Eigentlich hatte ich den gestrigen Adventslauf gar nicht auf dem Radar. Eher durch Zufall wurde ich darauf aufmerksam, da ein Bekannter seine Trainings immer in einem der sozialen Netzwerke postet und er sich auf diesen Lauf vorbereitete. Mitte dieser Woche kam der Lauf dann eher zufällig in meinen Fokus als er wieder einen Post absetzte.

Huch... da war ja was.

Andererseits waren die Voraussetzungen für eine Teilnahme für mich nicht besonders reizvoll. Start Sonntags morgens, dazu Regen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Nicht unbedingt die Top-Voraussetzungen um mich aus dem Bett zu bewegen.

Freitag Nachmittag, wenige Stunden vor Meldeschluss, sah die Vorhersage dann etwas anders aus. -1° und leichter Schneefall. Schon eher mein Ding. Also E-mail abgesetzt und angemeldet. Kurz danach Tempotraining auf der Bahn... und es kommt wie es kommen muss... mittendrin plötzlich ein Stich in der Wade.
Also sofort abgebrochen und versucht, ob ich noch locker nach Hause joggen konnte. Ging soweit auch allerdings etwas verkrampft.
Daheim sofort gekühlt und festgestellt, dass meine Anmeldung nicht übermittelt wurde. Glück könnte man sagen, aber ohne groß nachzudenken hab' ich die Anmeldung erneut geschickt. Erst danach kam mir der Gedanke, dass es ja durchaus auch eine Zerrung sein könnte.

Samstag hab' ich sicherheitshalber dann auf den geplanten MLR verzichtet und stattdessen, neben Gartenarbeit, drei Anwendungen Pferdesalbe einmassiert. Die Wade tat zwar nicht mehr weh, fühlte sich aber etwas verhärtet an.

Heute Nacht wurde ich kurz wach, schaute aus dem Fenster und sah... keinen Schnee. Nicht sehr förderlich für meine Motivation. Gegen vier Uhr morgens, zum Frühstück aufstehen und... gezuckerte Straßen und Gehwege. Immerhin etwas, aber nicht das was ich mir erhofft hatte. Also nach dem Frühstück nochmal ins Bett gelegt und etwas gedöst. Gegen acht Uhr war meine Motivation aufzustehen völlig weg. Der Reiz im warmen Bett zu bleiben war eindeutig größer als sich raus in die Kälte zu begeben.
Ich könnte ja auch ausschlafen und einfach am Mittag meinen Trainingslauf machen.

Allerdings musste ich sowieso aufstehen, da man bei uns noch selbst Schnee schippen und streuen muss. Also die Sachen gepackt, kurz Schnee geschippt und auf nach Schönau, wo der Lauf stattfand. Am frühen Sonntag morgen waren die Straßen noch nicht geräumt und folglich dauerte die Anfahrt etwas länger als üblich. Gerade die Straße, die in den Odenwald hineinführte war teils sehr rutschig und trotz deutlich reduzierter Geschwindigkeit kam ich sogar einmal ins Rutschen.

Kurz nach 9 Uhr war ich angekommen. Sowohl das Sportgelände als auch Ortschaft und der Wald, der den Hauptteil der Strecke einfassen sollte, waren in einheitliches Weiß getaucht. Ansonsten war alles gut und kompakt im Sportheim des hiesigen Fußballvereins organisiert. Parken, Nachmeldungen, Startnummernausgabe, Umkleiden, Duschen... alles in einem Gebäude sogar ein detaillierter Streckenplan mit Bildern war aufgestellt.

Wie aus den Gemeinden hier im Odenwald gewohnt, ging es generell sehr familiär zu. Beim Eintreffen hatte ich dann auch gleich meinen Bekannten getroffen und mich noch mit ihm kurz unterhalten, bevor ich mich ans Aufwärmen machte.

Zum ersten Mal seit ich Wettkämpfe laufe hab' ich mich richtig eingepackt. Zwei paar Socken, eine dünne lange Hose unter den kurzen Shorts, Unterhemd, Armlinge, dünnes Langarmshirt, Singlet, Handschuhe und Mütze... und eine Windjacke zur Sicherheit in der Hosentasche mit dabei. Soviel vorab, die Jacke wäre nicht notwendig gewesen, der Rest war aber optimal gewählt.
Glücklicherweise hatte ich am Morgen noch daran gedacht die leichten Trailschuhe einzupacken, sonst wäre ich mit profilarmen Straßenlaufschuhen in den schneebedeckten Wald aufgebrochen.

Interessanterweise würde also der erste Schneelauf dieses Jahr gleich ein Wettkampf werden, noch dazu auf unbekannter Strecke. Anhand des Höhenprofils in der Ausschreibung und der Kenntnis der Gegend konnte ich mir zwar ungefähr ein Bild von der Strecke machen, gelaufen bin ich aber noch keinen Zentimeter auf selbiger.

Punkt 10 Uhr tummelten sich dann ca. 60 Starter/innen an der Startlinie während der Schneefall noch etwas stärker wurde. Noch ein paar kurze Worte des Veranstalters bzgl. Sicherheit und Streckenverlauf und dann ging es auch schon los.

Vom Start weg drehen wir zuerst etwas mehr als eine Runde auf der schneebedeckten Laufbahn. Anschließend verlassen wir das Sportgelände, überqueren einen Bach über eine wackelige Holzbrücke, durchqueren ein Schulgelände in einer Rechts-links-rechts-Kombination, wieder über eine Brücke und beginnen nach rund 800m mit dem Anstieg.

Die Runde um den Sportplatz hat das Feld relativ schnell auseinandergezogen und sortiert, so dass es kaum zu Problemen kommt obwohl die ersten Meter nach dem Sportplatz relativ eng sind. Die ersten rund 500 Meter des Anstiegs führen noch über Asphalt durch das Dorf und von Beginn an geht es recht steil bergauf. Allein der erste Kilometer des Anstiegs hat durchschnittlich 10% Steigung. Auch wenn es Kraft kostet komme ich mit dem Schnee recht gut zurecht und als der Belag endlich auf Waldweg wechselt greift auch das Profil der Trailschuhe endlich richtig.

Allerdings stellt der gefrorene und sehr unebenen Boden eine Herausforderung dar. Das eine oder andere Mal knicke ich leicht um oder übersehe Steine oder Wurzeln, womit ich allerdings auch gerechnet hatte.
Vor mir laufen vier Läufer, darunter auch mein Bekannter, den ich aufgrund seiner Trainingsposts ungefähr auf meinem Niveau einschätze.

In etwa bei Kilometer zwei macht die Strecke eine 180° Kehre nach links und es geht ein wenig sanfter ansteigend nach oben. Kilometer 1 ging bis dato in ca. 4:35 durch, Kilometer 2 in 7:02. Langsam schließe ich auf die Läufer vor mir auf und bin positiv überrascht wie gut die Strecke zu laufen ist.

Nach den nächsten rund 1.5km, die sich über zwei weite S-Kurven erstrecken, ist der erste Peak am sogenannten Feuersteinkopf bei 316m ü.Nn. erreicht.

Dann geht es erstmal für rund 1.3km bergab.

Während sich die Läufer vor mir wieder etwas entfernen, achte ich darauf nicht zu überpacen, denn ich weiß, dass gleich der nächste Anstieg folgen wird.

Kurz vor Ende des Abstiegs folgt wieder eine Spitzkehre, so dass man einen recht guten Blick auf das Feld voraus und den beginnenden Anstieg erhaschen kann. Mein Bekannter, den ich mittlerweile so ein wenig als Fokus zur Orientierung nutze hat sich auf ca. 100m entfernt als es an einer Kreuzung nach rechts wieder bergauf geht.

Ich weiß, dass die nächsten rund 600m wieder etwas steiler werden. Die etwas mehr als 10% Steigung fühlen sich jedoch ungleich schwerer an als erhofft. Gingen km 3, 4 und 5 in ca. 5:21, 5:15 und 4:49 durch, steigt die Pace zwischenzeitlich auf 7:20/km an und ich spiele kurzzeitig mit dem Gedanken zu gehen. Allerdings entscheide ich mich dagegen, da ich die Befürchtung habe, dann nicht mehr richtig ins Laufen zu kommen. Stattdessen beginne ich wieder von 60 auf 0 runterzuzählen um mich einfach abzulenken.

Nebenbei registriere ich, dass sich die Leute vor mir immer weiter entfernen und von hinten ein weiterer Läufer an mir mit einer Leichtigkeit vorbeigeht, die mich beinahe konsterniert zurücklässt. Glücklicherweise sehe ich recht schnell Licht am Ende des Tunnels als die Läufer vor mir an einer Kreuzung den steil ansteigenden Weg nach rechts verlassen.

Ich weiß, dass damit das schlimmste überstanden ist... zumindest hoffe ich dies. Ein weiterer positiver Aspekt an der Streckenführung ist die Beschilderung. Alle 500m gibt es eine rückwärts zählende Markierung und mit jedem Schild kommt der Gipfel näher.

In einem Rechtsknick passieren wir eine Weide mit ein paar Rindern deren Duft kurzzeitig eine geruchsintensive Abwechslung herbeiführt, bevor uns der Wald wieder verschlingt. Dann folgt ein weiter Linksbogen und weiter nach oben schlängelt sich der Weg hinauf. Im festen Schnee macht das Laufen jetzt richtig Spaß. Relativ schnell sind die leichten Rückenschmerzen, die sich an dem steilen Teilstück angemeldet hatten verschwunden und auch wenn es anstrengender ist als sonst, komme ich langsam ins Laufen. Meter für Meter kann ich auf meinen Bekannten aufschließen.

Rund 200m vor dem Gipfel werde ich dann allerdings erstmal von hinten von einem weiteren Läufer eingeholt, bevor kurz darauf der höchste Punkt der Strecke erreicht ist.

Prompt hauen mir die Leute voraus erstmal ein wenig ab, als es anfängt abwärts zu gehen. Die Aussicht, dass es noch rund sieben Kilometer sind, lassen mich noch etwas zögern gleich Vollgas zu geben und ich gehe es zuerst gemächlich an. Relativ schnell hab' ich dann aber das Gefühl für den Schnee sowie die Steine und Wurzeln darunter gefunden und ich genieße das Tempo. Über die nächsten 3.5km pendelt sich die Pace bei angenehmen 4:20-4:40/km ein.

Nach einigen hundert Metern passiere ich meinen Bekannten. Wir signalisieren uns kurz Daumen hoch und dann mache ich Jagd auf meine beiden Vorderleute. Auch diese sind relativ schnell eingesammelt und weiter geht es durch den Schnee. Von mir aus könnte es gerade ewig so weiter gehen.

Leider ändert sich das Bild nach 3.5km wieder. Es folgt eine sehr enge und glatte Wendekurve nach links und ab dort verschlechtert sich die Streckenbeschaffenheit unter der Schneedecke erheblich. Obwohl ich Tempo rausnehme und sehr aufmerksam laufe knicke ich zwei-, dreimal um, was zwar nicht wirklich weh tut aber sehr nervig ist.

Kurze Zeit später erreichen wir den Eingang in die Zivilisation und wir wechseln das letzte Stück bergab auf leicht vereisten, teils gestreuten Asphalt. Ich bin froh als ich das Stück gesund hinter mir gelassen habe und schaue auf die Uhr bevor es auf die letzten zwei Kilometer geht. Genau neun Minuten bis zur 1:15er-Marke, die ich mir insgeheim als Ziel gesetzt hatte. Allerdings fehlt mir heute die mentale Stärke nochmal Tempo aufzunehmen.

Der vorletzte Kilometer führt über eine Nebenstraße von Altneudorf zurück nach Schönau. Kurz vor dem Ortseingang gibt es nochmal eine kurze Steigung über ca. 20m, ehe wir dann die letzten Meter zurück zum Sportgelände so zurücklegen wie wir es verlassen haben. Irgendwo hier werde ich nochmal von zwei Leuten überholt und dann ist das Stadion wieder erreicht. Noch 300m über die Laufbahn und es ist geschafft in 1:16:34.

Etwas später trudelt auch mein Bekannter ein und wir quatschen noch ein wenig bei leckerem Tee, bevor ich mich auf den Heimweg mache.

Fazit:

Sehr gute Veranstaltung mit guter Organisation. Anmeldung unkompliziert per Mail oder Fax, 5 € Kosten / 6 € mit Nachmeldegebühr. Alles an einem Platz. Familiäre Atmosphäre.
Anspruchsvolle Strecke mit zwei knackigen Steigungen. Ca. 14.5km / Ca. 270Hm. Mit dem Schnee herrliches Winterlauffeeling, allerdings bergab an der einen oder anderen Stelle durchaus nicht zu unterschätzen.

Nächstes Jahr aller Voraussicht wieder.

Ges. 22/59 M 19/51, AK 4/5