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  1. #1
    Avatar von movingdet65
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    Beitrag Eine sauerländische Laufschlacht: Rothaarsteig-Marathon 2019

    Zwar habe ich schon im sub-3:20h-Faden einen kleinen Bericht über diesen bemerkenswerten Trail-Marathon geschrieben, aber ich dachte mir, auch endlich mal wieder einen "offiziellen" Laufbericht zu verfassen, zumal es eine ganz besondere Veranstaltung und auch ein sehr spezieller Wettkampf für mich war, der mich in allen Bereichen wirklich extrem beansprucht hat und zudem auch noch erfolgreich für mich ausging.
    Der Rothaarsteig-Marathon im Schmallenberger Sauerland war für mich eine Premiere. 6 Wochen zuvor hatte ich beim Münster-Marathon überglücklich eine neue PB aufgestellt und war zum ersten Mal unter die begehrte 3 Stunden-Marke gekommen (02:57,20h), was einem natürlich einen enormen Schub an neuem läuferischen Selbstvertrauen gegeben hat.
    Zuerst hatte ich vor, 5 Wochen später am Essen-Marathon teilzunehmen, aber da ich den schon mal gelaufen war, entschied ich mich für den Rothaarsteig-MRT; als spezielle Herausforderung reizte der mich noch mehr, zumal ich auch gerne lange Trails laufe und plane, im nächsten Jahr am Rennsteig-Lauf in Thüringen teilzunehmen. Es sollte also schon mal eine Art Vorgeschmack werden im Hochsauerland, und mit stattlichen 835 Höhenmetern ist er durchaus schon in etwa vergleichbar mit dem Thüringer Kultlauf,- wenn auch vielleicht nicht ganz so schwierig (?).
    Nach Münster machte ich 2 Wochen Urlaub in Innsbruck, wo ich neben vielen Wanderungen in der 2. Woche auch einige Bergläufe absolvierte und damit schon fleißig Höhenmeter sammeln konnte. Das war sozusagen der 1.Teil der Vorbereitung. Anschließend machte ich u.a. auf der Original-Hermannslauf-Strecke im Teutoburger Wald noch einige lange Läufe über ca. 35km, bei denen immerhin auch schon über 700 Höhenmeter zu bewältigen waren und die mir nochmal einen guten Schub besonders hinsichtlich Kraftausdauer gebracht haben. Als 5maliger Hermannslauf-Teilnehmer hatte ich dabei auch schon ein ganz gutes Rüstzeug und war entsprechend auf die Anforderungen eingestellt.
    Die KM-Umfänge in der MRT-Vorbereitung lagen bei etwa 90 bis 125km bei 6 - 7 Einheiten pro Woche.
    In den Tagen vor dem Wettkampf schwörte ich beim wichtigen Carbo-Loading wieder auf meine speziell zubereitete Polenta (u.a. mit Rosinen, Mais u. Bananen,- pikant gewürzt). Dazu viel Rote Bete-Saft etc. Zu sehr durfte das Gewicht dabei aber nicht ansteigen- am Ende lag ich dann bei um die 62kg, was noch o.k. war (während des Trainings lag ich sogar mal bei unter 58kg, was aber schon ziemlich grenzwertig war).
    Am Vortag des Rennens musste ich leider noch bis 23:30h arbeiten und bekam in der Nacht dann nur ca. 4 Std. Schlaf,- na ja, dafür hatte ich die Nächte davor ganz gut geschlafen.
    Zum Frühstück 3 Scheiben Weissbrot m. Honig/Marmelade sowie ein Ei, Kaffee u. O-Saft,- wobei es aber 3Std. vor dem Start nochmal etwas Nachschub gab mit weiteren 2 Scheiben, so dass ich vor dem gefürchteten Hungerast eigentlich keine Angst zu haben brauchte. Dazu reichlich Wasser getrunken. Meine Toilettengänge an diesem Tag habe ich nicht gezählt,- aber es waren sehr, sehr viele …
    Mit dem PKW fuhr ich dann in ca. 2Std. nach Schmallenberg im Hochsauerlandkreis. Leider sollte es an diesem Tag sehr regnerisch werden.
    Das Veranstaltungszentrum war in der großen Schützenhalle im Ortsteil Fleckenberg, wo schon reges Treiben herrschte. Ich war aber zeitig dort und hatte somit keinen großen Stress. Im Starterbeutel waren die üblichen Werbebroschüren und als Zugabe noch ein paar Laufsocken des Hauptsponsors,- für nur 36 Euro Startgebühr war das aber o.k., und auch insgesamt gab es an der Organisation nicht viel auszusetzen. Schon erstaunlich, was in diesem kleinen Ort mit sehr vielen ehrenamtlichen Helfern auf die Beine gestellt wurde.
    Obwohl es doch schon sehr herbstlich und recht frisch war, entschied ich mich als Laufdress letztlich für Kurz/Kurz, und als Schuhe wählte ich wieder meine bewährten Boston7, die auch schon beim letzten Hermann und in Münster gute Dienste leisteten.
    Neben Sportplatz-und Halle fiel dann um 11.00h der Startschuss. Ich stand weit vorne, wollte mich aus allem Gedrängel gleich raushalten. Aber bei noch knapp unter 300 Teilnehmern war der Pulk auch gar nicht so groß (kein Vergleich z.B. zum Hermannslauf, wo 7000 Läufer in drei Blöcken auf die Strecke gebracht werden).
    Die ersten 3km verliefen noch relativ flach, aber dann folgten schon die ersten längeren Steigungen. Die waren zwar noch ganz gut zu bewältigen, doch musste man schon auch aufpassen, sich hier nicht gleich zu übernehmen u. seine Reserven zu verpulvern.
    Ich hielt Anschluss an eine Gruppe von etwa 15 Läufern, von denen ich später noch ein paar überholen konnte. Der Rhythmus und das Tempo fühlten sich ganz gut an, ich hatte das Gefühl, noch gut zulegen zu können.
    Weiter ging es hinauf in die Gefilde des Rothaargebirges, und man merkte schon, wie wichtig es war, sich auf die Strecke zu konzentrieren, die aufgrund wechselnder Untergründe (Schotter, nasses Laub, Wurzelwege etc.) auch so ihre Tücken hat und einem auf jeden Fall ne Menge abverlangte.
    Bald näherte ich mich der führenden Frau, die, als ich auf gleicher Höhe mit ihr war, gleich anfragte, ob und wann denn die nächste Frau hinter ihr käme.
    "Noch längst nicht … ist genug Abstand da …", beruhigte ich sie keuchend.
    Aufgrund ihres leichten Dialekts dachte ich zunächst, sie sei eine Schweizerin (so gut, wie sie die Berge rauf-und runterlief!), doch dann stellte sich heraus, dass es eine Niederländerin (AK 40) war. Sie kam dann später auch als Erste ins Ziel, und zwar mit einem Vorsprung von über 22 Minuten(!) vor der Zweitplatzierten und kam in der Gesamtwertung auf Platz 6, lies also nur 5 Männern den Vortritt. Mit einer 03:10er-Zeit stellte sie auch einen neuen Streckenrekord bei den Frauen auf. Bei der Siegerehrung erzählte sie dann, dass ihre Marathon-PB auf (natürlich) flacher Strecke eine 02:47er-Zeit sei; also eine echte Spitzenläuferin.
    Wir liefen noch ein Weilchen zusammen und mussten uns zweimal gegenseitig helfen bzw. korrigieren, als wir an zwei Weggabelungen mal fast falsch abgebogen wären, weil hier keine Streckenposten waren und die Schilder nicht rechtzeitig erkennen konnten. Irgendwann forcierte sie dann das Tempo und ich konnte ihr nun nicht mehr ganz folgen,- was aber im Nachhinein keine Schande für mich war, da eben auch meine Marathon-PB um gut 10 Min. schlechter ist als ihre! Im Ziel sollte ich dann so knapp 8 Min. hinter ihr liegen.
    Nun regnete es sich so richtig ein, und die Wege wurden immer matschiger und glitschiger; die Nässe zog nun gnadenlos durch Shirt, Hose, Schuhe, Strümpfe … Aber widrigen Bedingungen zu trotzen, hatte man ja nun schon gelernt im Laufe der Jahre.
    Länger lief ich nun allein auf weiter Flur, und der nächste Verpflegungsstand (alle 5km) war da sehr willkommen und ich gönnte mir auch mal einen Becher warmen Tee. Irgendwann kamen aber überraschend von hinten zwei Läufer und überholten mich,- kein schönes Gefühl, zumal meine Pace eigentlich recht kontant blieb. Aber die waren wohl sehr defensiv angelaufen.
    Bald konnte man großen Pfützen gar nicht mehr ausweichen, und das Geläuf auf Wald und Flur wurde immer schwerer. Rechts und links erhaschte ich manchmal Blicke auf die nebelumwobenen Baumwipfel und Täler,- aber wichtiger war natürlich der konzentrierte Blick nach vorn und unten auf die Strecke.
    Schwierigste Stelle war ein sehr steiler, schmaler, hinab führender Wurzelweg, auf dem man mehr gehen als laufen konnte und der auch noch glitschig dazu war. Der Streckenposten davor hatte mich schon vorgewarnt. Die wurzeligen Stolperfallen waren aber alle schön farblich markiert,- sehr gut! So kam ich denn heile runter.
    Bald kamen hinter mir nochmal zwei Läufer, die sich aber wohl etwas übernommen hatten, denn sie konnten nur etwa 2 KM mit mir mitlaufen, ehe sie wieder den Anschluss verloren.
    Spätestens ab KM 30 meldete sich meine Muskulatur nun nachdrücklicher, was ja aber eigentlich normal ist im Marathon. Ansonsten hatte ich noch keine großen Verschleiß-Erscheinungen. Die Berge kam ich weiterhin ganz ordentlich rauf (ohne Gehphase), und bergab versuchte ich immer die richtige Balance zu finden zwischen ordentlicher, guter Beschleunigung und nicht zu hohem Risiko (schließlich wollte ich ja unverletzt das Ziel erreichen).
    Freilich kam nun die Phase, wo ich unweigerlich mehr beissen und kämpfen musste, aber dass hatte ich ja in meinen bisherigen 7 Marathons und 5 Hermännern u. auch im Training gelernt.
    Nun hatte endlich der Regen fast wieder aufgehört, und es lief jetzt meistens bergab,- freilich auf noch immer nassen Untergrund.
    Etwa 8km vor dem Ziel kamen einem dann noch die etwas schwächeren Halbmarathonis in die Quere, von denen ich nun dauernd welche überholen musste (einer lief sogar mit Hund!). Auf zum Teil schmalen Wegen war das nicht so einfach und auch nervig,- manchmal musste ich mich laut von hinten bemerkbar machen (eine Dame mit Ohrenstöpsel hat das sicher nicht gehört).
    Ich sah auf die Uhr: Also unter 3:20h war noch möglich, das war schon mein Ziel. Die Reserven waren tatsächlich noch da (ähnlich wie in Münster), einen Einbruch brauchte ich kaum noch zu befürchten und er kam auch nicht. Sogar ein kleiner Spurt auf den letzten 100 Metern war noch drin,- der Sprecher am Sportplatz erwähnte mich kurz und ich war dann in 3:18:00h im Ziel! Extrem erschöpft (wie sich das gehört!) und glücklich, es mal wieder geschafft zu haben.
    Und es hat tatsächlich gereicht zu Platz 1 in meiner Altersklasse M50 (von 44 in dieser AK; über 6 Min. vor dem Zweiten) und zu Platz 11 in der Gesamtwertung (von 262 Finishern).
    In der Schützenhalle wurden später dann auch alle AK-Sieger und Platzierten geehrt; es machte einen schon stolz, auf die Bühne aufs' Podium zu treten vor so grossem Publikum (es herrschte noch richtig gute Stimmung). Das erlebt man ja auch nicht bei jedem Wettkampf.
    Die Nachverpflegung fiel im Übrigen angemessen üppig aus: Einmal draußen im Zielbereich (wo sogar Feuerstellen zum Aufwärmen aufgestellt waren!) mit Obst, Müsliriegel, Tee, alkoholfreien Bier etc. Und in der Halle das große Kuchenbuffet z.B. war vom Feinsten!
    So genoss ich die ganze schöne Atmosphäre denn auch noch bis etwa 18.00h, ehe ich die Heimreise antrat.
    (P.S.: Der Gesamtsieger Tim Dally hat übrigens auch einen neuen Streckenrekord aufgestellt: 02:42h u. einige Sek., hatte ebenfalls sehr deutlichen Vorsprung.) Insgesamt kamen nur 4 Läufer unter die 3 Std.-Marke,- bei diesem schwierigen Profil und den Bedingungen aber auch nicht so verwunderlich.
    Zuletzt überarbeitet von movingdet65 (23.10.2019 um 00:28 Uhr)
    Rothaarsteig-Trail-Marathon (835 Höhenmeter), Okt. 2019: 3:18:00h (AK-Platz 1; Gesamt-Platz 11)
    PB Marathon: 02:57,20h (Münster, Sept.2019) HM-Splits: 01:28,34 / 01:28,46; AK-Platz 6
    Hermannslauf April 2019: 02:18,59 (31,1km Trail, ca. 520 HM)
    PB Halbmarathon: 01:25,10h (Nov. 2019, DJK-Halbmarathon Gütersloh)
    PB 10km: 39,27 (Juli 2017); 9,2km: 35:51 (Isselhorster Nacht)

    Sportliche Ziele 2020:
    10km sub 38min.; HM: sub 01:25h; Marathon: sub 2:55h; Hermannslauf sub 2:15h(& unter die ersten 100 der Gesamtwertung!)
    Rennsteig-Supermarathon finishen (Minimalziel ggf. unter 8 Std.)

    "And we ll` keep on fighting, till the end ..." (Freddie Mercury)

  2. Folgenden 4 Foris gefällt oben stehender Beitrag von movingdet65:

    Catch-22 (23.10.2019), oecher (27.10.2019), Rajazy (27.10.2019), tt-bazille (23.10.2019)

  3. #2
    Avatar von heikchen007
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    Ein toller Bericht, vielen Dank dafür! Und Glückwunsch zum AK-Sieg. Scheint ja ein gutes Laufjahr für dich zu sein...

  4. Folgendem Fori gefällt oben stehender Beitrag von heikchen007:

    movingdet65 (23.10.2019)

  5. #3
    Avatar von movingdet65
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    Zitat Zitat von heikchen007 Beitrag anzeigen
    Ein toller Bericht, vielen Dank dafür! Und Glückwunsch zum AK-Sieg. Scheint ja ein gutes Laufjahr für dich zu sein...
    Vielen Dank!
    Ja, in diesem Jahr läuft`s wirklich wie geschmiert bei mir, da kann ich nicht meckern. Grundlage dafür ist natürlich immer, dass man verletzungsfrei bleibt; gehört eben auch etwas Glück dazu. Hoffentlich wird es auch so bleiben ...
    Rothaarsteig-Trail-Marathon (835 Höhenmeter), Okt. 2019: 3:18:00h (AK-Platz 1; Gesamt-Platz 11)
    PB Marathon: 02:57,20h (Münster, Sept.2019) HM-Splits: 01:28,34 / 01:28,46; AK-Platz 6
    Hermannslauf April 2019: 02:18,59 (31,1km Trail, ca. 520 HM)
    PB Halbmarathon: 01:25,10h (Nov. 2019, DJK-Halbmarathon Gütersloh)
    PB 10km: 39,27 (Juli 2017); 9,2km: 35:51 (Isselhorster Nacht)

    Sportliche Ziele 2020:
    10km sub 38min.; HM: sub 01:25h; Marathon: sub 2:55h; Hermannslauf sub 2:15h(& unter die ersten 100 der Gesamtwertung!)
    Rennsteig-Supermarathon finishen (Minimalziel ggf. unter 8 Std.)

    "And we ll` keep on fighting, till the end ..." (Freddie Mercury)

  6. #4
    Avatar von Catch-22
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    Da hast du richtig einen raus gehauen, einfach toll und das bei den widrigen Verhältnissen. Klasse!
    Gratulation zum AK Sieg und danke für den Bericht!

  7. Folgendem Fori gefällt oben stehender Beitrag von Catch-22:

    movingdet65 (23.10.2019)

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