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Schwabenpfeil
19.06.2009, 11:57
Heute Morgen fuhr ich im Auto zu einem Kunden, als aus dem Radio auf einmal Hells Bells von AC/DC gespielt wurde. Sofort war die Gänsehaut vom Wochenende wieder da und ich beschloss, trotz engem Terminkalender doch noch einen Bericht zu schreiben.
Wenn dadurch ein Zuschauer oder Teilnehmer mehr nächstes Jahr bei der Challenge dabei ist, habe ich ein klein wenig zurückgegeben.

Die Challenge Roth oder Kraichgau ist eine Herzenssache und kann mit dem Verstand alleine nicht erfasst werden. Wie stand es auf der Startnummer: „We are Triathlon“. Yes you are!!!
Der Marathon in der Staffel 2006 in Roth entfachte das Triathlonfieber und die Challenge Kraichgau heizte es weiter an. Ich habe an einigen Veranstaltungen teilgenommen und an jede fast nur positive Erinnerungen, doch die Teilnahme an einer Challenge Veranstaltung ist und bleibt was Besonderes. Es stimmt jedes Detail und man merkt die Veranstalter sind mit ihrem Herzblut dabei. Aus diesem Grund will ich auch einen „herzlichen“ Bericht schreiben:

Samstagmorgen 6 Uhr Puls 40
Ich ziehe die Turnschuhe an und trabe locker zum Bäcker und wieder zurück. Bei einem gemütlichen Frühstück beginnen wir den Tag, herrliches Wetter. Danach teilen wir uns auf. Meine Frau fährt unsere große Tochter auf einen Bogenbaukurs und ich und die zwei kleineren machen uns auf den Weg zu Oli.

Samstag 14.30 Uhr Puls 70
Grosses Hallo bei Oli, zum ersten Mal seit fast 3 Jahren sehen wir Kathrin wieder und Sandra trifft kurz darauf ein. Nach kurzem Fachsimpeln geht es gemeinsam zum Abholen der Startunterlagen nach Mingolsheim. Wie immer in der langsamsten Schlange… die kleinen haben brav gewartet und werden mit einem Eis belohnt. Danach geht es zum Hardtsee , das Rad einchecken.

Samstag 17 Uhr Puls 90
Das Rad steht neben vielen in der Wechselzone, es macht sich freudige Erwartung breit. Die kleinen sind bereits dabei den See zu testen und ich sehe den LKW mit jede Mengen Laufbeutel. Ich frage ob ich meinen Morgen noch abgeben kann: „Nein“ geht nicht. Schei….. Puls 120, meine Laufsachen sind alle zuhause!!! Einfache Fahrtstrecke 50 Kilometer Landstraße. Der Ordner meinte dann, man konnte den Beutel morgen noch ab 8 Uhr in der Wechselzone in Mingolsheim abgeben, dann hätte aber meine Frau morgen richtig Stress. Ich entwickle PLAN B, hole aus dem Auto den Laufbeutel, ziehe meine Turnschuhe aus und gebe diese ab. Ab jetzt bin ich barfuß unterwegs. Die restlichen Laufsachen stecke ich morgen in mein Radtrikot und fahre sie eben spazieren. Kurz darauf kommt meine Frau und wir treffen draußen Oli, Sandra und Kathrin. Oli ging es genauso, hatte aber leider nur „Badelatschen“ an. Eigentlich wollten wir noch in die Pizzeria, aber barfuß ist das nicht ganz so glücklich und wir bestellen unterwegs etwas beim Lieferdienst und genießen das Carboloading zuhause. Um 22 Uhr beschliessen wir einen anstrengenden Tag.

Sonntag 5 Uhr Puls 40
Wecker klingelt

Sonntag 5.01 Uhr Puls 80
Raceday, endlich ist er da. Ich mache Frühstück und wecke 20 Minuten später meine Frau. Gemütlich sitzen wir zusammen und um 6 Uhr geht es los. Über einsame Straßen nähern wir uns dem Hardtsee und sind schnell da.

Sonntag 7 Uhr Puls 70
Direkt neben dem Startgelände ist sogar noch ein Parkplatz frei. Ich gehe zu meinem Fahrrad, fülle die Flaschen, kontrolliere die Luft und wir treffen uns auf dem Parkplatz wieder. Dort hat bereits ein Bäcker geöffnet. Es riecht so lecker nach Brezeln, dass ich nicht wiederstehen kann. Mit einer Tasse Kaffee sitzen wir in der Sonne. Es ist bereits warm und ich genieße bei jedem Rennen ganz bewusst die Ruhe und bin rechtzeitig vorher da. Es ist einfach genial zuzusehen wie das Gelände sich langsam mit Leben fühlt, die Stände aufgebaut werden und die Athleten eintrudeln. Wir treffen Oli, Kathrin und Sandra. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, wir drücken uns aber die Daumen.

Sonntag 9 Uhr Puls 100
Aus den Lautsprechern tönt Hells Bells, ganz langsam beginnt das Schlagzeug mit einem Glockenschlag nach dem anderen, das Lied nimmt Fahrt auf und mit einem ohrenbetäubenden Donnerschlag der Startkanone beginnt das Rennen. Gänsehaut pur und wir wissen warum wir uns das antun!!! Um 9.15 Uhr sind die drei dran und um 9.30 Uhr wird meine Welle gestartet.

Sonntag 9.25 Uhr Puls 90
Ich stehe im Wasser, schaue nach links und sehe einen Athleten der den Neo falsch herum an hat (den Reißverschluss vorne). Ich muss lächeln, ich war ja auch schon oft aufgeregt, aber dass mir dies passiert kann ich mir nicht vorstellen, hektisch watet er an Land.

Sonntag 9.29 Uhr Puls 100
Auch wir bekommen Hells Bells aufs Ohr, zum dritten Mal heute Gänsehaut und mit dem Donnerschlag geht es los.

Sonntag 9.35 Uhr Puls 120
Ich kraule los und denke : KLASSE IDEE !!! Gelbe Badekappen und gelbe Markierungsbojen – das ist ja wie die österreichische Kriegsflagge: Weißer Adler auf weißem Grund. Komme etwas zu weit links hinaus und schwimme die ersten 800 Meter vielleicht 150 Meter Umweg. Was solls. Der Rest klappt perfekt und nach 44 Minuten bin ich zurück. Immer noch langsam aber 5 Minuten schneller als letztes Jahr und ohne die leichteste Erschöpfung zu spüren geht es aufs Fahrrad.

Sonntag 10.30 Uhr Puls 135
Die ersten Kilometer sind völlig flach und nach 7 Kilometern zeigt mein Tacho ein Schnitt von über 36 KM an. Es kommen die ersten Hügel und bei einem steige ich aus dem Sattel und merke wie das Rad nicht richtig läuft. Ich steige ab, drehe das Hinterrad, kann aber nichts finden. Ab diesem Zeitpunkt ist es zum Heulen. Ich komme mir vor wie mit 200 Kilometer in den Beinen. Halte wieder an, kann wieder nichts finden. Bei einem Anstieg mit 13% ist es dann soweit. Das Hinterrad blockiert komplett und ich komme gerade noch aus den Pedalen. Sofort Rennen Zuschauer zu mir, halten das Rad und ich baue das Hinterrad komplett aus und setzte es wieder ein. Lege die heruntergesprungene Kette wieder auf, drehe die Pedale sieht gut aus. 3 Frauen schieben mich an und es kann wieder weitergehen. Plötzlich ist es als „Engel schieben würden“!!! Locker und leicht geht es die Berge hoch und fahre mich durch das Feld. Nur Essen kann ich nichts. Auf der ganzen Radstrecke habe ich keinen halben Riegel hinuntergebracht. Einer der 7-8 Kaffees vor dem Start oder die 3 Brötchen haben mir nicht gut getan… egal Energie ist da und vor dem Ironman im Juli werde ich etwas konservativer an die Ernährungsfrage herangehen. An vielen Stellen stehen Zuschauer jubeln uns zu, besonders an den Steigungen. In Gochsheim steht oben eine Kapelle da wurde oben nochmals besonders angefeuert. In schneller Fahrt geht es den Berg hinunter und über ein paar kleine Steigungen in die Wechselzone. Nach 2:54 sind die 92 KM absolviert.

Sonntag 13.30 Uhr Puls 150
Schnell sind die Schuhe angezogen, ich räume meine Taschen aus und los geht es auf die Laufstrecke. Es ist heiß und im Wohngebiet geht kein Lüftchen. Sandra begegnet mir und wir winken uns zu, sie macht keinen müden Eindruck. Eine viertel Stunde später sehen wir uns und nach ein paar aufmunternden Worten geht es weiter. Dann begegnet mir Kathrin, cool mit schwarzer Sonnenbrille und leichten Fußes, weiß nicht ob ich sie mich gesehen hat. Schnell ist die erste Runde vorbei. Ich schaue auf die Uhr 29:XX für 7 Kilometer, das ist zu schnell mir zieht es sonst „den Stecker“. Ich nehme etwas das Tempo heraus. An jeder zweiten Verpflegungsstelle etwas Cola und ansonsten ein Becher Wasser über den Kopf und weiter. Im Augenwinkel sehe ich noch Oli, zum Winken aber zu spät.

Sonntag 14:58 Uhr Puls 160 knapp unter maximal
Kilometerschild 6 die letzte Steigung hinter mit, laufe ich den letzten Kilometer unter 4 Minuten ins Ziel. Die Füsse sind leicht, Startnummer gerade gerückt und mit hochgereckten Armen und einem Lächeln geht es ins Ziel. 1:36 für den Halbmarathon, damit bin ich bei dieser Hitze zufrieden. Ein genialer Tag. Ich sehe Oli und meine Frau. Die Wassermelone und der Kuchen schmecken köstlich. Meine Frau muss sich die lange Version des Rennberichts anhören – alleine kann man dies nicht genießen.

Sonntag 16 Uhr Puls 70
Ich checke mein Rad aus, hole meine Beutel und fahre zurück zum Auto. Ein Posten leitet mich falsch und ich mache eine 20 Kilometerradtour. Das wäre jetzt nicht mehr notwendig gewesen. Was solls… kurz bevor es richtig zu regnen beginnt bin ich bei meiner Frau. Wir fahren nach Hause, laden die Kids ein und es geht zur Grillparty zu Oli. Wir lassen einen wunderschönen Tag ausklinken. Es wird ein gemeinsamer Start im September 2010 auf der Langdistanz in Köln beschlossen. So hart war der Tag dann nicht oder war das Weizenbier Schuld?

oko_wolf
19.06.2009, 12:24
Noch ein sehr schöner Bericht über eine klasse Leistung :respekt2:


... kann mit dem Verstand alleine nicht erfasst werden. ...

das hätte ich mir bis vor einer Woche nicht vorstellen können, aber jetzt hab' ich selbst im Wasser gestanden als "Hells bells" lief.


... sehe einen Athleten der den Neo falsch herum an hat (den Reißverschluss vorne). ...

:hihi:


... und merke wie das Rad nicht richtig läuft. [...] Plötzlich ist es als „Engel schieben würden..?

Weißt Du in der Zwischenzeit, was es war?

Kathrinchen
19.06.2009, 12:35
HEs wird ein gemeinsamer Start im September 2010 auf der Langdistanz in Köln beschlossen. So hart war der Tag dann nicht oder war das Weizenbier Schuld?
Am nächsten Morgen wurde gemunkelt, daß Du sonst nicht für solch spontane Entscheidungen bekannt bist.... :hihi: Großartige Laufleistung bei der Hitze Andi, hast ganz schön losgelegt nach Hinten raus. War echt schön, Dich und Claudi wiederzusehen, das nächste Mal ist ja schon beschlossen, das wird dann keine 3 Jahre mehr dauern.

Schönen Sommer und hau rein in FF :winken:

Kathrin

aldente
19.06.2009, 12:51
Hallo Schwabenpfeil,

herzlichen Glückwunsch zu Deiner tollen Leistung! Insbesondere die Laufleistung am Ende war ja bei dem Wetter sehr ordentlich! Ich wünsche Dir alles Gute für die restliche Vorbereitung und vielleicht sieht man sich 2010 dann in Köln auf der LD?! :daumen:

Gruß aus Aachen,

Marcel

Oli.F.
19.06.2009, 13:45
ein sehr schöner bericht andy.



„We are Triathlon“. Yes you are!!!

so ist es und nicht anders.

es wird mir unvergesslich bleiben wie du, vor mir aus der wechselzone kommend, vor mir weggesprintet bist :geil:
ich dachte noch: wow, der andy will's heute richtig wissen.

ich habe dich übrigends mit auf die liste fürs 24h schwimmen in bietigheim gesetzt. du hast letztes jahr nicht laut genug nein gesagt :D

Schwabenpfeil
19.06.2009, 18:19
ich habe dich übrigends mit auf die liste fürs 24h schwimmen in bietigheim gesetzt. du hast letztes jahr nicht laut genug nein gesagt :D

Dann kann ja ich auch gleich beichten... nach dem Du bei meinen Bielplänen nicht angewidert geschaut hast, dachte ich mir: Geteiltes Leid, ist halbes Leid :teufel:

Kathrinchen
19.06.2009, 19:38
... nach dem Du bei meinen Bielplänen nicht angewidert geschaut hast, dachte ich mir: Geteiltes Leid, ist halbes Leid :teufel:
:hihi: :hihi: :hihi:

Oli.F.
19.06.2009, 23:25
Dann kann ja ich auch gleich beichten... nach dem Du bei meinen Bielplänen nicht angewidert geschaut hast, dachte ich mir: Geteiltes Leid, ist halbes Leid :teufel:

mann merkt, der mann arbeitet im vertrieb :zwinker2:

nee andy, das ist nix für mich. so gerne ich auch viel und intensiv laufen würde, mein körper hat mir bis jetzt jedesmal eine limitation erteilt.
da bin ich dann beim tria besser aufgehoben.

bietigheim ist schon eine nette sache. heidi und moritz haben sich auch bereit erklärt. das team gedeit.....