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    Standard UltraTrail ChiangRai UTCR2019

    Schon Ende 2018 im alljährlichenÜberwinterungsurlaub stand fest, dass das Hauptlaufziel 2019 in ThailandsNorden stattfinden sollte. Die Austragung des ChiangRai Ultratrails 2019,welcher zum 2. Mal durchgeführt wurde bietet den Trailläufern mehrere Streckenzur Auswahl an. Der ULTIMATE 230 (9,500 m+)sollte es eigentlich werden, habe aber dann im 1. Quartal festgestellt, dasslediglich 20 TN auf dieser Strecke gemeldet haben und mir die ausgesetzteRennerei durch die Wildnis dann bei dieser geringen Anzahl doch zu lange ist.So entschied ich mich für die Ummeldung auf die 122km (5,456 m+).Vorbereitend auf die Strapazen, mir war bewusst das zur Austragungszeit nochRegenzeit mit entsprechender Luftfeuchtigkeit und Temperaturen herrschen,erfolgten meine Vorbereitungsläufe vorwiegend im Sommer bei Hitze und mit wenigFlüssigkeit. Ich bin sehr hitzebeständig und Läufe über 30km kann ich ohneTrinken auch bei hohen Temperaturen durchführen. Was man nicht trainierenkonnte, wurde mir dann schon kurz nach dem Rennbeginn bewusst.
    Relativ viele Vorbereitungswettkämpfe führten mich über das Laufjahr zumerklärten Ziel den UTCR in einer Topform zu bestreiten, so war neben demEinstieg im März beim Petit de Ballon (54km, 2300HM+) noch der UltraTrail LamerWinkel (54km, 2600HM+) im Frühjahr auf der Liste, neben dem ein oder anderenMarathon im Training. Beim WalserUltraTrail im Kleinwalsertal bekam ich dannerstmals die volle Breitseite an Hammermännern und Pech im UltraTrail zu spürenund durfte nach einem 15km (2100HM+) Run am Vortag, meinen wohl längsten Ultra(was die Zeit auf einer solchen Bambinistrecke) am Folgetag erleben. Die 65km(4200HM+) zogen sich aufgrund einem von mir vernachlässigtem Steinchen imSchuh, welches sich unaufhörlich daran machte mir eine riesen Blase an derFusssohle zu bescheren. Somit war schon auf der Hälfte der Strecke, die ihrenAnspruch schon alleine wegen ihrer engen CutOffs an den VP´s hat, nur noch umsDurchkommen zu kämpfen. Nach 14:51min war die Tortur endlich vorbei. Da es sichbeim UTCR in Thailand um etwa die gleichen Höhenmeter nur eben auf doppelterDistanz, handeln sollte, war meine Hochrechnung etwas bescheiden. Es sollteanders kommen.
    Etwas frustriert vom fast DNF am Walser, zog ich mein Training etwas enger,gönnte mir ein paar Tage Auszeit und änderte meine Taktik. Zog es von noch denein oder anderen schnellen Lauf auf der Strasse zu absolvieren. So stand nochder Fidelitas Nachtmarathon (3:14h), sowie der BlackForest Ultratrail (57km ,2600HM+) als letzte Standortbestimmung auf dem Plan. Bei letzterem passte danndie Form und im tiefen Schwarzwal waren die Beine dann präpariert für Thailand,was mit dem Gesamt 6 Platz und dem Sieg in der AK 45 belohnt wurde.
    Nun stand Thailand nicht mehr im Wege, die Jahres-Laufkilometer hattenbereits ein 4k erreicht und so langsam machte ich mir Gedanken über Ausrüstungund Taktik. Ein Freund reiste zum 66km (2816HM+) auch an und so war es nichtganz so einsam. 5 Tage vorab landete ich in ChiangRai, genoss noch ein wenigSightseeing und gutes Essen , Fussmassage und bereitete mich moralisch auf dieanstehende Tortur vor.
    Das Anmeldeproceder war sehr unspektakulär, die meisten Läufer waren aufden kürzeren Strecken zwischen 15 und 66km gemeldet, bei den 122km war einePflichtausrüstung vorgeschrieben, die unter anderem Lampe, Sicherheitsweste,lange Bekleidung (für was ?) Regenjacke (okay) und bei Bedarf Wechselbekleidung(die man bei KM 78 dann in Empfang nehmen durfte). Drumherum im Eventbereich,welcher im Singha Park etwas ausserhalb von ChiangRai lag, war nicht viel los.So war die Prozedur innerhalb 30min erledigt, Startnummer empfangen, noch etwasüber die Streckenbeschaffenheit informiert (very rough) und ab ins Hotel. Um 2:00 Uhr am Folgetagsollte der Taxifahrer mich dann Richtung Startbereich bringen, um dann um 4.00Uhr in der Früh den langen Weg durch den Norden Thailands zu bewältigen. VielSchlaf bekam ich nicht, zu aufgeregt, Taktiken ausarbeitend , Eventualitätenanalysierend und plötzlich klingelte der Wecker.
    Rucksack an (boah ist der schwer), die ganzen Gels wogen einiges, Klamottenan undlos gings. Inspiriert durch Denis Wischnewski vom Trail-Magazin, warmeine Neuerung, dass ich ein kleines Handtuch in der Fronttasche am Rucksack hatteum mir den aufkommenden Schweiß später aus den Augen reiben zu können. Was dasBeste Utensil überhaupt war. Ansonsten halte ich die Ausrüstung immer sehrspartanisch.
    Bei 34 Grad um 4.00 Uhr morgens und knapp 85%Luftfeuchtigkeit starteten wirdann unter wildem Gehupe und Getöse im SinghaPark. Eingereiht in zweiter Reihewollte ich relativ zügig an eine freie Position kommen, da es sehr schnell(laut Streckenkarte) auf einen engen Pfad ging und ich hier wildesDurcheinander vermeiden wollte. Was mich erstaunte, waren die vielen langärmligund langhosigen Asiaten am Start. Bald wusste ich warum. Ich zählte bereitsnach 3 km nur noch 6 weitere Läufer vor mir und machte mir wegen deseingeschlagenen Tempo noch keine Gedanken (4er Schnitt) Schließlich war es nochflach. Dann ging es los. Wie aus dem Nichts tauchte der Dschungel vor uns auf.Weg? Fehlanzeige! Aber alle 50m ein Trassierband mit einer Leuchtdiode dran.Die Strecke war durchgängig so markiert. Verlaufen fast unmöglich. Aber nurfast. Knapp eine Stunde durften wir durch zerfurchte Schlammpfade laufen, hinund wieder eine Flussquerung um den Fotografen am Wegerand auch die nötigenShots zu bieten. Dann ging die Sonne auf und schlagartig verwandelte sich dieUmgebung in eine brütende Hölle mit zur Mittagszeit 43 Grad. Nach 40km solltedie erste VP laut Plan in einem Dorf zu finden sein. Nachdem meine Garminbereits 43 km anzeigte und meine zu diesem Zeitpunkt begleiteten Mitläufer (einKoreaner mit Arm in Schiene und ein Japaner in lang/lang) auch nicht verstandenwo diese den ab blieb, dachte ich schon wir hätten sie verpasst. Am Wegesrand(5km vor der geplanten VP) gab ich die Hälfte meines Wasservorrats an einenvöllig erledigten Mitläufer ab, in der Hoffnung, das ja demnächst die VP kommt.Nichts da , jetzt stand ich vor einem Problem und das gerade mal nach 1/3 derGesamtstrecke. Flaschen leer, heiss und langsam wurde es mir immer mal wiederkalt , was deutliche Anzeichen einer Deydration sind. Im nächsten Dorf solltedann die VP endlich kommen (zwar bei KM 48 ist eben Thai-Style). Nun aufladen,es gabe lediglich warmes Cola, Wasser, Soup auf Verlangen (musste die Thai abererst machen) , bisschen Bananen und paar Kekse. Na gut , erwartete auch nichts.Hatte meine Gels ja dabei. Also Isopulver in die Flasche und mit Wasseraufgefüllt und weiter. Den Koreaner und Japaner abhängen, die etwas länger ander VP verweilten. Beide hielten sich aber bis KM 65 etwa immer in Sichtweitebei mir, mal liefen sie wieder auf, dann wieder weit hinter mir. In derMittagshitze kam dann die Erkenntnis, warum viele Langarm an hatten. Nämlichals es ewige Kilometer durch dichtestes Blätterwerk und Bambus ging und ich anmir hinab schaute und sich die Ameisen nur so an meinem Salz auf der Hautlabten und dies mit netten Bissen noch untermalten. Dementsprechend kam ich ausdem Dschungel wieder heraus. Nach 78km und etwas mehr als der Hälfte anHöhenmeter musste ich mich langsam auf die vor mir liegende Nacht einstellen.An der 3.VP gab es die Möglichkeit sich seine Wechselklamotten geben zu lassen.Ich wechselte also Hose, Shirt , Strümpfe und stieg in ein frisches trockenesPaar HOKA , die letzten Kilometer wollte ich etwas gedämpfter laufen. Davorlief ich einen Adidas Trail Trabuco, der zwar gutes Profil besaß aber mit derZeit doch sehr hart war. Was mir etwas Gedanken machte war mein Magen, derlangsam aber sicher die noch vorhandenen Gels nicht mehr mochte. Zum Glück gabes Suppe an der VP´s, ohne Wartezeit, so dass ich Abstand nahm von meinenRationen Gel. Aber es standen noch gute 40Km an. Und dunkel wurde esschlagartig. Noch schnell meine Frau in Deutschland angerufen (ja, selbst imtiefsten Dschungel hatte ich Dank riesiger Satelliten in den umliegendenDörfern, stets 4G- Wahnsinn) und mich in die Nacht abmelden. Sie konnte michtracken und sah das ich momentan auf Rang 3 lief, der 4. Etwa 30min hinter mirkam und vor mir die Spitzenläufer unaufhaltsam ihren Abstand vergrößerten. Okaydachte ich mir, dann mal los. Nun wirde es nicht nur dunkel sondern was denAnspruch anging noch mal sehr schwieriges Gelände. Tief zerfurchte Schlammwege,durch Bambuswald mit entsprechenden kreuz und quer liegenden Bambusbäumen undmehrere Anstiege, die mich sehr viel Körner kosteten. Das allerschlimmste warnun aber, daß ich nichts mehr essen und trinken konnte. Meine Garmin zeigte90km, ich spieh nachdem ich ein Gel einverleibte, es mit Iso runter würgenwollte. In vollem Strahl kam die Fontäne. Was nun? Erstmals kam mir derGedanke, auch weil es mir schin seit längerem an der Lippe britzelte, was wennich hier umkippe? Streckenposten habe ich bisher nicht gesehen, ab und an maleine Motoradpatroullie die nach dem Rechten schaute. Aber wie sollen die michhier raus holen. Wie wenn dies nicht genug Sorgen wären, bekam ich bei einemkräftigeren Anstieg auch noch dermaßen Adduktorenkrämpfe, dass ich wieversteinert am Hang stand und versuchte mir die Krämpfe aus den Beinen zumassieren. Erst 5min später konnte ich wieder einigermaßen gehen und kam solangsam wieder in ein Laufen. Die Nacht im Dschungel hatte etwas derartBeeindruckendes, man kann das gar nicht beschreiben. Rechts und links schauendich Augenpaare an, hier und da Gekläffe von den Hunden aus den umliegendenDörfern, die einen, wenn man durch die Dörfer kam, immer verfolgten. Tagsübersind diese Hunde friedlich, nachts werden sie zu Bestien, die sich zusammenrottenund dir Angst machen können. Meine Stöcke dienten mir hier als Lärmmacher ummir die Köter vom Leib zu halten. War immer froh wieder aus dem Dorf zu seinund in die Dunkelheit des Dschungels verschwinden zu dürfen. AnNahrungsaufnahme war nicht mehr zu denken, ich zog es nun vor mich mit Colaüber Wasser zu halten, was sonst immer geklappt hat. Km 100, noch 22 km- dasgeht sonst in gut 1:30h. Ich näherte mich der 20h Marke, rechnete hoch. EinLäufer ging an einer VP an mir vorbei, nun auf Rang 4 , was mir aber aufgrundmeines Allgemeinzustandes relativ egal war. Hauptsache ins Ziel kommen. Essollten noch sehr lange 20km werden, den den Thais fiel es ein die letzten1000HM könnte man doch auf die übrigen 20km durch einen dichten Bambushain mitfast undurchdringlichen Bambusswuchs laufen lassen. Man hatte schonSchwierigkeiten die Markierungen zu finden, so dicht war der Bewuchs. MehrKletterei als Lauferei, mehr Ducken als Aufrecht,ständig orientierend ob mannicht falsch läuft. Und dann passierte es, es gab ein Bergabstück, endlichwieder laufen können. Wunderte mich nicht, das ich keine Markierung sah, beachtete es auch nicht, zuschön war der Flow bergab. Dann der Lichtblitz, schon länger keine Markierung,also Stop und umgeschaut. Mist ! Falsch gelaufen, also zurück, 2km umsonst. DieAbbiegung war zwar markiert aber für mich nicht deutlich genug. Also los, dasAdrenalin tat sein übriges, wer weiß wieviele an mir vorbei sind in den 10minZeitverlust. An der nächsten Gabelung kamen mir noch zwei Verläufer entgegen. Wiesich raus stellte waren das Platz 3 und 4. Ich registrierte dies, konnte derenTempo aber nicht mit. So begab ich mich als auf die letzten 15km, ohne Aufnahmevon Nahrung, nippte immer mal unter würgen an meiner Flasche , versuchte aberso wenig wie nötig zu trinken. Die letzten 10km liefen dann noch Läufer aus denanderen Distanzen auf uns auf oder wir auf sie, was das Ganze noch etwasAbwechslung brachte. Und siehe da, ich hörte schon die Stimmen des Sprechersaus dem Singha Park und die Beine liefen wie von selber. Das dann aber 3 kmnoch ewig gehe können, hätte ich nicht gedacht. 2km vor dem Ziel endlich festeStrasse , noch schnell ne Kokosnuss in die Hand gedrückt bekommen- boah ist daslecker und die letzten Kilometer ins Ziel. Ich wusste dann erst kurz nach Zieleinlauf,das es doch noch auf Rang 5 Gesamt und somit Podium gereicht hat. Nach satten24:45h am frühen Morgen war ich nun doch im Ziel. Kurzes Ausruhen, langesausziehen wegen unsäglicher Schmerzen überall und duschen, gings zurück insHotel. Schlafen, nochmal Duschen, ausgiebig Frühstücken und auf 16:00 Uhr zurSiegerehrung zurück in Singha Park. Dort wartend mit meinem Kumpel Andre derseinen Einstand ins Traillaufen über 66km hinter sich brachte, beobachteten wirdie restlichen Finisher die nach nunmehr 36h ins Ziel kamen. Zielschluss war36h.
    Am Start waren 121 Läufer über 122km, ins Ziel in der Richtzeit von 36 h waren49 Finisher gekommen. Eine krasse Ausfallquote.
    Nichtsdestotrotz war dies ein krasses Erlebnis, ich war noch nie so amRande meiner Belastbarkeit, jeder Ironman den ich absolvierte bisher, jederLongTrail (ob Alpen, Zugspitze, MontBlanc) waren psychisch und physisch fürmich machbar. Aber hier durfte ich meine Grenzen kennenlernen. Danke
    Leider hat mich dann im Dezember erst eine Wadenzerrung, dann im Januarmein Meniskus aus der Bahn geworfen, mein geplantes Ziel beim UTAT zu startenmusste ich canceln und nun ist mein Ziel: Run to Comeback. Hoffe in 2020 wiedereinstiegen zu dürfen. Den die Wüste fehlt mir noch.


  2. Folgenden 2 Foris gefällt oben stehender Beitrag von AxelGrip:

    Biene77 (09.11.2019), Thomas1112 (09.11.2019)

  3. #2

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    Korrektur: handelte sich nicht um den diesjährigen, sondern den UTCR 2018.

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