Trails in Slowenien sind eine nette Sache. Sehr gut organisiert, grosszuegige Cut-offs, meist hoher Anteil laufbare Strecke. Diesmal allerdings hatte ich erhebliche Zweifel, ob das Ganze gut gehen koennte. Ich lebe seit einem Jahr in einem der heissesten Laender der Welt, Dschibuti, und laufe so wenig wie seit Jahren nicht, Wochenschnitt 35km, davon viele auf dem eigens fuer dieses Land angeschafften Laufband. Wuerde das fuer 50km mit 2550 Hoehenmetern reichen??? Angeblich erinnert sich der Koerper ja, aber das letzte anstaendige Training fuer einen Trail dieser Art hatte ich im Fruehling 2018 fuer den Amalfi-Positano-Ultratrail durchgezogen, bei dem ich leider den Cut-off bei km42 nicht geschafft hatte....

Nach einem 17km Berglauf bereits in Slowenien, bei dem ich mich supergut fuehlte, entschied ich mich, es zu versuchen. Das intensive Streckenstudium verstaerkte allerdings meine Zweifel, ob ich mir nicht mehr schaden wuerde....

Nun gut, am 10.8. stand ich mit rd.180 anderen Laeufern am Start im huebschen Dorfkern von Crna, total gluecklich , nach einem Jahr in den Wuesten Dschibutis in so schoener Landschaft laufen zu duerfen, aber unveraendert aeusserst skeptisch. Der erste Anstieg fuehrte fast in Falllinie von 600m auf 1100, und das Feld wanderte da aeussert zuegig hinauf. Bedingt durch den schmalen Weg musste man das Tempo einfach mitmachen, wollte man nicht abreissen lassen. Der Wald lichtete sich und gab den Blick frei auf den 2000er an der Grenze zu Kaernten. Es ging ueber wunderschoene Almen. Erste Blaubeersammler stellten sich ein und applaudierten uns Laeufern. Die erste Verpflegungsstelle war gut und vielseitig ausgestattet. Nun ging es auf den ersten Gipfel des Laufes, den knapp 1600m hohen Smrekovec mit herrlichem Rundumblick. Allmaehlich wurde es ordentlich warm. An der Smrekovec-Huette waren schon viele Ausfluegler und Wanderer zugange und sorgten fuer nette Stimmung. 16km lagen hinter mir, viel mehr war ich im letzten Jahr nie gelaufen, und dies auch nur hoechstens 5 oder6 mal....wann wuerde die Rechnung kommen?

Es folgten bequeme Forststrassen leicht bergab, einige kleinere Anstieg, alles schoen laufbar. Bei km 25 querten wir die Strasse am Sleme-Pass mit kleiner Kapelle - und ich fuehlte mich immer noch gut. Sorgfaeltig achtete ich auf regelmaessige Energiezufuhr und eine ausreichende Trinkmenge. Jetzt wurde es wieder richtig steil: auf nur 2km ca. 700m Anstieg auf Urslja Gora, mit 1690m Standort der hoechstgelegensten Kirche Sloweniens und wiederum mit herrlichem Blick ueber das slowenische und oesterreichische Kaernten. Langsam daemmerte mir, dass ein Finish in den Bereich des Moeglichen rueckte. Mir tat nichts weh, ich fuehlte mich noch immer fit. Und wunderte mich schon ein bisschen...

Nun ging es hinab bis ins Tal, auf 600m, groesstenteils mit Konzentrationzu laufen, da voller Steine, Wurzeln etc. Aber ich kam gut voran. Allerdings wurde es sogar fuer mich Afrikagewoehnte ganz schoen warm, 34 Grad empfingen uns im Tal. Nach der letzten Verpflegungsstelle bei km 42 kam ein Stueck sehr warme Asphaltstrasse,puh, und dann wurde es arg: ueber 2km ging es nochmals fast in der Falllinie ca.500m hinauf, und das bei der Hitze und voellig ohne Wind. Ich biss mich durch, das musste doch zu schaffen sein, so kurz vor dem Ziel. Endlich oben, und das Ganze wieder hinab, ueerwiegend auf netten Singletrails. Schliesslich das Dorf, einige hundert Meter Dorfstrasse mit applaudierenden Passanten - und ich war im Ziel, auch noch als 2. der W50 und insgesamt im Mittelfeld! Ich konnte es nicht fassen, dass ich das so mangelhaft vorbereitet geschafft hatte. Auch hinterher hatte ich ausser Muskelkater keine Beschwerden.

Nun frage ich mich: Zufall? Gute allgemeine Fitness (ich tauche viel in Afrika, mache Yoga und Stabi...)? Sollte ich vielleicht auch in Zukunft mit Training an der absolut unteren Grenze an Laeufe heramgehen??? Widerspraeche voellig meiner bisherigen Ueberzeugung, dass man ordentlich trainieren muss, strukturiert, lange Laeufe, fuer Ultras fuer mich bisher auch immer Doppelpacks....Was meint Ihr?

Und: Wer Lust auf laufbare Trails hat, sollte sich mal das Angebot in Slowenien anschauen. Der k24 bietet auch 100km. Der Vipava Valley Ultratrail im Mai, den ich ebenfalls aus Erfahrung empfehlen kann, hat 160, 100 und 50km im Programm. Lohnend!

Viele Gruesse
Anke