Hallo, da ich hier schon ein wenig "mitgeluschert" habe, will ich mich auch mal melden.

Alles begann damit, dass ein Freund eine Woche vor Teilnahme jammerte, dass sie ihre Teilnahme an der Hamburg-Marathon-Staffel im April wohl knicken können, weil ihnen immer wieder jemand abgesprungen ist und sie jetzt niemanden für die 5,4km haben.

Da war meine Neugier geweckt? Was schaffe ich? Also mal die Sportklamotten rausgeholt, iPhone in die Hand und losgelaufen. Irgendwie tat alles abwechselnd weh (nacheinander Unterschenkel, Oberschenkel, Rücken, dann leichtes Seitenstechen), es brachte keinen wirklichen Spaß, aber ich schaffte (mit 2 kurzen Pausen) die 3,5-km-Runde vor unserer Haustür. Nie wieder. (Nachgeschaut: 6:21er Schnitt)

2 Tage später: "Hmm, kann doch nicht alles gewesen sein". Also nochmal die 3,5-km-Runde. Diesmal fast ohne Probleme und zuhause angekommen noch mit ordentlich Reserven (5:21er Schnitt). Also den Freund angerufen: Bevor Ihr gar nicht könnt, nehmt mich. Notfalls gehe ich die letzten 2km (ich wusste noch nicht, wieviel Wahrheit darin steckt).

Achja, meine Daten zu dem Zeitpunkt: Männlich, 40 Jahre, >101kg (genauen Wert kenne ich nicht, Wiegen war damals nicht so mein Ding), Nichtraucher, schneller Spaziergänger (<10min/km auch auf langen Strecken, die ich durchaus als Geocacher gerne machte, eben mal eine 12-km-Runde war gar nix), ansonsten aber seit der Bundeswehr keinen nennenswerten Sport getrieben, nur hier und da mal mit dem Rad...

Der Freund freute sich, staunte darüber, wie ausgerechnet ich auf die Idee kam und schon war ich dabei.

Es kam, wie es kommen musste. Nach 500m fing mein rechtes Knie an zu schmerzen. Nach weiteren 1000m tat es so weh, dass ich vor Schmerzen die erste Gehpause machen musste. Aufgeben war nicht drin, sonst wäre der Staffelteilnehmer nach mir umsonst extra einige 100km angreist. Also im Wechsel mit Gehen und laufen bis zum Schluss (wie gesagt 5,4km) durchgekämpft. Unterwegs bot mit ein "echter" Marathonläufer sogar sein Energiegel an (an dieser Stelle nochmal danke, falls Du mitliest), weil ich echt schlimm ausgesehen haben musste (komische Mischung aus blass und verschwitzt, meine Frau, die mich etwa bei halber Strecke sah, war geradezu erschrocken).
Ok, tatsächlich bis zum Ziel durchgekämpft, danach buchstäblich keinen Schritt mehr laufen können, da ich das Knie überhaupt nicht mehr belasten konnte.

Als es auch mit Kühlung durch die Sanis vor Ort nach einer Stunde nicht besser wurde, ging es tatsächlich mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus. Verdacht auf Meniskusschaden. Am Ende war es dann zum Glück doch nicht so schlimm, "nur" einen Innenbandzerrung mit einem Bluterguss, der in den Gelenkspalt drückte. Brachte mit zwei Wochen auf Krücken ein und ich habe schöne MRT-Bilder von meinem Knie, auf denen man sieht, dass ansonsten alles in Ordnung ist. Als ich dann mal in die Zeitentabelle das Laufes luscherte, dachte ich ich schau nicht richtig. Ich war auf der gleichen Strecke 5s schneller als eine bekannte Lokalpolitikerin, die regelmäßig damit wirbt, wie supersportlich sie doch sei....

Aus dem Erlebnis zog ich folgende Lehren:

- Staffel ist nichts für mich. Wäre ich nur für mich gelaufen, wäre ich nach spätestens 1km ausgestiegen und es wäre gar nichts gewesen. Der gefühlte "Gruppenzwang" brachte mich aber dazu, nicht auf meinen Körper zu hören und einfach weiterzumachen, was sich sofort rächte.

- Trotz allem hat mir das Laufen aber richtig Spaß gebracht und ich schaute, nachdem das Knie wieder ok war, ob ich weitermachen könnte. Diesmal aber indem ich auf meinen Körper höre.

- Laufen mit Smartphone ist nix für mich, das Ding stört und Musik brauche ich nicht, das lenkt alles nur ab.

Als das Knie wieder ok war, probierte ich vorsichtig, ob es wieder geht - und es ging. Nachdem ich meine Laufstrecke auf >5km gesteigert hatte, brauchte ich ein zweites paar Schuhe und bin (endlich) in einen vernünftigen Laufschuhladen gegangen... Tja, auf dem Laufband sah man dann, was wohl die Mit-Ursache für die Verletzung war. Ich knickte mit den weichen Nikes, die ich bis dahin nutzte, ganz extrem ein, dass es bis zum Knie raufzog, also diese Schuhe an den Nagel gehängt und auf vernünftigen Schuhen weitergemacht.

Seitdem bin ich grob alle 2-4 Tage gelaufen - bei Wind und Wetter, angefangen mit den 3,5km, dann auch mal 5,5 oder 7,5km, inwischen ist mein Maximum 10km. Wenn irgendwas zwickte/zwackte oder das Gefühl nicht stimmte, Lauf abgekürzt und dann lauffreie Tage gemacht, bis es wieder ok war. Länge der Laufstrecke je nach "Tagesgefühl", Pace ebenso. Die 10km habe ich mittlerweile 2x unter 60 Minuten geschafft, worauf ich extrem stolz bin. Aber auch über eine 1:03 auf der Strecke bin ich nicht böse. Beschwerden habe ich aktuell überhaupt keine und mir tut das Laufen extrem gut. Bei jedem Lauf höre ich extrem in mich hinein und bin sehr froh, eine Laufstrecke zu haben, bei der ich fast überall im Notfall abkürzen kann und nach 2-3km wieder zuhause bin. Ansonsten habe ich ein Notfallhandy (20€-Apparat von Pearl, der ganze 30g wiegt) und einen 20€-Schein für ein Taxi immer dabei.

In der Laufzeit (sprich seit Ende Mai) habe ich über 8kg (bin aktuell unter 93kg bei 1,81) ohne großartige Nahrungsumstellung verloren (einzige Umstellung ist ewas weniger Appetit und dass ich mittlerweile Bananen mag), was mich auch nicht wirklich stört.

Jetzt ein kleiner Gag am Rande: Bei meiner Laufuhr, die ich mir kaufte, war ein Gutschein über 30€ für den nächsten Lauf dabei. Nach meinen Erfahrungen war mir alles jetzt im Sommer/Herbst eindeutig zu früh. Ich habe den Gutschein in eine Anmeldung für den nächsten Hamburg-Marathon investiert. Ich weiß noch nicht, ob ich hier tatsächlich dann die ganze Strecke laufe oder daraus meinen individuellen 10km-Lauf oder Halbmarathon mache, Zeitvorgaben gebe ich mir auch nicht, ich will einfach ohne Druck dabei sein und zur Abwechslung auf eigenen Füßen diesen Schauplatz verlassen, damit sich der Kreis schließt. Wie gesagt, Staffel ist keine Option, ich will ohne zusätzlichen Druck über Weitermachen oder Aufgeben entscheiden können.

Und wenn ich den Winter nicht durchhalte -auch halb so schlimm- den Startplatz bekomme ich Dank der 30€ und der folgenden Preiserhöhungen für Spätanmelder sehr sicher mit Gewinn verkauft.

In die allgemeinen Trainingspläne habe ich auch reingeschaut. Mir ist das im Moment zu starr für mein Ziel. Und das heißt ganz einfach: Weiterlaufen, nicht nur jetzt im Sommer sondern auch in den Mistwetterphasen.
Gehpausen benötige ich z.B. überhaupt nicht, warum sollte ich dann welche machen wie in den Anfängerplänen vorgesehen? Intervalltraining evtl. mal später (evtl. wenn ich mein Übergewicht los bin), im Moment habe ich das Gefühl, dass zu hohe Geschwindigkeit mir meinen Bewegungsapparat zu sehr belastet, unter 5:30er Pace fühle ich mich diesbezüglich unwohl, ob das Gefühl stimmt, will ich aber nicht ausprobieren, die Krücken sind im Keller und dort sollen sie auch bleiben.

Ja, ich weiß, ich mache einiges "falsch". Zu starke Steigerung, Gefahr des Übertranings, absurd frühe Marathonanmeldung. Aber im Moment geht es mir verdammt gut dabei. Ich hoffe mal, dass es so bleibt und höre auch regelmäßig in mich hinein, ob das so "ok" ist, ich bin vorgewarnt durch meine Knie-Geschichte und durch viele Warnungen hier im Forum.

Dafür ein ganz großes Danke!