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Thema: Mainabwärts

  1. #1
    Avatar von Reser
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    Zirndorf
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    Standard Mainabwärts

    Vorletzten Winter hatte ich mir ein paar Flüsse-Touren für den Sommer 2020 rausgesucht (Main, Naab, Regen, Schwarze Laber) .... dann kam Corona und alles rutschte auf die Wunschliste für später.

    Jetzt konnte ich endlich den Main in Angriff nehmen, Start sollte die “Roter Main“ Quelle sein. Ab dem 4. Tag meines 2-Wochen Zeitfensters sollte das Wetter gut werden und etwa eine Woche lang trocken bleiben. Aber dann: Bahnstreik und überfüllte Straßen. Mich mit dem Auto zum Startpunkt bringen lassen viel also aus und Bahnfahren ging ja auch nicht. Also an die 580km Strecke vorne noch einmal 100km dranhängen und von daheim losrollern.

    1.Tag
    Zirndorf nach Pottenstein , 79km

    Es ist zwar schönes Wetter aber sehr windig.
    Die ersten 35km bis Forchheim geht es erst einmal am Main-Donau-Kanal entlang. Schön eben, aber wie vom DWD angekündigt, der Wind natürlich von vorne mit 10-15km/h. Auf dem Deich trifft der einen voll!

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ID:	82307 Der Windsack spricht eine deutliche Sprache!

    Von Forchheim aus geht es quer durch die Fränkische Schweiz, zunächst durch das Wiesent Tal mit seinen spektakulären Felsformationen die Wiesent aufwärts bis Gößweinstein und dann weiter die Püttlach aufwärts bis Pottenstein. Im unteren Teil des Wiesent Tals verstärkt die Düsenwirkung den Wind noch und hier sind es jetzt 15-20km/h von vorne. Zum Glück schlägt er nicht mehr bis unten durch, wo das Tal enger wird.

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ID:	82308 Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

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ID:	82309

    Der Versuch, 2km Bundesstraße zu vermeiden:

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ID:	82310 … nicht wirklich tauglich für Roller mit vollem Gepäck. Für die 2km brauche ich fast eine Stunde

    Ich übernachte auf dem Campingplatz Bärenschlucht bei Pottenstein. Zu essen gibt es …. Nichts. Sowohl am Platz als auch im Ort haben alle Wirtschaften Ruhetag. Also muss die Tagesverpflegung für den nächsten Tag herhalten.

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ID:	82311

    2. Tag

    Pottenstein über Roter Main Quelle nach Lichtenfels , 106km (890hm rauf, 960hm runter)


    Die Nacht war mit 6°C doch recht kühl und Ich wache im dichten Nebel auf. Das Zelt ist patsch nass und ich packe sicherlich 1kg Wasser mit ein! Los geht’s durch die Bärenschlucht:

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ID:	82312 und weiter durch das bezaubernde obere Pütlachtal Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

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ID:	82313

    Heute sind bergauf knapp 900hm zu bewältigen und ich muss viel schieben. Im Ort Trockau muss ich sogar 100m mit 20% Steigung rauf. Ich muss selbst beim Schieben dreimal anhalten damit sich der Puls wieder beruhigt!

    Mittags ist der höchste Punkt und der eigentliche Startpunkt der ganzen Tour erreicht:

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ID:	82314 Die Quelle des Roten Mains



    Die ganze Quälerei wird jetzt mit einer 6km langen Abfahrt nach Creußen belohnt und ab dort ist nur noch leicht welliges Gelände. Die weitere Strecke ist jetzt eher langweilig. Sie führt teilweise über kleine Straßen aber auch weite Strecken auf Radwegen parallel zu Bundesstraßen. Vom Main sieht man nichts, auch wenn er nicht weit weg ist.


    Bei Kulmbach liegt der Zusammenfluss von Weißem und Roten Main:

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ID:	82315 Ich kann keinen Unterschied feststellen, beide Flüsse sind gleich braun




    Weiter geht’s nach Lichtenfels, wo ich wieder das Zelt aufschlage.

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ID:	82316
    Schön ist es ja so direkt am Fluss, aber die Mücken ……




    3. Tag
    Lichtenfels nach Volkach , 134km


    Bis Schweinfurt bleibt die Strecke eher langweilig. Anfangs habe ich heftigen Seitenwind, teils schräg von hinten und es rennt. Bei Bamberg biegt der Main aber nach Norden ab und der Wind kommt wieder genau von vorne! Ich beschließe deshalb, in Schweinfurt für heute Schluss zu machen. Leider hat der Zeltplatz des Kanuvereins noch wegen Corona geschlossen und eine schwarze Wand zieht auf Schweinfurt zu. Das Regenradar verheißt nichts gutes, aber in Richtung Volkach schaut es noch gut aus. Außerdem geht es von hier aus wieder nach Westen und ich kann auf leichten Rückenwind hoffen. Also entscheide ich, nochmal ~30km weiterzufahren. Die Rechnung geht auf, es rennt wie der Teufel. Aber 2km vor dem Ziel erwischt mich dann doch noch der Regen und ich muss im Regen das Zelt aufbauen. Nach 20:00 wird es fast unmöglich, im Ort noch was zum Essen zu jagen und ich muss mich mit einer recht mäßigen Pizza zufrieden geben.

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ID:	82318



    4. Tag

    Volkach nach Würzburg , 69km


    Ab Volkach wird die Strecke interessanter. Es geht ab jetzt (fast) immer direkt am Ufer entlang, gesäumt von Weinbergen.

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ID:	82319 Kitzingen

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ID:	82320 In Ochsenfurt ist Mittagspause

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ID:	82321 Passend zum Namen gibt es viele glückliche Ochsen auf den Weiden. Die dürfen sogar noch ihre Hörner behalten!




    Um 16:00 bin ich in Würzburg und es fängt wieder an zu regnen. Also beschließe ich hierzubleiben und komme auf dem Zeltplatz des Kanuvereins unter.

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ID:	82322

    Ein wunderschön gelegener kleiner, ruhiger Zeltplatz in Fußreichweite zur Innenstadt und ich liege um 21:00 nach einem guten Abendessen im Schlafsack.

    Aber um 23:00 werde ich aus dem Schlaf gerissen. Gegenüber haben zwei Party-Hausboote festgemacht, laute Musik, Gegröle und Geschrei und das bis 7:00 morgens. Außerdem hat meine Isomatte nach über 20 Jahren Dienst den Geist aufgegeben und hält nur noch ~1h die Luft ,… es wird kalt von unten. Eine sch… Nacht!

    Später erfahre ich, dass die Party-Boote durch die Pandemie zur Plage geworden sind.




    5. Tag

    Würzburg nach Marktheidenfeld , 88km


    Zuerst muss ich mir eine neue Isomatte besorgen. Der passende Laden macht aber erst um 10:00 auf und ich komme so erst recht spät weg. Es wird also wieder nur eine kürzere Strecke.


    10km vor Karlstadt reiht sich ein Radfahrer neben mir ein: “Oh, ein Langstrecken Touren-Roller“ ist sein Kommentar, endlich mal jemand, der sich auskennt! Wir fahren bis Karlstadt nebeneinander her und plaudern. Irgendwann kommt von ihm die Frage: “Darf ich einen Artikel über Sie schreiben?“ Er arbeitet als Journalist in Karlstadt.


    Am Abend bekomme ich schon eine Mail mit dem Entwurf zum Korrekturlesen. Ich finde, er hat es gut gemacht.

    https://www.mainpost.de/regional/mai...g-art-10651707


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Name:	Karlstadt.jpg 
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ID:	82325

    Das Tal wird tiefer und enger. Es beginnt der schönste Teil des Maintals, der Weg durch den Spessart. Steile Hänge mit Wein, schroffe Felswände, hübsche Ortschaften, Burgruinen und Schlösser

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Name:	20210828_164433.jpg 
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    Mein heutiges Ziel is ein Campingplatz 5km hinter Marktheidenfeld. Gegen 18:00 bin ich dort.



    6. Tag

    Marktheidenfeld nach Mainhausen , 115km


    Der große Regentag! Nachts um 2:00 hat es angefangen zu schütten, aber um 7:30 am Morgen ist die Front durch. Voller Optimismus starte ich in den Tag und bilde mir ein, dass der Himmel heller wird.


    Nach 15km beginnt es bereits zu nieseln, was nach einer halben Stunde in Landregen übergeht. Bis 5 Uhr nachmittags hört es nicht mehr auf, mal Niesel, mal heftig. Mir steht das Wasser in den Schuhen, heute macht es keinen Spaß! Dann endlich hört der Regen auf, dafür schaltet jemand den Wind wieder ein…. Natürlich von Vorne! Die Klamotten trocknen recht gut… aber zu früh gefreut: auf den letzten Metern bis zum Ziel werde ich wieder so richtig eingeweicht.

    7.Tag

    Mainhausen nach Mündung, Mainz , 86km


    Der Himmel ist dunkel grau, aber es ist trocken und soll laut Regenradar so bleiben. Der recht starke Wind soll wieder von vorne kommen, aber hier irrt der Wetterdienst zum Glück. Nach ein paar kurzen Gegenwind Passagen dreht er und kommt von der Seite, ab Mittag von Hinten: 20km/h mit Gepäck sind schon toll!


    Die Strecke führt zwar bis zur Mündung über schöne Fahrradwege am Mainufer, aber ab Hanau wird es laut. Der Flugzeuglärm vom Frankfurter Flughafen begleitet einen bis zum Ende der Tour, dazu viel Autolärm und Industrielärm.

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ID:	82328 Die Skyline von Frankfurt

    Am Ziel

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ID:	82330




    Fazit der Tour:

    Wenn das Ziel eine schöne Tour in toller Umgebung ist und nicht einen Fluss von der Quelle bis zur Mündung zu fahren, sollte man sich auf den mittleren Teil von Volkach bis Aschaffenburg beschränken.


    Den landschaftlich schönsten Abschnitt (wenn auch den anstrengendsten) hat mir der Bahnstreik beschert, nämlich die Strecke durch die fränkische Schweiz bis zur Quelle!

    Die Technik und der Roller haben durchgehalten, das Werkzeug habe ich nur gebraucht, um einem Radfahrer zu helfen
    Der Gepäckkoffer hat sich bewährt und wenn etwas Sonne scheint, reicht der produzierte Strom um autark zu sein. Allerdings waren 90% der Leute die mich angesprochen haben der Meinung, dass der Roller elektrisch fährt und vom Solarmodul gespeist wird
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken

  2. Folgenden 3 Foris gefällt oben stehender Beitrag von Reser:

    jssph (09.09.2021), KarinB (10.09.2021), treterle (26.09.2021)

  3. #2
    Kickbikerin Avatar von KarinB
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    Standard

    Hallo Reser,

    danke für den schönen Bericht. Ich lese das immer gerne. Schade dass das Wetter nicht so gut war. An den Main würde ich auch mal gerne fahren, vielleicht nach Aschaffenburg. Das ginge mit dem Nahverkehr in 3,5 oder 4 Std. Mal schauen, vielleicht nächstes Jahr, aber nur für 1 Tag.

    LG
    Karin

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