+ Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 25 von 32
  1. #1

    Im Forum dabei seit
    28.01.2016
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    3
    'Gefällt mir' gegeben
    0
    'Gefällt mir' erhalten
    0

    Standard Übertraining. Eine Erfahrung

    Hallo, ich möchte mich kurz vorstellen: Weiblich, 47, laufe seit vier Jahren einigermaßen ambitioniert alles zwischen 400m und HM.
    Meine Bestzeiten vor einem bis zwei Jahren sind über 5km sind 21:09min, über 10km 43.52min und ich bin auch schon bei der Senioren-DM über 400m gestartet. Ich laufe also lieber schnell als lang und hatte das Gefühl, durchaus noch Luft nach oben zu haben.

    Jetzt aber geht nichts mehr. Übertraining.
    Ich will erzählen, wie es dazu kam, erstens, weil ich es mal loswerden will und zweitens, weil es im Internet wenig wirkliche Erfahrungsberichte gibt.

    Bis Herbst 2015 lief ich etwa 25 km/Woche, machte ein bisschen Tempotraining, trainierte immer allein und nach Gefühl. Als Jugendliche war ich über im Sprint und bis 400m-800m ganz gut und hatte Crosslauf-Erfahrungen. Ich meinte, mein Training so weit im Griff zu haben, wollte aber besser werden.
    Im Herbst 2015 habe ich, um Gleichgesinnte im Senioren-Bahnwettkampfbereich zu finden, den Verein gewechselt und bin ziemlich holterdipolter in ziemlich hartes Tempotraining eingestiegen (z.B. Einlaufen, Sprintübungen, 6x150 Steigerungen, danach 10x200m in 40s). Danach (schon währenddessen) ging es mir dreckig, aber ich ließ mir nichts anmerken, denn ich war ja neu und wollte nicht als Schlappschwanz dastehen. Die mittelfristige Folge des Trainings war eine Achillodynie.

    Da ich eine komplette Trainingspause vermeiden wollte, ging ich ins Fitnessstudio und trainierte auf dem Fahrrad (mehrmals über 1h bei 140 Watt). Als meine Achillessehne wieder belastbar war, ging ich aufs Laufband und stellte fest, dass ich die gewohnten Schnitte überhaupt nicht mehr laufen konnte. Ich schob es aufs Laufband (ungewohnt) und auf die Laufpause.
    Aber ich konnte auch draußen und nach drei Wochen Gewöhnung nicht mehr meine Schnitte laufen. Ich schob es auf Grundlagenmangel.
    Gleichzeitig ging ich wieder auf die Bahn (Halle) und absolvierte dort so Trainings wie: 800 - 400- 800 - 400- 800 (800 in 3:10) oder 5 x 600 (600 in 2:25) oder 10 x 200 (200 in 38). Diese Trainings bescherten mir unsägliche Muskelkater; außerdem hatte ich immer das Gefühl, mit angezogener Handbremse zu laufen. Irgendwas in mir konnte nicht schnell laufen. Ich konnte zwar die Menge durchhalten, aber bei weitem nicht das Tempo, das ich glaubte, laufen zu können. Gleichzeitig bekam ich Angst vor den Läufen: Erstens, weil ich schiss hatte, mich zu blamieren, zweitens einfach vor der Anstrengung. Ich spürte eine innere Blockade, einen Widerstand, fast einen Schnelllaufekel (ich liebe Tempoläufe eigentlich!).

    Ich schob alles auf Grundlagenmangel und wollte länger laufen. Und langsamer. Auch die langen Sachen laufe ich ja nie wirklich langsam (immer um 5:00) und beschloss, mal 5:20 zu laufen. Das ging ganz gut, machte auch halbwegs Spaß. Aber gleichzeitig spürte ich, dass ich nicht langsam lief, weil ich es wollte, sondern weil ich nicht schneller konnte. Dabei hatte ich aber gleichzeitig das Gefühl, schneller zu sein: Wenn ich 5:20 lief, kam es mir vor, ich liefe 5:00, lief ich 4:40, kam es mir vor, ich liefe 4:20. Mein Zeitgefühl (ich laufe nur nach Gefühl und kann immer genau ein bestimmtes Tempo laufen. Ich schaue beim Laufen auch nie auf die Uhr, erst hinterher.) Mein verschwundenes Laufgefühl beunruhigte mich: Ich lag immer komplett falsch. Ich bekam dann auch Angst vor den längeren Strecken; vor der Anstrengung, vor blöden Streckenabschnitten, die ich dann mied. Ich kürzte oft ab oder schaffte meinen Plan nicht.
    Ich schob es immer noch auf Grundlagenmangel. Warum ich das glaubte, liegt daran, dass ich nicht so viel trainiere, wie man meinen könnte. Ich laufe nie mehr als 25km/Woche. Meine guten Zeiten erreichte ich mit einem Training von ca. 20 km/Woche. Wie gesagt, ich laufe eher intensiv als extensiv und trainiere nur 3x die Woche.

    Meine Periode blieb aus. Ich schob es aufs Alter. Wegen meines Leistungsrückgangs sprach ich mit dem neuen Trainer. Er kennt mich nicht gut; er schob ihn (10km in "nur" 46:47) aufs Alter und auf Vitamin-D-Mangel. Ich sprach mit meiner Schwester, einer erfahrenen und sehr guten Läuferin (Teilnahme an Berglauf-EM). Auch sie konnte sich den Leistungsrückgang bei meinem Training, das eigentlich sehr abwechslungsreich ist - ich laufe immer andere Distanzen, immer andere Strecken, mit verschiedenen Schuhen, ich baue Tempowechsle ein etc. - nicht erklären. Nicht mit der Alterstheorie. Anhand von Altersumrechentabellen kann man ja feststellen, wie viel man sich pro Jahr verschlechtert - sicher nicht 3 min über 10km bei eher mehr Training. Übertraining hielt sie für ausgeschlossen (sie weiß ja, was man so laufen kann).
    Sonst konnte ich mit keinem reden. Für Nichtläufer bin ich eh "irre" schnell und sowieso wahnsinnig, auch für viele Läufer bin ich "schnell genug". Andere sagten, das ist halt mal ein Formtief. Die im Verein kannten mich nicht gut genug.

    In diesem Jahr bin ich 3 mal die10km im Wettkampf gelaufen und hab mich bei jedem Lauf verschlechtert. Während des Laufens hatte ich oft so eine innere Hemmung, wie als würde jemand auf die Bremse latschen, während ich aufs Gaspedal trete und trete und trete. Auch hatte ich immer das Gefühl, gleich aufgeben zu müssen. Die Läufe erschöpften mich komplett und machten mir überhaupt keinen Spaß. Auch das Training strengte mich immer mehr an. Das Bahntraining schwänzte ich zunehmend (Ausreden gibt's mit 3 Kindern und Beruf genug); ich hatte einen richtigen Horror davor.

    Dann fuhr ich Anfang April beruflich nach Italien - natürlich mit Laufsachen. Ich freute mich schon, auch aufs Laufen in Italien, denn ich laufe bei beruflichen Reisen immer. Aber auch in Italien lief ich nur schwerfällig und lahm. Nach einer Abendveranstaltung konnte ich eines Morgens nicht mehr aufstehen. Hexenschuss.
    Mit Medikamenten bekam ich die Reise herum. Der Arzt, der mich kaum anguckte, sagte, ISG-Blockade und verschrieb mir Manuelle Therapie.
    Mein Blut habe ich schon im Herbst mal untersuchen lassen; ich bin pumperlgesund, nicht mal Vitamin-D-Mangel. Weil ich gelesen habe, dass man bei Hexenschuss sobald wie möglich zu seinen normalen Bewegungen zurückkehren soll, ging ich Laufen. Es war - für den Rücken - gar nicht mal schlecht: Aber nicht für den Rest. Völlige Erschöpfung. Nach 1km war ich fix und alle, quälte mich aber noch durch 5km. Der Blick auf die Uhr bestätigte die Katastrophe. Ich war noch langsamer geworden und mein Gefühl lag noch mehr daneben.
    Da guckte ich im Internet doch mal wegen Übertraining.

    Man findet ja zwei Sorten, das sympathische und das parasympathische. Ich wusste davon, hatte es aber aufgrund meines geringen Umfangs immer KOMPLETT ausgeschlossen. Aber ich las z.B. dass man haarsträubende Muskelkater haben kann, dass man nicht mehr schnell laufen kann, dass man dauernd müde ist, Sportunlust verspürt, häufig Verletzungen hat, dass der Ruhepuls superniedrig ist (bei mir 48) und dass man das leicht mit einem Trainingserfolg verwechselt und dass man ansonsten sowieso alles mit Trainingsmangel verwechselt, da wurde mir einiges klar.
    Auf nur wenigen Seiten allerdings erfährt man, dass man in dieses parasympathische Übertraining auch schon mit geringeren Umfängen kommen kann. Oft erzählen Betroffene von 120km/Woche oder von vielen gelaufenen Marathons. Ich laufe keine 30km/Woche und bin nur einen HM gelaufen. Aber man kann offenbar auch damit in so einen Zustand kommen.

    Das Übertraining ist ja eine Ausschlussdiagnose. Man muss praktisch alles andere NICHT haben, dann hat man es. Auch das führt dazu, dass man es schlecht erkennt. Und sicher werden jetzt auch noch einige denken: Lass dich mal ganz und gar durchchecken. Das werde ich auch noch tun, aber ich bin ziemlich sicher, dass nichts rauskommt, weil ich kerngesund bin.

    Die Erklärung, dass es beim parasympathischen Übertraining zu einem Ungleichgewicht zwischen Sympathikus (er stachelt uns an) und Parasympathikus (er beruhigt uns) kommt, scheint mir die bestechendste, denn genau so fühle ich mich: Lahm gelegt und extrem beruhigt.
    Wenn man es mal weiß, ist der Zustand nicht mal sooo unangenehm. Mich bringt nichts aus der Ruhe gerade - außer früh aufstehen, aber man könnte auch sagen, ich befinde mich in einer gewissen Apathie. Mir ist alles ziemlich wurscht, sogar der Sport. So weit muss man erst mal kommen!
    Das Ganze hat Ähnlichkeit mit einer Depression (ich weiß, wovon ich spreche), nur fehlen die negativen Gedanken. Ich muss mich zu fast allen Aktivitäten furchtbar aufraffen, der Beruf geht grad noch so. Die Kinder auch. Aber dann geht es schon los: Haushalt, Hobby, alles nur durch schwerste Überwindung zu erledigen: Und dann auch nur mittelmäßig bis schlecht. Negative Gefühle wie das Gefühl von Wertlosigkeit und Selbsthass bleiben (noch) aus.
    Es ist, als wäre man in Watte gepackt.

    Im Nachhinein und durch Analyse meiner Laufuhrdaten und Aufzeichnungen habe ich festgestellt, dass ich auch eine Phase des sympathischen Übertrainings durchlaufen habe: Schlafstörungen, Nachtschweiß, schlechte Laune, Getriebenheit. Das ist jetzt seit drei Wochen umgeschlagen. Nach Ratschlag von Dr. Internet mache ich gerade überhaupt keinen Sport und lache mich tot über eine Sportlerin, die erzählt, sie konnte ihr Übertraining in den Griff kriegen, in dem sie nur noch 3xdie Woche trainierte und den Rest ihres Pensums kraulschwimmend erledigte. Ich jedenfalls kann keinen Schritt mehr machen und in so komisches kaltes Schwimmbadwasser könnte ich auch nicht steigen. Aber interessant: Es ist mir wirklich fast völlig egal.
    Natürlich sinniere ich darüber, ob ich irgendwann mal wieder (schnell) laufen kann und bin traurig, wenn ich einen Läufer sehe, der läuft. Aber irgendwie kann ich mich nicht mal darüber richtig aufregen. Und das ist nicht meine Art.

    Jedenfalls würde ich gern auch eine dringende Warnung aussprechen: Wer ambitioniert trainiert und sich plötzlich dauerhaft (>2 Wochen lang) verschlechtert, der sollte IMMER an Übertraining denken, NIE an Faulheit, VIELLEICHT an Krankheit. Im Zweifel lieber nicht trainieren.
    In sich reinhören. Unlust ernst nehmen. Nicht zu hart zu sich sein. Denn: Das sympathische Übertraining kriegt man noch geregelt, das parasympathische nicht mehr. Da kann man nur noch da sitzen und warten.

    Andere Warnzeichen für Übertraining (in keiner Ordnung):
    - die Genauigkeit der GPS-Uhr hinterfragen (weil die Zeiten nicht mehr stimmen).
    - dauernd neue Schuhe kaufen, weil die aktuellen nichts taugen.
    - dauernd im Internet nachlesen, wie man sich verbessern kann.
    - sinnlos am Outfit herumdoktern.
    - Trainings abbrechen, weil erschöpft.
    - Trainings zwanghaft durchziehen, trotz erschöpft.
    - Graus vor Strecken.
    - Graus vorm schneller Laufen.
    - Graus vor Steigungen.
    - Graus vor Kälte.
    - Graus vor Wärme.
    - absurd schmerzhafte und langanhaltende Muskelkater.
    - Verletzungen.
    - Krankheiten.
    - jeden Berg in der Trainingsstrecke genauestens verrechnen (weil man sich die Langsamkeit zu erklären versucht).
    - zwanghaft Gegenwind einrechnen (Grund s.o.).
    - sich Krankheiten und Mangelzustände einbilden (bis hin zu Krebs).
    - Vermeidung von Zusatzanstrengungen (z.B. schweren Blumentopf heben, einen Berg mit dem Fahrrad raufsprinten).
    - dauernd über den Sport und die nachlassende Leistung nachdenken.
    - Strecken so wählen, dass Leistungsabfall nicht so auffällt.
    - bleierne Müdigkeit am Morgen.
    - nur auf den Abend warten, weil man da endlich schlafen gehen kann.
    - nachts schweißgebadet aufwachen.
    - Angst vor Training. Folge:Training geschickt vermeiden (so dass man es selber nicht merkt)
    - komplette Erschöpfung, obwohl man nur mal kurz einkaufen war.
    - die Weigerung zur Straßenbahn zu rennen, obwohl man sie gern erreichen würde. Egal, dann fährt sie halt weg.
    - Strecken, die man sonst radelt, plötzlich mit der S-Bahn fahren.
    - zu faul, mit den Kindern Tischtennis zu spielen (nach dem Ball bücken ist sooo anstrengend).
    - zu faul zu kochen (Zwiebel schneiden ist sooo anstrengend).
    - keine Kraft für Abendaktivitäten.
    - Egalgefühl, auch im Beruf (alle halten einen für ultrarelaxed, auch schön, aber auf Dauer gefährlich).
    - zu faul, ein Buch aus dem Regal zu holen, weil man dazu einen Stuhl holen müsste.
    - mit Wehmut an mal schnell gelaufene Strecken denken und das Gefühl haben, das NIE mehr zu schaffen.
    - unbestimmte Traurigkeit.
    - denken, ein Arztbesuch könnte einem helfen.
    - ständig überlegen, mit wem man mal drüber reden könnte und niemanden finden.
    - sogar Yoga-Übungen, die gut für den Rücken wären, zu anstrengend finden.
    - zwanghaft Laufzeitschriften lesen, weil man hofft, dass man darin die Lösung findet

    Eure Miss-Twizzle. Es wäre interessant, über andere Erfahrungen mit Übertraining zu lesen.

  2. #2

    Im Forum dabei seit
    25.04.2013
    Beiträge
    2.865
    'Gefällt mir' gegeben
    1.257
    'Gefällt mir' erhalten
    2.303

    Standard

    Danke für Deinen Bericht! Sehr ausführlich und anschaulich, hat mich weiter gebracht. Dir wünsche ich gute Besserung und alles Gute!

  3. #3

    Im Forum dabei seit
    04.11.2015
    Ort
    Potsdam
    Beiträge
    137
    'Gefällt mir' gegeben
    0
    'Gefällt mir' erhalten
    0

    Standard

    Vielen Dank für deinen Bericht und die Offenheit. Und natürlich gute Besserung. Inhaltlich kann ich mich leider/ zum Glück nicht weiter einbringen.

  4. #4
    Avatar von siebenstein77
    Im Forum dabei seit
    17.10.2012
    Beiträge
    317
    'Gefällt mir' gegeben
    42
    'Gefällt mir' erhalten
    17

    Standard

    Danke für die ausführliche Schilderung.
    Wirklich sehr hilfreich.
    Dir alles Gute!
    VG. Siebenstein

  5. #5
    berodual_junkie
    Gast

    Standard

    Wow, was für ein Bericht

  6. #6
    Avatar von Zemita
    Im Forum dabei seit
    03.01.2014
    Ort
    Südniedersachsen
    Beiträge
    1.095
    'Gefällt mir' gegeben
    178
    'Gefällt mir' erhalten
    105

    Standard

    Puhhh !!
    Gute Besserung !!!
    Könnte mir Vorstellen, dass hier die (Selbst-)Diagnose die halbe Miete zur Genesung ist !? Toi toi toi !!!
    Alles Gute wünscht Z

  7. #7
    Avatar von Vögelchen
    Im Forum dabei seit
    09.04.2014
    Beiträge
    685
    'Gefällt mir' gegeben
    26
    'Gefällt mir' erhalten
    41

    Standard

    Oh Mensch, danke für deinen Bericht! Der hat mir gerade fast einen Schlag ins Gesicht gegeben, weil ich mich in ganz vielem widererkannt habe.
    Nicht in allem so ausgeprägt, aber doch deutlich.

    Hinzu kommt, dass ich deutlich untergewichtig bin und auch schon lange eine chronische Essstörung habe, so dass ich auch einen Kalorien- und Nährstoffmangel habe, der das Training noch mühsamer und ineffektiver macht.

    Nun bin ich Anfang Aprol meinen ersten Halbmarathon gelaufen, bei dem ich auch mein Ziel unter 2 Stunden erreicht habe. Vorher hatte ich eine Achillodynie links, die dann aber zum Glück vollständig verschwunden war.

    Ich laufe auch lieber schnell, es fällt mir schwer, mich auf eine Pace zu bremsen, wenn ich auch, ohne mich außerordentlich mehr anzustrengen, schneller könnte. Mein Km-Umfang ist wie bei dir auch nicht extrem, im Monat 160-190km.

    Nun habe ich eine Sehnenreizung am anderen (rechten) Fußgelenk lateral. Es ist nicht Achilles, sondern muss eine der kleineren tiefen Wadenmuskeln sein, wahrscheinlich die Fibularissehne.

    Das ärgert mich nun, da ich in einer Woche Sonntag zu meinem nächsten Lauf über 18 km angemeldet habe (Schluchsee). Gleichzeitig macht es mir Angst zu bemerken, dass mein Körper nicht einfach so macht, wie ich will, sondern Grenzen bestimmt.
    Ebenso merke ich das, neben Schmerzen und Steifigkeit, an dem langsameren Tempo und der Erschöpfung,

    Ich kann ja mal kopieren, was von den Symptomen auch bei mir vorkommt:

    - dauernd im Internet nachlesen, wie man sich verbessern kann.
    -Trainings zwanghaft durchziehen, trotz erschöpft.
    - Graus vor Strecken.
    Graus vor Steigungen.
    - Graus vor Kälte.
    Verletzungen.
    dauernd über den Sport und die nachlassende Leistung nachdenken.
    - Strecken so wählen, dass Leistungsabfall nicht so auffällt.
    - Angst vor Training. Folge:Training geschickt vermeiden (so dass man es selber nicht merkt)
    - komplette Erschöpfung, obwohl man nur mal kurz einkaufen war.
    keine Kraft für Abendaktivitäten.
    - Egalgefühl, auch im Beruf (alle halten einen für ultrarelaxed, auch schön, aber auf Dauer gefährlich).
    ständig überlegen, mit wem man mal drüber reden könnte und niemanden finden.

    Bei mir kommt hinzu, dass ich latent eine Laufsucht, oder Drang danach entwickelt habe, und es mich daher nervös macht, wenn ich nicht so kann oder sollte. Denn nur dann kann ich mir besser erlauben, zu essen. Und Außerdem hilft es meinem unterirdischem Kreislauf und Wärmehaushalt auf die Sprünge, so dass ich mich andererseits nur nach einem Lauf richtig lebendig und durchwärmt fühle.

    Was hast du denn getan, um damit klarzukommen, v.a. mental?
    Es wäre schön, wenn du einen Tip hättest,

    wenn nicht, dann freue ich mich auch einfach über Austausch!

    Grüße

    Iris

  8. #8

    Im Forum dabei seit
    07.03.2016
    Beiträge
    134
    'Gefällt mir' gegeben
    0
    'Gefällt mir' erhalten
    0

    Standard

    auch wenn man sich unbeliebt macht, das hört sich doch eher nach depression, als übertraining an.

  9. #9
    crsieben
    Gast

    Standard

    Die Übergänge von "Übertraining" hin zu anderen psychischen und psychosomatischen Erkrankungsformen dürften fließend sein, ebenso wird es dort eine hohe Komorbidität geben. Sprich: "Hängt alles irgendwie zusammen."

    Es gibt sicherlich seelische und körperliche Erschöpfungszustände mit starken wechselseitigen Wirkungen.

    Ob ich bei so verhältnismäßig wenigen Wochenkilometern von Übertraining sprechen würde, ist eine andere Frage.

    Auch wenn ich Spekulationen über Gesundheitszustände in Foren immer heikel finde (und diesbezüglich auch selbst nicht immer den richtigen Ton treffe und getroffen habe), so scheint mir der Sport als einziger Auslöser derartiger Zustände - und nur dann würde ich es "Übertraining" nennen - eher unwahrscheinlich im mäßiger ambitionierten Freizeitbereich. Da wird, wie so oft, mehreres zusammenkommen.

    Nictsdestotrotz habe ich Respekt vor dem detaillierten, persönlichen, mutigen und vor allem extrem klaren Blick, den uns hier jemand gewährt hat. Ich glaub, dass selbst so klar beschreiben zu können, ist ein sehr guter Schritt, um nicht zu schreiben "schon die halbe Therapie".

  10. #10
    Auf der Jagd nach 2:02,27 Avatar von Rolli
    Im Forum dabei seit
    10.03.2006
    Ort
    Rietberg nicht mehr
    Beiträge
    16.990
    Blog Entries
    15
    'Gefällt mir' gegeben
    649
    'Gefällt mir' erhalten
    1.467

    Standard

    Zitat Zitat von Vögelchen Beitrag anzeigen
    Ich kann ja mal kopieren, was von den Symptomen auch bei mir vorkommt:

    - dauernd im Internet nachlesen, wie man sich verbessern kann.
    Wieso wird dieser Punkt als Anzeichen für Übertraining gewertet? Und sogar als Punkt 1.?
    Fack ju cencer!
    ...vom Training hast du sowieso keine Ahnung! (Zitat: meine Frau)

  11. #11

    Im Forum dabei seit
    20.10.2014
    Beiträge
    662
    'Gefällt mir' gegeben
    1
    'Gefällt mir' erhalten
    5

    Standard

    Übertraining ist ja bekanntlich nichts, was von heute auf morgen entsteht, das ist der Preis, den man bezahlt, wenn man zu lange nicht auf die notwendigen Entlastungsphasen geachtet hat.


    Ein Bekannter von mir ist vor Jahren mal ins Übertraining geschlittert. Soweit ich mich erinnere, hat er monatelang pausiert und dann ganz langsam wieder begonnen, hat die Umfänge aber noch langsamer gesteigert, als man es einem Anfänger empfehlen würde und ging grundsätzlich viel sensibler mit seinem Körper um. Wenn eine Kleinigkeit nicht passte, setzte er das Training einfach aus. Heute läuft er wieder an die 40km pro Woche (geschätzt) und kam da wieder voll raus. Er war damals mit ~25 zwar jünger, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass auch du früher oder später wieder laufen kannst.


    Kopf hoch, ich bin überzeugt davon, dass du wieder einmal 3-4x pro Woche laufen können wirst. Aber du musst dir selber Zeit dafür geben...

  12. #12
    Avatar von Foto
    Im Forum dabei seit
    01.01.2014
    Beiträge
    1.076
    'Gefällt mir' gegeben
    0
    'Gefällt mir' erhalten
    0

    Standard

    Zitat Zitat von miss-twizzle Beitrag anzeigen
    und ich bin auch schon bei der Senioren-DM über 400m gestartet. I.
    Oh, da warte mal bis unser Dr. Burny hier aufschlägt, der ist sogar Senioren Weltmeister.........
    McFit ist wie Urlaub, 30 grad, alle schwitzen, keiner spricht Deutsch und überall liegen Handtücher.

  13. #13
    Avatar von Catch-22
    Im Forum dabei seit
    02.06.2014
    Ort
    NRW
    Beiträge
    3.946
    'Gefällt mir' gegeben
    2.237
    'Gefällt mir' erhalten
    1.412

    Standard

    Ich kenne mich zwar nicht gut aus, aber mir liest sich das ganze mehr wie Überforderung als Übertraining.
    Du hast den Verein gewechselt um mit Gleichgesinnten als alleine zu trainieren und hast dich dann wohl in einem leistungsstärkeren Team bzw. in einem härteren Training wieder gefunden. Du hast wohl am Anfang nicht offen mit dem neuen Trainer drüber geredet und auch nach der Verletzungspause nicht. Vor der Verletzung zählst du Einheiten mit 10 x 200m in 40s, danach mit 10 x 200 in 38s auf. Wenn du die Bahneinheiten mit den Vereinskollegen immer über deinen Grenzen läufst, um dir keine blöße zu geben, dass dann Körper und Geist in den anderen Einheiten nicht mehr liefern können/wollen sollte eigentlich nicht verwundern.

    Wie fühlst du dich denn im neuen Verein aufgehoben? Wenn Dinge wie "nicht als Schlappschwanz gelten" ehr im Vordergrund stehen (sei es nun nur aus deiner Sicht oder auch von den anderen), dann solltest du dir überlegen ob der Verein richtig für dich ist oder ob ein anderer Verein/anderer Trainer nicht besser für dich wäre. Vergessen solltest du dabei auch nicht, dass ein Trainer dich nur dann gut trainieren kann, wenn auch du offen mit ihm umgehst.
    Stetige Überforderung kann auch zu den von dir genannten Symptomen führen und auch einen psychisch arg mitnehmen.

  14. #14
    Bewegungsfreude pur! Avatar von barefooter
    Im Forum dabei seit
    21.11.2008
    Ort
    Weltopen Holsteen
    Beiträge
    2.539
    'Gefällt mir' gegeben
    44
    'Gefällt mir' erhalten
    35

    Standard

    Der Text für eine kurze Vorstellung ist offenbar etwas länger geworden, zu lang für mich, um alles zu lesen, aber lang genug, um zu einer Einschätzung zu gelangen. Die deckt sich in etwa mit der von Catch-22. Selbst bin ich mittlerweile mit vielen Dingen des Alltags überfordert, von Übertraining aber weit entfernt.
    Grüße von der Baltischen See! Laufen/Wandern barfuß erleben - Zu Fuß - am besten barfuß - hält die Seele Schritt.
    Je länger die Strecke, desto unbedeutender die Zeit, da allein die Streckenbewältigung zur eigenen Leistung wird.


  15. #15
    Analogue native Avatar von geebee
    Im Forum dabei seit
    30.04.2015
    Beiträge
    922
    'Gefällt mir' gegeben
    0
    'Gefällt mir' erhalten
    65

    Standard

    Hallo Miss Twizzle,

    ein wirklich erschreckend lange Liste.

    Ich gehöre auch zu denen, die sich völlig unberufen fühlen, Diagnosen zu stellen, es drängen sich mir aber trotzdem zwei Fragen auf:

    Bist Du sicher, dass Du es hier mit Übertraining zu tun hast, oder hast Du schon einmal in Betracht gezogen, dass es sich um einen allumfassenden Erschöpfungszustand handeln könnte, bei dem das Laufen nur eine Komponente ist ?

    Falls Letzteres nicht von der Hand zu weisen ist: Bist Du sicher, das Du aus diesem Tal alleine herauskommst, oder wäre es ein Gedanke, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen ?

    Gee

  16. #16
    Avatar von frank2015
    Im Forum dabei seit
    23.11.2015
    Beiträge
    569
    'Gefällt mir' gegeben
    21
    'Gefällt mir' erhalten
    37

    Standard

    Hallo,

    bei einem so langen und emotional geschriebenen Beitrag drängt es mich auch etwas beizutragen.
    Ich wollte zuerst dir nicht widersprechen, dass es sich um Übertraining handelt.

    Dann ist mir aber eine Diskrepanz in deiner Beschreibuung aufgefallen:

    > Meine Periode blieb aus. Ich schob es aufs Alter.
    Das schreibst du nur einmal - vor allem kommt es in deiner Liste nicht mehr vor.

    Die 2 häufigsten Erklärungen sind Schwangerschaft und Wechseljahre.
    In beiden Fällen solltest du zu einem Frauenarzt.

    Du schreibst selbst, dass es sich um eine Ausschlussdiagnose handelt. Somit wäre eine Frauenarztbesuch eine logische
    Schlussfolgerung.

    Einige deiner Symtome z.B. Nachtschweiss kenne ich auch. Ich bin 48 und männlich. Als Mann kann man noch weniger über
    Wechseljahre sprechen. Folglich war ich beim Kardiologe der mir präventiv Medikamente verschreibt.

    Zusätzlich habe ich deinen Beitrag meiner Frau gezeigt, die sofort auf Wechseljahre tippt, da sie (bis auf den sportlichen Teil)
    das selbe durchmacht.

    Wenn du also Menschen suchst mit denen du darüber reden kannst versuch mal mit älteren Frauen zu sprechen.

    Liebe Grüße und gute Besserung
    Frank

    P.S. google mal nach Wechseljahressyntomen
    Q1 2020 85,2 kg -> Ziel: 83 kg


  17. #17

    Im Forum dabei seit
    29.12.2014
    Beiträge
    90
    'Gefällt mir' gegeben
    0
    'Gefällt mir' erhalten
    0

    Standard

    Hallo Miss Twizzle,

    auch von mir alles Gute! Und danke für den Bericht. Wenn ich lese: 3 Kinder, Job (mit Auslandsdienstreisen!), ambitioniertes Training im Verein (d.h. zu größeren Teilen von anderen diktiert), dazu ggf hormonelle Schwankungen durch Wechseljahre - dann erklärt das doch in der Summe der Belastungen, warum auch 25 WK zu viel sein könnten. Ob das dann Übertraining oder Burn out heißt, ist am Ende zweitrangig. Es war zu viel Belastung und zu wenig/zu schlechte Erholung. An beiden Stellschrauben könntest du drehen. Und wenn sich die Belastung durch Kinder und Job nicht verringern lässt, kannst du nicht so hart trainieren wie andere ohne Kind oder mit 'nur' Teilzeitjob.

    Ich drücke die Daumen, dass du aus dem Tief wieder herausfindest und auch wieder Freude am Sport hast. Lass dir Zeit!
    Zuletzt überarbeitet von rotbaeckchen (29.04.2016 um 23:34 Uhr)

  18. #18

    Im Forum dabei seit
    20.10.2014
    Beiträge
    662
    'Gefällt mir' gegeben
    1
    'Gefällt mir' erhalten
    5

    Standard

    Also für mich klingt das schon nach Übertraining.

    Wikipedia sagt:
    Die Ausprägung der Symptome kann stark variieren. Übertraining äußert sich nicht nur in einer Leistungsreduktion des betroffenen Sportlers, sondern auch begleitende Symptome wie Schlafstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen, erhöhter Ruhe- und Belastungspuls, vermehrte Infekt- und/oder Verletzungsanfälligkeit sowie Beschwerden an Muskeln und Sehnen. Auch Depressionen können ausgelöst werden.[4]
    M.E. entsteht Übertraining sowieso nicht durch zu viel Training, sondern durch zu wenig Regeneration. "Unterregeneration" wäre meiner Meinung nach der korrekte Begriff.
    Zu wenig Regeneration entsteht aber nicht nur durch zu wenig Pausetage oder zu wenig Regenerationswochen, sondern auch wenn ich im Berufsleben zu stark gefordert bin, wenn ich nicht ordentlich zum Schlafen komme usw., wodurch dann einfach auch die Regeneration fehlt.

    Ich denke, dass das ganze auch ein Kreislauf ist: Immer unzureichend regeneriert zu trainieren macht einen auf Dauer fertig, man kann nicht mehr schlafen, durch den fehlenden Schlaf fehlt wieder die Regeneration und es wird alles immer noch schlimmer. Man trainiert sich damit in den Keller.

    Meine 13-jährige ist in einem Leistungskader und schreibt ein Trainingstagebuch für den Landestrainer. Für ihn ist aber nicht nur die sportliche Belastung relevant, er will auch wissen, wann Schularbeiten sind usw., weil seiner Aussage nach der schulische Stress die Regenerationsfähigkeit stark beeinträchtigt. Schularbeitenzeit ist bei ihr daher automatisch immer Regenerationszeit. Da wird zwar auch ein bisschen gemacht, aber sehr zurückhaltend.
    Im Berufsleben ist es ja auch nichts anderes. Mal ist es etwas lockerer, manchmal extrem stressig. Das sollte man meiner Meinung nach unbedingt berücksichtigen bei seinem Trainingsplan - oder wollen wir es besser "Regenerationsplan" nennen...?

  19. #19

    Im Forum dabei seit
    08.04.2013
    Beiträge
    272
    'Gefällt mir' gegeben
    0
    'Gefällt mir' erhalten
    0

    Standard

    Was mich etwas wundert, das ganze zog sich über mehrere Monate in denen du verschiedene erfahrene Sportler (Schwester, Verein) dazu befragtest und keiner hat dir geraten mal ne Woche (oder halt wenns nicht reicht, so lange wies nötig ist) komplett auszusetzen?

  20. #20
    Bewegungsfreude pur! Avatar von barefooter
    Im Forum dabei seit
    21.11.2008
    Ort
    Weltopen Holsteen
    Beiträge
    2.539
    'Gefällt mir' gegeben
    44
    'Gefällt mir' erhalten
    35

    Standard

    Zitat Zitat von Aden Beitrag anzeigen
    Was mich etwas wundert, das ganze zog sich über mehrere Monate in denen du verschiedene erfahrene Sportler (Schwester, Verein) dazu befragtest und keiner hat dir geraten mal ne Woche (oder halt wenns nicht reicht, so lange wies nötig ist) komplett auszusetzen?
    Offenbar fehlte für so einen Rat ein hinreichender Grund, ich sehe jedenfalls keinen.

  21. #21

    Im Forum dabei seit
    08.04.2013
    Beiträge
    272
    'Gefällt mir' gegeben
    0
    'Gefällt mir' erhalten
    0

    Standard

    Egal, daß sie dich nicht gefragt hat, wa?

  22. #22
    Gardasee - wo das Training am schönsten ist Avatar von NordicNeuling
    Im Forum dabei seit
    23.06.2010
    Beiträge
    4.850
    'Gefällt mir' gegeben
    7
    'Gefällt mir' erhalten
    36

    Standard

    Zitat Zitat von Marathonus Beitrag anzeigen
    Also für mich klingt das schon nach Übertraining.

    Wikipedia sagt:
    Du machst hier gleich zwei prinzipielle Fehler:

    Zum einen bemühst Du Wikipedia; die sind aber gerade in solchen Fragen oft mainstream (also Illustrierten-Niveau), nicht wirklich fachkundig.
    Schwerwiegender ist aber der zweite: Du benutzt Symptome, die bei Übertraining auftreten können, als Diagnose. Dabei können aber diese Symptome (die ja sehr allgemein sind) auf ganz verschiedene Anlässe hindeuten. Ich hatte zB. eine ganze Reihe der Symptome der TE, als ich noch gar keinen Sport gemacht hatte (und natürlich auch den Begriff Übertraining nicht kannte): Diagnose war dann Diabetes.

    Im übrigen spielt die Regeneration nur eine Rolle, wenn man sich wirklich be- oder überlastet. Bei dem geringen Pensum muß man nicht unbedingt regenerieren, bzw. die vielen Ruhetage reichen.

    Meine Theorie geht sowieso in eine ganz andere Richtung: TE eröffnet gerne alle paar Monate einen Thread und beachtet ihn und den Rest des Forums dann nicht mehr.
    Gruß vom NordicNeuling

  23. #23

    Im Forum dabei seit
    28.01.2016
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    3
    'Gefällt mir' gegeben
    0
    'Gefällt mir' erhalten
    0

    Standard

    Hallo, hier meldet sich wieder Miss-Twizzle!
    Danke für eure Antworten!!!! Ehrlich gesagt hatte ich etwas Angst davor, sie zu lesen.
    Warum ich diese Angst habe, weiß ich auch nicht so genau. Vielleicht, weil ich so viel erzählt habe ... Und natürlich, es war mehr als eine Vorstellung, was jemand mokiert hat, aber die Vorstellung war auch nur die Einleitung. Und Achtung, jetzt wird's wieder viel ...

    Inzwischen, dank Dr. Internet, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es tatsächlich nicht "Übertraining" heißen müsste, sondern "Unterregeneration". Und wichtig ist es immer, die Gesamtbelastung zu sehen. Die ist bei mir schon hoch (Kinder, Arbeit, Sport). Das ist einfach so. Vielleicht kann man da nicht erwarten, sportlich TOTAL top zu sein, auch wenn man es möchte und vielleicht könnte, wenn man Drumherum weniger Stress hätte. Das muss man vielleicht akzeptieren.

    Ob das mit dem Verein alles so schlau war, weiß ich nicht. Ich bin eigentlich totaler Fan des Einzeltrainings: Da kann man besser auf sich hören und muss sich nicht vergleichen. Ein bisschen enttäuscht bin ich auch von dem Trainer, der meine "Übertrainingstheorie" bis jetzt nicht recht anerkennen will. Aber das ist vielleicht zu viel verlangt. Er kennt mich nicht wirklich und weiß nicht, welche Zeiten ich gelaufen bin und dass der Rückgang so ist, wie ich ihn beschreibe. Wer wie er normalerweise Leistungssportler (auch Senioren) trainiert, kann sich einfach nicht vorstellen, dass man von 25-30km/Woche Übertraining bekommen kann. Auch die anderen im Verein kennen mich nicht. Es ist mir nur unglaublich peinlich, dass ich jetzt nie komme. Die paar Mal im Training hab ich auch immer nur "gejammert" oder Sachen nicht mitgemacht, weil ich da oft schon erschöpft war, was aber niemand so recht verstehen konnte. Ich war nur verzweifelt, weil ich ja merkte, ich komme nicht mit. Gleichzeitig wusste ich, dass ich in gutem Zustand mitgekommen wäre. Alles sehr unangenehm, aber naja, was soll's. Das sollte jetzt nicht stören.

    Was die Wechseljahre betrifft: Klar, das war ja erst meine Vermutung. Es liegt an den Wechseljahren. De facto glaube ich, dass man die Wechseljahre durch viel Sport in meinem Alter auch beschleunigen kann. Meine Periode wäre bestimmt auch ohne Sport demnächst ausgeblieben - aber es ging halt doch recht schnell. Das hängt natürlich zusammen.

    Insgesamt sind sich, wie ich nachgelesen habe, Depression und Übertraining nicht ganz unähnlich. Ich neige auch zu Depressivität, hatte mal eine Phase: Deswegen kommt mir mein Zustand ja auch bekannt vor. Er ist nur anders, sagen wir, angenehmer, da wie gesagt die negativen Gedanken fehlen. Ich bin "nur" antriebslos und auch ängstlich. Das lässt sich aushalten.

    Auch vielen Dank für die "Genesungswünsche": Seit dem 13.4. mache ich jetzt Pause. Was meine Energielosigkeit tagsüber betrifft, ist es schon besser geworden. Ich geh jetzt immer mit den Kindern raus auf den Spielplatz. Wir spielen Tischtennis und ich übe Jonglieren. Das ist schön, vor allem jetzt, wo es wärmer wird (naja, heute ist's wieder kalt). Das tut auch gut.

    Ich glaube auch, dass sich nicht wenige Läufer(innen) mit einer Essstörung herumschlagen. Ich hatte auch eine, ist aber sehr lange her. Ich achte jetzt nicht sehr auf die Ernährung und auf die Kalorien - das ist tatsächlich so, trotz meines Gewichts, das vielleicht etwas verdächtig erscheint.
    Nach meiner Überzeugung hängen Laufen und Essstörung in irgendeiner Weise zusammen. Von der Haltung gegenüber dem Leben und der Leistung ist vieles ähnlich. Diese Haltung muss auch nicht unbedingt gleich pathologisch sein. Sie kann es aber werden. Außerdem kann das eine in das andere übergehen und das eine in das andere. Bei mir war das so, dass ich mit 15 viel und erfolgreich Sport machte, dann aber durch den Tod meines Vater irgendwie aus der Bahn geworfen wurde und statt Sport zu machen plötzlich hungerte. Ich hab mir durch das Hungern den Sport kaputt gemacht. Als ich vom Hungern einigermaßen kuriert war, habe ich 20 Jahre keinen Sport gemacht, einfach, weil ich keine "Schmerzen" haben wollte (Hunger = Schmerz, Laufen = Schmerz).
    Ich finde es sehr schlimm, durch den Sport wieder in einen so üblen Zustand geraten zu sein - vor allem, weil ich erst dachte, der Sport wäre die Lösung für alles: ich hatte plötzlich ein Hobby, lernte neue Leute kennen, fuhr auf Läufe, hatte Erfolg und bekam Pokale. ich konnte mir mit der Deutschen Meisterschaft sogar einen Jugendtraum erfüllen, der durch die vermaledeite Magersucht geplatzt war. Irgendwie wollte ich meine unterbrochene Sportkarriere fortsetzen.
    Und jetzt ist das wieder alles kaputt!! Man kommt im Alter ja manchmal auf komische Ideen.

    Trotzdem: So schlecht geht es mir nicht. Ich komm da schon wieder raus. Zum Glück habe ich sehr viele Interessen und einen wirklich schönen Beruf.
    Ich halte euch auf dem Laufenden, was die Regeneration betrifft. Man kann da ja mit Monaten rechnen. Es ist ja auch für andere Betroffene interessant.

    Viele Grüße,
    Miss-Twizzle

  24. #24

    Im Forum dabei seit
    07.03.2016
    Beiträge
    134
    'Gefällt mir' gegeben
    0
    'Gefällt mir' erhalten
    0

    Standard

    Seit dem 13.4. mache ich jetzt Pause. Was meine Energielosigkeit tagsüber betrifft, ist es schon besser geworden.

    Und jetzt ist das wieder alles kaputt!!
    dann lauf doch einfach locker als ausgleich in deiner freizeit, der zug mit meisterschaft oder bestzeiten ist abgefahren (altersbedingt), das sind ansprüche, die nicht zu erfüllen sind (was alleine ja nicht schlimm ist), dich aber offenbar so unter druck setzen, dass nach kurzer zeit gar nichts mehr geht. nach relativ kurzer beobachtungszeit, scheint das hauptproblem in diesem forum immer zu sein, dass jeder weltmeister werden möchte und sich dann durch unschlaue trainingsmethoden verletzt, auslaugt und demotiviert.

    aber trotzdem viel erfolg, man kennt natürlich weder dich, noch dein leben, deshalb ist das blabla im internet auch meistens sinnlos und sollte mit einer vertrauensperson (dein "trainer" ist es ja offenbar nicht) besprochen werden.

  25. #25
    berodual_junkie
    Gast

    Standard

    Sport ist schön, aber dann doch nicht ALLES im Leben. ALLES im Leben sind eben "triviale" Dinge, die einem viel bedeuten und Freude bereiten. Familie, Freunde oder wie in deinem Fall auch der Beruf. Solange man dieses "Ich-lebe-gerne-Gefühl" in sich trägt, ist doch alles wunderbar?! Lauferfolge hast du schon, brauchst also auf diesem Sektor niemandem mehr was zu beweisen. Genieße die lauffreie Zeit und nimm dir die nötige Pause!

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. Würzburg Marathon - um eine Erfahrung reicher
    Von locke241281 im Forum Laufberichte
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 28.05.2012, 22:06
  2. Essen und Laufen - eine etwas andere Erfahrung
    Von Abitany im Forum Foren-Archiv
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 31.05.2007, 14:46
  3. Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 25.04.2005, 12:55
  4. Um eine Erfahrung reicher!!
    Von Haard-Mann im Forum Foren-Archiv
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 31.03.2004, 12:28
  5. Übertraining
    Von spike im Forum Foren-Archiv
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 11.11.2003, 09:02

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •