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  1. #1

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    Standard 46. Wolfgangseelauf - 27km um den Wolfgangsee

    Liebe Alle,

    frisch von der Rennpiste gebe ich gleich meinen Bericht. Mag sein, dass es ob meines derzeit noch etwas dusseligen Zustand etwas kuddel-muddelig wird, aber auch das gehört zu einem Lauf dazu.

    Zum zweiten Mal nehme ich am Wolfgangseelauf teil. Wieder ist es der sog. "Klassiker", 27km rund um den See. Es ist eigentlich nur ein Trainingslauf für mich, um KM zu sammeln und mich auf den ersten 30 KM-Lauf nächsten Monat vorzubereiten. Ansonsten gibt es auch noch den Marathon, der von Bad Ischl startet und dann ab St. Wolfgang mit der Strecke des 27km zu einer vereint. Und dann noch zwei kürzere: 10km und 5,2 km. Bei den beiden letzteren absolviert man eine schöne und flache Panoramastrecke, die dann auch in St. Wolfgang endete.

    Aber was den Wolfgangseelauf wirklich ausmacht, ist der Falkenstein, den nur die 27er und 42er besteigen dürfen. Der Falkenstein ist eine knapp 200m hohe Erhebung, die auf einer Strecke von ca 2km, zwischen KM 3 und 5 zu absolvieren ist, danach geht es 1km wieder runter. Kurzum, es ist verdammt steil hoch und runter. Er ist für den Läufer die größte Herausforderung. Wenn man ihn zu ungestüm angeht, werden die letzten 21km zu einem großen Kampf.

    Aber von Anfang an...

    Ich bin für meine Verhältnisse recht früh am Start. 10 Minuten sind es noch, bis der erste von drei Blöcken starten wird. Über 5.000 Läufer starten heuer. Ich steh im Block 3 2:45-4:00. Ich bin sehr sommerlich angezogen. Es soll warm und wolkenlos werden und viele Teile der Strecke sind ohne Schatten. Ich beiße mich zur Pacerin für 2:59:59 durch. Das wäre ein schönes Ziel für mich.

    Es geht los. Ich halt mich an die Pacerin, das hilft, nicht zu schnell zu starten und gibt mir einen Rhythmus. Sie ist aber dennoch zu langsam für mich und ich hänge sie ab. Dann geht es den Falkenstein hoch. Die Kühe stehen an der Strecke und schauen uns an nach dem Motto "Was machen die Deppen da?" – Ich beginne wieder dann zu gehen, wenn auch die meisten anderen gehen. Lauter Fotografen machen Fotos von uns in diesem Zustand des hechelnden Hochkraxelns. So müssen sich Promis fühlen, wenn sie absolut underdressed von Paparazzis fotografiert werden...

    Es geht bergauf und bergauf. Weiter versuchen einige Übermütige hochzulaufen. Die meisten sammle ich dann auf den restlichen 21km wieder ein. Ich versuch mir vorzustellen, wie das für die Marathonläufer ist, die an dieser Stelle schon fast einen Halbmarathon in den Beinen haben. Aber dazu fehlt mir die Vorstellungskraft.

    Der Körper ist auf Automatikmodus. Er besteigt trotz aller Anstrengung den Berg souverän, läuft ihn wieder runter und läuft in diesem Modus weiter. Ich muss nur wieder – auch selbstlobend – feststellen, wie groß mein Körpergefühl inzwischen dank konstantem Training ist und was für ein Vertrauensverhältnis zum Körper da besteht. (Hört sich vllt. etwas daneben jetzt an, aber hey! Wir hatten nicht immer ein gutes Verhältnis)

    Nach dem Falkenstein holt mich die Pacerin wieder ein. Ich laufe ein paar KM wieder mit, bis ich wiederum schneller bin und sie aus den Augen verliere.

    Ich laufe und laufe. Ab KM 13 stell ich dann doch Musik an. Bis dahin war es ohne und eigentlich sehr angenehm. Nur jetzt spielt der Kopf verrückt und jammert herum, wie lang das doch noch ist und doofe Landstraße daneben usw. usw. Ablenkung war gefragt. Es half dann tatsächlich. Der Körper war weiterhin in Topform und wollte von dem Geplänkel meines Kopfes nichts wissen. Er lief und lief. Auch die hochstehende Mittagssonne machte ihm nichts aus, auch wenn Schatten wirklich sehr selten wird.

    KM 21 laufe ich durch mit meiner viertschlechtesten HM-Zeit, aber hey, bei den anderen kraxelte ich nicht auf Bergen herum. Also sehr gut so weit. Ich laufe weiter und weiter. Ich bin vollfokussiert, es nach Hause zu bringen. Alles ist darauf ausgerichtet, ich voll konzentriert. Nur noch 5km, nur 4km... Am Wolfgangsee wird immer angezeigt, wie weit es noch ist, was total super ist!

    Ich überhole viele Läufer, immer noch sind dabei einige der Übermutigen vom Falkenstein dabei. Zwischen KM 25 und 26 lauf ich an der Stelle vorbei, an der letztes Jahr ein junger Läufer zusammenbrach und dann verstarb. Noch heute wird mir mulmig bei der Erinnerung an die Bilder damals und ich zolle still meinen Tribut und gedenke dem Läufer.

    St. Wolfgang, man hört den Sprecher, die Musik, berg runter, ein Kurve, dann noch eine und ich biege ins Ziel bei einer sehr guten 2:5x:xx Zeit.

    Ich bin zwar in der Gesamtwertung weit hinten, auch bei der AK, aber der Berg ist nicht meine Disziplin. Es tröstet mich aber sehr, dass ich auf den letzten 10 Km 135 Läufer noch überholt habe. Letztes Jahr war ich aber fast letzte. Ich glaub irgendwas 3:30er-Zeit.

    Mit Ausnahme des Falkensteinaufstiegs lief ich komplett durch. Die HF bewegte sich immer an der Schwelle aerob / anaerob, was für einen solchen Lauf absolut okay ist. Ich denke, für einen sehr sanften 30er im nächsten Monat besteht eine gute Basis.

    Nächstes Jahr bin ich wieder dabei!
    PBs:
    1km: 4:27.3 min (T, 08.17)
    5km: 24:25 min (07.17)
    10 km: 49:46 min (07.17)
    15km: 1:20:xx h (09.17)
    HM 01:53:xx h (09.17)

    T = Im Training aufgestellte PB

  2. #2
    Avatar von der_flotte_schurl
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    Gratuliere. Jedes Jahr eine halbe Stunde schneller - das ist doch ein gutes Gefühl!

    Irgendwann muß ich mir diesen Falkenstein mal geben, ob er wiklich so furchterregend ist wie Du ihn jedesmal schilderst!

  3. #3
    super motiviert!
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    Wie weit von der ersten Startreihe warst du entfernt? Hast du die Kenianer gesehen und die besten Frauen?

  4. #4
    Avatar von Bernd79
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    Super Bericht und man merkt, dass es Dir Spaß gemacht hat. Hut ab! 200 Höhenmeter sind nix für Nervenschwache.
    ________________________
    10 km - 37:36 (T - April 2019)
    HM - 1:30:41 (Sorger Halbmarathon/Graz - April 2018)
    M - 3:10:26 (Wien Marathon - April 2019)

  5. #5
    läuft und läuft und läuft ... Avatar von GeorgSchoenegger
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    Danke für den Bericht und Gratulation! Den Wolfgangssee hab ich auch schon länger aufm Radar aber hab's leider noch nie hin geschafft.
    "Only that day dawns to which we are awake." - H.D.Thoreau
    Meine Wettkämpfe in der km-Spiel Tabelle
    Meine Lauf-Fotoalben (mit vielen Tiroler Laufstrecken)

  6. #6

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    Wow, Glückwunsch zur tollen Zeit und zum Durchziehen der 27 km Strecke!
    Ich bin derzeit "erst" bei der HM-Distanz angekommen und tue mich schwer, noch weiter zu laufen, da leider schnell bei meinem Kopf auch die "keine Lust mehr"- Mentalität durchblitzt.

  7. #7

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    Danke für den Bericht. Super gemacht, bei der Steigerung kann ja nächstes Jahr der M kommen. :-)
    Grüße Guido
    renntatze.de

  8. #8
    Avatar von Multi-Organ-VERSAGER
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    Danke für den schönen Bericht. Liest sich gut, Du nimmst einen quasi mit auf Deinen Lauf. Gefällt mir

    Zitat Zitat von Titania_1987 Beitrag anzeigen
    Nächstes Jahr bin ich wieder dabei!
    Sag ich auch immer nach jedem Lauf - demnach müsste ich nur noch Laufen

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