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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 10. Oldesloer Stadtlauf des Spiridon Clubs



Jens88
04.11.2006, 13:03
Laufbericht zum Volkslauf in Bad Oldesloe, am 26.8.2006

Habe lange gesucht, wo ich so etwas veröffentlichen kann.
Also - etwas spät, aber nicht zu spät. Hier ist er:

Ein Tag, auf den ich (43 J.) mich seit ca. 3 Monaten vorbereitet hatte, hat begonnen. Es regnet. Die Temperatur liegt bei 20°C. Ich könnte weinen vor Freude, denn das sind meine Wunschbedingungen. Um 17:00 Uhr soll der für mich wichtige 10km-Lauf in Oldesloe gestartet werden, bestehend aus 3 Runden je ca. 3,33km. Nachdem ich im vergangenen Juni beim 'Barsbütteler Volkslauf’ vergeblich versuchte, meine persönliche Bestleistung zu verbessern (mangels Training und wegen des sehr warmen Wetters), will ich heute einen neuen Anlauf starten.

Meine kurz- und langfristigen Ziele bezüglich der 10km-Strecke (Straße) sind:
- Verbesserung der persönlichen Bestleistung von 51:02 Minuten (16 Jahre alt)
- Erreichen der 45’er-Zeiten
- Erreichen der 40’er-Marke
- Weitere Ziele sind noch offen

Mit der ganzen Familie reise ich rechtzeitig an, hole mir meine Startnummer und das „Laufbrot“ ab. Zur Entspannung begleite ich meine Kinder zu den Kinderläufen. Auch Vanessa (9) will plötzlich mitlaufen! Was ist mit ihr passiert!? OK, es gibt Schlimmeres, ich mache ein paar Fotos sowie Videos. Der anfänglich noch leichte Regen hat mit der Weile aufgehört.

Dann ist auch schon der Kinderlauf vorbei – 620m sind eben nicht sehr lang. Der 3,3-km-Lauf wird gestartet (ohne familiäre Beteiligung) und ich beginne mich langsam auf meinen Start vorzubereiten.

16:55 Uhr, ich stehe in ungefähr der 3. Startreihe in der Fußgängerzone des Marktplatzes. Die Laufuhr ist präpariert und wartet auf meinen Druck auf die Starttaste. Da spricht mich zu meiner Linken ein Läufer an. „Die habe ich auch – GPS funktioniert hier im Wald nicht“. Das könne ich vergessen meint er noch. Ich schlucke kurz und denke mir, dass ich auf meine Erfahrung mit der Uhr vertrauen sollte, da knallt auch schon die Startpistole und auch mein Finger drückt ab.

Man ist das voll auf dem ersten Kilometer. Ständig muss ich ausweichen und abbremsen. Dann wird der Abstand schließlich etwas größer zwischen den Läufern. Es geht ein wenig bergauf und –ab, aber alles im gewohnten Rahmen. Im Wald ist es etwas rutschig, d.h. Vorsicht in den Kurven! Von Zeit zu Zeit werde ich überholt, genauso, wie ich auch zu Überholungen komme. Habe schnell ein gutes Zusammenspiel zwischen Atemrhythmus und Schrittzahl gefunden.

Dank der super Laufuhr kann ich mich gut an eine gleichmäßige Laufgeschwindigkeit halten, was wichtig ist, um nicht zu überpowern. Denn in der Gruppe wird man einfach mitgerissen. Wer das nicht vorher schon einmal probiert hat wird überrascht sein, wie man sich fühlt, wenn einem andere Läufer weglaufen. Ich habe heute zusätzlich meinen virtuellen Partner programmiert. Er ist auf die persönliche Bestzeit (51:02 Minuten) eingestellt und sagt mir unter anderem, wie weit ich gegenüber dem virtuellen Partner in Metern voraus bin, bzw. wie weit ich ihm gegenüber zurückliege. Vorher hatte ich mir außerdem ausgerechnet, dass 200m ca. einer Minute entsprechen, was bedeutet, wenn ich 200m voraus bin, ich am Ende so die 50-Minuten Marke knacken könnte. Soweit die Träume, die Realität sieht oft anders aus.

So gingen die Kilometer ins feuchte Oldesloer Land (Wald, Straße und Fußgängerzone). Zwischendurch spricht mich ein Läufer von hinten an: „Ich komme auch aus Glinde“. Er wird bei mir hinten ‚TSV Glinde’ auf dem Shirt gelesen haben, denke ich noch und entgegne „Ja prima“. Da realisiere ich, dass dieser Typ sehr große und laute Schritte macht (nicht mein Rhythmus), was mich zu irritieren droht. Wir überholen uns zwischenzeitig zum Glück gegenseitig und halten einen gewissen akustischen Abstand, was mir hilfreich ist.

Die erste Runde erscheint mir schwerer als die zweite gewesen zu sein. Ich atme gleichmäßig (verhältnismäßig laut), nicht zu tief und in einem regelmäßigen gewohnten Verhältnis zu meinem Schrittrhythmus weiter. Dann bin ich auch schon in der dritten und letzten Runde. Meine Herzfrequenz ist deutlich höher als gewohnt, erreicht aber nur selten gegen Ende der Strecke die Alarmgrenzwerte der Laufuhr, was mich beruhigt. Ich konnte meinen Vorsprung gegenüber dem virtuellen Partner inzwischen auf 500 bis 600m ausbauen und annähernd halten. Zumindest sagt mir das meine GPS-Uhr! Am Ende würden 600m so ca. 3 Minuten Vorsprung entsprechen, fantasierte ich noch so. Aber in wie weit kann ich mich nun tatsächlich auf das Teil verlassen?

Das wird sich in ca. 1000m Entfernung zeigen. Dort befindet sich nämlich das Ziel – nur verspüre ich plötzlich eine gewisse Anspannung in den Beinen, als ich eine Straße leicht bergauf laufe. Sollte ich jetzt noch einen Krampf bekommen? Nein – das wollte ich auf gar keinen Fall, laufe deshalb kurzfristig ein wenig langsamer (habe ja genug Vorsprung ;-)) und versuche mich mental etwas zu entspannen. Plötzlich höre ich ein „Jens du schaffst das, Du liegst gut in der Zeit“, was mich nicht überrascht, da ich mich (bis jetzt) auf die Laufuhr verlassen hatte und zu der gleichen Erkenntnis komme. Sollte die Uhr das mit ‚dem Wald’ doch hinbekommen haben!?!

Da ist auch schon die letzte Kurve vor der Zielgeraden, als mich zwei, ein paar Altersklassen jüngere überholen. Ich kann leider nicht mehr mithalten, auch wenn ich noch einmal alles gebe, bis ins Ziel, wo ich exakt im richtigen Moment noch auf die Laufuhr drücke. „Stopp“ schreit jemand, eine Hilfskraft scannt meine Startnummer ab.

Ich atme tief durch und recke kurz die Arme in die Höhe. Jetzt habe ich wieder Kraft und beginne meine Laufuhr bezüglich der erreichten Zeit zu befragen. Ergebnis ist eine NEUE PERSÖNLICHE BESTZEIT: (47:56 Minuten). Das heißt, damit sind ZWEI der gesetzten Ziele schon erreicht. Die Laufuhr hat sehr genau gearbeitet, denn ich hatte am Ende ca. 600m Vorsprung gegenüber dem virtuellen Partner, was ca. 3 Minuten entsprach. Die Ungenauigkeiten, die sich wegen der Waldstücke mit mangelndem Satellitenempfang ergaben, haben sich durch die Länge der Strecke und die Schwankungen in beide Richtungen, am Ende nahezu ausgeglichen. Welch ein Erfolg für mich und meine Laufuhr!

Glücksgefühle kommen auf. Darauf habe ich gewartet und es gibt Motivation dafür, mehr erreichen zu wollen. Ganz nach dem Motto‚ geht nicht gibt es nicht’ – alte Grenzen verschwinden einfach – werden einfach pulverisiert.

Jetzt heißt es weiter laufen, Spaß haben und gesund bleiben. Aber das gehört ja zusammen :-)

Waldkater
04.11.2006, 20:13
Hallo Jens,
etwas spät dein Bericht - aber schön.
Mit viel Glück sehen wir uns beim Trave-Lauf im nächsten Jahr. Übe schon mal auf der Ex-Bahnstrecke.

Gruß Stefan

steilkueste
04.11.2006, 21:27
Hi Jens,

Gratulation zur neuen PB. Ist ja nun schon eine Weile her. Wann unternimmst du die nächste Attacke?

Grüße
Jan

Jens88
05.11.2006, 07:24
:hallo: Hi Stefan, hi Jan,

ich glaube ich erzähle Euch nichts Neues, wenn ich schreibe dass man bei Zeiten unter 50 Minuten/10km mehr tun muss als nur viel zu laufen.
Zumindest habe ich das gelesen und wurde mir das auch immer wieder gesagt. Persönliche Erfahrungen habe ich in diesem Zeitbereich noch keine.

Das bedeutet, was ich momentan tue hält die Form und bringt mich nicht wirklich weiter voran. Ich laufe nämlich 30-40 km/Woche. Im Grunde ist das die Minimalvoraussetzung für einen ersten Marathon nächstes Jahr. Das ist aber kein Muss!

Wenn die Zeit und die Gesundheit es zulassen werde ich mich kurz vorher entsprechend vorbereiten. Was die 10km betrifft überlege an der Bramfelder Winterlaufserie teilzunehmen (BSV). Ist die gut oder nicht gut?

Ach so fast vergessen. Ich werde den Crosslauf in OD am nächsten Wochenende mitmachen!

Konkursus
05.11.2006, 18:40
Hallo Jens,

herzlichen Glückwunsch zu Deiner PB und Deinem Bericht. Dieser war superspannend (ich dachte die ganze Zeit, es passiert noch was mit der Uhr).

Habe die gleichen Ziele wie Du. Bin M 50, habe ich diesem Jahr ernsthaft abgefangen zu laufen mit PB 47:05 beim KSK Küstenmarathon in Otterndorf. Für nächstes Jahr möchte ich die 45:00 angehen, 2008 42:30 und 2009 42:00 (wenn das Alter noch mitmacht).

Drück uns beide die Daumen. Du hast Recht, mit 35 Km (mein Trainingspensum derzeit) ist es da nicht gemacht. Ich denke, auf 50-60 Km müssen wir wohl erhöhen.

MfG

Konkursus

Grüße aus dem schönen Niedersachsen

Jens88
30.12.2006, 09:46
Hi Jan,

melde mich mal wieder hier im Forum.
Habe tatsächlich meine 10km-Zeit noch einmal leicht verbessern können.

Beim 2. Lauf der BSV-Winterlaufserie konnte ich meine Bestzeit auf
47:30 min reduzieren (26 Sek. besser).

Versuche in den nächsten Monaten 175 bis 200km/Monat zu laufen.
Leider ist es stets dunkel, wenn ich zur Zeit abends zum Laufen komme.
Das wird nicht leicht werden. Aber es gibt zum Glück auch noch die WEs,
an denen ich veruche >20km am Stück zu laufen.

Denn jetzt ist es klar - ich laufe in HH den Conergy Marathon in 2007!