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    Avatar von burny
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    Standard Na also, geht doch! [Martinslauf Düsseldorf 2021]

    Um es vorweg zu nehmen: Diesmal war ich nicht der einzige Vertreter. Schon 4-mal in diesem Jahr hielt ich allein die Fahne der M70 hoch, und davon war ich 3-mal sogar der Älteste in der „última division“ (quasi das Gegenstück zur primera division des spanischen Fußballs). Am heutigen Sonntag dagegen waren es immerhin 7 Läufer in der M70 und 3, die noch älter waren. Der traditionsreiche Martinslauf in Düsseldorf war aber auch insgesamt gut bestückt: Ganze 863 Teilnehmer hatten sich angemeldet, zugelassen waren sogar 1.500, verteilt auf 3 Startgruppen. Mit diesem Lauf hatte ich noch eine Rechnung offen und fieberte regelrecht dem Sonntag entgegen.

    Vor 4 Jahren hatte ich mir mit einem guten Bekannten und AK-Kollegen einen intensiven Fight geliefert, den er im Schlussspurt hatte für sich entscheiden können. Das Problem dabei war, dass ich meiner seit langem schon arg muckenden Achillessehne endgültig zu viel zugemutet hatte und nur noch humpelnd zum Auto hatte schleichen können. Das war der letzte Anlass, diese Misere in einer langwierigen Behandlung auszukurieren – langwierig, aber am Ende erfolgreich.

    Vor 2 Jahren wiederum bekam ich während des Laufes Herzrhythmusstörungen wie schon häufiger bei den Läufen davor. Während diese Beschwerden sonst manchmal nach einiger Zeit wieder aufgehört hatten, worauf ich auch in jenem Wettbewerb hoffte, hielten sie aber bis zum Ende an, und ich konnte nur durch Tempodrosselung den Lauf beenden. Im Rückblick wäre es zwar sinnvoller gewesen, langsam zum Start zurückzutraben, aber diese Erkenntnis half mir nach einem verkorksten Lauf auch nicht weiter. Einige Zeit später ließ ich die störenden, elektrisch leitenden Zellen der Pulmonalvenen in einer Katheterablation veröden. Seitdem laufe ich wieder beschwerdefrei.

    Unzufriedenheit spornt an! Vor allem das Erlebnis aus 2019 hatte mich massiv gewurmt, und im Folgejahr brannte ich darauf, beim Martinslauf Düsseldorf endlich mal wieder einen ordentlichen Lauf durchzuziehen. Daraus wurde nichts: nicht weil der Lauf erneut verkorkst gewesen wäre, sondern weil er gar nicht erst stattfand – Corona 2020 halt! Also wartete ich auf 2021, und heuer sollte es dann endlich so weit sein. Ich war äußerst fokussiert. Normalerweise starte ich locker und mit wenig Anstrengung in einen Wettkampf, und erst, wenn ich mich nach den ersten Kilometern eingerollt habe, schalte ich hoch und komme in einen Kampfmodus. Bei diesem Lauf heute hingegen wollte ich nichts verschenken, sondern von Beginn an die Zügel anziehen und mir selbst beweisen, dass ich diesen Lauf nun endlich im Griff habe.

    Nachdem ich die ersten beiden Starts und auch die ersten Finisher des Starts von 10:00 Uhr beobachtet hatte, war ich um 11:00 Uhr selbst dran. Ich lief wie geplant flott los, und als ich nach dem ersten km-Schild die Zeit von 4:22 ablas, dachte ich mir: „Jepp, das is‘ flott genug.“ Auch die folgenden Kilometer fielen schnell aus, aber die Uhr piepste immer erst hinter den Schildern, sie schienen also eher zu kurz zu sein. Beim km-Schild 5 zeigte die Uhr 22:17 an, das war also schon langsamer als gestartet, und als die Uhr meinte, 5 km anpiepsen zu müssen, kontrollierte ich erneut: 22:30 min. Hmm, so schnell schien ich denn doch nicht unterwegs zu sein.

    Dabei hatte ich nach und nach einige Läufer überholt und lief seit etwa 1 bis 2 km mit einem Läufer zusammen, der auch nicht mehr ganz jung aussah. War der etwa Konkurrent in der AK? Mal lief ich leicht vorweg, und dann kämpfte er sich wiederum nach vorne. Zurzeit schien er sich sogar abzusetzen. Km-Zeiten hin und her: das Rennen war anstrengend. Zulegen wollte ich nicht unbedingt und ließ ihn ein wenig entweichen. Kurz vor Ende des sechsten Kilometers bog die Laufstrecke von dem gepflasterten Gehweg wieder nach links ab auf einen Kiesweg durch den Wald. Es ging minimal abwärts, ich ließ es laufen und war wieder dran. Und dann war es, als hätte mir jemand die zweite Luft eingehaucht. Es fiel mir leicht, noch eine Schippe draufzupacken, und schon setzte ich mich an die Spitze des kleinen Grüppchens, das sich gerade erst gebildet hatte. Die Schritte hinter mir schienen leiser zu werden. Es dauerte nicht lange, und ich vernahm sie nicht mehr.

    Ich hatte nun ein recht zügiges Tempo drauf. Atmung und Beine signalisierten mir, dass dieses nicht die Komfortzone war. Ich bemühte mich, nicht zu viel nachzudenken, und wollte das Tempo, solange es ging, hochhalten. Bei jedem km-Schild sah ich kurz auf die Uhr, stellte fest, dass die km-Zeiten ordentlich waren, und konzentrierte mich auf den nächsten Kilometer. Das war Kampfmodus pur, aber ich schaffte es, das Tempo gleichbleibend hochzuhalten. Ohne dass ich es darauf besonders abgesehen hätte, überholte ich nun noch den einen oder auch die andere (da war’s tatsächlich nur eine andere). Manchen erkannte ich trotz Kampfmodus am Trikot, der sich vorher auf den ersten Kilometern dieses Laufes noch vor mich gesetzt hatte.

    Endlich war es so weit, dass ich den vorletzten km abdrücken konnte, nun war es nicht mehr weit bis zum Ziel, das ich andererseits aber auch mehr und mehr herbeisehnte. Der Waldweg öffnete sich schließlich zum Veranstaltungsgelände hin. Ich konnte die Zieluhr erblicken und nahm überrascht wahr, dass vorne eine Vier und eine Drei standen: 43. Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet. Ich hatte zwar die einzelnen km-Zeiten abgelesen, aber nicht auf die Gesamtzeit geachtet, vor allem auch, weil das Piepsen der Uhr immer erst hinter dem Schild erfolgte.

    43 vorne! Das spornte mich jetzt aber an, da mussten die Gedanken an Müdigkeit, Lauf-aufhören, Nicht-mehr-anstrengen-wollen ganz schnell wieder in die Kiste! Ich sprintete nochmal, was das Zeug hielt, überholte einen weiteren Läufer, sah immer noch die 43 vorne, auch noch als ich über die Zielmatte rannte. Die Ergebnisliste ergab schließlich eine Nettozeit von 43:43 min. Das war mehr – ähm, ne weniger – oder doch mehr??? – ich gerate in den Grübelmodus: mehr, weil es meine Erwartung übertrifft? Oder weniger, weil die Laufzeit kürzer war? – als ich gedacht oder erhofft hatte. Also was nun? Egal, Scheiß drauf! Rechnung beglichen! Diesen Lauf vom Kopf auf die Füße gestellt! Da der Martinslauf Düsseldorf DLV-vermessen ist, kann ich diese Zeit auch getrost als persönliche Bestzeit in der M70 verbuchen.

    Kurz nach mir lief auch meine zwischenzeitliche „Antriebskraft“ und potenzieller AK-Konkurrent durchs Ziel. Wir unterhielten uns ein wenig, und es stellte sich heraus, dass er in der M60 läuft. War aber unterwegs eine gute Motivation, mit vollem Einsatz zu kämpfen! Wettbewerb spornt an! Ein wenig kurios ist, dass meine 2 Hälfte wie meistens deutlich schneller ist als die erste (netto 22:11 und 21:32). Da scheint meine Altherren-Methode „Langsam anfangen, dann zulegen“ für mich wohl allgemeingültig zu sein, heute allerdings auf höherem Niveau.

    Bernd
    Das Remake

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  2. Folgenden 7 Foris gefällt oben stehender Beitrag von burny:

    Bald-Elfe (08.11.2021), d'Oma joggt (08.11.2021), Dicker Schleicher (09.11.2021), Fiambu (10.11.2021), heikchen007 (08.11.2021), RedDesire (10.11.2021), vinchris (08.11.2021)

  3. #2

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    Wow, prima, Bernd - herzlichen Glückwunsch! Bei dem Lauf war ich gestern auch (ebenfalls in der 11-Uhr-Gruppe), aber ich bin ein Stück jünger und vor allem ... langsamer als Du. (Bin mit einer Zeit von 55-irgendwas ins Ziel gekommen, wäre aber ein paar Sekunden schneller gewesen, wenn nicht irgendwann mein linker Schnürsenkel anfangen hätte, großzügig um den Schuh zu schlackern, grmpf.)

    Die Aufteilung der Läufe (drei 10K, dafür kein HM) war natürlich Corona-bedingt, aber ich finde, die Startergruppen waren immer noch groß genug, um Wettkampfatmosphäre aufkommen zu lassen. Was mir auch gut gefallen hat, war die Arbeit der Helfer "drumherum": Die Strecke war gut markiert (Pfeile am Boden, Flatterband), und es gab menschliche Wegweiser , die auch anfeuerten. War ein schöner Lauf! Für Dich - schon wegen des Resultats - natürlich erst recht.

  4. #3
    Avatar von burny
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    Zitat Zitat von vinchris Beitrag anzeigen
    wäre aber ein paar Sekunden schneller gewesen, wenn nicht irgendwann mein linker Schnürsenkel anfangen hätte, großzügig um den Schuh zu schlackern, grmpf.)
    Ja, das ist blöd. Ist mir auch schon passiert, trotz Doppelschleife. Vielleicht ist es auch jahreszeitbedingt. Eine Woche vorher bin ich den Rennbahncross in Neuss gelaufen, eine ganze Weile mit der späteren 3. Frau zusammen. Plötzlich setzt sie sich nach links in den Sand, kniet - und bindet ihren Schuh.

    Zitat Zitat von vinchris Beitrag anzeigen
    aber ich finde, die Startergruppen waren immer noch groß genug, um Wettkampfatmosphäre aufkommen zu lassen. Was mir auch gut gefallen hat, war die Arbeit der Helfer "drumherum": Die Strecke war gut markiert (Pfeile am Boden, Flatterband), und es gab menschliche Wegweiser , die auch anfeuerten.
    Ja, das stimmt. Ich finde es auch völlig okay, in der jetzigen Situation alles konsequent draußen zu lassen, eben ohne Zelt, ohne Stände, ohne Siegerehrung etc. Da ist dann das verbliebene Risiko minimal. Ein wenig überrascht hat mich allerdings der Rückgang von 2.579 Finishern (über alle Läufe) in 2019 auf nun 709. Trotz Beschränkung auf den 10-er allein hatte ich da mit mehr gerechnet, vor allem, da der Lauf sonst oft Wochen vorher ausgebucht war (ist mir schon passiert, dass ich zu spät dran war).

    Bernd
    Das Remake

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    vinchris (10.11.2021)

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