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Sven Der Pinguin

Schmerzen, Leiden und großer Druck

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Laufen kann sehr schmerzhaft sein oder sogar ‚heilen’ – davon handelt dieser Blog. Wie beim Laufen gebe ich jetzt auch beim Schreiben Gas, bald bin ich mit dem Blog im ‚hier und jetzt’ angekommen.

Dienstag, 3. Juni
Das Drama fängt still und leise an. 30 Minuten Laufen auf der Hausstrecke am Hamburger Isebekkanal und meine Waden sind steinhart. Dann spüre ich noch einen stichartigen Schmerz im linken Unterschenkel an der Außenseite. Ich versuche ganz locker nach oben zu Laufen mit wenig Vortrieb und achte auf gutes Abrollen des Fußes. Nützt nichts aber ich schaffe die halbe Stunde.


Mal angenehm - mal zickig: meine Wade führt ein Eigenleben. Foto: www.holdeschneider.de

Donnerstag, 5. Juni
Gleiche Strecke, gleiches Problem – nur noch etwas doller. Mein Freund und Haus-Haus-Arzt (das ist Luxus!) Andreas kommt abends hoch und seine Diagnose lautet: „Entzündete Reizung“ - ich soll mich schonen, sonst heilt das nie aus. Schon mit wenigen Laufschritten könne ich ausprobieren, ob es wieder ginge.

10., 12. Und 15. Juni
Es geht nicht! Die geplanten Läufe am Dienstag, Donnerstag und Sonntag fallen aus – hat mir ja mein Arzt so verordnet. Und leider stellt sich bei mir auch sofort ein Hang zur Faulheit ein. Ein Lauf-Junkie bin ich wirklich noch nicht.


Hocken und Lesen, daran gewöhe ich mich als Patient viel zu schnell. Foto: www.holdeschneider.de

Mittwoch, 18. Juni
Runner’s World Fotografin Holde Schneider schleppt auf hohen Hacken drei Taschen in die Wohnung. Wir beginnen mit Fotos, die zu meiner derzeitigen Situation passen: Auf dem Sessel hocken und Golfzeitschriften studieren. Nach Fotos am Schreibtisch, beim Umziehen und beim vom Martin verordneten Krafttraining, geht es raus auf die Laufstrecke. Meine Mitjogger halten mich ab jetzt für völlig durchgeknallt und denken: Nach wenigen Schnecken-Läufen braucht der schon Fotos für die Dokumentation? Stopp-and-Go-Läufe, nach 10 Metern Sprünge über die am Boden liegende Holde und viel Warten auf den Blitz. Tolle Fotos entstehen und eigentlich ist es wenig Sport, aber meine Wade zickt munter vor sich hin. Mist!


Furchtbar - der Bauch muss weg! Foto: www.holdeschneider.de

Montag, 23. Juni
Schwager Jens ist für eine Nacht zu Besuch und gemeinsam gehen wir auf meine Hausstrecke. Er erfährt von meinem Vorhaben und ist beeindruckt – das schaffe ich bei ihm selten. Ich laufe sehr vorsichtig an, muss Jens förmlich bremsen und es klappt – nur mit leichtem Ziehen in der Wade schaffe ich die 30 Minuten im Kriechtempo. Ein Triumph, aber ein mühsamer – meine Verletzung und Faulheit haben mich stark zurück geworfen.

Donnerstag, 26. Juni
Wieder abends auf der Haus-Strecke und immer noch bin ich vorsichtig, traue dem Bein nicht. Ich versuche nicht nach vorne zu laufen, ganz locker nach oben und ohne viel Muskeleinsatz. Einfach über die Zeit von 30 Minuten kommen. Schneller geht auch gar nicht, ich spüre meine Zwangspause. Und damit hat Wuddel in seinem Posting vom 24.7.2008 leider recht: „ Gesund bleiben ist immer noch das beste Training.“ Das nehme ich mir für die Zukunft vor.

Sonntag, 29. Juni
Ich kann erstmals mit etwas Zug laufen und so machen die 30 Minuten auf der Hausstrecke richtig Spaß. Zwar verspüre ich beim Joggen noch kein Hochgefühl, aber nach dem Laufen bin ich entspannt und habe das Gefühl: „ich habe es geschafft“ – ein gutes Gefühl und langsam werde ich etwas gieriger danach. Das Motto lautet: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Donnerstag, 3. Juli
Ich bin irgendwo in Hessen auf einer Kundenveranstaltung, der Abend war lang und mein Kopfkissen ist so herrlich weich. Aber ich quäle mich aus dem Bett, ziehe meine Asics an und laufe durch einen wunderschönen Kurpark. Hier gibt es etwas für mich völlig ungewohntes: Berge! Auf dem Rückweg überholt mich eine unheimlich flotte Frau und ich widerstehe dem männlichen Wunsch sie wiederum zu überholen – das wäre absolut zwecklos, sie ist viel schneller als ich. Trotzdem laufe ich mit stolz geschwellter Brust ins Hotel ein – Pinguin gegen Schweinehund: 2 zu O.

9., 15., 22., 24. und 28. Juli
Ich laufe immer auf meiner Hausstrecke, einfach nur lockere 30 Minuten und ohne Belastungsspitzen wie auf Mallorca. Meine Wade ist immer noch hart, aber seitlich zickt der Unterschenkel nicht mehr. Und die Daten zeigen es, aus zweimal die Woche laufen wird ungefähr einmal die Woche. Das liegt am Stress:

Mit einem meiner neuen Projekte gibt es Probleme. Seit ungefähr vier Monaten habe ich das Glück neue und interessante Auftraggeber zu haben – aber langsam spüre ich die hohe Arbeitsbelastung – es ist einfach ziemlich viel.

In dieser Zeit sind meine Eltern hier und kümmern sich rührend um Frida und nehmen uns viel im Haushalt ab. Anstatt mich wenigstens abends mit Ihnen zu unterhalten, hocke ich im Büro und hacke auf dem Laptop herum. Anfangs sind es nur Rücken- und Nackenschmerzen, die ich auf Verspannungen zurückführe. Ich beginne das Mobiltelefon läuten zu hören, obwohl es gar nicht klingelt. Läutet es, erschrecke ich und rechne mit schlimmen Katastrophen.

Dann der Warnschuss: Ich spüre einen Schmerz, als wenn mein Brustkorb in einem riesigen Nussknacker steckt. Jetzt ist Schluss, irgendwie muss ich wieder mehr Abstand zum Job gewinnen, die Sache nicht mehr so an mich rankommen lassen. Nicht mehr von morgens 7 Uhr bis nachts um 2 Uhr verantwortlich sein, sondern auch mal Zeit für mich und die Familie haben.


Ohm - ich suche jetzt die Work-Life-Balance, auch mit Laufen. Foto: www.holdeschneider.de

Dazu gehört auch Joggen, quasi als Therapie. Obwohl ich glaube, ich kann nicht und muss doch noch so viel erledigen, laufe ich einfach – und das hilft. Laufen putzt herrlich den Kopf durch. Einerseits habe ich Zeit, Probleme überhaupt mal zu durchzudenken und komme auf neue Ideen. Und andererseits hebe ich einfach die Augen und schaue zum Ende des Weges (würde ich nicht in der Großstadt laufen, stünde hier ‚Horizont’) und bekomme so einen leeren Blick, nehme die Umwelt nur wie durch Watte wahr. Ein herrlicher Effekt.
Mein Lauf-Projekt hat jetzt noch eine neue Dimension: die Work-Life-Balance in den Griff bekommen.

Freudiges Watscheln wünscht Sven der Pinguin
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Comments

  1. Avatar von Idrivemini
    Hallo Sven,

    und wieder sind fast 14 Tage um. Kein neuer Bericht. Traurig, traurig.... . Für andere Laufanfänger bist Du definitiv kein gutes Vorbild. Ich würde sagen: Runnerswold sollte sich ein neues Maskottchen suchen, denn ich finde Du kannst diese Aufgabe nicht erfüllen.
  2. Avatar von hasehase
    ...aber aber..idrivemini. Das ist gar sehr hart formuliert. Gut Ding will Weile haben. Wir (meine Frau und ich) finden, Sven hat sich schon gegenüber dem Anfang verbessert....aber eben Sven, nur der Gute Wille ist dann doch zu wenig...also mach es wie wir Schweizer sagen: Grind abä und räne...:-)
    HaseUndHase aus Zürich

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