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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wenn beim Wandern das Herz nicht wegen der Anstrengung Purzelbäume schlägt



TriciaMarieMcMillan
16.06.2013, 16:05
Liebe Forenwanderer

Vom schönen Wetter getrieben, habe ich mich heute rasch zu einer Wanderung überreden lassen. Also habe ich wie üblich meinen Rucksack gepackt, meine abgeliebten Trekkingschuhe angeschnallt und mich auf eine gemütliche Wanderung gefreut.
Ich muss dazu sagen, dass ich alles andere als ein passionierter Bergwanderer bin und in der Regel auf den gut befestigten Wanderwegen bleibe, zum einen weil ich mich dort auch alleine sicher fühle und zum anderen, weil ich meist mit Hund unterwegs bin und deshalb keine grossen Risiken eingehen möchte.

Da ich aber heute weder alleine, noch mit dem Herrn Köter unterwegs war, habe ich mich getraut mich auf eine Wanderung einzulassen, die mit dem aufmunternden Anblick eines Warnschildes („Nur für geübte Bergwanderer) begonnen hat. Zu dem Zeitpunkt habe ich erneut angemerkt, dass ich ein ganz schöner Angsthase sein kann, wenn ich dem Untergrund nicht vertraue, konnte dann aber meine Neugier nicht unterdrücken und mich trotz des entmutigenden Schildes weiter gewagt.
Die ersten fünfundvierzig Minuten waren zwar wegen der Steigung, den sehr schmalen Pfaden und vor allem wegen den hohen Temperaturen anstrengend, aber zu meinem Erstaunen konnte ich gut mithalten und kam nur sehr selten etwas aus meinem inneren Gleichgewicht.
Diese Ruhe hat sich dann aber rasch gelegt, als es darum ging zwei sehr steile und unbefestigte Schieferabhänge (aus Lawinenschotter und loser Schieferstein) zu überqueren. Das erste Stück von ca. 20m brachte ich mit Ächzen und heftigem Herzklopfen hinter mich, doch beim zweiten Geröllhang gab mir mein zitternder Körper eindeutig zu verstehen, dass ich meine Angst nicht mehr in den Griff bekommen werde. Ich habe mich zwar knapp 10m vom schmalen Pfad auf das steile Schiefergeröll gewagt, fror dann aber regelrecht ein, als ich keinen sicheren Tritt mehr fand um weiterzugehen. Nach beinahe 15 Minuten musste ich dann wiederwillig einsehen, dass mir dieses Mal nicht einmal meine legendäre Sturheit weiterhelfen würde und es schlichtweg leichtsinnig wäre, derart verunsichert weiterzulaufen – zumal mein ganzer Körper heftig zitterte, ich bei jedem noch so kleinen Ausrutscher in Panik geriet und die Strecke alles andere als einfacher wurde.
Also habe ich mich dann doch noch dazu überreden lassen, umzukehren und eine andere, kinderfreundliche Route zu laufen. Und kaum hatte ich den einigermassen festen Boden des Pfades unter meinen Füssen, kauerte ich mich unwillkürlich in die Hocke und vergoss sogar eine Träne (Fail! :klatsch:).

Wie ihr euch vorstellen könnt, ärgert mich mein heutiges „Versagen“ unheimlich! Natürlich war es keine gute Idee, mich als blutiger Anfänger auf so eine Wanderung einzulassen und mein Scheitern war mehr oder weniger vorprogrammiert. Nichts desto trotz fällt es mir schwer mir einzugestehen, dass ich heute schlichtweg aufgegeben habe, obwohl ich den Abhang rein theoretisch hätte überqueren können, hätte ich meinen Körper besser im Griff behalten – denn es mangelte weder an Kondition noch Kraft, sondern lediglich an meiner mentalen Stärke!

Meine Angst kam daher, dass ich mich mit der Route heillos überfordert gefühlt habe und ich einfach noch nicht so weit war, einen derart steilen Geröllhang ohne Sicherung zu überqueren.
Nun, sich jetzt zu grämen hilft schlussendlich auch nicht weiter, also muss jetzt eine Strategie her. So wie ich mich kenne, werde ich erst aufhören mich über mein Unvermögen aufzuregen, wenn ich mir selbst beweisen kann, dass ich mich überwinden kann. Schliesslich will ich meinem verängstigten Hirn nicht die Chance geben, mein heutiges Aufgeben als Sieg zu verbuchen, sondern lernen, mich meinen Ängsten zu stellen.

Also frage ich die erfahrenen Wanderer unter euch, wie ich mich korrekt auf diese Situation vorbereiten kann und welche Massnahmen ich treffen könnte, damit ich diese Wanderung doch noch erfolgreich zu Ende bringen kann. Wie gesagt gehe ich davon aus, dass ich genügend Kondition und Kraft habe, auch diese Teilpassagen zu überqueren. Ich habe keine Höhenangst und obwohl ich bei anderen Wanderungen auch schon mal Herzflatter hatte, bin ich schon mehrmals horizontal über steile Hänge gelaufen – allerdings mit festem Boden (Gras oder festes Gestein) unter den Füssen. Das Befestigen von Seilen wäre an dieser Stelle so gut wie unmöglich, da es sich ausschliesslich um loses Schiefergestein handelt, in das sich kein Haken schlagen lassen würde.

Nun gut, ich hoffe, dass ich es diesen Sommer noch schaffen werde mich dieser Aufgabe erfolgreich zu stellen und bedanke mich herzlichst bei euch, wenn ihr einige Tipps für mich auf Lager habt.
Mit lieben Grüssen und den Besten Wünschen,
Tricia

Siegfried
16.06.2013, 16:21
Wo ist das Problem? Manchmal gehört mehr Mumm dazu ein Vorhaben abzubrechen als etwas unbedingt durchzuziehen. Ich hab mal bei Gewitter drei Stunden mit 20 Italienern in einer Höhle gesessen. Irgendwann kamen zwei Schwachmaten an - die haben dort ihre Regenjacke angezogen und sind wieder raus. Als ich dann zwei Stunden später an der Berghütte ankam lag der Eine auf einem Tisch am Tropf und den Anderen hat grade der Rettungshubschrauber weggeflogen. Vielleicht klappts das nächste mal - und wenn nicht, auch kein Beinbruch.

d'Oma joggt
16.06.2013, 17:26
Hallo Tricia - wohnst du im Gebirge/nah an einem Gebirge?
Oft werden Kurse (Alpenverein) angeboten oder man kann sich einen Bergführer "mieten" für z.B. "gehen auf Schotter" lernen.
Ich könnte mir vorstellen - wenn man weiß wie man reagieren muss/kann - dann streikt auch der Kopf/Körper nicht.

LG Anke

Tobias1
08.07.2013, 13:36
Versuchs einfach immer wieder. Irgendwann wirst du dich schon überwinden können. Und wenn nicht dann nimms nicht so schwer.