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  1. #1
    Avatar von Reser
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    Standard Carbon Touren-Tretroller V2

    Hier ein kleiner Bericht über den Stand von meinem neuen Projekt.

    Es sieht schon aus wie ein Roller und man kann sich sogar schon draufstellen!

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    Aber der Eindruck täuscht... das sind noch viele, viele Stunden Arbeit und tausende von Einzelschritten bis zur Jungfernfahrt.


    Das Projekt:

    Eigentlich bin ich mit der ersten Version des Rollers super zufrieden, er läuft genial und ich bin schon sehr viele schöne und lange Touren gefahren.

    Die Kinderkrankheiten sind ausgemerzt und die Höhenverstellung ist serienreif.


    Aber .... es ist ein Schlachtschiff: mehr als 90cm Lenkerhöhe und 128cm Radstand!!! Wendig ist so was nicht!

    2019 kam eine neue Version der verwendeten Gabel auf den Markt, die alle meine Anforderungen erfüllt: 29", IS oder PM Aufnahme für Scheibenbremse, Cantilever Sockel für stabile Befestigung der Packtaschenhalter, Lowrider Gewindebuchsen und genügend Breite für 60mm Reifen.
    Die alte Version hatte 470mm Einbauhöhe, da sie als Ersatz für Federgabeln konzipiert war. Jetzt gibt es einen kleinen Bruder mit 413mm!
    Das war der Startschuss, über einen Neubau nachzudenken, der deutlich handlicher werden soll.


    Das Konzept:


    • Radgrößen wie gehabt vorne 29", hinten 27.5"
    • Trittbrettlänge unverändert 30cm
    • Die bewährte Höhenverstellung per Knopfdruck
    • Die Höhenverstellung am Lenkkopf entfällt, da ich sie in der Praxis (außer zum Testen und aus Spaß) nie wirklich gebraucht habe
    • Lenkerhöhe 80cm
    • Der Radstand soll sich mit der Höhe verkürzen: tiefe Stellung ==> langer Radstand und damit gute Laufruhe, hohe Stellung ==> kurzer Radstand und damit gute Wendigkeit (so die Theorie)
    • Der Radstand in der höchsten Stellung sollte nahe 120cm liegen.
    • Das Trittbrett soll diesmal wirklich unter 15mm Dicke bleiben
    • Das Hauptrohr wird oval mit 45mm x 55mm Kernabmessung und bekommt zusätzlich einen Kastenholm
    • Für die Durchbiegung ist der "Alte" Benchmark



    Die neue Gabel und der Wegfall der Höhenverstellung bringen ~10cm Gewinn bei der Lenkerhöhe. Hier lassen sich auch ein paar Millimeter beim Radstand rausholen.

    Das Hauptrohr wird enger an das Vorderrad angeschmiegt und die Geometrie des Hinterbaus deutlich geändert:
    Die beweglichen Schenkel sind nur noch 20cm lang und in der tiefsten Stellung horizontal ausgerichtet. Dadurch ergibt sich beim Anheben des Trittbretts eine deutliche Verkürzung des Radstandes.

    Den Einstellbereich habe ich auf 3.5cm - 8.5cm Bodenfreiheit festgelegt, mehr brauche ich erfahrungsgemäß nicht.

    Das Trittbrett ist leicht (1cm auf 30cm Länge) gebogen und hat einen Kern von nur 7mm.
    Damit wird es schwierig, auswechselbare Bowdenzüge unterzubringen. Ich habe mich am Ende für eine Kombination aus PA Schläuchen für die Bremse und PA mit Teflon für die Höhenverstellung und Höhenanzeige entschieden. Da die äußeren Schläuche fest eingeharzt sind, ist eine Stahleinlage überflüssig. Im freiliegenden Bereich gehe ich für die Bremse in einen konventionellen Bowdenzug über.



    Für die Herstellung der Aluminium Beschläge habe ich zunächst für ein paar wenige Euro (und viele Arbeitsstunden) meine Ständerbohrmaschine in eine Fräse verwandelt. Erstaunlich, wie exakt man damit arbeiten kann, wenn man die Schwachstellen kennt und berücksichtigt! Selbst die Presspassungen für die Bronzelager haben sich problemlos fräsen lassen.

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    Alle Gleitflächen der Gelenke sind mit VA-Blech kaschiert, alle Lagerpunkte mit Bronze ausgebuchst.



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    Der Kern für das Hauptrohr entsteht. Spannend, die vier Bowdenzüg (die sich auch kreuzen)möglichst geradlinig unterzubringen

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    Die Holmgurte vom Kastenholm im Hauptrohr werden verpresst



    Für die Durchbiegung habe ich erst einmal "Bestandsaufnahme" gemacht:

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    Die Messeinrichtung

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    2.5mm werden durch das Spiel der Höhenverstellung verursacht

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    Belastung mit 70kg ==> 6.6mm - 2.5mm = 4.1mm Durchbiegung


    Das gilt es zu toppen!!



    Erster Belastungstest mit dem neuen Rahmen. Es sind bisher nur die Roving-Lagen (parallele, gerade ausgerichtete Fasern) drauf, es fehlen noch sämtliche Gewebelagen und das Harz ist noch nicht getempert.

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    Jetzt schon ist die gesamte Durchbiegung bei nur 7mm und das Trittbrett selber liegt deutlich unter 1mm! Den Hauptbeitrag liefert der Übergang zum Hinterbau, aber hier fehlt noch die Aussteifung zwischen den Schenkeln.

    Das schaut doch schon sehr vielversprechend aus! Die aktuelle Dicke des Trittbretts ist 11mm, also sollte mein Ziel diesmal locker zu erreichen sein!


    Ich bin mal gespannt, ob das Gesamtkonzept aufgeht und ob ich mich mit der neuen Rahmengeometrie wohl fühle
    Leider kann man ja beim Eigenbau nicht vorher probefahren!

  2. Folgendem Fori gefällt oben stehender Beitrag von Reser:

    KarinB (07.04.2020)

  3. #2
    Avatar von ulikick
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    hallo Reser,

    meinen allerhöchsten Respekt !

    … sich die Arbeit leicht machen geht definitiv anders

    und wenn man immer wieder improvisieren muss, weil die vorhandenen Arbeitsgeräte und Fertigungsmöglichkeiten den Ansprüchen für die Präzision des Endproduktes nicht genügen, laufen schnell viele ungeplante Stunden auf….ich kenne das auch nur zu gut….

    Du hast Dir ja auch ein sehr außergewöhnliches Hobby rausgesucht!
    Dir ist schon bewusst, dass es nur eine kleine Handvoll „Tretroller-Carbonrahmen-Selbstbauer“ in Deutschland gibt!

    ein paar Fragen hätte ich noch:

    welches Hartz/Härter System verwendest Du?
    im Hintergrund eines Fotos hängt eine Mischungstabelle von R&G; kaufst Du Deinen Bedarf dort ein?
    wie breit wird das Trittbrett?
    und wie schwer wird der Rahmen incl. des Verstellsystems?

    weiterhin viel Spaß beim Laminieren und halt uns auf dem Laufenden…

    beste Grüße

    uli

  4. #3
    Avatar von Reser
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    Hallo Uli,

    wenn's einfach wäre, wär's langweilig Und genau deshalb muss ich selber bauen und tüfteln und entwickeln.
    Und Zeitdruck habe ich keinen.... ich habe ja was tolles zum Fahren!

    Ja, ich kaufe bei R&G. Das ist für kleine private Projekte die beste Quelle. Mich stört allerdings, dass das Sortiment immer wieder wechselt. Z.B. das HM-Gelege und das Gewebe, das ich beim ersten Roller verwendet habe, ist nicht mehr zu bekommen. Also musste ich meinen Lagenaufbau neu definieren und konnte nicht einfach den alten optimieren. Dafür habe ich jetzt einen Gewebeschlauch im passenden Durchmesser bekommen, den es damals nicht gab. Das kann aber beim nächsten Projekt schon wieder anders sein.
    Ich habe in der Vergangenheit auch schon öfter bei Lange u. Ritter gekauft (vor allem für die Vereinswerkstatt), aber die verkaufen nur Großgebinde. Dafür ist der Preis deutlich niedriger.

    Als Harzsystem verwende ich Harz L mit Härter CL. Die Topfzeit ist mit 60min angenehm lang und es ist mit dem L285 vergleichbar, das wir im Flugzeugbau verwenden.
    Früher habe ich das L285 auch privat verwendet, aber es ist halt doppelt so teuer.

    Das Trittbrett ist 125mm breit und damit 5mm breiter als beim Vorgänger.

    Das Gewicht steht auch dieses Mal bei mir nicht im Vordergrund. Es wird wieder ein Langstrecken Touren Roller, den ich sowieso fast nie ohne (zumindest kleines) Gepäck und ohne 2 große Trinkflaschen fahren werde. Da gehen 500g mehr oder weniger im Rauschen unter.
    Das dünne Trittbrett hat natürlich seinen Preis... hierfür fallen allein schon ~500g an. Die Verstellmechanik bringt komplett fast 1kg auf die Waage.

    Aktuell wiegt der Rahmen (ohne die Teleskopstreben der Höhenverstellung) 2200g. Die zwei Teleskopstreben werden zusammen bei ca. 450...500g liegen. Nach meiner Schätzung werde ich irgenwo zwischen 3,2kg und 3,5kg enden.

    Grüße, Reser

  5. #4
    Avatar von Reser
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    Der Rohbau ist fertig

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    Und dummerweise bin ich probegefahren.... wie soll ich jetzt noch die Geduld aufbringen, bis alles fertig ist
    Die Geometrie ist für mich perfekt. Der Roller ist viel handlicher als sein Vorgänger und fühlt sich deutlich steifer an, auch wenn ich mein Ziel bei der Durchbiegung nicht ganz erreicht habe. Aber die Torsionssteifigkeit ist durch die konstruktiven Änderungen deutlich höher.

    Die finale Trittbrettdicke liegt jetzt bei 14,2mm ... na ja, nicht ganz final, der Lack fehlt noch ... und damit deutlich unter meiner Zielmarke von 15mm

    Mit der Durchbiegung hatte ich mich beim Zwischenbericht gehörig vermessen. Der Paralaxenfehler
    Also habe ich viele Messpunkte am Rahmen verteilt, aus ~6m Entfernung fotografiert um den Paralaxenfehler zu minimieren und danach die Auswertung im CAD vorgenommen.

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    Das Trittbrett selber hatte zwar wirklich nur 0,8mm Durchbiegung, aber der ganze Rahmen senkte sich um 10mm ab! Die genauere Analyse ergab, dass die Krümmung des Trittbretts nicht gleichmäßig ist und damit die Hebelarme deutlich ungünstiger sind, als angenommen. Dadurch geht die Durchbiegung des Trittbretts etwa mit dem Faktor 10 in die Durchbiegung des gesamten Rahmens ein. Also stammen ~80% vom Trittbrett!

    Mit den Gewebelagen und drei zusätzlichen Rovinglagen zeigt die Messuhr jetzt 5mm an

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Name:	P1070652.jpg 
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    Dabei belasse ich es jetzt, da das Fahrverhalten super ist und sich der Roller ausreichend steif anfühlt Mir ist das Ziel mit der Trittbrettdicke (bzw. ~dünne) wichtiger

    Jetzt liegen "nur" noch etwa 100 Arbeitsstunden vor mir, bis ich die erste Tour starten kann:
    ~25h für Lackieren-Schleifen-Lackieren-Schleifen-Polieren
    ~20h für den Bau der Carbon-GFK Schutzbleche sammt Befestigung
    ~50h für den Bau der Teleskopstreben für den Verstellmechanismus (hier will ich noch ein paar neue Ideen ausprobieren)
    ~10h für die solide Befestigung der Packtaschenhalter

    Bevor Fragen kommen hier noch die aktuellen Gewichte:
    - Kompletter Roller 8600g
    - davon der Rahmen 2377g + 211g für die Alu-Schenkel

  6. Folgenden 3 Foris gefällt oben stehender Beitrag von Reser:

    KarinB (02.06.2020), Kollo (01.06.2020), rolpra (01.06.2020)

  7. #5
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    Mein Temperofen:

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    15 Stunden bei 60°C sind rum. Jetzt muss nur noch das Plexiglasröhrchen für die Anzeige der Höheneinstellung auf den Rahmen geklebt werden (das hätte sich beim Tempern verzogen) und dann kann der Lack drauf.

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