Was macht der Läufer wenn er zu viel Zeit hat? Richtig... er schaut wo er überall so laufen könnte.. und dann läuft er.

Und in meinem Falle heißt das, dass auch mal ein paar Kilometer Anfahrt dafür in Kauf genommen werden, neue Veranstaltungen und Strecken kennenzulernen. So auch vortletztes Wochenende.

Zwei Läufe hatten kurzfristig meine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Am Freitag der Lauf um den Ohmbachsee in Brücken (Pfalz) und am Samstag der Backeslauf in Framersheim bei Alzey. Gerade im pfälzischen und der rheinhessischen Gegend, die ja auch zu Rheinland-Pfalz gehört, empfinde ich die beinahe familiäre Atmosphäre auf den nicht ganz so großen Laufevents als einen Pluspunkt, der eine längere Anreise rechtfertigt.

Ohmbachseelauf 2019 - Brücken (Pfalz) - 10km

So machte ich mich am Freitag nachmittag auf den Weg in die Nähe von Landstuhl hinter Kaiserslautern zum Lauf um den Ohmbachsee. In der etwas mehr als 2.000 Einwohner zählenden Gemeinde standen kurz vor der abendlichen Dämmerung ein Schülerlauf über 1km, ein Lauf über 5km, der in zwei Wertungen - Firmenlauf und Jedermann - aufgeteilt war sowie der Hauptlauf über 10km auf dem Programm.

Nachdem ich dank wider Erwarten freier Autobahn viel zu früh in Brücken angekommen war, konnte ich mir noch ein wenig das Städtchen anschauen bevor die Anmeldung zwei Stunden vor dem Start öffnete. Die Anmeldung in der Sporthalle war rund 500m von Start und Ziel entfernt und leider nicht ganz so gut ausgeschildert. Da ich allerdings wußte wo ich hinmusste, war das kein Problem.

Die Nachmeldung an sich ging erstmal recht schnell und reibungslos von der Bühne und neben der Startnummer gab es noch einen Mehrwegtransponder in Form eines Kärtchens zur Befestigung am Schuh. Was kann da schon schiefgehen... dachte ich zumindest.

Gegen 18:15 fand ich mich dann zum Warmlaufen an der Strecke ein wo bereits etliche Läufer, Kinder und Eltern im Start- und Zielbereich, keine 100m vom Ortskern entfernt, eingefunden hatten... und noch mehrere, die auf der Suche nach der Anmeldung waren.

Eine halbe Stunde später startete dann der Kinderlauf und nochmal 30 Minuten später in Personalunion der 5km- und 10km-Lauf.

Mit dem Ausblick tags darauf noch einen 5er unter Wettkampfbedingungen zu laufen, war meine eigene Vorgabe den Lauf ber 10km als Tempolauf anzugehen. Für eine Bestzeit über 10km reicht meine aktuelle Form sowieso nicht. Auch die unbekannte Strecke, die lt. Ausschreibung mit rund 160 Höhenmeter gespickt sein sollte, festigten meinen Entschluss es lieber langsam angehen zu lassen, bevor ich am Ende wieder elend zugrunde gehen würde.

Vom Start weg führt die Strecke für rund 800m unmerklich bergab gehend durch Brücken hindurch. Die leicht gewundene Straße ist breit genug für alle Starter, so dass es ein recht entspannter Start ist. Am Ortsausgang folgt ein kurzer aber spürbarer Anstieg durch eine Rechtskurve auf den Weg Richtung Ohmbachsee. Rechterhand schirmt uns der Wald ein wenig vor dem nicht allzu starken, jedoch eisigen Wind ab. Linker Hand säumen Wiesen und Au die Strecke.
Direkt nach dem Anstieg geht es wieder ein Stückweit abwärts, vorwiegend geradeaus mit minimalen Richtungskorrekturen. Lediglich bei Kilometer 1.5 macht der Weg nochmal eine kurze, weitgefasste Rechtsbiegung, in deren Anschluss jedoch sofort wieder eine Tendenz nach links uns wieder entgegenlenkt.

Kurz vor Kilometer 2.5 trennen sich dann die Strecken für die beiden Läufe. In einer links-rechts-Kombination zweigt ein Trampelpfad nach links aufwärts ab, den die 5km-Läufer nehmen, während wir auf dem Hauptweg verbleiben und kurz darauf im Nachbardorf eintreffen und kurz darauf die gesichterte Hauptstraße überqueren.

Der Ohmbachsee ist erreicht.

Bis dato verläuft mein Lauf recht gut. Abgesehen vor Start, der wie üblich viel zu schnell war, bin ich recht ruhig unterwegs. Meine Pace hat sich in etwa bei gefühltem Halbmarathon-Tempo 4:50min - 4:55min/km eingependelt. Der Umstand, dass ich die ganze Zeit in einer kleinen Gruppe laufen konnte, hat sicherlich auch einiges beigetragen.

Von der Straße runter geht es bergab über einen Parkplatz auf den Schotterweg, der um den Ohmbachsee herumführen wird. Der See an sich ist leider nicht das prächtige Bild, dass man auf den Fotos im Internet sieht, sondern sieht an etlichen Stellen aus wie ein halb ausgetrockneter Sumpf mit rotem Schlammstrand. Die etwa 3.4km lange Runde um den See ist gut zu laufen und auch abwechslungsreich. Abgesehen von einer kurzen Rechtsbiegung mit Steigung und dem, in einer Rechtskurve endenen, Gefälle nach dem anschließenden U-Turn, geht es leicht wellig, jedoch nie anstrengend um den See herum.

Ungefähr zur Hälfte der See-Runde setzen wir auf das andere Ufer über und machen uns auf den Rückweg. Aus der kleine Gruppe haben sich mittlerweile ein paar Läufer nach vorne abgesetzt, ein paar andere sind zurückgefallen, so dass wir nun nur noch zu dritt laufen. Der Weg auf diese Seite des Sees ist eher gerade, hat aber die eine oder andere Schautafel zur Abwechslung zu bieten. Dementsprechend gestaltet sich der Weg zurück zur Haupstraße recht kurzweilig.

Kaum ist die Hauptstraße überquert wird es etwas härter für mich. Wir laufen jetzt den selben Weg zurück, den wir vom Start zum See genommen haben. In dieser Richtung spüre ich den Wind ein wenig und die kalte Luft stößt mir im Magen etwas auf. Die Pace an sich leidet darunter nur minimal, allerdings zerrt es an meiner Laune. Der Blick nach hinten zeigt, dass einer meiner Mitläufer am See recht weit nach hinten gefallen ist und die Läuferin entfernt sich jetzt auch von mir, allerdings nach vorne weg.

Hier beschließe ich erstmal dran zu bleiben, schließlich sind es ja keine drei Kilometer mehr bis ins Ziel. Schon ist auch die Stelle passiert an der sich auf dem Hinweg 5 und 10km getrennt hatten und langsam beginnt der Weg wieder anzusteigen. Die beiden etwas steileren Passagen muss ich ein bißchen kämpfen, mehr damit die Bereitschaft aufrecht zu erhalten die Pace zu halten, anstatt mit der Strecke selbst.

Zwischendrin passieren wir das Ende des 5km-Laufs und dann ist auch die letzte Steigung überwunden und es geht zurück ins Dorf und damit auf die letzten ca. 900m. Kurz bergab und danach unmerklich ansteigend bis ins Ziel. Ich schließe Meter für Meter auf die Läuferin vor mir auf und werde auf der Hälfte plötzlich von hinten überholt. Eine der Läuferinnen, die ich seit km2 nicht mehr gesehen hatte zieht an mir und auch der Läuferin vor mir vorbei.

Für einen kurzen Moment juckt es in den Füßen es auf einen Zielsprint ankommen zu lassen. Kraft- und Luftreserven wären ausreichend vorhanden, aber ich lasse es lieber austrudeln und bedanke mich lieber bei den etlichen Zuschauern auf den Balkonen und trabe gemütlich bei 48:42min über die Linie.

Daheim musste ich dann zu meiner Verwunderung feststellen, dass ich nicht in der Ergebnisliste auftauche. Nach einer Mail an den Veranstalter wurde dies aber schnell und unkompliziert behoben. Scheinbar war ich aber nicht der einzige. Egal... kann passieren.
Ansonsten ein empfehlenswerter kleiner Lauf mit schneller und schöner Strecke. Die 160Hm laut Ausschreibung würde ich allerdings anzweifeln. Mehr als 100-120 waren es nicht.

http://www.tv-bruecken.de/vereinsang...den-ohmbachsee

Backeslauf - Framersheim - 5km

Tags darauf führte mich das Laufen dann zu einer kleinen Veranstaltung ins rheinhessische Framersheim. Auf der einen Seite hatte ich einfach Lust eine neue Strecke kennenzulernen, zum anderen war ich neugierig zu sehen, ob und wie ich die Doppelbelastung vertragen würde.

Obwohl erst Samstag Mittag lag das idyllische 1.500-Seelen-Dorf wie ausgestorben dar, lediglich am Ortsrand tummelten sich einige Leute auf dem dortigen Sportgelände.
Hinter dem Ort erhebt sich eine Kuppe mit etlichen riesigen Windkrafträdern und die Tatsache, dass ein langer Feldweg direkt vom Start zur Kuppe hinaufführt, lässt mich nichts gutes erahnen.

Relativ schnell sehe ich auch ein paar bekannte Gesichter, wir unterhalten uns kurz und ich versuche ein ungefähres Bild der Strecke zu bekommen.

Währenddessen ist gerade der Kinderlauf gestartet.

Das Wetter an diesem Tag kann sich nicht so richtig entscheiden was es will. Kommt die Sonne raus ist es beinahe angehm warm. Verschwindet sie oder geht etwas Wind wird es gleich wieder richtig kalt.

Beim Warmmachen spüre ich die Belastung des Vortags recht stark in den Muskeln. Besonders der linke Oberschenkel zwickt anfangs ein wenig und gibt erst kurz vor dem Start endlich Ruhe.

Um 15:00 starten dann ca. 100 Läufer*innen (und eine Handvoll Walker) in drei Disziplinen auf die Strecke, ein 2.2km Schülerlauf, 5km und 10km.

Zuerst läuft der Pulk rund 100m abwärts in den Ort hinein und biegt dann die erste Straße nach links ab. Nach weiteren 400 leicht abfallenden Metern geht es wieder nach links und wir verlassen den Ort und beginnen den Aufstieg auf die Kuppe. Der Feldweg steigt relativ lange, d.h. mehrere hundert Meter, erst einmal recht sanft an. Nach ca. 400m macht der Weg einen leichten Knick nach links und gibt den Blick frei auf das was uns noch erwarten wird.

Mit jedem Meter wird der Weg ein wenig steiler und weit, weit vorne kann ich den Führungsläufer nach rechts abbiegen sehen. An der nächsten Kreuzung zweigt jedoch erst
einmal die 2.2km-Strecke nach links in einen recht steilen Anstieg ab. Aufgrund der Streckenbeschreibung weiß ich, dass wir da später auch noch hoch müssen. Jetzt bereue ich ein wenig doch recht schnell in den Wettkampf gestartet zu sein. Etwas mehr Taktik und Zurückhaltung wäre unter Umständen sinnvoller gewesen..

Der nächste Kilometer wird richtig hart für mich. Je länger der Anstieg, desto langsamer wird die Pace. Nach insgesamt 2.3 - 2.4km zurückgelegter Strecke biegen wir nach rechts auf eine kleine Schleife ab und die Steigung nimmt ein wenig ab. Am Ende der Schleife ist dann der höchste Punkt der 5km-Strecke erreicht und direkt dort trennen sich 10km und 5km voneinander. Während die 10km-Läufer flach geradeaus weiterlaufen, zweigen wir nach links und müssen erstmal ziemlich steil über ein kurzes Teilstück mit eher schlechter Beschaffenheit und danach weiter über den Weg, den wir heraufgekommen sind, nach unten, während uns die letzten Läufer und die Walker entgegenkommen.

Auf der 5km-Strecke ist es sehr, sehr einsam. Zwar läuft ca. 100m vor mir ein junger Läufer, ansonsten aber kann ich nur einen weiteren Mitstreiter mehr als 500m vor mir den nächsten Anstieg hochlaufen sehen und nach hinten gähnende Leere. Bis zur nächsten Kreuzung, die den zweiten, ca. 300m langen Anstieg einläutet, habe ich den Jungen vor mir eingeholt, auch weil der Streckenposten diesen zwar per Geste nach rechts schicken will, ihm aber "links" zuruft, was zu einer kurzen Verwirrung, auch bei mir führt, obwohl die Strecke eindeutig ausgeschildert ist.

Am Anstieg spüre ich dann schon ein wenig die Waden und laufe nur auf Halbgas nach oben. Infolgedessen zieht der Kleine wieder an mir vorbei und setzt sich einige Sekunden ab. Am Ende des Anstiegs geht es nach links und es eröffnet sich der Blick auf den abfallenden Weg, mehrere hundert Meter hinab zum Ziel.

Ich nehme nochmal Fahrt auf, aber für einen richtigen Schlussspurt fehlt mir der letzte Schuss Motivation, so dass es bei vielleicht 80-85% des Möglichen bleibt.

Am Ende stehen 24:04min zu Buche. Platz 8/32, AK 1/1, M 8/19

Auch hier gilt: Nette, familiäre Veranstaltung, mit interessanter Strecke und rund 100-110Hm. Wer nicht viel drumherum benötigt, findet in Framersheim eine passende Veranstaltung, eingebettet in den Wingertscup.

http://www.tus-framersheim.de/index....ppe/backeslauf