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  1. #1
    Avatar von burny
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    Standard Fatal Error! oder: Kontrolle ist besser.

    238! Das ist neuer Rekord! Und fast wären es sogar 246 geworden. Aber nur fast, dank Catch-22. Am 27. Februar 1994 bestritt ich meinen ersten Wettkampf. Auch wenn ich mir anschließend gesagt hatte: Das war’s. Sowas machst du nie wieder, sind daraus bis heute 683 geworden, alle fein säuberlich in einer Excel-Tabelle erfasst. Rein statistisch bin ich also alle 14,6 Tage einen Wettkampf gelaufen, de facto waren es manchmal 2 am Wochenende oder einmal sogar 3 an einem Tag. Natürlich lagen auch mal längere Abstände dazwischen, in der Regel nach Verletzungen. Aber was keine Verletzung bisher geschafft hatte, vermochte ein Nanowinzling: er bescherte mir 238 wettkampffreie Tage.

    Nun mag man zu Recht einwenden, es gebe Schlimmeres. Stimmt! Aber der Mensch ist nicht dazu gemacht, sich allein deswegen glücklich zu schätzen, weil es noch Schlimmeres gibt. Ich schätze mich hingegen glücklich, dass es nun endlich wieder möglich ist, nicht nur vor sich hin zu laufen, sondern auch etwas Salz in Form von sportlicher Auseinandersetzung hinzuzufügen.

    Da will ich gleich mal den Lauffreunden der TFG Nippes in Köln ein Riesenlob aussprechen, die zunächst ihren jährlichen Friedenslauf abgesagt, dann ganz kurzfristig haben wieder auferstehen lassen und in weniger als 2 Wochen auf komplett neuer Ersatzstrecke eine DLV-vermessene Veranstaltung auf die Beine gestellt haben. Schade nur, dass sich gerade einmal 120 Läufer für insgesamt 4 Laufdistanzen angemeldet haben. Kompliment, dass der Veranstalter es dennoch durchgezogen hat!

    Ich meldete mich für den 10 km-Lauf, mit 56 Teilnehmern das größte Starterfeld. Natürlich gab es ein ausgefeiltes Hygienekonzept, zu dem auch die Startnummernausgabe per Wäscheleine gehörte. So konnte sich jeder kontaktfrei sein Nümmerchen selbst abhängen. Ich hatte die Startnummer 70. Na, das ist ja mal originell, dachte ich mir, dass jeder die seinem Alter gemäße Nummer erhält. Als ich auf der Wäscheleine die Zahlen 128 und 133 entdeckte, war ich mir allerdings nicht mehr ganz sicher, ob das wirklich das Zuordnungskriterium war.

    Der Startbereich befand sich auf dem asphaltierten Parkplatz P5 direkt neben dem Stadion des 1. FC Köln, kein Schatten, es war warm und leicht stickig. Ich war eh nach so langer Zeit unsicher, was laufmäßig drin wäre, schwitzte und dachte mir, das kann ja unangenehm werden. Dann setzte sich der Tross in Bewegung, und nach der ersten Kurve stellte ich fest, dass ich Letzter war. Och nö, dachte ich mir, das muss ja nicht sein, nicht unbedingt Letzter! Gut, es war zwar der 1. Startblock, bestehend aus 25 Läufern, und ein weiterer sollte 10 Minuten später starten, Zuordnung nach geschätzter Laufzeit. Letzter ist irgendwie doch doof, schmollte ich, sooo alt fühlte ich mich nun auch nicht gerade.

    Es dauerte keine 500 Meter, bis ich die rote Laterne abgeben konnte. 2 Plätze hatte ich gut gemacht, zu den nächsten Läufern gab es eine beträchtliche Lücke. Mit Wohlwollen nahm ich wahr, dass der Schatten der Bäume reinere Luft, angenehmeres Klima und somit leichteres Laufen bedeutete. Ich fand allmählich meinen Rhythmus, musste aber feststellen, dass anscheinend mein Zeitgefühl durch den langen Entzug gelitten hatte. Als ich gefühlsmäßig längst km 2 hinter mir wähnte, piepte die Uhr gerade für den ersten Kilometer, und als ich ein Drittel der Strecke geschafft zu haben meinte, ertönte der Pieps für die nächsten 500 m, also 1,5 km. Hatte ich mir bei den ersten Kilometern noch ein Aufmerksamkeitsdefizit diagnostiziert, war ich mir später sicher, dass es tatsächlich keine km-Schilder gab. War auch so. Also beschloss ich, distanzempfindungsfrei zu laufen und mich nur noch auf die Strecke als solche zu konzentrieren. Just als ich den sonnengefluteten Parkplatz zum Ende der ersten von zwei Runden erreicht hatte, legte ich noch einmal 2 Plätze zwischen mich und besagte Schlusslaterne.

    Die zweite Runde laufe ich beim 2-Runden-Kurs generell lieber: Einerseits ist der größte Teil der Strecke geschafft, und andererseits kennt man den Verlauf im Wesentlichen und kann sich besser darauf einstellen. Der leichte Anstieg nach etwa einem Kilometer kam mir daher diesmal leichter vor, ein weiterer würde zum Ende hin warten. Vor allem aber reduzierte ich stets etwas das Tempo, sobald die Sonnenteile der Strecke begannen. Geschätzt befanden sich etwa 2/3 der Laufstrecke im Schatten und waren einigermaßen angenehm zu laufen, die Teile im sonnenbeschienenen Drittel waren dafür umso drückender.

    Auch im Verlauf der 2. Runde hatte ich den einen oder anderen noch überholen können, lief aber meistens ohne Sichtkontakt zu Vorderleuten. Zur Orientierung hatten die Organisatoren rosarote Pfeile auf den Boden gesprüht. Kurz vor km 9 tauchte erneut ein Läufer vor mir auf, dem ich mich erst näherte, dann aufschloss und schließlich vorbeiging. Das schien ihn herauszufordern, denn nun beschleunigte er, zog zügig vorbei und ließ mich hinter sich. Na mal sehen, ob du das auch durchhältst, dachte ich bei mir. Denn oft genug habe ich es erlebt, dass in einer Art Macho-Reflex ein Überholter (nebenbei: das ist diesmal kein generisches Maskulinum) erstmal losprescht, um dann ganz schnell auch wieder abzufallen. Wenn’s bei diesem anders sein sollte, sollte es mir auch egal sein.

    Ich hielt also mein Tempo bei und lief in kurzem Abstand hinter dem Läufer her. Plötzlich bog er nach rechts auf einen leicht abfallenden Weg ab. Moment mal! Da bin ich doch in der ersten Runde gar nicht längs gelaufen. Was ist das denn? Ach du Scheiße, der gehört gar nicht dazu! Das ist ein Freizeitjogger, na gut meinetwegen auch Freizeit l ä u f e r.

    Mein Blick irrte hin und her: Verdammt, wo ist die Laufstrecke??? Ich lief ein Stück zurück. – Ich bin total falsch. Da hinten sehe ich doch den Parkplatz mit Startbereich, ich muss irgendwie wieder zurück! Und dann sah ich irgendwo einen, der aussah wie ein Läufer, der dazu gehört (Tja, vorsichtig geworden! Keine voreiligen Schlüsse mehr ziehen!) Ich rannte in die Richtung, wo ich meinte, den dazu gehörenden Läufer gesehen zu haben. Ja, es passt! Hier sind die rosaroten Pfeile!

    Ich ärgerte mich eigentlich weniger über den Zeitverlust bei der Endzeit als darüber, dass ich nun noch länger laufen musste, obwohl ich kurz vorm Ziel war. Auf dem Parkplatzasphalt und in der Hitze rannte ich mit dem, was noch an Energie vorhanden war, dem Ziel entgegen, kam sogar dem Läufer vor mir, den ich vorher schon mal abgehängt hatte, näher, aber nicht nah genug, und war mehr erschöpft als happy, als ich endlich die Ziellinie querte.

    In der Ergebnisliste tauche ich auf Platz 17 von 47 Finishern auf mit einer Nettozeit von 45:38 min. Damit bin ich voll zufrieden, vor allem angesichts der recht warmen Witterung und der leichten Anstiege auf der Strecke. Über meine Blödheit, einem unbeteiligten Läufer wie ein Lemming hinterher zu rennen, ohne auf die Markierungspfeile zu achten, ärgere ich mich dennoch. Nach Auswertung der Einzel-km und der Strecke am Rechner bin ich zwischen 100 und 200 m zu viel gelaufen bin, wahrscheinlich ziemlich genau in der Mitte. Das hätte vermutlich sogar für knapp unter 45 min gereicht. Aber so what! Demnächst gibt’s weitere Chancen.

    Bernd
    Das Remake

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  2. Folgenden 14 Foris gefällt oben stehender Beitrag von burny:

    d'Oma joggt (26.06.2021), Dartan (26.06.2021), dkf (27.06.2021), feu92 (26.06.2021), GeorgSchoenegger (27.06.2021), Kerkermeister (28.06.2021), lespeutere (27.06.2021), Mutinho (29.06.2021), RedDesire (27.06.2021), RunSim (28.06.2021), spaceman_t (29.06.2021), Steffen42 (26.06.2021), todmirror (26.06.2021), vinchris (29.06.2021)

  3. #2
    Avatar von Steffen42
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    Danke für den (wie immer) tollen und unterhaltsamen Bericht und herzlichen Glückwunsch zum klasse Ergebnis!

  4. #3

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    Danke für den unterhaltsamen Bericht, Glückwunsch zum Ergebnis...
    Bestzeiten: 17.08.2019 Mauerweglauf 100 Meilen 19.36.35 Stunden. 08.09.2018 RUNWINSCHOTEN (Holland) 100 km 9:33.30. 16.06.2018 Karlsruher Nachtlauf 80 km 7:55:45. Marathon 3:22.10. HM 1:34:32. 10 KM 43:37
    Laufberichte: www.corneliusrennt.de

  5. #4
    Avatar von Bernd79
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    Gratulation, klasse, Bernd.
    Ich bin schwerst beindruckt von so einem Tempo. Ich bin sicher, dass du dich noch jung fühlst (das bist du ja auch ), aber von außen betrachtet ist es für mich der Hammer, wenn da jemand mit 70 eine 4:30er Pace über 10 km anschlägt. Ich weiß, dass du früher noch viel schneller warst (ich hab da im Hinterkopf, dass du Marathon in ca. 2:40 und 10 km in wohl so 33 oder 34 min gelaufen bist, aber ich bin sicher, dass du weißt, wie bemerkenswert deine Fitness ist. )

    LG vom Namensvetter
    ________________________
    10 km - 37:36 (T - April 2019)
    HM - 1:30:41 (Sorger Halbmarathon/Graz - April 2018)
    M - 3:10:26 (Wien Marathon - April 2019)

  6. #5
    Avatar von burny
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    Danke an euch alle für eure Rückmeldungen!

    Zitat Zitat von Bernd79 Beitrag anzeigen
    ich hab da im Hinterkopf, dass du Marathon in ca. 2:40 und 10 km in wohl so 33 oder 34 min gelaufen bist,
    Auch wenn frühere Zeiten nichts zur Sache tun, will ich ein wenig korrigieren. denn ganz so schnell war ich nie. Im Marathon hat es zwar mal zu einer 2:44 gereicht (ist halt 20 Jahre her), aber beim Zehner lief ich zu meinen besten Zeiten im Bereich 36 oder 37 min (Bestzeit 36:23 min). Ist wie gesagt lange her, aber ich lebe im Jetzt und da bin ich mit den aktuellen Leistungen im Reinen mit mir. Dies auch, weil ich beim Blick in alte Ergebnislisten leider feststellen muss, dass etliche ehemalige Mitläufer entweder das Laufen aufgegeben haben (oder es mussten), und der eine oder die andere nicht mehr unter uns weilt. Das ist der Lauf der Welt.

    Bernd
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  7. #6

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    Glückwunsch, Bernd! Zum einen war's prima, dass diese Veranstaltung stattfinden konnte - und natürlich Gratulation zu Deiner Zeit. Trotz oder gerade wegen des kleinen Umwegs.

  8. #7
    Avatar von Bernd79
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    Zitat Zitat von burny Beitrag anzeigen
    Auch wenn frühere Zeiten nichts zur Sache tun, will ich ein wenig korrigieren. denn ganz so schnell war ich nie. Im Marathon hat es zwar mal zu einer 2:44 gereicht (ist halt 20 Jahre her), aber beim Zehner lief ich zu meinen besten Zeiten im Bereich 36 oder 37 min (Bestzeit 36:23 min). Ist wie gesagt lange her, aber ich lebe im Jetzt und da bin ich mit den aktuellen Leistungen im Reinen mit mir. Dies auch, weil ich beim Blick in alte Ergebnislisten leider feststellen muss, dass etliche ehemalige Mitläufer entweder das Laufen aufgegeben haben (oder es mussten), und der eine oder die andere nicht mehr unter uns weilt. Das ist der Lauf der Welt.

    Bernd
    Okay, aber trotzdem irre schnelle Bestzeiten...
    Ich hatte bis vor kurzem einen Arbeitskollegen für ca. 1 Jahr, der vor einigen Jahren einer der besten Langdistanz Triathleten Österreichs war, also Profisportler. Da hat man dann wohl auch sehr starken Leistungsdruck durch Sponsoren etc., jedenfalls hat er angedeutet, dass er ausgebrannt war irgendwann, und heute (obwohl "erst" ca. Mitte 30) macht er zumindest seit einigen Jahren gar keinen Sport mehr (was sich natürlich ändern kann). Verletzt war er aber eigentlich laut eigener Aussage nie wirklich, orthopädisch scheint er also einigermaßen okay zu sein. Ich bin aber sicher, dass er Sport wieder integrieren kann und will in sein zukünftiges Leben.
    ________________________
    10 km - 37:36 (T - April 2019)
    HM - 1:30:41 (Sorger Halbmarathon/Graz - April 2018)
    M - 3:10:26 (Wien Marathon - April 2019)

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