtig sein sollte, damit man sich nichht daran gewöhnt.

Die falsche Art Ehrgeiz in der falschen Situation.

Außerdem: Sich nach der Hälfte des Rennens schlecht zu fühlen, gehört eigentlich dazu.
Letztere Erfahrung habe ich bei meinen bisherigen 10ern immer gemacht. Wenn's nicht so wäre, müsste ich wohl annehmen, nicht richtig gelaufen zu sein. Die ersten 5 km sind "comfortably hard", dann eine Krise zwischen 5 und 7. Die Versuchung, dem nachzugeben und den Gang rauszunehmen war immer da. Nur da konnte ich mich durch den bis dahin guten Rennverlauf (insb. beim letzten Mal) motivieren und nochmal richtig auf die Zähne beißen.

Das mit der Saisonplanung habe ich als relativer Laufanfänger - bezogen auf die etwas ambitionierte Lauferei - noch nicht so recht verinnerlicht. Bei mir heisst es bislang: in jedem Rennen schneller. Etwas mehr Gelassenheit in dieser Hinsicht wäre sicher hilfreich.

Der Zwei-Wochen-Rhythmus der Wettkämpfe (da "Serie") hat mich auch etwas zermürbt. Ich denke, dass ich den HM in zwei Wochen sausen lasse und dann in vier Wochen einen passenden laufe.


Tut mir leid zu lesen, dass es dir so mies ergangen ist, und der Schweinehund gesiegt hat.

Scheinbar war aber wirklich alles gegen dich, und gerade so Mist wie offene Schnürsenkel geben einem wirklich den Rest, wenn eh schon alles schief läuft, und die Beine nur noch SOS funken. Insofern verstehe ich, dass du aufgegeben hast, wenn so viel nacheinander schief läuft. Manchmal gibts halt so Tage.

Pass einfach auf, dass das nicht einreisst mit dem Abbrechen (gibts einen guten thread dazu), und machs das nächste Mal besser.

ich kann dich gut verstehen, ich hätte (und hab es auch einmal) wahrscheinlich genauso gemacht. Das heißt noch lange nicht, dass ich es für eine optimale oder auch nur gute Entscheidung halte, aber gestrickt bin ich da wohl genau wie du, wenn auch auf einem anderen Leistungsniveau.
An dem Tag ist wirklich ziemlich viel schiefgegangen. Wenn's einmal losgeht... Insofern bin ich auch im Nachhinein nicht unzufrieden mit meiner Entscheidung. Ich denke/hoffe/wünsche ;-), dass mir das in vier Wochen beim angepeilten Halbmarathon nicht nochmal passiert. Da ist meine persönliche Zeitvorgabe auch nicht so eng. Werde eure Worte mir ins Gedächtnis rufen, wenn's kritisch wird.


die postende Userschaft hier im allgemeinen als fachkundig zu bezeichnen ist aber sehr gewagt! Umso mehr find ich es besser, sich bei dem Thema nicht an anderen zu orientieren.
Allerdings sind Läufer in jedem Falle fachkundiger als Nichtläufer (auf die ich mich in meinem Posting bezog). Angesichts der Vielzahl der Meinungen besteht auch nicht die Gefahr, dass ich eine spezielle Auffassung blind übernehme. Allerdings bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich beim nächsten Mal kritischer mit der Frage des Rennabbruchs umgehen werde.


Da geht noch was. Auf den Rasen fallen ist normal. Ich hab bei 3 meiner Wettkampfe im Ziel gekotzt. Bei einem sogar während des Laufes. Glaub mir da ist bei Dir noch viel mehr Potential zu Quälen vorhanden.
LOL - Da musste ich wirklich lachen...

Im Ernst: Kollegen erzählten mir, dass ihnen während des Laufs regelmäßig schwarz vor Augen werde. Da mir das nicht passiert, habe ich mich schon gefragt, ob ich mich genug quäle. Bis ich dann dahinter gekommen bin, dass Schwarz-vor-Augen das Symptom eines schlechteren Trainingszustands ist.

Ich denke, das Sich-Übergeben dürfte auch individuell unterschiedlich sein. Vielleicht bist Du da einfach empfindlicher? Wenn Du Dich innerhalb eines Jahres Lauferfahrung (lt. Profil) dreimal übergeben hast, finde ich das schon arg viel.

Im Normalfall quäle ich mich schon ziemlich arg und bin ein "Beißer". Nur letztes Mal hatten mir die Umstände "die Zähne gezogen" - um im Bild zu bleiben... ;-)

Grüße an alle!

Bruce

Lizzy
13.02.2006, 14:00
wenn ich auch noch mit meiner unmaßgeblichen Meinung dazwischenquasseln dürfte ... :P

So wie ich das lese, war der Abbruch eher eine Folge des vermasselten Spaßes durch die diversen 'Pannen des Tages' und die fehlende Hoffnung, dass der Spaß sich wieder einstellen könnte. Eher so ein verspätetes: "Eigentlich hab' ich keine Lust und ich will lieber nach Hause, verdammt!"

Im Grunde finde ich einen Rennabbruch dann okay (auch wenn ich wahrscheinlich weitergelaufen wäre) - nach wie vor ist es Hobby und wird es wohl auch für dich bleiben.

Wenn der Grund für einen Abbruch aber 'nur' darin begründet liegt, eine vermutlich schlechtere Zeit als erhofft rauszulaufen, dann sähe ich das wesentlich kritischer. Denn das wäre der beste Weg dahin, sich das eigene Hobby ohne Not zu vermiesen. Auch bei Leistungsorientierung (oder gerade dann) stellt sich doch die Frage: Läufst du dann überhaupt noch, wenn du an der Spitze deiner Leistungsfähigkeit angekommen bist oder ist mit schwindender Geschwindigkeit auch zwingend der Spaß dahin?

mayo
13.02.2006, 15:26
Nur weil die Zeit nicht den Vorstellungen entsprach würd ich nie nie niemals aufgeben.
Mir ist "J E D E " Zeit im Trainingsbuch lieber als ein DNF.

Und wenn dann der tag schon nicht so anläuft wie normal, dann is es halt auf dem WK ein wenig langsamer.
Der nächste WK kommt auch wieder.


Gruss mayo

schneller!
13.02.2006, 15:57
Der Zwei-Wochen-Rhythmus der Wettkämpfe (da "Serie") hat mich auch etwas zermürbt. Ich denke, dass ich den HM in zwei Wochen sausen lasse und dann in vier Wochen einen passenden laufe.
Bruce


Meinst Du da: einen Wettkampf alle 2 Wochen :confused:

Persönlich finde ich das krass viel! Da kann ich zwischendurch nur ganz locker und langsam laufen im Training und bin nach 4 Wettkämpfen trotzdem im Eimer :zwinker2:

Aber ich bin mir schon bewusst, dass JEDER Läufer wieder seinen ganz eigenen Rhytmus bezgl. Training und Wettkämpfen hat :zwinker5:

Uebrigens: Vielstarterei kann ganz deftig auf den Wettkampfwillen schlagen. Ganz einfach, weil man dadurch bald mal die für einen Top-Lauf nötige Frische verliert. Müde läuft sich's viel mühsamer!

Gruss von schneller!

Bruce
13.02.2006, 16:21
So wie ich das lese, war der Abbruch eher eine Folge des vermasselten Spaßes durch die diversen 'Pannen des Tages' und die fehlende Hoffnung, dass der Spaß sich wieder einstellen könnte. Eher so ein verspätetes: "Eigentlich hab' ich keine Lust und ich will lieber nach Hause, verdammt!"
Ich glaube auch, dass die diversen Pannen (Hetze, Autoschlüssel, dann noch offenes Schuhband während des Laufs) ihren guten Teil dazu beigetragen haben.

Wenn der Grund für einen Abbruch aber 'nur' darin begründet liegt, eine vermutlich schlechtere Zeit als erhofft rauszulaufen, dann sähe ich das wesentlich kritischer. Denn das wäre der beste Weg dahin, sich das eigene Hobby ohne Not zu vermiesen. Auch bei Leistungsorientierung (oder gerade dann) stellt sich doch die Frage: Läufst du dann überhaupt noch, wenn du an der Spitze deiner Leistungsfähigkeit angekommen bist oder ist mit schwindender Geschwindigkeit auch zwingend der Spaß dahin?
Ich stelle mir das allerdings schwierig vor, wenn man mal ein guter Läufer war und dann einige Jahre pausiert hat und einfach älter geworden ist, einfach auf niedrigerem Niveau wieder anzufangen. Ist das nicht frustrierend? Ein Laufkollege, der einige Zeit nicht trainieren konnte, beschrieb das so: "Du weißt, wie sich 'schneller' anfühlt, du willst schneller, aber die Beine machen nicht mit."

Aber ich werde mich jetzt auch nicht dem Druck aussetzen, in jedem Lauf die Grenzen weiter verschieben zu wollen. Im Rückblick: Wenn die Nerven nicht schon etwas strapaziert gewesen wären, hätte ich das Ding einfach "nach Hause geschaukelt" (hoffe ich mal...).


Und wenn dann der tag schon nicht so anläuft wie normal, dann is es halt auf dem WK ein wenig langsamer.
Der nächste WK kommt auch wieder.
Vielleicht wäre es klüger gewesen, von vornherein die Erwartungen etwas zu reduzieren. Mit dem nächsten WK hast Du allerdings Recht. Habe gestern mal die interessanten Termine durchgesehen und festgestellt, dass die interessanten Termine jetzt im Zwei-Wochen-Rhytmus folgen. Es gibt also genug Auswahl!


Meinst Du da: einen Wettkampf alle 2 Wochen

Persönlich finde ich das krass viel! Da kann ich zwischendurch nur ganz locker und langsam laufen im Training und bin nach 4 Wettkämpfen trotzdem im Eimer

Aber ich bin mir schon bewusst, dass JEDER Läufer wieder seinen ganz eigenen Rhytmus bezgl. Training und Wettkämpfen hat

Uebrigens: Vielstarterei kann ganz deftig auf den Wettkampfwillen schlagen. Ganz einfach, weil man dadurch bald mal die für einen Top-Lauf nötige Frische verliert. Müde läuft sich's viel mühsamer!
Die Serie umfasst drei Läufe (10 - 15 - HM) im Abstand von jeweils zwei Wochen. Habe festgestellt, dass mir das auch ein bisschen zu viel ist. Zumal dann zwei Wochen später ein weiterer interessanter HM ist und wieder zwei Wochen ein weiterer 10er. Ich werde jetzt auf jeden Fall den HM der Serie nicht laufen, sondern erst in vier Wochen wieder zuschlagen. Dann wohl gemeinsam mit einem Laufkollegen, da macht's dann auch gleich viel mehr Spaß (zumal wir ungefähr dieselbe "Preisklasse" sind und daher zusammen unterwegs sein können).

Wie Du beschrieben hast: So richtig "gierig" war ich auf den WK nicht. Trainingsrhytmus wird auch völlig gestört. Konnte zwischen dem 10er und dem HM (auch aus anderen Gründen) nur einmal zwischendurch 20km laufen.

Grüße, Bruce

ZebraLady
13.02.2006, 16:40
Ich hab ein DNF - und bereue es bis heute, einschliesslich der ganzen blöden Vorfälle, die dazu geführt haben, ähnlich bei dir eine Art "Pechsträhne". Allerdings hab ich mich seitdem ganz weit im Hinterkopf gewundert, was wohl gewesen wäre, wenn...... ob's wirklich eine soooo fürchterlich schlechte Zeit..... ob ich nicht vielleicht doch noch was hätte retten können...... etc. etc.

Ich hab mir geschworen, dass es nur dann ein weiteres DNF geben wird, wenn es mir körperlich nicht gut geht.

ciao,
ZebraLady

WinfriedK
13.02.2006, 16:52
Oder hättet ihr ähnlich entschieden?
Nein.

rennmops
13.02.2006, 17:08
hm als ich angefangen habe zu laufen war das beste training besser zu werden m E soviel wettkampferfahrung zu sammeln wie möglich...

und da es sich nur um 15k gehandelt hat wäre ich durchgelaufen.....denn nur mit einigen schlechten erfahrungen weiss man die guten zu schätzen....

heute hätte ich vll anders entschieden, da ich ambitionierter bin und nicht jeden wettkampf auf biegen und brechen beenden muss (langfristige wettkampfplanung nicht gefährden), aber du hättest schon finishen sollen, vor allem weil es meist so ist dass es am anfang (1.hälfte) schon ziemlich übel sein kann.......aber sobald man merkt dass mehr als 50% geschafft sind, gehts meist von allein.....

naja aber letztendlich deine sache

UweZ
13.02.2006, 17:31
... Aber es war von Anfang an der Wurm drin. Heute morgen viel zu spät dran. Beim Frühstück gewohnte Rituale durchbrochen: Die gewohnte Brotsorte war nicht da, auch keine Banane... :motz: Lacht mich ruhig aus - irgendwie stören mich solche Kleinigkeiten. Schnell auf zum Wettkampf. Dann Umziehen im Auto. Wo war meine kurze Wettkampfhose? Mist, zu hause vergessen. Na dann eben laufen mit langer Hose... Eine halbe Stunde vor dem Start konnte endlich das Einlaufen beginnen...

Eine falsche Brotsorte kann Dich aus der Bahn kippen? Boah, Du bist wirklich speziell. Für eine PB musst Du nicht nur Laufen trainieren. :zwinker2:

Das ist glaube ich auch Dein Ding, Du hast spezielle Ansprüche und Vorstellungen und die waren an dem Tag nicht zu erfüllen und Du hast Deine Konsequenzen gezogen. Ich find das ok. :daumen:

Ich wäre allerdings weitergelaufen, da ich Abrechen gar nicht erst Denke, zumindest ohne Verletzung. Und wenn das nicht auf dem Zettel steht kann ich es ja auch nicht machen.:zwinker2:

schneller!
13.02.2006, 17:46
Grundsätzlich finde ich es übrigens keine Schande, wenn man mal ein Rennen aufgibt. Es gibt genug GUTE Gründe dafür: Verletzungen, Sturz und das Feld ist weg (bei kürzerem Lauf), steinharte Muskeln oder massive Schmerzen sonstwo, ein völlig verkorstes Rennen wo man nur noch die Form völlig zerstören kann (die man vielleicht bei einem WK in einer Woche oder so dringend braucht), deutliche Zeichen der Erschöpfung durch Uebertraining usw. In manchen Fällen kann man durch Weiterlaufen einiges kaputtmachen oder extrem Kräfte verschleissen. Wozu? Damit man am Ziel angekommen ist? Das ist nicht meine Einstellung gegenüber einem WK. Ja, prinzipiell ALLES geben! Aber ein DNF ist v.a. ein PSYCHOLOGISCHES Problem. CarstenS hat's deutlich geschrieben: es droht auf jeden Fall die WIEDERHOLUNG. Diese Gefahr besteht aber v.a. wenn man aufgibt, weil's einfach weh tut, so wie's bei einem WK halt wehtut. Die Leute, welche das Aussteigen so gar schrecklich finden haben vielleicht selber einfach Angst davor. Vielleicht fänden sie sich dann minderwertig oder schwach... Dieses 'Durchkommen um jeden Preis' finde ich nicht besonders bewundernswert, sondern eher selbstzerstörerisch.

Bruce
13.02.2006, 18:15
Allerdings hab ich mich seitdem ganz weit im Hinterkopf gewundert, was wohl gewesen wäre, wenn...... ob's wirklich eine soooo fürchterlich schlechte Zeit..... ob ich nicht vielleicht doch noch was hätte retten können...... etc. etc.

Ich hab mir geschworen, dass es nur dann ein weiteres DNF geben wird, wenn es mir körperlich nicht gut geht.

aber du hättest schon finishen sollen, vor allem weil es meist so ist dass es am anfang (1.hälfte) schon ziemlich übel sein kann.......aber sobald man merkt dass mehr als 50% geschafft sind, gehts meist von allein.....

Aber ein DNF ist v.a. ein PSYCHOLOGISCHES Problem. CarstenS hat's deutlich geschrieben: es droht auf jeden Fall die WIEDERHOLUNG. Diese Gefahr besteht aber v.a. wenn man aufgibt, weil's einfach weh tut, so wie's bei einem WK halt wehtut.
Puhhh... Jetzt hab ihr mich fast soweit, dass ich den gestrigen Abbruch bedaure! Soooo arg wär's vielleicht gar nicht geworden?! Waren ja keine gesundheitlichen Probleme oder krasses Übertraining im Spiel. 8 km hätt' ich doch einfach durchlaufen können. Ein bisschen kämpfen, ein bisschen locker und dann Schwamm drüber...

Na ja - hätte/wäre/wenn. Ich glaube beim nächsten Mal, wenn der Gedanke zum Abbrechen kommt (und das wird früher oder später wieder der Fall sein!), werde ich nicht so leichtfertig mit ihm umgehen. Aber jetzt gräm ich mich nicht weiter ;-), beim nächsten WK wird die Scharte ausgewetzt!

@WinfriedK: Warum "Nein"? Hast Du schonmal selbst abgebrochen?

@Bueffelchen: Ja, bin da schon etwas speziell, aber stehe damit nicht ganz alleine da (s. Ripple). Wenn es nur das Frühstücks-Malheur gewesen wäre: Das hätte ich gerade noch ;-) verkraften können.

Grüße, Bruce

WinfriedK
13.02.2006, 19:50
@WinfriedK: Warum "Nein"? Hast Du schonmal selbst abgebrochen?
Mein "Nein" war vielleicht etwas schnell gepostet. :D
Du hättest 1-2 Minuten länger als gewünscht benötigt und das allein wäre für mich in der Tat kein Grund abzubrechen.
In Kombination mit den Begleitumständen ist es aber verständlicher und bei einem ähnlich verkorksten Lauf wie deinem habe ich es genauso gemacht. Ich kam zu spät, hatte keine Zeit mich warmzulaufen, lief zu schnell los, bekam Seitenstiche und habe nach der ersten von 2 Runden aufgehört.
Eigentlich eine fast gleiche Situation, es ist wohl nur ein gradueller Unterschied - ich hätte mehr als 1-2 Minuten verloren und es war nur ein zweitrangiger 10km-Lauf.
Ich nehme das "Nein" also teilweise zurück. In deiner konkreten Situation wäre ich aber vermutlich weitergelaufen. Du hattest kein wirkliches Problem und warst nur entnervt. :D

Wichtig für die Zukunft finde ich folgendes:
alle Dinge, die in deinem oder meinem Lauf schief gegangen sind (bei dir: falsches Brot, keine Bananen, falsche Laufhose, Schlüssel, Schuhe schlecht gebunden) hatten wir selber und sonst niemand unter Kontrolle. Das kann man in Zukunft besser machen und die Chancen oder "Entschuldigungen" für ein DNF minimieren.
Control the controllables!

Grüße,
Winfried

A R
13.02.2006, 19:51
@ Bruce (Sorry hast Deinem "Namen keine Ehre gemacht:frown: )

So und jetzt wieder "sachlich" würde auch niemals:confused: aufgeben, hoffe ich zumindest!
Aber aus nem anderen Grund, mir wäre nämlich die schmach zu groß auszulaufen und den blicken des Publikums und der Läuferkollegen ausgesetzt zu sein! Die würden nämlich denke "na der hat wohl zu hoch gepokert" was ja auch stimmt :motz: !! Was mich nochmehr über mich selber aufregen würde! Wenn man langsamer wird finde ich es nicht so schlimm!

Mir ist letztes Jahr auch was passiert wo ich zugegeben nahe dran war, da lief soviel schief vor und während des WK, das mich die Zeit immer noch wundert. Zunächst über ne Std. auf den Start (alleine) warten müssen, dann den Start a bissle verpennt und versucht das zu Kompensieren (war ziemlich hinten im Feld u hab versucht vorzukommen!) Während des Laufs (HM) zu wenig getrunken (<30° im Schatten) und beinahe Dehydriert(schreibt man des so) dann Wasser übermich geschüttet der Effekt war noch schlimmer klar und der Oberhammer kam bei km18 wo mich einer Barfuss (Sneaker um den Hals gehängt :motz: ) überholt hat und gleichzeitig motiviert hat:klatsch: :klatsch:
Schlimmer gehts nimmer bin dann Kopfschütteln über die eigene Dummheit ins Ziel getruddelt (übrigens in 1:40)
Aber für die Ehrfahrung war das ganze unbezahlbar:daumen: :daumen:

Gruaß und Kopfhoch

Bruce
13.02.2006, 20:56
Ich nehme das "Nein" also teilweise zurück. In deiner konkreten Situation wäre ich aber vermutlich weitergelaufen. Du hattest kein wirkliches Problem und warst nur entnervt.
Das trifft's. Dein "Nein" war halt etwas apodiktisch. ;-)

Wichtig für die Zukunft finde ich folgendes:
alle Dinge, die in deinem oder meinem Lauf schief gegangen sind (bei dir: falsches Brot, keine Bananen, falsche Laufhose, Schlüssel, Schuhe schlecht gebunden) hatten wir selber und sonst niemand unter Kontrolle. Das kann man in Zukunft besser machen und die Chancen oder "Entschuldigungen" für ein DNF minimieren.
Control the controllables!

Da kann ich nicht widersprechen. Die "Fehler" habe ich alle selber gemacht und eins zieht das andere nach sich. Zu spät gekommen --> Schuh geht auf, weil in der Hektik schlecht gebunden etc. Am Tag vorher bin ich noch locker 10km gelaufen. Das hatte mir vor dem 10er vor zwei Wochen sehr gut getan. Diesmal habe ich aber ein paar Sprints und 1 km im Renntempo eingebaut. War wohl auch ein bisschen zu viel. Das hatte ich nur nicht geschrieben, weil es etwas nach "billiger Entschuldigung" klingt. Wieder eine Erfahrung mehr!


Sorry hast Deinem "Namen keine Ehre gemacht.
LOL... So habe ich das noch gar nicht gesehen!!!

Mir ist letztes Jahr auch was passiert wo ich zugegeben nahe dran war, da lief soviel schief vor und während des WK, das mich die Zeit immer noch wundert. Zunächst über ne Std. auf den Start (alleine) warten müssen, dann den Start a bissle verpennt und versucht das zu Kompensieren (war ziemlich hinten im Feld u hab versucht vorzukommen!) Während des Laufs (HM) zu wenig getrunken (<30° im Schatten) und beinahe Dehydriert(schreibt man des so) dann Wasser übermich geschüttet der Effekt war noch schlimmer klar und der Oberhammer kam bei km18 wo mich einer Barfuss (Sneaker um den Hals gehängt ) überholt hat und gleichzeitig motiviert hat
Schlimmer gehts nimmer bin dann Kopfschütteln über die eigene Dummheit ins Ziel getruddelt (übrigens in 1:40)
Aber für die Ehrfahrung war das ganze unbezahlbar

Na das ist ja wirklich herb. Von einem Barfußläufer überholt! Und für jemanden, der M in 3:08 läuft, ist 1:40 - mit Verlaub - ziemlich grottig. ;-) Dagegen war ich ja noch komfortabel unterwegs...

Gruaß und Kopfhoch
:thanks:

Grüße, Bruce

Spezi
13.02.2006, 21:10
@ Bruce
WOW...als ich deinen bericht gelesen habe und dann die ersten komentare
dachte ich: nur weicheier hier!
aber des so mehr ich lese und die vielen meinungen dazu, muss ich sagen: ich kann es verstehen...aber da ich,
wenn ich mich einen wettkampf stelle niemals ans aufgeben denke wäre ich weiter gelaufen.
mental gibt es bei mir kein aufgeben.
gut beim laufen werde ich nie deine klasse ereichen...aber bei MTB-Marathon Rennen bin ich oft in der situation wo schmerzen den körper beherschen...aber aufgeben...:nene:
und mal erlich, wenn man einen schlechten WK kennt freud man sich über einen guten um so mehr :nick: