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  1. #1
    Alle sagten das geht nicht, dann kam einer der wußte das nicht und machte es einfach Avatar von schauläufer
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    Standard Von der Rennstrecke auf die Laufstrecke, Crosslauf mit Hindernissen, X-Cross Magstadt

    10, 9, 8,…wehrlos vernehme ich diese Worte. Ich stehe mit dem Rücken, nein nicht zur Wand, aber zum Startbereich und bin noch mittendrin statt (nur?) dabei. Nämlich mittendrin in den letzten erleichternden Vorbereitungen für den X-Cross Run. 7, 6…„Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube…“, das mir‘s zum Start noch reicht. Ich stehe hier und kann nicht weg, obwohl ich jetzt endlich alles im Griff habe. Oder gerade deswegen. 5, 4, 3…..ich ergebe mich in meiner Schicksalsgemeinschaft. Es hilft nichts: Solange es läuft, musst du Sie laufen lassen. 2, 1, 0…Start. Jetzt habe ich doch den Kürzeren gezogen, beim Kampf „Einer gegen Alle“. Ja auch die kleinen Dinge des Lebens können große Probleme bereiten. Jetzt ist aber: Schluss mit lustig, äh lästigen Wasserspielen, rein ins (Start)Getümmel. „Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn.“

    Gar nicht so einfach. Ich befinde mich ca. 100 Meter entfernt, vom Startbogen. Die Schnellen sind auf der Strecke, unterwegs in meine Richtung. Das heißt jetzt schnellstens bis zur Startlinie zurück rennen, sich seitlich an der Absperrung reindrängen und aufpassen, dass keiner der entgegenkommenden startenden Läufer touchiert wird. Mit dem letzten Aufgebot beginnt für mich das Rennen. Jetzt passt mein Motto-Shirt für heute doch noch. „Tschüss Wellness, jetzt geht’s ans Eingemachte“. Apropos passt. So ganz neu ist die Erfahrung mit dem (Ver)passen von Startvorgängen nicht. Eher schon ein Running Gag. Wer noch nicht weiß auf was ich hier anspiele der kann sich hier vorab über ein längst verjährtes Anekdötchen amüsieren.
    http://forum.runnersworld.de/forum/f...on-2009-a.html

    Aber wie konnte es heute zu meinem Déjà-vu-Erlebnis kommen?

    Ich hatte alles so schön geplant, Plan B bzw. S wie Stau war nicht vorgesehen. Denn schon auf dem Weg, zum mit Hindernissen gespickten Cross-Lauf in Magstadt, steckte ich bereits in der Heslacher Röhre Heslacher Tunnel ? Wikipedia fest. Gefangen im Stuttgarter Kessel. Das Malheur nahm an dessen Ende aber kein Ende, denn wegen einer Karambolage im folgenden Tunnel war die Straße zum Schattenring danach voll gesperrt. Der Bypass hieß Kaltental. Das ist der Ort, an dem Anna Scheufele ihr Unwesen trieb bzw. ihre Triebe hälenge „Li(e)derliches.“ Reig'schmeckte können sich hier in schwäbischer Heimatkunde weiterbilden:ZVW- Mein Wochenblatt schwaben10 Die Ampel am Abzweig Richtung Dachswald hat heut ihren schlechten Tag. Die Geradeausspur zeigte schon dreimal grün, und wir stehen geduldig und warten, und warten und warten…. Wir würden da heute noch stehen und warten und war... Von hinten rauschen im Affenzahn Autofahrer die es nicht mehr aushalten, links an der Schlange vorbei, um dann über die rote Rechtsabbieger-Ampel hinweg zu donnern. Weil dieses gewagte Manöver zum schnellen Erfolg führt, gibt es sofort viele Nachahmer. Der Hierarchie unserer Stauschlange folgt unvermittelt eine Anarchie, die rasch chaotische Ausmaße annimmt. Was soll ich tun? Meine beiden Jungs überwachen vom Fonds aus meine Vorbildfunktion: Mal sehen wie lange es dauert bis er die Nerven verliert. Nach über 5 Minuten, gefühlten 15, gebe ich mich meiner Ratio geschlagen. Also eine versteckte Kamera von "Verstehen Sie Spaß" sehe ich nicht. Und auch keine Amtliche mit Selbstauslöser. Unter den Augen meiner moralisch korrekt erzogenen strengen Gesetzeshüter wird der erste Tabubruch begangen. Kinder bitte nicht nachmachen, würde der große Blonde aus Kulmbach jetzt sagen. Doch keine 100 Meter weiter ist die nächste rote Ampel, die weder meine Vorgänger noch die von hinten heran- preschenden Autofahrer ernst nehmen. Wieder warten. Und nicht nur die anderen um mich herum rasen, sondern auch die Zeiger meiner Uhr. Nicht schon wieder eine Strafpredigt meiner Moralapostel einhandeln.

    Diesmal warte ich. Aber es dauert wieder endlos. Grad als ich eine Lücke suche, um gefahrlos aus der korrekten Warteschlange auszufädeln und forsch über die falsche Spur abbiegen zu können, wird es grün. Puh, jetzt aber dalli. Durch das Wohngebiet ist aber erst mal Pianogeschwindigkeit angesagt. Das kann doch gar nicht mehr reichen. Ich brauche noch eine Startnummer und den Zeitchip. Endlich in Vaihingen geht es auf der ehemaligen Solitude-Rennstrecke in Richtung Magstadt. Rennstrecke. Klingt gut, na denn. Die schnurgerade Straße kommt mir entgegen. Huch ich bin ja doch a bissle schneller als erlaubt. So was aber auch. Ich reiche eine Petition bei meinen beiden Rennkommissaren auf der Rückbank ein. Aber eine Fußgängerampel dient als unfreiwilliger Boxenstopp. Schnell die lange Trainingshose, die ich über der kurzen Lauftight trage, ausgezogen. Der Fußgänger ist endlich drüben und ich denke: Ab, zurück ins Rennen, obwohl die Boxengasse noch nicht freigegen ist. Upps, ich werde mir doch keine zusätzlichen Zeitstrafen einhandeln.

    Endlich ist Magstadt erreicht. Wo ist die Festhalle Keiner der befragten Ortsansässigen weiß Bescheid, so dass ich erst mal eine Schikane mitnehme. Ein Turnaround bringt mich endlich auf die richtige Fährte. Ich will jetzt aber laufen und nicht mehr fahren. Das darf ich früher als gedacht. Es sind nur noch wenige Minuten als ich endlich einen Parkplatzhinweis finde. Und zum Glück auch gleich ein Plätzle. Aber wo ist jetzt der Start Die Zeit rennt. Und ich jetzt auch. Und zwar nicht im Warm-Up Modus, sondern mit hochtourigem Kaltstart. Es zieht sich endlos entlang der Hauptstrasse. Am Ortsausgang endlich sehe ich Menschenansammlungen. Dahin geht es wohl. Aber der Weg ist das Ziel, bloß das ist noch weit und davor geht es auch noch hoch. Dort steht ein gelbes Tor, grad so gelb wie die Stuttgarter Straßenbahnen. Oh seliger Wolle (Kriwanek), ich hab dein Flehen noch im Ohr. „I muaß dia Stroßaboh no kriaga, den (net) laufa will i net…. I koah kaum no schnauffa und renn scho was i kaoah und älles wegen derer Stroßaboah….“ Ich erreiche den Startbereich, puh. Aber halt noch 2 entscheidende Zutaten fehlen. Wo gibt’s die? Ich hechle außer Atem: „Heh Jungs, wo habt ihr eure Startunterlagen her“ „Na von da vorne, bei dem Häusle.“

    O.K., das ist dann nochmals 100 Meter weiter vorne. Ich rufe: Platz machen ich hab's eilig und kämpfe mich durch den Pulk der zum Start strömenden Läufer. Ich schaffe es. "Ja", meinen die an der Ausgabe, "des langt schon no." Grad sagt der Sprecher, es sind noch 4 Minuten. Na dann, no ned hudle. Einer rammt mir die Sicherheitsnadeln in die Startnummer, während seine Kollegin an meinen Salomon Schuhbändeln herumnestelt und verzweifelt versucht den Chip dranzufummeln. So das wär geschafft. Aber halt, da war noch was. Ein menschliches Bedürfnis meldet sich zu Wort. Ganz klar, mit zusammengepressten Beinen schaffe ich es nie über die Hindernisse. Vielleicht gibt es ja auch Haltungsnoten. Also es hilft nix, den Ballast muss ich abwerfen. Ja und dann stand ich da: „Wenn‘s mal wieder etwas länger dauert…..“

    Völlig entspannt geht es anach dem eingangs erwähnten Vorlaufsprint über die Startlinie. Statt hochzudrehen, muss ich nun erst mal runterschalten. Die ersten Meter stecke ich fest, aber das kommt meiner Schnappatmung grad ganz zugute. Denn Turbo kann ich noch später zünden, hoffentlich. Schon kommt das erste Hindernis, bestehend aus versetzt aufgestellten Partybierfässern die in Schlangenlinien durchlaufen werden müssen. O.K., das war jetzt gemessen an den vorangegangenen Problemen keine große Herausforderung. Die Einführungsrunde (heh, die könnte ich mir eigentlich sparen, mein Aggregat ist bereits warmgelaufen) führt nun über ein Stück Wiese, wo ein aufgetürmter Stapel Baumstämme zu überqueren ist. Dann kurz im Wald bergab und linker Hand auf einen Feldweg. Zurück geht es über einen steilen Wiesenaufstieg. Auf halber Höhe ist eine Zeltplane über dem Boden gespannt. Da heißt es in tiefster Gangart darunter durchzukriechen und dann weiter den Berg hoch kraxeln. So als Gag wird dann am folgenden Tennisplatz ein Zelt durchlaufen, wo man eingenebelt und mit Dosenschaum besprüht wird. Die Zuschauer haben auch ihren Spaß, denn jetzt geht es auf einer gut überschaubaren abgesteckten Schleife über die Wiese in Richtung Start-/Zielbereich. Davor lauert aber noch ein hoch aufgetürmter Strohballenhaufen, der sich dem direkten Weiterkommen in den Weg stellt. Geschafft, nun geht es auf die große Runde.

    Zunächst ist der Untergrund ein Kiesweg, gefolgt von einem Abschnitt mit Asphaltbelag. Doch dann geht es wieder in den Wald auf einen knackigen Singeltrail. Ein Trimm-Dich Pfad wird gestreift. Nach einer Station mit Schwebebalken, die wie Hürden zu überspringen sind, geht es wieder auf einen Waldrandweg. Dort wartet ein Holzgestell wartet, so das man sich etwas bücken muss um dort hindurchzuschlüpfen. Der Weg führt dann zurück in den Wald, wo als nächstes über eine Parkbank geturnt werden muss. Es folgt eine waagrechte Leiter zum drüber hangeln und ein Baumstumpf mit Trittstufen der zu überlaufen ist. Zu guter Letzt kommt endlich das Schlammloch. Versprochen war uns ja, dass der X-Trail, nass, rutschig und steil wird. Steil hatten wir schon, rutschig nicht wirklich, aber nass? Es war einfach zu trocken die letzten Wochen. Die Feuerwehr musste kräftig nachhelfen um wenigsten dieses eine Schlammloch mühselig zu erschaffen. Zum richtig Suhlen und Einsauen reicht es jedoch nicht. Also durch und weitersauen, äh weiterlaufen.

    Es geht nun zurück auf bewährtem Pfad in die Anfangsrunde. Ist die jetzt zum Auslaufen gedacht. Keineswegs. Es heißt nochmals alles geben, da die bereits bekannten Hindernisse nochmals ihren Tribut zollen. Es fällt nun schon deutlich schwerer unter der Zeltplane durchzurobben. Das hinlegen ist ja nicht das Problem, aber das wieder aufrappeln und weiter den Berg hochkommen. Noch einmal der Holzstapel und zuletzt über den Strohballenberg. Zuvor geht es noch ein Stück über einen Wiesenanstieg. Ein sichtlich unsportlicher Zuschauer motiviert mich noch mal ganz besonders. „Heh, super Leistung ….für dein Alter. Na, danke. Leider habe ich gerade keinen Atem übrig um die passende Antwort zu geben. Beim Zieleinlauf würdigt der Stadionsprecher ausgiebig mein heutiges Motto. Na also geht doch. Schon macht es Schnippschnapp und der Chip ist ab. Zum Glück bloß der. Hätte zu meinem Glück heute noch gefehlt aber ein guter Schluss ziert alles. Das gilt auch für meine Laufsaison 2011. Ich werde das Glück wohl nicht weiter strapazieren und erst nächstes Jahr zu neuen Schandtaten starten. Startprobleme wenn geht ausgeschlossen. Denn auch wenn es zweimal gut ausging. Ich möchte mein Glück unter dem Motto: Aller guten Dinge sind drei, nicht überstrapazieren.

    Grüssle Klaus

    https://picasaweb.google.com/1166740...NbYyfncx9SaFQ#
    M 3:10:47, HM 1:28:04, 10 km 40:05, 24-Stunden 176,1 km, 12-Stunden 102,729 km, 6-Stunden 66,524 km, 100 Meilen 20:30:08, 100 km 09:29:33, 50 km 4:19:10, Treppenmarathon Mt. Everest 8848m 19:08:23, Vertical Marathon 13:57:03, Spartathlon 35:29:34,

    99.) 29.09. Berlin Marathon, 3:48:58
    100.) 20.10. Bottwartalmarathon 4:17:43
    10.11. Indoor Marathon Nürnberg 3:51:18

    24.11. RunMob Rössleweg 2019, 56 km
    30.11. Tiefbunker Marathon Hamburg-Weddel
    2020
    01.03. Neckarufer Marathon
    04.04. PUM, Piesberg Ultramarathon 62,2 km
    19.04. LIWA Marathon
    15.08. 100 Meilen Berlin, Mauerweglauf

  2. #2
    Das Ziel ist das Ziel Avatar von Philippé
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    Zitat Zitat von schauläufer Beitrag anzeigen

    Endlich ist Magstadt erreicht. Wo ist die Festhalle Keiner der befragten Ortsansässigen weiß Bescheid, so dass ich erst mal eine Schikane mitnehme. Ein Turnaround bringt mich endlich auf die richtige Fährte.
    Ach so - Du bist gar nicht im Stau gestanden. Du hast Dich verfahren! Sags doch gleich

    Netter Bericht - klasse gelaufen! Glückwunsch!
    klick mich

  3. #3
    Avatar von AndreaKA
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    Hallo Klaus,

    du bist doch immer wieder für Überraschungen und tolle Laufberichte zu haben ... wie soll ich denn nun die Zeit bis zu deinem nächsten Lafu überbrücken ???? ;-)))

    Grüßle nüber zu dir von drüba
    Andrea

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