Liebe Runnersworld-Community,


ich habe lange überlegt, ob ich diesen Post verfasse, da dieser meine ganze Geschichte umfasst und es mir nicht um einen medizinischen Befund geht, sondern darum wie ich in Zukunft mit dem Laufsport weitermache.


Bevor ich mit den aktuellen Problemem (ca. 6 Monate) beginne, erzähle ich euch kurz etwas zu meiner Person:


Ich werde 33 Jahre alt (1,78 und 68 kg) und laufe seit 5 Jahren mehr oder weniger kontinuierlich zwischen 15-30 Kilometer die Woche. Zudem bin ich gerne in den Bergen unterwegs
und wandere sehr häufig. Das heißt zu den Laufkilometern kamen am Wochenende häufig Wanderungen im Mittelgebirge (zwischen 15 und 30 Kilometern) hinzu, jedoch waren die Zeiten, in denen ich gelaufen bin,
häufig durch Bergurlaube (3-4x im Jahr) unterbrochen. Während dieser Urlaube habe ich täglich Bergtouren unternommen.


Zunächst die Vorgeschichte:


Begonnen habe ich das Laufen mit einem uralten Adidas-Schuh im Jahr 2015 (ca. 10 Jahre alt) und habe das Ganze am Anfang nur für das Abnehmen und den Konditionsaufbau genutzt. Den Schuh habe ich ohne orthopädische Probleme in den ersten beiden Jahren genutzt, bis irgendwann die Sohle abgefallen ist (bis dahin ca. 20 Km die Woche).


Ab dem Zeitpunkt begannen die Probleme. Auf der einen Seite mussten neue Schuhe her, auf der anderen Seite verbesserte sich meine Kondition,
so dass ich ein großes Interesse an größeren Umfängen / Läufen entwickelte. Ich habe mir damals neutrale Schuhe von Asics gekauft aber immer wieder Probleme an unterschiedlichster Stelle bekommen (immer am linken Bein / Fuß). Daraufhin dachte ich,
ich probiere es mit Schuhen mit Pronationsstütze (ich habe mich selbst gefilmt und "festgestellt", dass ich im Sprunggelenk einknicke), welche die kleinen Wehwehchen aber nur leicht besserten.
Ich habe meine Umfänge dann 2 Jahre immer bei 3x Laufen und maximal 25 Kilometer gedrosselt, aus Angst vor einer größeren Verletzung.


Im Herbst/Winter 2018/2019 habe ich es geschafft sehr kontinuierlich 3-4x die Woche zu laufen (+1 Wanderung am Wochenende und +1x Klettern unter der Woche) und konnte so meine wöchentlichen Laufkilometer auf 35 KM pro Woche im März/April 2019 steigern.
Zwischenzeitlich habe ich in einem Laufschuhgeschäft eine Laufanalyse gemacht, da es immer wieder an anderen Stellen gezwickt hat (immer wieder linkes Bein). Es wurde eine leichte Überpronation diagnostiziert, welche aber problemlos wäre, und mir der New Balance 880 verkauft (neutral).
In dieser Zeit habe ich das absolute Maximum an Umfängen und Leistungen (s. o. und 45 Min / 10 KM) meiner Laufkarriere erreicht. Ich hab den New Balance mit den Stabilschuhen abgewechselt (ich hatte jedoch immer das Gefühl, dass ein ständiges Wechseln der Schuhe nur wenig vorteilhaft für mich erscheint).


Im Sommer 2019 war ich leider anfangs an einer längerfristigen Mandelentzündung erkrankt und danach 4 Wochen im Gebirge, um Urlaub zu machen und musste somit eine zweimonatige Laufpause in Kauf nehmen.


Nun beginnt die richtige Odyssee meiner Probleme - Der Hauptteil:


Nach meinem Bergurlaub 2019 habe ich mich Ende August 2019 durch die vielen Bergtouren sehr fit gefühlt und hatte die Idee im Oktober an einem Trailhalbmarathon im Mittelgebirge teilzunehmen.
Ich begann mein Training absolut überzogen und bin zwei Wochen jeweils 50 Kilometer mit einigen Höhenmetern gelaufen (DUMM).
Als Folge hatte ich am rechten Fuß eine Plantarfasziitis, die mich im Oktober/November beschäftigte. Diese konnte mit Stoßwellentherapie und Physio sehr schnell behandelt werden.
Zudem habe ich in dieser Zeit eine extrem schmerzhafte ISG-Blockade (laut Hausarzt) erlitten. Seitdem begleiten mich mal größere mal kleinere Schmerzen im untere Rücken (stellenweise waren sie schon ganz verschwunden).
Da ich eine lange Zeit nicht richtig Laufen konnte (v.a. durch die PF), habe ich diese Zeit genutzt und viele Übungen für Balance, Stabilität gemacht und auch Übungen für die Fußmuskeln (täglich ca. 1 Stunde).
Dieses Trainingsprogramm hab ich bis vor ein paar Tagen 5x die Woche durchgeführt (möglicherweise zu viel?). Zudem habe ich nachdem die PF ausgeheilt war immer wieder Barfußschuhe im Alltag getragen, um die Fußmuskulatur zu kräftigen.


Meine Physiotherapeutin hat mir während der Therapie geraten ab jetzt in Neutralschuhen zu laufen und an der muskulären Stabilität des Fußes / Beines zu arbeiten.
Gesagt, getan und ich habe mir nach Anprobe den Nike Pegasus 36 Trail gekauft. Das Lauftraining hab ich sehr langsam ab Mitte November 2019 wieder aufgenommen.
Ich habe konsequent auf eine langsame Steigerung der Umfänge geachtet, jedoch begannen schon zu Beginn (Dezember) Probleme im linken Knöchelbereich (Innenbänder, Achillessehne, Sehnen der inneren Wadenmuskulautur??), welche bis heute, mal mehr mal weniger, immer an anderer Stelle auftauchen, aber nicht genau zuzuordnen sind. Die Laufumfänge waren seither nie mehr als 10-20 WKM mit häufigen Unterbrechungen aufgrund von Missempfindungen.


Aufgrund all dieser endlosen Schwierigkeiten habe ich mich vor einigen Wochen entschlossen eine medizinische Bewegungsanalyse durchführen zu lassen. Die Ergebnisse haben mich nicht wenig erstaunt.


Mein einstiger Senk-Spreizfuß ist wohl nur noch ein Spreizfuß. Fußgewölbe nach Abdruckanalyse wohl neutral.


Barfuß => keine Überpronation, keine großen Achsabweichungen außer ein leichtes Beckenkippen aufgrund eines Beckenschiefstandes (rechts liegt 0,5 cm niedriger als links); Aufsatz eher auf dem Mittelfuß


in gedämpften Schuhen mit Pronationsstütze ==> Überpronation auf der linken Seite, das Beckenkippen wird durch den Schuh deutlich verstärkt, wie alle anderen leichten Achsabweichungen; Aufsatz eher Ferse


Ich habe nach ausführlicher Untersuchung folgende Tipps erhalten:


=> flache, neutrale Schuhe benutzen und einige Veränderungen an meinem Laufstil vornehmen (eher Mittelfuß, kürzere Schritte, mehr Armeinsatz etc.)


=> den Barfußsschuhen eine Chance geben und langsam in den Alltag integrieren


=> verschiedene Kräftigungs- und Dehnübungen


Ich habe mir die entsprechende Schuhe gekauft (4 mm Sprengung) und bin dabei die Tipps zu befolgen. Nach 2 kurzen und langsamen Läufen haben sich die Probleme des linken Knöchelbereichs in Richtung Achillessehne (oberer Teil) verschoben.


Für den Rücken war ich erst kürzlich ich beim Sportorthopäden. Dieser empfahl mir ein Rumpfkräftigungstraining, wegen Beckenkippung und hat mir Physio verschrieben. Das Training führe ich seit 3 Wochen durch und es wird etwas besser. Physiotherapie erst wieder nach Corona.
Wegen des linken Sprunggelenks/Knöchels war ich nicht beim Arzt, da die "Problemchen" immer an anderer Stelle auftreten und schwer zuzuordnen sind.


Nun stellt sich für mich die Frage, wie ich hinsichtlich des Laufens weitermache! Ich war seit mehreren Monaten trotz längeren Pausen nicht mehr problemfrei und hab ein ganzes Arsenal an Übungen / Schuhen / Ansichten vor mir und blicke nicht mehr durch.
Welchen Weg soll ich nun verfolgen? Doch back to the roots und mit den Stabilschuhen die 20 WKM relativ problemfrei laufen und damit zufrieden zu sein (wenn das überhaupt funktioniert)? Ganz aufhören? Immer nur ein Paar Schuhe laufen und nicht wechseln?
Mein Ziel auf lange Frist (in 1-2 Jahren) wären eigentlich kontinuierlich 30-40 WKM (3-4x) schmerzfrei laufen zu können mit einer ausgedehnten Wanderung am Wochenende.

Momentan gehe ich 2x die Woche mit den Barfußschuhen 3 km spazieren. Ich versuche mich mit Geh-Laufeinheiten 2x (3 Km) die Woche an den flachen Schuh zu gewöhnen. Ich mache täglich Übungen für den Rumpf/Rücken. Probleme im Rücken/Innenknöchel leicht vorhanden.


Vielen Dank, dass ihr diesen Riesentext gelesen habt. Ich würde mich über eure Meinung und Kommentare, Anregungen und Fragen freuen .