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    Avatar von Hawkylein
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    Standard Mud Masters 2021 Weeze 42Km - Einmal und nie wieder...

    Vorab, es wird lang und ausführlich und das nicht nur aus positiven Gründen.
    Viel Spaß beim lesen...

    VORSPIEL :

    Letztes Jahr wollte ich mit eigentlich mit einer Gruppe beim Mud Masters (MM) in Weeze über 16Km starten, wegen Corona wurde da aber nichts draus. Also entschloss ich mich damals mich für die Marathondistanz als Einzelläufer für 2021 anzumelden.

    Samstag 18.09.21 , 04:30Uhr : Mein Wecker klingelt, ich konnte einigermaßen gut schlafen. Am Tag zuvor bin ich extra früh aufgestanden um Abends früh ins Bett gehen zu können und so auf zumindest 5-6std Schlaf zu kommen. Das hat besser geklappt als ich mir gedacht habe. Zum Frühstück gibts ein Nuss-Porridge, dazu 2 Weizentoastbrötchen mit Honig und 1 Kaffee, auf der Fahrt noch 1 Banane. Ich schaue noch einmal auf die Mud Masters Webseite ob mittlerweile der Streckenplan für den Marathon begannt gegeben wurde…. Fehlanzeige. Die letzten Wochen waren ein stetiges auf und ab mit viel Ungewissheit : Findet das Event überhaupt statt ? Die Coronazahlen sind in den letzten Wochen wieder deutlich gestiegen. Was ist mit Zuschauern ? Zumindest zu letzterem gab es vor ein paar Wochen klare Informationen, das keine Zuschauer erlaubt seien weshalb ich mich dazu veranlasst sah meine Frau und 1 Begleiter als Teilnehmer für die 6Km Strecke anzumelden. Ein teurer Spass, kostet ein Teilnehmerticket immerhin mehr als 10mal so viel wie ein Zuschauerticket ! Anlässlich meines 40sten Geburtstages nächste Woche war es mir das aber Wert.

    Auch musste ich abklären ob meine Begleitung so früh bereits auf das Gelände durfte.

    Der Marathonstart war für 08:30Uhr vorgesehen, während ich meine Begleiter für einen Lauf am späten Nachmittag angemeldet habe. Die Kommunikation mit der Organisation diesbezüglich war schwierig, Antworten erhielt man in der Regel erst nach 1-2 Wochen ! Immerhin hatte ich eine Email mit der Erlaubnis, das meine Begleiter auch so früh schon auf das Gelände durften.

    Um 05:45Uhr nahmen wir unsere Taschen, luden sie ins Auto und machten uns auf den Weg nach Weeze, nordwestliches NRW direkt an der holländischen Grenze. Kurz noch den weiteren Begleiter eingesammelt und dann ging es probemlos und staufrei richtung MM. Die Adresse war klar verständigt worden und ein paar Kilometer vorher sah man auch schon die ersten Schilder, ansonsten bildete sich wie immer bei solchen Events kurz vorher bereits eine kleine Kolonne und ein Blick in der Autos verriet : Hier sind auch Mudder an Bord

    Der Parkplatz öffnete offiziell um 07:30Uhr, wir waren bereits um 07:20Uhr da was aber auch kein Problem war. Die Einweisung verlief problemlos und die Parkfläche, eine riesige Wiese, war in meinen Augen groß genug. Die Zufahrt dorthin führte über einen etwas holprigen Schotterweg, war aber noch alles in Ordnung.

    Zum Thema Parkgebühren könnte ich jetzt einiges schreiben aber lasse ich mal, ausser das es für mich nach wie vor unverständlich ist wie man noch 8€ Parkgebühren verlangen kann, wenn der Teilnehmer bereits 100€ für ein Startticket bezahlt hat…..

    Das Wetter war vor allem nebelig. Zwar war Sonne bis 22°C angesagt aber bis die durchkam sollten noch einige Stunden vergehen. Durch die feuchte Luft war die Wiese der Parkfläche auch entsprechend feucht und schon nach wenigen Metern hatte man nasse Füße, gut das ich meine Trailschuhe/Laufsocken noch nicht anhatte. Vom Parkplatz waren es etwa 500m bis zum Checkin, auf dem Weg dorthin konnte man bereits einen Blick auf die Hindernis-Highlights erhaschen. “Flyer”, eine 10m hohe Wasserrutsche, die steil nach unten geht und “Execution” bei der wie man, wie es der Name vermuten lässt, in 5m Höhe auf einer Falltür steht, die dann plötzlich nachgibt!

    Der Checkin Bereich war nach Distanzen aufgeteilt, ich sah eine sehr lange Halbmarathon-Schlange und nur wenige am Marathon Checkin… gut für mich und…. Kein Checkin für reguläre Teilnehmer, der geöffnet hatte.
    Mein Checkin verlief problemlos aber die Mitarbeiter waren sichtlich verwirrt, das so früh bereits reguläre Läufer da waren und am Marathonstand gab es logischerweise auch keine Startarmbänder für diese. Nach 5-10min konnte das aber geklärt werden und wir durften alle auf das Gelände.

    Der Cateringbereich zwischen Start und Ziel war wie bei solchen Events üblich mit allerlei Fressbuden, Werbepartnern etc. eingerichtet, nichts besonderes. Am Start stand bereits der Anheizer auf einer Bühne und begrüßte bereits die Teilnehmer.

    Es war nun etwa 08:00Uhr, ich aß noch einen Energieriegel und machte mich langsam fertig. Also Laufsocken und Trailschuhe an und es gab für die Marathonläufer ein Leibchen, vorne mit der Aufschrift “Mud Masters Competition” hinten “42Km”. Wie sich später herausstellte war das aber eher sowas wie eine Powerrüstung, die alle anderen in Ehrfurcht erstarren lässt aber dazu später mehr.
    Noch immer wusste ich nicht wie die Marathonstrecke aussieht. Anhand des Streckenplans von 2019 hatte ich aber die Strecke in etwa abgeleitet und so Hindernisse ausgemacht, an denen meine Begleiter dann auf mich warten sollten. Zum einen um Fotos zu machen aber auch um mir Wasser zu reichen und mich mit Powergelen zu versorgen. Der Erste Treffpunkt war eigentlich nach 6Km, etwa 40min ausgemacht…..
    Als Alternative hatte ich gelesen, das es für die Marathonläufer eine Station gab, wo man seine Verpflegung deponieren konnte. Dieser Tisch war direkt neben dem Start. Ich fragte einen Streckenposten ob denn auch jemand auf die Sachen aufpasst oder ob da jeder ran kann ? Kurz : Kein Aufpasser, das deponieren war auf eigenes Risiko, weshalb für mich diese Möglichkeit ausschied.

    08:15Uhr : Es wird ernst, ich gehe in den Startbereich und das erste was da passiert…. Es wird diskutiert wie die Strecke denn jetzt aussieht, ob jemand mehr Informationen hat, doch keiner wusste etwas. Andere Marathonis berichten ebenfalls von der schwierigen Kommunikation mit der Organisation und das man keinerlei Antworten erhält. Um 08:20Uhr endlich beginnt der Anheizer mit einer äußerst spärlichen Einweisung. Man müsse 2mal die 21Km Runde Laufen (die auch niemand kennt) und ab Km16 sei alles klar ausgeschildert…. Man soll nach der “ersten Runde”(es wurde nicht gesagt welche Runde da genau gemeint ist (blau-rot-schwarz) nicht über das letzte Hindernis gehen, sondern vorher abbiegen und durch die beiden Marathontore laufen. Mehr wurde nicht gesagt…..
    Ich sagte meiner Frau daher kurzerhand, sie soll hier im Startbereich warten und das ich nach 40min dann hier wieder vorbei komme.
    Das Warmup war nicht der Rede wert, es machte den Eindruck, das der Anheizer die Zeit etwas vergessen hatte. Beim Tough Mudder vor ein paar Jahren waren Startphase und Aufwärmen voneinander getrennt und das klappte hervorragend und viel besser !

    RENNEN Teil 1:

    08:30Uhr pünktlich geht es los. Ich versuche vor allem nicht zu überpacen, angepeilt hatte ich ein Lauftempo von 5:20-5:30/Km, nun sah ich ständig 4:xx/Km…. Ich muss mich bremsen. Das eher spärliche Feld der Marathonis und Halbmarathonis hat sich schnell entzerrt. Insgesamt waren es wohl 180 Teilnehmer, ich schätze aber beim Marathon nicht mehr als 80 Teilnehmer, vermutlich eher 60.

    Auf den ersten Kilometern wird eines jetzt schon klar….. Schlamm gibt es nicht so viel, obwohl der Anheizer so viel Schlamm wie nie zuvor versprochen hat, doch eigentlich müsste das Event eher “Sand Masters” heißen. Sand, Sand, Sand, wo man auch läuft es ist fast überall Sand !
    Nach den ersten Kilometern wird es langsam einsam, auch weil immernoch viel Nebel über der Strecke liegt. Hier und da sehe ich dann wieder andere Marathonis. Manche Stücke laufe ich mit anderen zusammen und auch da wird dann fast nur über die Streckenführung diskutiert….

    Die ersten Hindernisse sind leicht überwunden, ein Seilschwung über einen Wassergraben, Schlammkriechen und Sandsackschleppen, immerhin weiss ich jetzt, das ich mich auf der blauen Route befinde, das ist die 6Km Strecke. Durch den Nebel verliert man aber jede Orientierung und läuft so gut es geht dem Vordermann hinterher, aber mehrfach kommt es vor, das ich an Abzweigungen stehenbleiben muss an denen es keinerlei Schilder oder Markierungen gibt.
    Die ersten Hindernisse, die eigentlich nur als Gruppe überwindbar sind stehen an, Power Tower und Great Walls, eine rutschige Schrägwand, hier hat man für die Marathonteilnehmer aber Seile angebracht, damit man auch alleine herüber kommt. Über die erste hohe Wand komme ich noch alleine, die 2. ist nochmal höher aber zum Glück war gerade ein anderer Läufer da um sich gegenseitig zu helfen.
    Es folgt ein Highlight, die 10m Wasserrutsche, steil nach unten, man wird ganz schön ins Wasserbecken geschossen…. GEIL ! Jetzt hab ich Spaß und ich bin im Event drin

    Stromdrähte ? Ich krieche furchtlos hindurch und werde belohnt, es ist gar nicht so schlimm, danach folgt mein “Angsthindernis”: “Brain Freeze” ein Eisbecken, ja ich bin ein Warmduscher aber auch da sage ich mir “Ich bin jetzt hier, Augen zu und durch” und siehe da, ist ja gar nicht so kalt. Das sage ich auch den Helfern am Hindernis, die kurzerhand aufstehen um mehr Eis zu holen, die nachfolgenden Läufer werden es mir sicher danken

    Eigentlich hatte ich geplant, das ich jetzt das erste mal meine Begleiter treffe und mir ein Gel abhole aber kurz vor dem Startbereich zeigt ein Schild nach Links “12Km- 16Km”. Schöne Scheisse, der Plan also hinüber und ich muss gezwungen auf die Versorgungsposten an der Strecke zurückgreifen, denn wenn ich das nun richtig verstehe komme ich erst nach 21Km zurück zum Startbereich…..
    Es gibt Wasser, Bananenstücke und Orangenscheiben…… besser als Nichts.

    Es geht in die Rote Runde und die Hindernisse werden anspruchsvoller. 25m Monkey Bars, mein Training in den letzten Wochen “Hängen und Griffkraft” zeigt aber offenbar Wirkung und ich spüre keinerlei Anstrengung und mache in aller Ruhe die 25m bis zum Schluss.
    Ein Netzhindernis und ein Schlammberg, der aber noch dabei ist mit einem Wassersprenger aufgeweicht zu werden folgen. Schließlich kommt das Highlight, “Execution”. Ich eile alleine die Stufen auf die 5m hohe Plattform hinauf, die Falltür muss ich allein hochziehen, ich stelle mich drauf und dann klappt der Boden weg…. Ich falle eine gefühlte Ewigkeit und bin plötzlich gefühlt 20m unter Wasser…. Ich merke einen Adrenalinschub… das war GEIL ! Raus aus dem Wasser und Weiter gehts.

    12Km sind nun rum und ich fühl mich gut, es geht nun in die schwarze Runde, noch anspruchsvollere Hindernisse. Noch immer gibt es viel Nebel, aber man erkennt zumindest, das die Sonne versucht sich einen Weg durchzukämpfen. “Flying Monkey” wird mein Lieblingshindernis. Man muss eine Stange auf 2 Balken legen und sich dann an der Stange hängend über die Balken vorbewegen, also fest zupacken, schwung holen und dann die Arme ein Stück nach vorne reissen bis man auf der anderen Seite angekommen ist. Technisch anspruchsvoll und viel Kraftausdauer, da zeigt sich wie gut man trainiert hat.
    Es folgt ein 4m hohes Seil hoch zu klettern, auch das ist kein Problem und dann kommt das meiner Meinung nach anstrengenste Hinderis “Beast Lap”. Man schnappt sich einen etwa 10Kg schweren Sandsack und muss diesen gut 1Km lang tragen, durch Schlammgräben und durch Röhren krabbeln, das zieht sich und Laufen ist kaum möglich, da bin ich froh, als ich den Sandsack wieder ablegen kann.
    Es geht nochmal an das 4m Seil und da muss es wohl passiert sein. Ich hatte Handschuhe an um meine Hände bei Kriechhindernissen sauber zu halten und zog diese dann an Kletterhindernissen immer aus um einen sauber greifen zu können. Beim Herunterklettern des Seils muss ich mit der rechten Hand leicht abgerutscht sein und habe mir dann schön die Handfläche unterhalb des Ringfingers aufgerissen, habe ich aber erst später gemerkt. Von da an hiess es dann jedenfalls : Handschuhe anlassen um es nicht zu verschlimmern.

    Die schwarze Runde ging zu Ende und nun nahm das Chaos seinen Lauf : Ich stand plötzlich vor einem Schild mit einem Pfeil nach Links und rechts. Nach Links stand “12Km – 16Km- 21Km (1. Runde)” und auf dem Schild nach rechts stand “21Km – 2. Runde” …. was bitte soll das bedeuten ? Was ist die erste und was die 2. Runde ? Die Streckenposten wissen es auch nicht, ich laufe auf gut Glück rechts entlang und merke, das ich wieder auf die blaue Strecke geführt werde. Langsam dämmert es mir, das die HM Strecke die 16Km Runde + 5Km der blauen 6Km Runde ist. Am ersten Hindernis treffe ich einen anderen Marathoni und er fragt mich wieso ich das Hindernis zuvor ausgelassen habe, verwirrt antworte ich, das da doch gar kein Hindernis war und erkläre ihm, das er falsch gelaufen sei. Er war an dem Schild nämlich nach Links gelaufen, da er es so verstanden hatte, das er für die ersten 21Km Links entlang laufen muss…..
    “Marathon” stand auf der Strecke übrigens auf keinem einzigen Schild.

    Nun war ich also zurück auf der blauen Strecke, nach 16Km, und jetzt sah ich endlich Menschen, denn mittlerweile waren dort einige Unterwegs. Es war plötzlich als wäre ich vorher in einer anderen Welt gelaufen, einsam im Nebel, nur ab und zu ein paar andere Marathonis. Nun bin ich von vielen gut gelaunten Menschen umgeben und das Marathon-Leibchen scheint eine ganz besondere Ausstrahlung zu haben. Die meisten sind eher gehend unterwegs, ich kann mich noch nicht einmal daran erinnern, selbst überholt worden zu sein, stattdessen überhole ich permanent andere Läufer und fast jedesmal werde ich entweder angefeuert oder höre die Ehrfurcht “Krass, 42Km...”

    Das pusht jedenfalls ganz gut, denn so langsam nach 2std merke ich, das ich bald Energie nachtanken muss. Es geht nun wieder über bereits bekannte Hindernisse, große Staus gibt es noch nicht, vermutlich ist es noch zu früh.
    Dann blicke ich auf meine Uhr und sehe 20,5Km und wieder stehe ich vor dem Schild, an dem sich die Strecke aufteilt mit der Aufschrift “21Km 1. Runde links, 2. Runde rechts” …. ich bin völlig verwirrt und habe auch keinerlei Abzweigung vorher gesehen aber ich merke, das ich mich vom Startbereich wegbewege. Ich drehe mich um und sehe einen anderen Marathonläufer winkend auf mich zurennen. Ich hatte mit Ihm schon zuvor einige Abschnitte zusammen gelaufen und mich etwas mit ihm unterhalten und jetzt ist er mir mehrere hundert Meter hinterher gelaufen um mir zu sagen, das ich falsch laufe…. Absolute Hochachtung dafür. Zusammen liefen wir quer über einen Platz, ein Streckenposten kam uns entgegen aber eine große Hilfe war er auch nicht.

    Viele Streckenposten waren Niederländer und verstanden kaum Deutsch, immerhin konnte er uns grob die Richtung zum Startbereich sagen. Dort sah ich dann auch das 1. Marathontor und lief hindurch in… EINE MENSCHENMENGE ? Richtig, die Marathonstrecke führte direkt durch den Caterinbereich direkt hinter dem Checkin…. Wer denkt sich sowas aus ? Ich wollte es nicht glauben und bog rechts ab, auch weil laut meiner GPS Uhr noch etwa 400m bis zum HM fehlten, Richtung Parkplätze. Erneut rief der andere Marathonläufer hinter mir, das ich falsch lief und das Marathontor dort hinter der Menschenmenge sei…. Tatsächlich, und da saß auf einer Bank dann auch meine Frau, die ebenfalls mit jemandem aus der Organisation diskutierte wie es sein kann, das niemand weiss wie die Marathonstrecke aussieht und keiner sagen kann wann und wo die Marathonläufer vorbei kommen.
    Ich war jetzt echt sauer und sagte zu der Organisatorin “Die Streckenführung ist der letzte scheiss, keiner weiss wo er langlaufen soll und die Streckenposten wissen auch von nichts”. Sie nahm es zur Kenntniss und verschwand.
    Endlich Pause, ich zog mir direkt 2 Gels rein und steckte mir 2 weitere ein. 2:27std hatte ich nun für die erste Runde gebraucht, eine Bombenzeit und laut meiner Frau lag ich damit wohl auf dem 3. Platz !
    Jetzt wusste ich immerhin, wie die Strecke aussah…. Nach 21Km und schickte ich meine Begleiter zum Flyer um da auf mich zu warten. Andere Hindernisse waren eh sinnlos, da mittlerweile in den letzten 2,5std der Cateringbereich komplett eingezäunt wurde, so das man außer zum Flyer/Execution nirgendwo anders mehr hinkonnte.
    Die 2 Gele kamen gerade noch rechtzeitig, nach 10-15min merkte ich wie die Kraft langsam zurück kam, die Pace vom Anfang von teilweise unter 5min konnte ich trotzdem schon lange nicht mehr halten. Als reine Laufpace lag ich nun bei etwa 5:30-5:40min was immernoch gut war.

    Es wurde nun langsam voll auf der Strecke. Ab der 2. Runde sah ich insgesamt nur noch 2 andere Marathonläufer. Als Marathonläufer hat man so eine Art Freifahrtschein oder Heiligenschein. Alle machen Platz, feuern einen an und Hilfe bekommt man auch sofort. Man fühlt sich ein wenig wie ein König und man merkt wie viel Respekt die anderen Läufen einem zollen. Als ich das 2. mal zu den 25m Monkey Bars kam fragte mich mitten im Hindernis jemand wie weit ich bereits gelaufen bin, ich sagte “Etwa 27Km”. Während ich weiter hangelte blieben um mich herum alle staunend hängen.
    Das sind so momente wo einem Bewusst wird man man die Monate zuvor trainiert hat.
    An den Hindernisse bildeten sich nun zum Teil lange schlangen, für mich kein Problem. Ich fragte ob man mich vorlässt, da ich Marathonläufer bin und sofort bildete sich eine Schneise und man lies mich vor. An einer engen Stelle hörte ich nur von Hinten jemanden brüllen “Marathonläufer” und vor mir bildete sich ein Spalier, die mich klatschend und jubelnd anfeuerten, einfach nur schön.
    Das Highlight war dann an der “Great Wall”, 20m vor der Wand lief ich an einer Gruppe vorbei und fragte dabei ob sie mir über die Wand helfen könnten. Ohne zu zögern rannten sofort 3 Männer aus der Gruppe mit mir zur Wand, bildeten eine menschliche Pyramide und hieften mich hinauf, auch oben nahmen mich direkt 2 starke Hände in Empfang und zogen mich rauf. So schnell war ich über kein anderes Hindernis rüber gekommen. Ich bedankte mich und hörte noch Anfeuerungsrufe…. “Thats the Spirit”.
    Am Flyer/Execution sah ich dann auch endlich meine Begleiter, die nun auch sichtlich bessere Laune hatten und es gab mal Zeit für ein paar Fotos/Videos ! Es ging auf die letzten 10Km und ich schickte sie Richtung Ziel…. Ich dachte nun erstmals, das schon bald alles vorbei sein wird und so langsam wurde es auch hart und anstrengend. Die Kraft schwindete, an den Hangelhindernissen hatte ich zunehmen Probleme und schaffte sie nur mit Müh und Not. Meine Knie waren mittlerweile Wund von den Kriechhindernissen und überall hatte ich Schürfwunden, die sich nun langsam bemerkbar machten.
    Ich nahm mein letztes Gel zu mir, noch etwa 1std musste ich durchalten, jetzt nicht nachlassen, sondern gut bis zum Ende durchkommen.
    Die Beast Lap ging ich diesmal gemächlicher an, nach 35Km war mit einem Sandsack auf den Schultern an Laufen nicht mehr zu denken. Muss trotzdem gut ausgesehen haben, 2 Mädels betonten, dass es bei uns ja so leicht aussieht, auch nach 35Km ….
    Ein letztes Mal Seil Klettern, mit Handschuhen und einem extrem rutschigen Seil schaffte ich es aber diesmal nicht bis nach oben. Strafe muss sein…. 10 Burpees, auch nach 36Km, es sollte aber das einzige Hindernis bleiben, das ich nicht schaffte. Die Sonne drückte jetzt auch ganz schön und machte das ganze nicht einfacher, der Nebel war schon eine ganze Zeit verschwunden.

    Jetzt gings auf die Zielgerade, das letzte mal auf das 5Km Stück der blauen Runde. Die Hindernisse hier mittlerweile Routine, das Eisbecken…. Nicht mehr kalt, Flyer…. Noch spaßig aber der große Nervenkitzel ist weg. Mir wird immernoch ständig zugejubelt und bei der Tatsache, das ich gleich im Ziel bin jubel ich nun auch zurück
    Bei Km37 sehe ich nochmal einen anderen Marathoni, der mir verwirrt entgegen kommt. Er weiss nicht wo es lang geht. Es war wieder mal kurz nach den 2 Schildern. Ich frage ihn wie viele Km er schon hat und er sagt er müsse etwa bei 36,5Km sein. Ich sage das passt und er müsse nur noch diese 5Km Runde der blauen Strecke 1mal machen, die würde ich jetzt auch laufen. Erneut zeigt sich die grauenhafte Streckenführung

    Und dann stehe ich vor dem letzten Hindernis, Nr. 86. Dieses und noch etwa 100m trennen mich von dem Ziel. Eine Quarter Pipe, in mehrere Schwierigkeitsgrade unterteilt. Nach fast 42Km nehme ich die schwerste stelle. Ich laufe an, springe nach oben und bekomme die Kante gegriffen und ziehe mich nach oben…. GESCHAFFT !
    Direkt dahinter ist der Zieleinlauf. Ich brülle nur und springe an eine Glocke, ich habs geschafft.
    Nach 5:15std bin ich im Ziel, Glücklich aber auch gut geschafft, nicht am Ende meiner Kräfte aber es war schon sehr anstrengend.
    Ich gehe zum Zielbereich und finde es etwas enttäuschend. Auf einer Bühne steht ein Moderator, der mich keines Blickes würdigt, ich hatte gedacht, das die Marathonläufer beim Zieleinlauf etwas mehr Beachtung bekommen. Wie ich später erfuhr wurde nur der Marathonsieger auf die Bühne geholt und hat Applaus bekommen, alle anderen sind offenbar nichs Wert, zumindest in den Augen der MM Organisation! Echt traurig….. Selbst an der T-Shirtausgabe weiss keiner so recht etwas mit mir anzufangen. Erst auf mein Nachfragen ob es z.b. ein Marathon-Shirt gibt wird mir halbherzig eine Medallie in die Hand gedrückt nach dem Motto “Hier bitte und jetzt hau ab”.


    Nachspiel :

    Mir ist bewusst, das MM das meiste Geld mit den Casual-Läufern auf 6-12-16Km macht und die Marathonis eine “Begleiterscheinung” sind. Trotzdem bezahlen die Marathonis das meiste Geld für ein Ticket. Ich hatte aber eher den Eindruck, das die Marathonläufer aus Sicht der Organisation ein unliebsames “Beiwerk” waren. Dann soll man sowas doch einfach nicht anbieten.
    Die anderen Mudder haben das offensichtlich verstanden, denn den Respekt und Anerkennung für die Leistung erhält man im Zielbereich ausschließlich von anderen Läufern !
    Auch kann es einfach nicht das das man eine Marathonstrecke erst 5min vor dem Start bekannt gibt. Als Marathonläufern gehört Planung des Laufs auch zur Vorbereitung, nur ohne Strecke ist das nicht möglich.
    Ja, es ist eine Spaßveranstaltung aber einen Marathon bestreitet man nie nur zum “Spaß”. Dafür ist einfach zu viel Vorbereitung nötig.
    Das ganze wurde immerhin als "Wettkampf" aufgezogen und schaut man sich die offizielle Ergebnisliste an ergeben sich da ein paar Unstimmigkeiten. Es gab bei Km16 einen Split und der vermeintliche Gewinner lag da bereits gut 18min hinter zu dem Zeitpunkt Führenden und etwa 7min hinter mir. Das deckt sich auch mit den Aussagen meiner Frau, das bei Km21 nur 2 andere Läufer vor mir waren. Der vermeintliche Gewinner muss dann aber den Turbo eingeschaltet haben und hat von Km16-42 nicht nur 18min auf den Führenden aufgeholt, sondern noch 10min Vorsprung herausgelaufen.... oder er hat einfach abgekürzt, zumal mich in der zweiten 21Km Runde kein anderer Marathonläufer überholt hat. Hauptsache er wurde im Gegensatz zu allen anderen Marathonläufern auf der Bühne gefeiert und hat einen Preis bekommen.... echt ohne Worte !

    Das letzte Dilemma war dann die Suche nach der medizinischen Versorgung um mir für meine offene Handfläche zumindest ein Pflaster zu holen. Catering, Start, Ziel war auch alles ausgeschildert, Sanitäter fehlanzeige. Ich sah schließlich eine geschlosse Wand aus Aufstellwänden auf der “Versorgungspost” stand…. Zwischen dem Ende der Aufstellwand und einem Gebäude musste ich mich durch einen spalt von 50cm durchquetschen und da sah ich dann Santäter. Aber was soll das wieder mit den Wänden ? Was wenn einer ernstehafte Verletzungen hat und gar nicht mehr laufen kann ?Soll derjenige sich dann auch da durchquetschen ? Alles sehr merkwürdig.

    Da es auch keine Duschen gab (Hygienekonzept) und meine Lippen langsam blau wurden (auskühlung) packten wir langsam alles zusammen und machten uns auf den Heimweg. Am Auto zog ich mir trockene Klamotten an und fuhren nach Hause. Gegen 16:30Uhr waren wir zurück, backten lecker Pizza und gegen 22Uhr fiel ich totmüde und mit viel Muskelkater ins Bett.

    Zusammenfassend werde ich Weeze nicht wiederholen. Eine katastrophale Organisation, wenig Schlamm und viel zu viel Sand. Körperlich war es sehr anspruchsvoll und die anderen Mudder waren hilfsbereit, gut gelaunt und sorgten immer für beste Stimmung.
    Das nächste mal wird es aber dann wohl wieder eine kürzere Strecke bis max. 18Km mit einer Gruppe. Das macht einfach mehr Spass. In Weeze werde ich so schnell aber nicht wieder landen.
    Im Nachgang habe ich auf der Facebook-Seite von Mud Masters die Streckenführung kritisiert, völlig freundlich und ohne zu beleidigen. Ergebnis : Mein Kommentar wurde gelöscht und man hat mich für weitere Kommentare gesperrt ! Offenbar will man da nur positive Kommentare stehen haben.
    Dieses Verhalten seitens der Organisation hat mich echt enttäuscht und war dann der traurige Höhepunkt, weshalb das Event für mich jedenfalls für immer gestorben ist.... Schade, denn der Lauf selbst und die Hindernisse waren sehr herausfordernd !


    Noten :

    Organisation : 0 / 5 : Probleme beim Checkin, keine Bekanntgabe der Marathonstrecke, katastrophale Streckenführung, langsame/schlechte Kommunikation im Vorfeld, kein Respekt gegenüber Marathonläufern, Streckenposten verstehen kein deutsch, Sperrung auf Facebook im Nachgang.

    Strecke : *** 3/5 : Wenig Schlamm, viel zu viel Sand. Abwechslungsreiche und herausfordernde Hindernisse, Strecke laut GPS 41,4Km

    Stimmung : **** 4/5 : keine Zuschauer aber viele gut gelaunte Mudder, die einem bei jeder Gelegenheit helfen und anfeuern und Respekt zollen

    Wiederholungsfaktor : 0/5 : Nie mehr Weeze

    Gesamt : ** 2/5 : Die anderen Mudder haben dafür gesorgt, das ich das Event trotzdem positiv in Erinnerung behalte. Von der Organisation kam diesbezüglich äußerst wenig. Nur wenige Streckenposten waren motiviert, manche saßen einfach auf Stühlen und haben mit ihrem Handy gespielt und den Läufern keinerlei Beachtung geschenkt !

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    Danke fürs lesen
    Zuletzt überarbeitet von Hawkylein (20.09.2021 um 15:18 Uhr)
    Dein stärkster Gegner bist du selbst !!!

  2. Folgenden 2 Foris gefällt oben stehender Beitrag von Hawkylein:

    heikchen007 (20.09.2021), mtbfelix (20.09.2021)

  3. #2
    Geschüttelt, nicht gerührt Avatar von heikchen007
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    Standard

    Ein -trotz der geschilderten Negativpunkte- sehr unterhaltsamer Bericht.


    Dein Ärger über die Organisation bezüglich des Marathons ist mehr als nachvollziehbar, erst recht, wenn man die Höhe deines Startgeldes bedenkt. Aber schön, dass du beim Lauf selber trotzdem deinen Spaß hattest und das Event auch wegen der anderen Mudder größtenteils genießen konntest. Einfach das Positive in Erinnerung behalten...
    5 km - 23:40 (08.08.2021 - The Great 10k)
    10 km - 47:57 (08.08.2021 - The Great 10k)
    HM - 1:40:37 (10.10.2021 - S 25 Berlin)

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