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    Standard Baxter-Neuropathie und Chronische Fersenschmerzen

    Baxter-Neuropathie – Ein verkanntes Nervenengpasssyndrom bei chronischen Fersenschmerzen

    Ich fasse hier meine Erfahrungen zusammen, um anderen Betroffenen zu helfen, weil dieses Syndrom vielen Ärzten unbekannt ist, im Internet sehr wenig Informationen zu finden sind, und in Läufer- oder (Ausdauer-)Sportlerforen nahezu gar nicht erwähnt wird. Dabei gilt die Baxter-Neuropathie als meist verkannte Diagnose bei Läufern mit plantarem Fersenschmerz.

    Ich habe seit 14 Monaten chronische Fersenschmerzen einseitig im linken Fuß und laufe seitdem fast ununterbrochen mit Krücken. Die Schmerzen sind brennend, manchmal auch dumpf, die Ferse wird innerlich heiß, und Gehen/Stehen wird zur Qual. Bei mir gibt es auch einen Druckpunkt, der bei Tasten das Zentrum des Schmerzes ausmacht: an der vorderen Innenseite der Ferse, ziemlich genau dort wo die Plantarfaszie ansetzt; der Punkt kann auch leicht nach oben ziehen, in Richtung Fußgewölbe. In guten Tagen habe ich dort nur einen Druckschmerz, in schlechten Tagen brennt die komplette Ferse, dabei vor allem die vordere Ferse, es fühlt sich so an, als ob jemand mit dem Reibeisen permanent unter der Ferse reibt, und das heiße Schmerzgefühl strahlt bis ins Fußgewölbe aus und zT bis in die untere Wade. Das Brennen in der Ferse ist wie ein Reibeisen; das Heißgefühl im Fußgewölbe ist wie ein heißer Lavastrom.

    Wichtig ist, dass der Schmerz immer schleichend kommt, nie stechend oder plötzlich, und bei einer Belastung (zB in der Küche stehen) immer danach kommt und dann für den Rest des Tages bleibt. Er nimmt also im Laufe des Tages zu (meistens erholt sich mein Fuß über Nacht wieder). Meine Mobilität ist mittlerweile sehr weit runter gefahren: kein Spazierengehen, kein Radfahren, Einkaufsgänge und Kochen äußerst schwierig, auch im Haus nehme ich jetzt die Krücken. Meine Arbeit im Labor kann ich nur noch sitzend ausführen und bekomme auch dort nach wenigen Stunden so starke Schmerzen, dass ich abbrechen muss.
    Interessant ist aber auch der Verlauf: Es war nicht immer so schlimm. Das erste halbe Jahr konnte ich noch Rennradtouren von 1h untermehmen, Schwimmen für 20min ohne Schmerzen, kurze Spaziergänge, sogar einen Umzug habe ich gemacht. Ich hatte eher heiße Schmerzattacken, die Tage anhielten, wenn ich es mit der Belastung übertrieben habe. Dazu unglaublichen Druckschmerz unter der Ferse und konnte kaum auftreten. Über die letzten 8 Monate ist es anders, aber kontinuierlich schlimmer geworden. Aus dem Belastungsschmerz ist ein chronischer Schmerz geworden, der teilweise auch in Ruhe über Tage gar nicht mehr weggeht. Seit Kurzem habe ich auch bei Autofahrten in gebeugter Sitzposition denselben Schmerz im Fuß. Wenn ich mich auf einen Fahrradsattel setze, wird derselbe Punkt im Fuß getriggert.
    Der Schmerz wird auch durch andere mechanische Reize getriggert: Dehnen, exzentrisches Dehnen der Wade, Schuhe, Einlagen, Taping, hohe Muskelspannung (Beinübungen liegend auf der Matte), Spritzen (2 Wochen übelste Schmerzzunahme), Stoßwelle (5 Tage im Bett vor Schmerzen). Aber auch durch physikalische Reize: zu heiß (Thermalbad, Sauna). Und durch chemische Reize: Blutegeltherapie (führte zu 2 Wochen krasser Schmerzzunahme).

    Jetzt zur Therapie: Ich habe so ungefähr alles schon durchprobiert. Zunächst Iburofen und therap. Ultraschall, dann Röntgenreizbestrahlung, dann Cortison-Injektion, zusätzlich Einlagen das Fußgewölbe unterstützend. Das war basierend auf der falschen Annahme einer Plantarfasziitis. Die war weder im MRT zu sehen, noch war der Schmerz jemals stechend in der Ferse. Ich kann das rückblickend sagen, weil ich im anderen Fuß (rechts) mal eine Plantarfasziitis (stechend) und eine Partialruptur (no-go) hatte, und die brennende Ferse von Anfang an einen ganz anderen Charakter aufwies. Leider habe ich das im ersten halben Jahr nicht realisiert, sondern dachte, es wäre halt eine besonders schlimme Plantarfasziitis, weil ich es eben besonders übertrieben habe mit dem Training.
    Der Auslöser war nämlich, gar nicht unüblich für eine Läuferin wie mich, ein 3h Berglauf mit zu leichten Wettkampfschuhen, wonach meine Wade extrem malträtiert war. Ich neige zu Wadenverspannungen, was die Plantarsehne unter Zug setzt, und zudem bin ich Überpronierer, wodurch ich schon immer leicht nach innen knicke und meine Plantarsehne am Ansatz ständig gereizt wird. Leider habe ich die Brisanz nicht direkt eingesehen und war nochmal 2 Wochenenden in den Alpen auf Hochtour. Danach war absolutes Ende, und die Krücken mussten her.

    Obwohl also die Diagnose der Plantarfasziitis zunächst nahelag, sprachen die o.g. Therapien nicht an. Der Orthopäde war ratlos und schickte mich zum Neurologen, Verdacht auf Tarsaltunnelsyndrom (Engpass des N. tibialis auf Höhe des oberen Sprunggelenks). Dieses wurde jedoch elektrophysiologisch nicht bestätigt, und mein Schmerzpunkt befindet sich auch deutlich weiter unten, nicht hinterm oberen Sprunggelenk. Zu diesem Zeitpunkt (nach ca. einem halben Jahr) hatte ich meine eigene gegooglete Verdachtsdiagnose: Baxter-Neuropathie (Engpass des ersten Astes des N. plantaris lateralis, Syn.: N. calcaneus inferior). Die nächsten Orthopäden und Neurologen kannten weder den Begriff, noch die Radiologen wussten eine Diagnose, für sie war es ein Muskelödem des M. flexor digitorum brevis und M. flexor hallucis longus. Erst ein erfahrener Radiologe, den ich eigenhändig um Rat bat, bereitete die für ihn absolut klare Diagnose auf Grundlage der 2 MRTs im Abstand von 6 Monaten: Baxter-Neuropathie.

    Zunächst heißt es damit dennoch, die konservative Therapie weiterzuführen. In einer Schmerztherapiepraxis bekomme ich Osteopathie, mache exzentrische Dehnübungen für die Wade (an der Treppenstufe ablassen) und hintere Kette, bekomme Akupunktur und Elektrotherapie (MR). Ich selbst mache auf Grundlage meiner 20-jährigen Lauferfahrung seit Monaten Fußgymnastik, v.a. Aufbau des Fußgewölbes, insb. ‚kurzer Fuß nach Janda‘, außerdem Stabilisationsübungen für Rumpf, Bauch, Rücken, und, wenn schmerzfrei, leichte Übungen für die Beine auf der Matte. Ich habe die (schwache) Hoffnung, dass es mit konsequenten Übungen und guter Physiomassage doch noch besser wird, und lasse mich bei der Physiotherapeutin meines Vertrauens 2 Wochen durchmassieren. Sämtliche Triggerpunkte in Wade, Bein, Po, aber auch in Rücken und Schulter durch das Krückengehen und die Laborarbeit sind danach verschwunden.

    Aber nach 5 Monaten, 1 weiteren Cortisonspritze und 3 Monaten Pregabalin 200 mg (ein neuropathisches Schmerzmittel) hat sich die Situation trotzdem insgesamt verschlechtert. Auch meine eigenen Versuche mit Schmerzmeditation gegen das Schmerzgedächtnis, Qi Gong für den achtsamen Körperumgang und Mentaltraining für die innere Einstellung, finde ich zwar durchaus sinnvoll und auch langfristig v.a. im Sport hilfreich, aber die Ursache können sie wohl auch nicht beheben. Ein Thermalbad-Urlaub hat durch das warme Wasser und den Wasserdruck den Nerven komischerweise mehr gereizt als entspannt. Ein letzter Versuch mit Blutegeltherapie hat wieder zu 2 Wochen unerträglich stärkeren Schmerzen geführt.

    Jetzt ist es dringend Zeit, andere Maßnahmen einzuleiten: OP sehe ich nun als nächsten Ausweg. Nun geht die Arztsuche wieder los: ich benötige einen Fußchirurgen oder Neurochirurgen, der die Diagnose bestätigt. Im Idealfall kennt sich der Chirurg selbst mit dem Nervenengpasssyndrom aus oder kann mich an einen erfahrenen Kollegen übergeben. Ich glaube mit einiger Sicherheit, dass die Diagnose des einen Radiologen stimmt. Zahlreiche andere Differentialdiagnosen kann man ausschließen, entweder auf Grund von Röntgenbild, MRT oder meiner Schmerzerfahrung, darunter Knochenödem, Bursitis, Fat pad syndrome, Fraktur, Ruptur, Bandscheibenvorfall, Piriformissyndrom, Ischiasreizung. Ganglion war einmal im Gespräch, das muss die Chirurgin beurteilen.
    Das Problem ist also akut, einen erfahrenen (Fuß)Spezialisten zu finden, und möglichst bald einen Termin zu bekommen. Die großen (Uni-)Kliniken sind immer Monate im Voraus ausgebucht, nur habe ich vor einem halben Jahr noch nicht so weitblickend gehandelt. Ich war zu lange bei verschiedenen niedergelassenen Ärzten, ohne die klinikerfahrenen Ärzte für ein Gespräch aufzusuchen. Dabei wäre ich schon lange ein Fall für die Klinik gewesen, aufgrund der Schwere und weil diese oft mehr, auch seltenere, Fälle gesehen haben. Es ist auch gut, wenn ich so viele Kontakte wie möglich mit einbeziehe, sei es Freunde, Familie, bekannte Ärzte, die Physiotherapeutin oder der Hausarzt. Sie können Tipps oder einfach Denkanstöße geben. Mein Rehaantrag ist tatsächlich mittlerweile bewilligt, jetzt muss ich nur noch warten, bis mein Fuß wiederhergestellt ist, damit ich die Maßnahmen auch mitmachen kann.

    Ich hoffe, mit der Beschreibung anderen Betroffenen ein paar Hilfen und Hinweise zu geben, wie man es (nicht) machen kann. Und dass man die Hoffnung nicht aufgeben sollte, und immer auf seinen Körper hört. Besonders wir Läufer.
    Zuletzt überarbeitet von JoFussilli (15.11.2021 um 13:47 Uhr) Grund: Meine Schmerzodyssee

  2. Folgendem Fori gefällt oben stehender Beitrag von JoFussilli:

    torriecher14 (21.11.2021)

  3. #2

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    Standard

    Hallo JoFussilli,

    ich wollte mal wissen ob du schon was erreicht hast mit deinen Problemen, auch wenn der Beitrag erst 6 Tage alt ist?
    Auch ich leide unter chronischen Fersenschmerzen seit ca. 13 Monaten und meine Symptome passen zu 95% zu deinen.
    Auch ich suche einen Orthopäden/Spezialisten der sich meinen Fuss genau anschaut.

    Bei mir sieht der Krankheitsverlauf so aus:
    Letztes Jahr im Oktober fingen die Fersenschmerzen an. Die Schmerzen kamen innerhalb von zwei Trainingseinheiten beim Fussball.
    Danach war erstmal Winterpause und ich habe gehofft die Schmerzen gehen mit der Pause zurück.
    Im Januar hatte ich dann so starke Schmerzen in der Ferse und an der Aussenkante des Fusses, das ich zum Arzt bin und hab ein MRT gemacht.

    Diagnose: Entzündung der Peronealsehne.
    Einlagen, Cortison Spritze und Physiotherapie bekommen.

    Ich habe dann 4 Monate eine absolute Sportpause gemacht, da durch Corona eh nichts ging.
    In der Zeit wurden die Schmerzen nicht besser, ich hatte bei jedem Schritt schmerzen.
    Nach Monaten keiner Besserung habe ich ein weiteres MRT gemacht.

    Diagnose: Entzündung der Plantarfasziitis mit Knochmarködem-/ reaktion
    Andere Einlagen, Cortison-Spritze, Physiotherapie, Stosswellentherapie, Röntgenreizbestrahlung bekommen
    Absolut nix hat geholfen, trotz keine Sport haben sich die Schmerzen verschlechtert.

    Mittlerweile brennt mir die Fusssohle beim Auto fahren und der Schmerz zieht bis zum innen Knöchel.
    Sobald ich die Schuhe aushabe, ist das brennen weg.
    Es gibt zwei Punkte wo ich Druckschmerzen habe. Allerdings nur wenn ich bewusst drauf drücke.
    Bei Laufen habe permanent einen dumpfen Schmerz, der irgendwo aus dem Bereich der Ferse kommt.
    Mal ist er innen, mal ist er an der Aussenkante.
    Ein drittes MRT habe ich am 09.11 gemacht.

    Diagnose: Entzündung der Plantarfasziitis mit Knochmarködem-/ reaktion
    Also die gleiche wie beim MRT Nr. 2

    Die Orthopäden wissen nicht mehr was sie machen sollen. Eine OP wollen sie nicht.
    Also laufe ich weiter mit Schmerzen rum.
    Nun bin ich auf Botox gekommen.
    Das habe ich mir letzte Woche spritzen lassen, das es anders als Cortison wirken soll.
    Die ersten Tage war ich begeistert. Meine Schmerzen reduzierten sich von einer 10 auf eine 3.
    Seit gestern wieder so starke Schmerzen (eine 10) wie seit langen nicht mehr.
    Ich mache zurzeit keinen Sport, da ich maximal 30 Minuten morgens ohne Schmerz laufen kann und dann geht es los.
    Also selbst im Alltag, geht nichts ohne Schmerzen.
    Schmerzmittel und Kühlen bringt absolut nix.

    Mittlerweile habe ich die Vermutung das vielleicht ein Nerv eingeklemmt ist und die Entündung permanent in der Sehnenplatte auslöst.
    Da ich bei all den Versuchen keine Besserung gespürt haben.

    Daher fande ich dein Beitrag sehr interessant und wollte wissen ob du schon Neuigkeiten zu dein Thema hast?

    Grüsse

  4. #3
    Alles im Blick. Avatar von bones
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    Standard

    Vielleicht bekommst Du aus dem verlinkten Artikel ein paar Tioos. Zu einem Orthopäden, der mehrfach Cortison verabreicht würde ich nicht mehr gehen.

    http://www.derlaufdoktor.de/mediapoo...idon_12.10.pdf
    "Ich habe es immer geliebt, zu laufen. Es war etwas was man einfach so machen konnte. Du konntest in jede Richtung laufen, schnell oder langsam, gegen den Wind ankämpfen wenn du wolltest, neue Umgebungen kennenlernen mit der Kraft deiner Füße und dem Mut deiner Lungen." (Jesse Owens)

    Wichtiger Hinweis: https://joachim-zelter.de/wp-content...0/07/PDF.9.pdf

  5. #4

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    Standard

    Hallo JoFussili und hallo torriecher14,

    leider habe ich auch die Vermutung unter einem Tarsaltunnelsyndrom, speziell des Baxter Nerv zu leiden. Ich war schon bei mehreren Orthopäden, Neurologe zum Nervenultraschall und MRT, bisher nichts Richtiges festgestellt.
    EMG und NLG steht noch aus.

    Habt ihr Neuigkeiten oder Ärzte in Deutschland gefunden die helfen können bzw. operieren, da das ja die einzige Behandlungsmöglichkeit scheint?

    Ich hätte jemanden in Österreich gefunden, aber das ist ja ein ziemlicher Aufwand mit Krankenkasse, Krankschreibung im Ausland etc.

    Liebe Grüße
    Alina

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