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    Schnee- und Regenläufer Avatar von MikeStar
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    Standard Adidas Terrex Ummi & Auffi Sprungschanzenlauf Reit im Winkl 2018

    Es ist der 15.06.2018 gegen kurz nach 18 Uhr als ich erstmals neben ihr stehe. Neben ihr fühle ich mich klein und obwohl ich schon neben deutlich größeren als ihr stand flößt sie mir doch gehörigen Respekt ein, denn ich weiß, in rund zwei Tagen will ich sie besteigen.


    Nein, die Rede ist nicht von einer Frau, sondern von der Franz-Haslberger-Schanze in Reit im Winkl.


    Schon Anfang des Jahres hatte ich entschieden den einen oder anderen nicht ganz gewöhnlichen Lauf mitzumachen und so bin ich auf den Ummi & Auffi Sprungschanzenlauf im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet gestoßen. Nun stehen allerdings rund 500km Anfahrt nicht unbedingt in gesundem Verhältnis zu einem 2km-Lauf und daher war klar, dass es den Lauf nur in Verbindung mit einem verlängerten Wochenende geben konnte.


    Praktischerweise liegt das Versanstaltungsgelände direkt an einem Hotel und zack waren zwei Übernachtungen in der 4-Sterne-Unterkunft gebucht.


    Die Anreise am Freitag gestaltete sich nicht ganz so reibungslos wie erhofft. Zum einen mussten meine Frau und ich bis Mittags arbeiten, was wir aber glücklicherweise von Zuhause aus machen konnten, zum anderen standen wir rund 1.5 Stunden der insgesamt über 6 Stunden Fahrtzeit im Stau.


    Nach dem Einchecken im Hotel Gut Steinbach in Reit im Winkl mussten wir uns erstmal die Beine vertreten bevor wir ein geschmacklich einwandfreies allerdings nicht unbedingt günstiges Abendessen genießen konnten.


    Entsprechend geschafft war um kurz nach 22 Uhr damit auch schon der Tag vorbei.


    Die Nacht gestaltete sich zu unserem Leidwesen leider sehr kurz. Bereits um 4 Uhr war ich wach, völlig verspannt und konnte die hinter den Bergen aufsteigende Morgensonne beobachten, die sich bereitmachte, immer heller werdend, durch den dicken aber dennoch lichtdurchlässigen roten Vorhang hindurchzuscheinen.


    Nachdem auch meine Frau mit Kopfschmerzen aufgewacht war, quälten wir uns gegen 7:30 Uhr zu einem umfangreichen Frühstück an dem man absolut nichts aussetzen kann. Es war alles vorhanden was das Herz begehrt.

    Im Anschluss machte ich mich auf eine kurze läuferische Erkundungstour und lief die Strecke, die mich tags darauf erwarten würde locker ab, machte mich mit dem Aufsprunghang der Schanze vertraut und drehe noch eine Runde durch die nähere Umgebung. Danach entspannte ich noch rund 45min im hoteleigenen Schwimmbecken und Whirlpool.


    Der Rest des Tages ging für Sightseeing am Chiemsee und dem Biathlonzentrum Ruhpolding, sowie Abendessen in Reit im Winkl drauf.


    Der Ummi & Auffi Sprungschanzenlauf:


    Die Nacht läuft wider Erwarten für mich recht angenehm. Um 4 Uhr klingelt der Wecker, es folgt mein übliches Ritual vor Wettkämpfen bestehend aus Frühstück mit Tee, Kakao, Joghurt mit Leinsamen und Pudding. Danach aufs Klo und noch ein Toast mit Honig und Marmelade. Auf das Hotelfrühstück welches es erst ab 7.30 Uhr gibt, verzichte ich sicherheitshalber.


    An diesem Morgen bin ich extrem nervös, teilweise ist mir sogar leicht übel. Mir gehen so viele Dinge durch den Kopf bezüglich des anstehenden Laufs...


    Die dritte Auflage des Events besteht aus 2 Wettbewerben. Einem Jugendlauf mit einer verkürzten Runde um einen kleinen Teich auf dem Hotelgelände und dem Hauptlauf über ca. 2km. Der Hauptlauf besteht aus einem Vor- und einem Finallauf für den sich die 15 schnellsten Männer und 10 schnellsten Frauen qualifizieren. Alle Läufe gehen auf den letzten rund 150m Metern den Aufsprunghang der Franz-Haselberger Skisprungschanze hinauf zum Ziel.


    Obwohl es sich bei der Schanze mit HS93 und einem Schanzenrekord von 101m nur um eine Normalschanze handelt, blicke ich auf den Hang und denke nur "Oh shit". Maximale Steigung ca. 100% und leicht feuchtes, frisch gemähtes Gras auf unebenem Geläuf.


    Es ist nicht, so dass ich mich nicht ausreichend vorbereitet hätte. Treppentraining, viele Höhenmeter und Einheiten an unserem Skihang (bis zu 320m bei über 20% Steigung) waren fester Bestandteil der letzen Wochen, und doch frage ich mich wie ich diesen Hang mit zwei voll gelaufenen Kilo- und ca. 55 Höhenmetern in den Beinen bewältigen will. Noch dazu in einer Zeit, die es mir idealerweise ermöglicht mich für den Finallauf zu qualifizieren. 2017 wäre hierfür eine Zeit von ca. 11 Minuten notwendig gewesen.


    Wie soll ich es angehen? Ca. 2-2.2km voll anlaufen und hoffen, dass ich am Hang nicht eingehe? Kraft sparen für den Hang? Versuchen an Platz 15 dranzubleiben und schauen was passiert? Oder einfach laufen ohne groß nachzudenken? Ich weiß es nicht.


    Eigentlich wollte ich einfach meinen Spaß haben und unbeschwert drauflos laufen und nun stehe ich da und mir geht sprichwörtlich der Arsch auf Grundeis wegen nichts und wieder nichts.


    Um der Nervosität Herr zu werden begebe ich mich auf einen kleinen Spaziergang am morgendlichen Waldrand. Obwohl leicht bewölkt ist es angenehm warm, nicht schwül.


    Nach einer halben Stunde bin ich wieder zurück, mache noch ein paar Fotos von den Aufbauarbeiten und hole Startunterlagen ab.


    Neben der Startnummer mit dem angekletteten Zeitchip von Tiger Timing gibt es einen Stoffbeutel mit einem Gutschein des Ausrichters, ein Stirnband, eine Trinkflasche und eine Flasche Wasser.


    Der Moderator ist bereits fleißig am moderieren und während noch die Fressbude mit Grill, der von dem ausrichtenden Hotel bedient wird, aufgebaut wird, kann man bei einem Stand von Adidas Terrex kostenlos Trailschuhe anprobieren und testen.


    Vor dem Warmlaufen stellt sich noch die Frage des Schuhwerks. Der Zustand des Schanzenhangs und die Tatsache, dass ca. 3/4 der Strecke auf Schotter verlaufen, lassen eigentlich keine andere Wahl als Trailschuhe zu. Spätestens bei den ersten Steigerungsläufen am Hang bin ich mir sicher, dass eine andere Wahl als meine Kalenji Kiprace Trail 3 Harakiri wäre. Die meisten anderen Läufer teilen diese Ansicht.


    Dann wird es langsam ernst. Kurz vor 10 Uhr begeben sich die ersten zum tiefsten Punkt des Aufsprunghangs, an dem sich der Start befindet. Unterdessen wartet der Moderator noch mit einem kleinen Highlight auf. Freudig verkündet er, dass - ich verzichte bewußt mal auf Namen - sich kurzfristig eine ehemalige, erfolgreiche deutsche Biathletin, mehrfache Medaillengewinnerin bei Olympia und Meisterschaften für den Lauf gemeldet hat.


    Wenige Augenblicke später stehen wir, 22 Frauen und 37 Männer, gemeinsam an der Startlinie und kurz darauf fällt der Startschuss. Die ersten 50m führen auf Gras aus dem Hang hinauf, leicht nach rechts über den Hotelparkplatz, halb-links hinaus vom Gelände auf die Zufahrtsstraße zum Dorf. Hinunter die Straße, relativ steil, bevor es nach rechts geht und die einzigen flachen Meter der Strecke folgen.


    Den freien Blick auf die Läufer vor mir nutze ich kurz um mich zu orientieren. Ich zähle 23 Läufer vor mir und maximal eine handvoll Frauen. Dann gehe auch ich in den flachen Teil über und komme erstmal richtig ins Laufen. Die nächsten Meter überhole ich die vor mir liegenden Frauen und nähere mich langsam dem Feld vor mir.


    Ich will nicht überpacen, denn zum einen wird es gleich hügelig und zum anderen möchte ich nicht schon völlig platt am Hang ankommen.


    Kurz darauf, nach rund 800m wechselt der Belag dann von Asphalt auf einen leicht welligen Schotterweg. Ich erlaube mir einen kurzen Kontrollblick und registriere die Pace von 3:46/km. Irgendwo legt sich dabei ein Schalter in mir um. Kopf sagt "viel zu schnell", Körper sagt "alles ok", aber der Kopf gewinnt und plötzlich wollen die Beine nicht mehr. Die Angst am Hang einzugehen nimmt überhand. Erstmal geht es weiter in moderatem Zickzack, zweimal kurz hoch, zweimal kurz runter, hin zum Wendepunkt
    der Strecke und damit zum kurzen Anstieg hinauf zum Wildgehege und zurück zur Schanze.


    Erstmal werde ich auf dem kurzen Weg zum Wendepunkt von mehreren Läufer/innen wieder überholt. Am Anstieg versuche ich dranzubleiben, doch der Kopf blockiert die Beine und so verliere ich bergauf einiges an Metern. Die Auswertung zeigt, dass ich den ca. 400m langen Anstieg mit einer Pace von ca, 6:20/km gelaufen bin... viel zu langsam.

    Oben angekommen versuche ich ein wenig Fahrt aufzunehmen. Aus dem Wald kommend öffnet sich der Blick für das vorletzte Teilstück der Strecke. Der abschüssige Schotterweg mit einige Windungen und etlichen Schlaglöchern ist linkerhand gesäumt vom Wildgehege mit einem stattlichen Rudel Rotwild, rechterhand von Gebüsch, Abhängen und später noch auf beiden Seiten von Elektrozäunen.


    Hier muss ich aufpassen mich nicht zu vertreten. Trotz den Trailschuhen rutsche ich zwar ein-, zweimal, da ich aber die gefährlichen Stellen schon von der Streckenerkundung kenne, weiß ich wo ich hintreten muss. Trotzdem bin ich langsamer als erhofft. Immer noch spukt mir der blöde Hang im Kopf rum und ich bremse mich selbst aus.


    Die Aussicht auf den zweiten Lauf ist mittlerweile dahin, denn ich liege irgendwo um Platz 20-25. Beim Blick auf die Uhr bin ich etwas erstaunt, dass ich bis dato immer noch einigermaßen im Zeitplan liege, auch wenn mir das nicht wirklich weiterhilft.


    Dann geht es ans Eingemachte. Zuerst zurück über den Parkplatz auf das Gelände und dann die Senke hinab in den Aufsprunghang, am tiefsten Punkt über die ursprüngliche Startlinie.


    Binnen weniger Meter wird aus dem Gefälle eine Steigung, die sich gewaschen hat. Noch ist der grasige Boden griffig, die Trailschuhe bohren sich in den Boden. Nach rund dreißig Metern ist die Steigung bereits steiler als mein Traininghang, erst gehe ich, kurze Zeit später muss ich schon die Hände zuhilfe nehmen. Nicht nur ich, auch die anderen Mitläufer.

    Kurzer Blick nach oben, doch das einzige was ich sehe ist der leicht schmierige, teils umgepfügte Grashang. Hab' ich anfangs mit den Trailschuhen noch wenigstens etwas Grip, muss ich nach weiteren rund 30m anfangen gezielt geeignete Stellen zum Abdrücken zu suchen.


    Schritt für Schritt kämpfe ich mich nach oben, für die Mitläufer um mich herum habe ich keinen Blick mehr. In etwa bei der Mitte des Hangs kann ich erstmals die Spitze des Zielbogens sehen. Jeder Schritt tut mittlerweile weh aber der Wille ist stärker. Irgendwann flacht der Hang langsam Richtung Schanzentisch ab. Außer an einen kurzen Blick auf die Zieluhr, welche irgendwas mit "12:" anzeigt kann ich mich nicht wirklich erinnern. Die letzten Schritte versuche ich nochmal zu laufen und den Läufer direkt vor mir einzuholen, aber dafür reicht es nicht mehr.


    Im Ziel lasse ich mich erstmal ins Gras fallen und es werden Wasser und Bananen gereicht. Als mir der Helfer den Chip abnimmt weiß ich endgültig, dass es nicht für den zweiten Lauf gereicht hat. Trotzdem kann ich die Aussicht über den Hang und die letzten ankommenden Mitläufer/innen noch genießen bevor es über einen kleinen Waldpfad wieder mit noch wackeligen Beinen nach unten geht.


    Nach dem Duschen schauen wir uns noch den Finallauf an und nachdem es auch nicht für die AK-Wertung gereicht hat, machen wir uns auf die Heimfahrt.


    Fazit:
    Schöner, fordernder, gut organisierter Lauf. In Kombination mit der reizvollen Gegend auf jeden Fall eine Empfehlung wert, insbesonders wenn jemand einen etwas anderen Lauf sucht.


    Zeit: 13:02min für ca. 2.34km


    Video: https://www.youtube.com/watch?v=jTrDV5MpXGM


    Bilder folgen.
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  2. Folgendem Fori gefällt oben stehender Beitrag von MikeStar:

    Rauchzeichen (15.07.2018)

  3. #2
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    Klingt nach einer spaßigen Veranstaltung, ich hätte dir wirklich den Finallauf gegönnt

  4. #3
    Schnee- und Regenläufer Avatar von MikeStar
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    Danke... ja, war schon eine coole Veranstaltung.

    So, hier noch einige Impressionen von der Strecke.

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