PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Interview zu den Passionsläufen 2006 in Lilienthal



Stephen
13.04.2006, 12:42
Nur Wasser und Brot (http://www.taz.de/pt/2006/04/13/a0349.1/text)

:)

Van
13.04.2006, 12:46
Einer der ersten Marathonläufer der christlichen Geschichte war ja Jesus selbst. das wußt ich ja gar nicht. weiß dazu jemand näheres?

Steif
13.04.2006, 12:52
Bei Passionszeit denkt man ja immer an Fasten und Buße. Spielt das bei Ihnen auch eine Rolle?
Am Karfreitag bekommen die Leute nur Wasser und trockenes Brot. Außerdem habe ich ein Schweigegebot ausgegeben, so dass die Leute von Anfang an mit sich laufen müssen. Das ist auch eine Art von Entbehrung.
Sorry, aber mir geht der Sinn der Aktion wirklich etwas ab und es bestätigt mich in den Glauben an meinen Nichtglauben!

Charly
13.04.2006, 14:13
Ach du Scheisse, klingt wie ein Sektenführer.

Am Karfreitag kommen die meisten Läufer, weil da alle Kneipen und Läden geschlossen haben, es ist Feiertag und sonst nix zu tun, so siehts nämlich aus :nick: Nicht wegen irgendeiner Selbstkasteiung :klatsch:
Und Blade 2 kommt erst am Abend im Fernsehen :D

Lizzy
13.04.2006, 14:22
das wußt ich ja gar nicht. weiß dazu jemand näheres?
in der Bibel steht davon jedenfalls nix, das wüßte ich.

Gewandert sind die Jungs und Mädels damals ziemlich viel - was sollten sie auch sonst tun, um vorwärts zu kommen? Aber gelaufen? und wie weit?

In Jerusalem isser jedenfalls auf dem Esel eingeritten.

Insgesamt finde ich diesen Selbstkasteiungs- und Geißelungshang der christlichen Religionen auch mehr als merkwürdig :P

Nur Wasser und Brot, nicht schwätzen dürfen, aber fröhlich dabei werden ... ich verkneif' mir lieber mal diesen :tocktock: Smilie. Ist vermutlich einfach Geschmackssache.

Lizzy :hallo:

(die zu Nichtläuferinnenzeiten auch mal 'ne Karfreitagswallfahrt von Münster nach Telgte mitmachen mußte - obwohl irgendwo auch selber Schuld gewesen - 15 km noch mitten in der Nacht bei eisigen Temperaturen, über vom Sturm umgestürzte Bäume und durchgeweichte Feldwege :tocktock: jetzt darf ich, gilt mir ja selber ... und ebenfalls nur mit einem trockenen Brötchen belohnt - aber heimlich hab' ich mich mal zurückfallen lassen um eine zu rauchen ;-)

Stephen
13.04.2006, 19:45
Auch für mich als Nicht-Christen ist die Idee hinter den Läufen nachvollziehbar.

Passion hat ja einen Doppelsinn - "Leidenschaft" und "Leidensweg" - und ein Marathon verbindet beides in sich.

Mit R2D2 läuft übrigens jemand aus diesem Forum die ganze Serie, und auch sonst habe ich auf der Teilnehmerliste einige Läufer entdeckt, denen ich in meiner noch kurzen Laufbahn begegnet bin.

Spreizfuss
13.04.2006, 20:02
Ich bin kein Christ, aber Grenzerfahrungen gehören ja zu vielen Glaubensrichtungen dazu. So sehe ich das auch hier.
Kann bestimmt spannend sein sich selbst so zu erfahren, ob nun Christlich oder nicht.

Ich fand das passend


Hebräer 12,1-3
12:1 Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, laßt uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und laßt uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, 2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. 3 Gedenkt an den, der soviel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken laßt.

JensR
13.04.2006, 20:04
hmm ich versteh nicht so ganz, wo das Problem ist? Lasst doch die Leute da laufen - aus welchen Motiven auch immer. Wir müssen ja nicht in Religionsdiskussionen hier ausbrechen, aber Selbstkasteiung ist mitnichten nur eine christliche "Unart", das findet man genauso in der Mutterreligion (Juden) wie auch in der Bruderreligion (Islam). Ähnliche Riten mit tw andern Hintergründen hat man immer und zu jeder Zeit in allen Religionen gefunden - wahrscheinlich das ewige Streben des Menschen, sein schlechtes Gewissen loszuwerden. (das alles von einem religiösem Laien ohne Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit :zwinker2:)
Wenn dann aber noch gutes damit vollbracht wird wie hier in Lilienthal, finde ich das durchaus unterstützens- und würdigungswert :wink:

Grüße,
Jens

WinfriedK
13.04.2006, 22:11
hmm ich versteh nicht so ganz, wo das Problem ist? Lasst doch die Leute da laufen - aus welchen Motiven auch immer. Wir müssen ja nicht in Religionsdiskussionen hier ausbrechen, aber Selbstkasteiung ist mitnichten nur eine christliche "Unart"...
Kann ja jeder laufen, wann und wie oft und wie viel und warum er will....
Aber Laufen als

Eine Art Selbstkasteiung?

Ja.

finde ich schon bizarr.

Irgendwie denke ich, die meisten von uns laufen, weil sie es wollen und nicht um sich zu strafen. :zwinker2:

Würden diese Läufe in Bayern stattfinden, könnte ich die Argumentation noch als Rechtfertigung verstehen. Aber so?
Nun, jeder nach seiner Facon und so weiter...

Uschi
13.04.2006, 22:19
Würden diese Läufe in Bayern stattfinden, könnte ich die Argumentation noch als Rechtfertigung verstehen. Aber so?

Das verstehe ich jetzt wiederum nicht. Die Bayern kasteien sich gerne? Oder was meinst du?

WinfriedK
13.04.2006, 22:24
Das verstehe ich jetzt wiederum nicht. Die Bayern kasteien sich gerne? Oder was meinst du?
Die Frage hätte ich jetzt eher von Van erwartet... :zwinker2:
Was ich meinte: ich könnte mir vorstellen, dass man im konservativen, religiösen, katholischen Bayern nicht unbedingt auf Zustimmung stößt, wenn man an den höchsten Feiertagen etwas profanes wie Laufen betreibt.
In Bremen ist der Erklärungs- und Rechtfertigungsdruck sicher geringer.

Uschi
13.04.2006, 22:37
Ah, jetzt verstehe ich, was du meinst. :D
Aber da schätzt du meiner Meinung nach die Bayern vollkommen falsch ein. Katholisch sein heißt ja gerade nicht, auf Profanes zu verzichten. Ganz im Gegenteil. Ich glaube, das Starkbier z.B., welches hauptsächlich in der Fastenzeit getrunken wird, ist eine bayerische (mönchische!) Erfindung. Dem Bayern ist das wurscht, ob jemand Fastenläufe veranstaltet und welche Begründung dann dafür herhalten muss.
So etwas, denke ich, passt wirklich besser in den asketischen, protestantischen Norden...

Charly
13.04.2006, 23:11
Die Mönche waren ja net doof.
Die haben sich gedacht, wir dürfen bloss noch so und soviel Bier trinken in der Fastenzeit, also machen wir das stärker, dass es schneller abschädelt :zwinker2:

WinfriedK
13.04.2006, 23:33
Ah, jetzt verstehe ich, was du meinst. :D
Aber da schätzt du meiner Meinung nach die Bayern vollkommen falsch ein. Katholisch sein heißt ja gerade nicht, auf Profanes zu verzichten. Ganz im Gegenteil. Ich glaube, das Starkbier z.B., welches hauptsächlich in der Fastenzeit getrunken wird, ist eine bayerische (mönchische!) Erfindung. Dem Bayern ist das wurscht, ob jemand Fastenläufe veranstaltet und welche Begründung dann dafür herhalten muss.
So etwas, denke ich, passt wirklich besser in den asketischen, protestantischen Norden...
Das ist wirklich interessant!
Unzweifelhaft ist der protestantische Norden in vielen Dingen liberaler. Was den Ausdruck von Lebensfreude betrifft, scheinen die Protestanten aber oft puritanisch/verklemmt. Das fällt auf, wenn man die Kirchen vergleicht. Karneval/Fasching findet auch hauptsächlich in den katholischen Ländern statt.
Ich habe diesen Widerspruch nie verstanden.
Besonders verwirrend finde ich, dass in Europa z.B. die Protestanten die politisch Liberalen sind, während es in den USA genau umgekehrt ist...
Vielleicht hast du ja eine Erklärung dafür?

Lizzy
13.04.2006, 23:50
da fällt mir so ganz nebenbei (und vielleicht etwas am Thema vorbei :D ) ein, dass ich mal die Karwoche über zu Besuch in einem katholischen Kloster (Nonnen ;-) verbracht habe (ist aber über 20 Jahre her)

Essenstechnisch hatte ich da nix auszusetzen. Am Karfreitag gab es beispielsweise zum Abendessen .... NEIN, KEIN Fleisch natürlich ... es gab: Lachs :daumen: Fand ich ein schickes Fastenmahl (etwas härter für mich war das ziemlich weit reichende Schweigegebot in dieser Woche :P )

JensR
14.04.2006, 14:51
Hallo Winfried,

weil Evangelen/Protestanten nicht gleich Evangelen/Protestanten sind. Die Protestanten in den USA zeichnen sich dadurch aus, dass sie möglichst wortgetreu an biblischen Grundsätzen festhalten, während die grossen evangelischen Kirchen in Deutschland sich eher immer weiter daovn wegbewegen und das frei interpräteiren wies grad so passt. Mit andern Worten: die amerikansichen evangelischen Kirchen sind vielfach fundamentalistisch, während die europäischen vielfach gerade noch so christlich sind und daher in Europa eher die Katholiken als fundamental gelten.
Die Reformation war aber grundsätzlich schon das Bestreben zu den Wurzeln des Christentums zurückzukehren, also sond wohl die Amis dichter an ihren Wurzeln..
Was alle Evangelen aus ihrer Vergangenheit mitgenommen habe, ist ihre Verklemmtheit :D

Wie gesagt - ich bin Laie in der Beziehung, aber nen bissl interessierts mich halt..

Grüße,
Jens

geniesser
17.04.2006, 06:46
Es war eine der schönsten Veranstaltungen, die ich je miterlebt habe (am 3. Tag, zusammen mit meiner Mutter in der Verpflegung), in sehr friedlicher Atmosphäre.

Nächstes Jahr will ich auch mitlaufen. (2 oder 3? :tocktock: :D

JensR
17.04.2006, 19:56
Nächstes Jahr will ich auch mitlaufen. (2 oder 3? :tocktock: :D

na entweder einen oder 5 :wink:

Grüße,
Jens

macie
17.04.2006, 21:33
ich bin noch ganz neu hier im Forum
und auch beim Laufen.

Kenne die Veranstaltung der CBM nicht näher; trotzdem ganz interessant Eure Diskussion hier.
Sehe mich als gläubigen Christ und bin Protestant.
Aber verklemmt etc...... ?
Fundamente können eigentlich auch ganz nützlich sein; z.B. beim Hausbau;
evtl. auch beim Lebensbau?
Naja, will hier nicht missionieren. Aber in Deutschland gibt es zum Glauben immer so viele fertige Vorurteile; tut manchmal etwas weh.

Lieber Gruß
macie

humski-runner
17.04.2006, 21:43
@macie :daumen:

"Jesus war Marathonläufer" :klatsch:

"Selbstkasteiung" :klatsch:

uli316
19.04.2006, 08:11
ich war dabei.

die verbindung zwischen dem mehrtägigen langstreckenlauf und der meditation über das thema kreuzigung und auferstehung jesu fand ich spannend und gelungen. vor jedem lauf wurde eine andacht angeboten, die jeweils von verschiedenen pastorinnen und pastoren des ortes lilienthal durchgeführt wurde, was der veranstaltung einen ökumenischen charakter im positven sinn verlieh. einiger kranker läufer, die aus gesundheitsgründen nicht teilnehmen konnten, wurde im gebet gedacht.

am karfreitag wurde eingeladen zum schweigen und zu reduzierter nahrungsaufnahme, was aber keine verpflichtung war - so gab es einen tisch, wo man eigenverpflegung aufstellen konnte.

am ostersamstag war die organisation "sportler ruft sportler" vor ort, in der weltweit christliche spitzensportler verbunden sind. jeder finisher erhielt kostenlos ein "neues testament für sportler" überreicht.

durch den lauf wurde die christoffel blindenmision mit über 1000 euro unterstützt, um blinden kindern das augenlicht wiederzugeben.

über 50 dauerteilnehmer aus deutschland, den niederlanden und auch frankreich nahmen an der veranstaltung teil, und es entstand ein starkes gemeinschaftsgefühl unter den aktiven teilnehmern sowie den helfern.

die regionale fernsehanstalt "radio bremen" sowie die printmedien haben positiv über die veranstaltung berichtet.

im anklang an die alte tradition der pilgerwanderung sich bewegend auf die höchsten christlichen feiertage einzulassen fand ich eine schöne erfahrung.

von verklemmtheit und sektierertum habe ich nichts gespürt.

und wie habt ihr karfreitag und ostern verbracht?


pastor uli schulte

ps. natürlich war jesus kein marathonläufer im klassischen sinn, aber er hat zweifelsohne als mensch des altertums häufig ähnliche distanzen zu fuß zurückgelegt ;-)

JensR
19.04.2006, 08:20
Hallo Uli,

und wie habt ihr karfreitag und ostern verbracht?

laufend zu Hause bzw im Kreis der Familie :wink:

Danke, dass hier nochmal einer der Teilnehmer was geschrieben hat. In einem andern Forum hat Carsten auch nochmal rausgestellt, dass durch diese Läufe 10 Menschen das sehen wieder ermöglicht wurde. Dass dies durchs Laufen geschehen kann, ist ja auch schon fast ein kleines Wunder :wink:

Grüße,
Jens

P.S. natürlich sind die Norddeutschen in ihrer protestantischen Tradition verklemmt - da ich selber Norddeutscher bin und grosse Sympathien für die evangelischen/lutherischen/reformierten Kirchen hege, nehme ich mir das Recht raus, dass einfach mal zu behaupten :D

amanda
19.04.2006, 09:40
Hallo Winfried,

weil Evangelen/Protestanten nicht gleich Evangelen/Protestanten sind. Die Protestanten in den USA zeichnen sich dadurch aus, dass sie möglichst wortgetreu an biblischen Grundsätzen festhalten, während die grossen evangelischen Kirchen in Deutschland sich eher immer weiter daovn wegbewegen und das frei interpräteiren wies grad so passt. Mit andern Worten: die amerikansichen evangelischen Kirchen sind vielfach fundamentalistisch, während die europäischen vielfach gerade noch so christlich sind und daher in Europa eher die Katholiken als fundamental gelten.
Die Reformation war aber grundsätzlich schon das Bestreben zu den Wurzeln des Christentums zurückzukehren, also sond wohl die Amis dichter an ihren Wurzeln..
Was alle Evangelen aus ihrer Vergangenheit mitgenommen habe, ist ihre Verklemmtheit :D

Wie gesagt - ich bin Laie in der Beziehung, aber nen bissl interessierts mich halt..

Grüße,
Jens

Hallo Jens,
die Bibeltreue der amerikanischen Protestanten ist tatasächlich um vieles höher als hier in der lutherischen Kirche Deutschlands. Aber was mich immer wieder erschreckt: Sie sind fundamentalistisch und zwar in Bezug auf das Alte Testament. Der neue Bund spielt nicht die große Rolle. Soviel zu den von dir erwähnten Wurzeln.
Naja, jedenfalls glaube ich, dass die Entfernung von der Schrift hierzulande viel damit zu tun hat, dass man versucht, die Menschen in der Kirche zu halten. Obwohl ich diesen Weg ja falsch finde, wenn in der Kirche nicht mehr über Gott gesprochen wird, dann brauche ich da auch nicht hingehen.

@Uli,
das hört sich nach einem schönen Erlebnis an.

In der Kirche war ich auch. Ostern eben. In der Sacrower Heilandskirche bei Potsdam, bis 1989 ging die Mauer direkt am freistehenden Glockenturm vorbei, alles war Sperrgebiet, die Kirche zerfiel und nun lockt sie wieder viele Menschen zu Ostern an. Schon schön. Sozusagen ein zeichen der versöhnung, wenn man es so sehen will. Man sieht von dort bis zur Glienicker Brücke, den Gärten Potsdams und Berlins. Spannend, es ist immer wieder spannend.

mandy

JensR
19.04.2006, 10:03
Aber was mich immer wieder erschreckt: Sie sind fundamentalistisch und zwar in Bezug auf das Alte Testament. Der neue Bund spielt nicht die große Rolle. Soviel zu den von dir erwähnten Wurzeln.

kann ich so nicht beurteilen. Vllt weiss da Uli ja mehr. Die Pfingstgemeinden in den Staaten sind dort ja sehr stark vertreten und haben glaube ich weltweit auch die stärksten Zulaufquoten. Evtl kann er ja mal kurz einen Einblick in den Fundamentalismus der evangelischen Kirchen geben. Wobei ich Fundamentalismus hier nicht als negativ belegt ansehen möchte.



Naja, jedenfalls glaube ich, dass die Entfernung von der Schrift hierzulande viel damit zu tun hat, dass man versucht, die Menschen in der Kirche zu halten. Obwohl ich diesen Weg ja falsch finde, wenn in der Kirche nicht mehr über Gott gesprochen wird, dann brauche ich da auch nicht hingehen.

uneingeschränkt deiner Meinung :wink: Und das "halten" scheint ja so auch nicht zu funktionieren..

Viele Grüße,
Jens

P.S. ich sinniere beim laufen immer viel über Gott und die Welt im wahrsten Sinne des Wortes - Laufen ist schon nen schöner Sport

amanda
19.04.2006, 10:13
Die Pfingstgemeinden in den Staaten sind dort ja sehr stark vertreten und haben glaube ich weltweit auch die stärksten Zulaufquoten.

Gut, die sind da wohl rauszunehmen. Pfingsten ist ein Geschenk des Neuen Testaments. Vielleicht irre ich mich ja auch. Ich denke vor allem an die Gemeinden und Sekten, die im vorletzten Jahrhundert aus Europa auswanderten und in Amerika oft nach Regeln des AT lebten und bis heute leben.

mandy

Stephen
19.04.2006, 12:22
Danke, Uli, für diese Eindrücke - und Gratulation zu deinem 100. Marathon!


die verbindung zwischen dem mehrtägigen langstreckenlauf und der meditation über das thema kreuzigung und auferstehung jesu fand ich spannend und gelungen. vor jedem lauf wurde eine andacht angeboten, die jeweils von verschiedenen pastorinnen und pastoren des ortes lilienthal durchgeführt wurde, was der veranstaltung einen ökumenischen charakter im positven sinn verlieh.

Schön zu sehen, daß sich die Ökumene auch auf Nicht-Christen erstreckt:

Buddhist Shakal Ryan erhält Segen von Pastor Schulte (http://www.lilienthal-marathon.mattejiet.net/presse/presse.htm)


einiger kranker läufer, die aus gesundheitsgründen nicht teilnehmen konnten, wurde im gebet gedacht.

Auch dir ist es zu wünschen, daß deine gesundheitlichen Probleme bald vergangen sind.


und wie habt ihr karfreitag und ostern verbracht?

Karfreitag mit einem Tempolauf, Ostersonntag mit einer Runde um den Walchensee (leider ist ja den ganzen Winter über die geplante Fori-Runde um diesen See nicht zustande gekommen).


natürlich war jesus kein marathonläufer im klassischen sinn, aber er hat zweifelsohne als mensch des altertums häufig ähnliche distanzen zu fuß zurückgelegt ;-)

Dazu paßt folgender Link:

St Paul Trail (http://www.lycianway.com/StPaulContent/aboutthewalk.html)

Sabine34
19.04.2006, 16:39
Ostersonntag mit einer Runde um den Walchensee (leider ist ja den ganzen Winter über die geplante Fori-Runde um diesen See nicht zustande gekommen).

und Du schleichst Dich da klammheimlich einfach hin?:wink:

Lizzy
19.04.2006, 17:14
(leider ist ja den ganzen Winter über die geplante Fori-Runde um diesen See nicht zustande gekommen).

Tja - sieht auch weiterhin irgendwie mau aus. Dieses Wochenende läuft Welf den HH-Marathon (viel Glück von hier aus, Richard :hallo: ), Sabine im Mai in Mainz und Anfang Juni Biel gleich hinterher, ich hab' den Mai über Umzug anstehen und mag mich nicht mit zusätzlichen Terminen stressen ... Wird wohl frühestens eine Sommerrunde werden.

Ich guck' mir zum Trost immer mal die Webcambilder (http://www.ms-fuchshuber.de/walchensee.jpg) vom Herzogenstand an :wink:

und wie habt ihr karfreitag und ostern verbracht?

einfach so ganz sinn- und planlos - war auch ohne Laufen, Beten und Meditieren ganz nett :zwinker4:

uli316
19.04.2006, 21:56
kann ich so nicht beurteilen. Vllt weiss da Uli ja mehr. Die Pfingstgemeinden in den Staaten sind dort ja sehr stark vertreten und haben glaube ich weltweit auch die stärksten Zulaufquoten. Evtl kann er ja mal kurz einen Einblick in den Fundamentalismus der evangelischen Kirchen geben. Wobei ich Fundamentalismus hier nicht als negativ belegt ansehen möchte.


ohne jetzt ein neues fass aufmachen zu wollen:

als "fundamentalisten" wurden bis weit ins letze jahrhundert hinein die jenigen christen bezeichnet, denen die bibel als grundlage für die glaubenslehre und die lebensführung galt - in abgrenzung gegenüber allzu liberalen tendenzen. es war auch so eine art auszeichnung für menschen, die ihren glauben sehr ernst und bewusst lebten. also menschen, die jesus und die bibel als ihr lebensfundament ansahen.

eine negative wandlung erfuhr der begriff, als er zunehmend auf gewaltbereite islamisten angewandt wurde.

man darf wohl kaum - wie es heute oft getan wird - das wort "fundamentalisten" auf gewaltbereite fanatiker bzw. menschen, die ihren glauben ernst nehmen in einem atemzug anwenden...

uli

JensR
20.04.2006, 08:09
man darf wohl kaum - wie es heute oft getan wird - das wort "fundamentalisten" auf gewaltbereite fanatiker bzw. menschen, die ihren glauben ernst nehmen in einem atemzug anwenden...

uli

nunja - also das bleibt ja nun jedem selber überlassen wie er Begrifflichkeiten verwendet. Der Sinn des Wortes kann per se nicht negativ sein, sondern nur die Hintertöne. Daher würde ich die einen als Extremisten bis Terroristen bezeichnen und die andern als Fundamentalisten. Und wie gesagt - ich sehe den Inhalt des Wortes das nicht als negativ an.

Grüße,
Jens

schlechtes gewissen
20.04.2006, 22:10
Sprachgebrauch
In seiner ursprünglichen Bedeutung geht der Begriff Fundamentalismus auf die Protestbewegung gegen "modernistische" Tendenzen innerhalb des US-amerikanischen Protestantismus zurück und wurde in diesem Zusammenhang erstmals verwendet. Christen (siehe Christlicher Fundamentalismus).

Der Begriff ist seit 1920 belegt und entstand durch die Schriftreihe "The Fundamentals" bzw. "The Fundamentals of Truth", welche Anfang des 20. Jahrhunderts (1915-1919) in den Vereinigten Staaten erschien. Sie richtete sich gegen die moderne Theologie, bzw. insbesondere gegen die historisch-kritische Betrachtung der Bibel und die Rezeption der Evolutionslehre. Die hinter der Schriftenreihe stehende Bewegung stammt aus der amerikanischen Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts und verband mit der Verbreitung konservativ-protestantischen Schrifttums eine durch fromme Industrielle unterstützte öffentliche Propagandatätigkeit. Deren Höhepunkt war der sogenannte "Affenprozess" (in ihm ging es um die Lehre der Abstammung des Menschen vom Affen) 1925 in Dayton, Tennessee.

Die transreligiöse Verwendung verdankt der Begriff des "Fundamentalismus" der islamischen Revolution im Iran 1979. Unter dem Einfluss des Ayatollah Khomeini (s.u.), der auf Grund einer wörtlichen Auslegung des Korans Körperstrafen wie Auspeitschen, Handabhacken und Steinigungen wieder einführte, griffen Publizisten auf diesen Begriff zurück, weil sich auch der protestantische Fundamentalismus auf eine wörtliche Auslegung ihrer heiligen Schrift bezog. Das gemeinsame "Fundament" der Fundamentalisten ist also ursprünglich jeweils ein wörtlich verstandener religiöser Basistext gewesen. Und es ist zu fragen, ob man nicht angesichts des späteren, inflationären Gebrauches zu seiner engeren Ursprungsbedeutung (von Fundamentalisten als 'Textfetischisten') zurückkehren soll. Im Bezug auf den Islam könnte so eine Differenzierung verschiedener Strömungen und Ursachen aufgedeckt werden, die durch den mittlerweile instrumentalisierten Begriff des Fundamentalismus eher verdeckt werden.

Im populären Sprachgebrauch werden unter dem Begriff Fundamentalismus zuweilen unterschiedslos konservative religiöse Gruppen, gewalttätige Mitglieder einiger Volksgruppen mit mehr oder weniger religiöser Motivation oder Terroristen zusammengefasst, was diesen Begriff heute problematisch macht. Während es unbestreitbar unter diesen Gruppentypen Überschneidungen gibt, lassen sie sich nicht prinzipiell gleichsetzen. Fundamentalisten charakterisiert man im allgemeinen dadurch, dass sie sich auf bestimmte konkrete Grundlagen (oder dem, was sie darunter verstehen) ihrer Religion (oder auch im politischen Sinne: ihrer Partei) beziehen und darüber keine Diskussion zulassen.

Der Begriff Fundamentalismus hat sich im Allgemeingebrauch stark aufgefächert, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA und in der europäischen Presse besonders nach der iranischen Revolution 1979, als nun auch von einem islamischen Fundamentalismus gesprochen wurde.

Der Begriff Fundamentalismus wird heute im allgemeinen Sprachgebrauch oft als diskursiver Allgemeinplatz verwendet. Im sprachpsychologischen Gebrauch wird der Begriff Fundamentalismus auch zum Ausdrücken eines Diskussionsabschlusswunsches verwendet, in dem eine andere Meinung als Fundamentalismus etikettiert und abqualifiziert wird.
...