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    Avatar von U_d_o
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    Hallo SF71,

    wenn ich richtig liege mit meiner Rechnung, dann dürftest du jetzt ungefähr in einem Alter sein, in dem ich meinen ersten Marathon lief, mit 48. Inzwischen sind es mit Ultraläufen über 300 geworden, ich bin jetzt 68. Damit will ich sagen: Du bist eigentlich noch weit, sehr, sehr weit von der sportlichen „Außerdienststellung“ entfernt. Zumal es, was die körperliche Fitness angeht, so etwas wie ein Ende, einen Ruhestand, nicht gibt. Wer sich körperlich nicht mehr fit hält, bleibt es auch mental nicht mehr lange; sollte überdies schon mal zum nächst gelegenen Friedhof wandern, um rechtzeitig alle Fragen rund um die letzte Ruhestätte zu klären ... Das soll nicht heißen, dass nicht trotz aktiver Lebensführung die Radieschen urplötzlich über einem wachsen könnten. Es soll aber heißen, dass ein Leben im Alter nur einigermaßen rüstig und selbstbestimmt (= bei ausreichend körperlichen Kräften) noch lebenswert ist. Zumindest werden Menschen dies so empfinden, die immer aktiv waren, Sport trieben, sich bewegten.

    Um dir diesen Zustand zu erhalten, wirst du was tun müssen. Wenn du nicht mehr laufen kannst, dann wirst du etwas anderes finden. Und weißt du warum? Weil du es finden musst! Dazu gibt es keine Alternative. Du brauchst es, wenn ich dich deiner Einlassung zu Anfang entsprechend richtig einschätze. Ich will mal ganz ehrlich sein: Wenn ich nicht mehr laufen kann, dann bin ich ganz schön aufgeschmissen. Das merkte ich in der Vergangenheit schon daran, dass mir die Alternativen fehlten, wenn mir eine Laufverletzung längere Zeit das Laufen unmöglich gemacht hat. Ich habe keine Lust zum Radfahren und zum Schwimmen schon gar nicht. Finde ich beides … äh … verzichtbar, unschön, wenn dabei Leistung gefordert wird. "Radeln" und "Baden" sind folglich nicht gemeint, denn dabei kommt nicht allzu viel an Belastung rum, die die Ausdauer trainieren würde. Ich habe zu überhaupt nichts leistungsbetont Lust, außer zum Laufen. Früher natürlich Ballsportarten. Das hilft aber nicht, denn dafür verfüge ich a) altersbedingt nicht mehr über ausreichende orthopädische Robustheit und müsste b) letztlich auch bei Ballspielen laufen. Was also tun? - Ganz ehrlich: Wenn ich mich selbst betrachte, wüsste ich mir erst einmal keinen Rat ... ich werde das weiter unten aber vielleicht relativieren. Mal sehen.

    Was ich außer zu laufen auch noch regelmäßig betreibe, ist Krafttraining. Seit etwa 10 Jahren schon. Eingeschränkt zwar, aber immerhin. Mindestens einmal pro Woche schinde ich mich an den Geräten, mit Gewichten, etwa anderthalb Stunden lang, was zeitlich eigentlich mehr ist als es klingt. Weil ich keine Pausen mache! Zwischen den Serien einer Übung wechsele ich zu einem anderen Gerät und wieder zurück. Ich verschachtele also die Übungen. Dieses Krafttraining ist hart. Körperlich ein wenig, mental ungemein. Weil ich es abgrundtief hasse. Warum mache ich es dann? Weil ich es brauche. Einzig und allein deshalb. Anfangs war es eine vom Arzt verordnete Therapie: Krankengymnastik am Gerät. Es ging darum mein LWS-Problem in den Griff zu bekommen. Nach und nach ergänzte ich mein Programm um Übungen für den ganzen Körper und solche, die besonders für Läufer wichtig sind. Übungen für Rücken, Adduktoren, Abduktoren, Knie, A-Sehnen, Gesäßmuskulatur, usw. Dass ich damit nicht wieder aufhörte, liegt daran, dass die Probleme einige Wochen nach einer Krafttrainingspause neuerlich auf breiter Front einsetzen. Zuletzt merkte ich das in der Pandemie, als sie mich zur Pause zwang. Dieses Training, auch wenn ich es hasse, wird mir bleiben. Jeder Versuch es mir „schönzureden“, scheiterte. Ist auch nicht so schlimm, einmal die Woche anderthalb Stunden – das geht schon.

    Es wird mir auch deshalb bleiben, weil der schon im mittleren Alter einsetzende, natürliche Muskelschwund (Sarkopenie) inzwischen nicht mehr nur spür-, sondern auch schon sichtbar ist. Wo früher an meinen Oberarmen Muskelstränge meine „Männlichkeit betonten“, flattert es jetzt schon ein bisschen … Von den Hüften abwärts geht’s noch, weil die dortige Muskulatur vom Laufen stetig trainiert wird. Aber auch da habe ich eine Übung z.B. für die Oberschenkelmuskulatur eingebaut, um die Voraussetzungen fürs Laufen zu verbessern. Wenn man Ärzte zu der Thematik „körperliche Fitness beim Älterwerden“ befragt, dann legten sie früher die Betonung eher auf Ausdauertraining. Inzwischen geht die Medizin davon aus, dass ein Mix aus Ausdauer- und Krafttraining am sinnvollsten ist, um sich seine Beweglichkeit zu erhalten. Besser wäre natürlich Übungen zur Schulung der Beweglichkeit, Koordination, Flexibilität zusätzlich einzustreuen. Da ich aber außer Sport und faul rumhängen auch noch andere Dinge gerne tue, bleibt dafür keine Motivation übrig.

    In den letzten Jahren, da für Marathon und noch weiter zu trainieren immer schwieriger wurde, setzte bei mir ein Denkprozess ein: Was wird sein, wenn ich mal nicht mehr laufen kann? Die Distanz spielt in diesen Überlegungen weniger eine Rolle. Ich gehe davon aus, dass ich auch mit 75 und älter noch Marathon laufen kann, falls ich überhaupt noch laufen kann!! Längere Distanzen, das zeigen mir Beispiele anderer, deutlich älterer Läufer, sind bis ins höhere Alter eine Frage der sinnvollen Vorbereitung. Doch was ist, wenn ich gar nicht mehr laufen kann? Diese Frage poppte in Überlebensgröße hoch, als ich letzten Sommer einen Herzinfarkt hatte. Gemessen an dem, was hätte passieren können, hatte ich nur ein „Infarktchen“, behielt auch keine Schäden zurück und lief 4 Wochen später schon wieder. Doch so eine Erkrankung – es war die erste ernsthafte überhaupt in meinem Leben – provoziert das Nachdenken über Alternativen. Vor allem, wenn du weißt, dass du vom Laufen abgesehen bei keiner anderen Ausdauersportart wirklich Freude empfindest. Ich habe vieles ausprobiert. Sogar Langlauf im Winter, der aber mangels Schnee, 80 km vor den Alpen, vor meiner Haustür, ausscheidet. Das hätte unter Umständen sonst was werden können. Da hätte ich mich irgendwie reingefuchst, meine Versuche anlässlich von Winterurlauben waren vielversprechend. Aber ohne Schnee geht das nicht. Winter in denen über mehrere Wochen durchgehend Loipen in meiner Gegend gespurt werden konnten, sind längst Vergangenheit. Im Frühjahr, Herbst und Sommer könnte man auf die Rollenvariante der Langlaufski ausweichen. Und zwischendurch skaten, auch das könnte ich mir mit Abstrichen noch „lustvoll“ vorstellen. Hab ich auch ausprobiert, mehr oder weniger, mit begrenzter Technik. Doch mangelnder Technik wäre abzuhelfen, wenn es sein muss.

    Also was mache ich, wenn ich nicht mehr laufen kann? Alle meine Überlegungen enden in einer Sackgasse: Geht nicht, weil: mag ich nicht. Nun bin ich aber sicher, dass mein verdammtes Ego die Sache neu bewerten würde, wenn man mir das Laufen wegnimmt. Weil ich es nicht aushalten könnte keinen Sport mehr zu treiben. Und wahrscheinlich fände ich das Rad im Schuppen (auf dem man durchaus Kraft lassen kann) plötzlich viel attraktiver. Ich erinnere mich auch an eine Situation als ich mal sechs Wochen nicht mehr laufen durfte: Da fragte mich ein Freund, ob ich ihn beim Supermarathon am Rennsteig (mehr als 70 km) coachen würde, wenn ich ohnehin nicht laufen könne. Ich sagte zu, aber unter der Voraussetzung, dass ich es schaffe ihn immer wieder an der Strecke mit dem Fahrrad zu erreichen. Nicht mit dem Auto! Was voraussetzte, dass ich ein Radtraining begann. Auf diese Weise schlug ich zwei Fliegen mit einer Klappe: Laufpause sinnvoll mit alternativem Ausdauertraining füllen und einem Freund helfen. Mein Versorgungsdienst war hart, ich musste über 80 km weit mit dem Rad fahren und das im Thüringer Wald … Tatsächlich hat der Ehrgeiz, den ich dabei an den Tag legen musste, dass ich zu einer Vorbereitung gezwungen war, wenn ich die Strecke schaffen wollte, durchaus auch ein paar freudige Momente in meiner Erinnerung hinterlassen.

    Vielleicht … wenn sonst nix mehr geht … wer weiß … Und da gibt es in meiner Sportvita noch so ein Paradoxon: Als Jugendlicher und junger Mann war ich eine Wasserratte. Sogar Mitglied bei der Bayerischen Wasserwacht und als Rettungsschwimmer ausgebildet und tätig. Doch irgendwann hatte ich zum sportlichen Schwimmen absolut keine Lust mehr. Wie kann das sein? Gäbe es vielleicht einen Weg zurück – ich meine, wenn es sein müsste, weil sonst nix mehr geht?

    Wie du lesen konntest, bin ich einer der nur laufen mag, sonst nix. Jede Form von Walking ist mir zu wenig, das noch nebenbei. Und doch beziehen meine Überlegungen allerlei alternative Ausdauersportarten mit ein, an denen ich mich schon versucht habe. Es sind diese Versuche, die mich der Angst vor dem Tag X, an dem ich nicht mehr laufen darf, entheben. Wenn es so weit kommen sollte, werde ich eine Alternative finden. Weil ich sie brauche! Und ich glaube, wenn du nun in dir drin „kramst“, wirst du auch Formen ausdauernder Bewegung ausmachen, die dir zumindest Befriedigung verschaffen können, wenn schon nicht die große Lust.

    Ich wünsche es dir. Alles Gute!

    Gruß Udo
    "Faszination Marathon", die Laufseite von Ines und Udo auch für Einsteiger.
    Mit Trainingsplänen für 10 km, Halbmarathon, Marathon und Ultraläufe

    PB: HM: 1:25:53 / M: 3:01:50 / 6h-Lauf: 70,568 km / 100 km: 9:07:42 / 100 Meilen: 17:18:55 / 24h-Lauf: 219,273 km
    Deutsche Meisterschaft im 24h-Lauf 2015: 10. Gesamtplatz, Deutscher Meister in AK M60 (200,720 km) / Spartathlon 2016: 34:47:53 h

  2. Folgenden 3 Foris gefällt oben stehender Beitrag von U_d_o:

    deluxe71 (11.01.2022), Run4Cake (11.01.2022), RunningPotatoe (12.01.2022)

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