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    Standard New York Marathon 06.11.2011 : These streets...

    ...will make you feel brand new, big lights will inspire you, let's hear it for New York New York, New York (Alicia Keys)

    Der New York Marathon wird für mich aus vielen Gründen unvergesslich bleiben aber zunächst ein paar Worte zur Vorgeschichte: nach einer bis dahin mittelprächtigen Vorbereitung erwischte mich 2 Wochen vor dem Start eine Muskelzerrung im Oberschenkel und 1 Woche vor dem Start ein grippaler Infekt der es in sich hatte, so dass ich die letzten 2 Wochen vor dem großen Tag absolut 'Null' trainieren konnte und auch nicht klar war ob ich überhaupt starten kann. Unter diesen Vorzeichen ging es am Donnerstag über den großen Teich und am Freitag zur Marathonmesse. Der große Besucherandrang dort gab schon einen Vorgeschmack darauf was mich am Sonntag auf dem Startgelände erwarten würde. Dennoch ging die Abholung der Startnummer sowie des Goodie Bags erfreulich schnell und unkompliziert vonstatten. Anschließend deckte ich mich noch mit allerlei Läufergedöns (Shirts, Basecap, Kaffeetasse…) mit Event-Aufdruck ein. Die Atmosphäre dort konnte ich leider nicht so richtig auskosten da ich Zweifel an meinem Start hatte bzw. mich auch am Samstag nicht wirklich in der Lage fühlte 42km zu bewältigen.
    Zwischen Hoffen und Bangen packte ich am Samstagabend meine Laufsachen und nach einer unruhigen, kurzen Nacht gings dann am Sonntagmorgen um 5:30 Uhr los zum offiziellen Shuttlebus. Die Abfahrt an der New York Public Library lag gerademal 3 Minuten Fußweg vom Hotel entfernt. Dort erwartete mich schon ein Strom von Läufern die auf eine Schlange von Bussen zusteuerten welche im Minutentakt ankamen und abfuhren. Nach weiteren 2-3 Minuten saß ich im Bus und los gings in Richtung Staten Island. Aufgrund der frühen Stunde und wohl auch der Nervosität gab es im Bus nur wenige Unterhaltungen. Auf den Startgelände orientierte ich mich zunächst mal in Richtung der grünen Wave der ich mit meiner Startnummer zugeteilt war. Dort spazierte ich ein wenig herum und würgte voller Nervosität 1 ½ trockene Bagel herunter die durch heißen Tee etwas genießbarer wurden. Auf einer großen Videowand und per mehrsprachiger Lautsprecherdurchsagen liefen in Endlosschleife alle wichtigen Informationen zum Start so dass eigentlich keine Fragen offen blieben. Dick eingehüllt in alte Klamotten setzte ich mich dann auf einer mitgebrachten Zeitung auf die Wiese bzw. an einen Baum und machte noch etwas die Augen zu. Als wenig später die Sonne aufging war dies angenehmerweise auch an der allmählich steigendenden Außentemperatur spürbar. Das Gelände füllte sich immer stärker und bei der Abgabe meines Kleiderbeutels war dann schon ein ordentliches Gewusel zugange. Ich bewegte mich danach langsam in Richtung der Start-Corrals welche zunächst noch gesperrt waren. Nach einigen weiteren Minuten Wartezeit ging es dann in den der Startnummer entsprechenden Corral und nach einer wichtigen Erledigung und dem Ablegen der oberen Kleidungshüllen langsam in Richtung Startlinie. Die Anspannung wurde immer größer, nach nochmaligen 20 Minuten warten wurde die unvermeidliche Nationalhymne der USA abgespielt. Dann erfolgte endlich der Startschuss und die Masse setzte sich zu den Klängen von Sinatras „New York, New York“ in Bewegung. Das Ganze bei strahlendem Sonnenschein und (laut Veranstalter) 7°C am Start. Magic!
    Direkt nach dem Start ging es erstmal für ca. 2,5km über die für Zuschauer gesperrte Verrazano Narrows Bridge welche ca. 50 Höhenmeter hatte. Ich lief zwar auf der unteren Ebene der Brücke, es war aber trotzdem ein tolles Gefühl Teil dieser riesigen laufenden Menge zu sein. Erstes kleines Highlight war ein Helikopter der weniger als 100m neben uns her flog um Filmaufnahmen zu machen. Great. Der kurze Kontrollblick auf die Uhr verriet: viel zu schnell. Also etwas Tempo rausnehmen (oder es zumindest versuchen, was auf dem abschüssigen Teil in einer einen mitziehenden Masse gar nicht so einfach war).
    Angekommen in Brooklyn empfingen uns dann die ersten Zuschauer mit Beifall und Anfeuerungsrufen.
    Ich fühlte mich trotz leichtem Fröstelns insgesamt gut und versuchte erst einmal wie ursprünglich geplant auf 4 Stunden zu laufen. Je weiter wir kamen desto lauter wurden die Zuschauer und desto dichter waren die Reihen am Straßenrand. KM 10 durchlief ich nach knapp 54 Minuten und war somit gut im Plan. Etwas kalter Schweiß auf der Stirn machte mir ein wenig Sorgen aber noch fühlte ich mich gut und ‚vergaß‘ das dann wieder. Das nächste Highlight war die Zusammenführung der 3 Startblöcke bei Meile 8 zu einem Feld. Das Feld war hier schon soweit aufgelockert dass dies ohne Gedränge oder andere Probleme verlief. Die Zuschauer in Brooklyn machten ordentlich Party inklusive Livebands und DJs im Minutentakt, und es war immer interessant was wohl als nächstes käme.
    Als es dann nach Queens rein ging wurde die Stimmung am Straßenrand etwas verhaltener und es gab auch öfters mal leere Flecken. Diese ruhigen Momente zwischen dem ganzen Trubel empfand ich jedoch ganz angenehm um gedanklich mal kurz abzuschalten.
    Schließlich kam die Pulaski Bridge und somit die Halbmarathonmarke. Diese durchlief ich in 1Std.56Min. und war somit immer noch sehr gut im Rennen. Allerdings hatte ich dort auf dem Weg nach oben schon gut zu pumpen und erholte mich auf dem Weg abwärts nur langsam wieder. Nur 3km später kam dann die Queensboro Bridge und damit das große Fiasko. Der bis dahin euphorisierende Schub durch die Zuschauer half mir schlagartig nicht mehr und ich brach auf der moderaten Steigung innerhalb weniger Meter völlig ein. Was nun? –zig Gedanken schossen mir durch den Kopf. Total am Ende und noch 18km vor mir. Verdammter Mist, viel zu schnell angegangen. Egal, erstmal ein paar Meter Gehpause. Leichte Krämpfe in Oberschenkeln und Waden. Auf dem abschüssigen Teil dann langsamer Trab und wenigstens die sagenumwobene Einbiegung auf die 1st Avenue laufen und nicht gehen. Die Zuschauer machten nach der Ruhe auf der gesperrten Brücke tatsächlich ein Höllenspektakel. Fantastisch, leider half mir das nicht wirklich und nach einigen weiteren 100m war schon wieder Gehpause angesagt. Die noch verbleibenden 17km würden im Gehtempo mindestens 3 - 3 ½ Stunden Stunden dauern. Würde ich das überhaupt packen? Okay, um zu scheitern muss man es erstmal versuchen und so lautete der Notfallplan: Steigungen gehen, Gefälle und soweit möglich auch Ebenen laufen. Wenn die Erschöpfung kommt: Gehpause. Zusätzlich war so gut wie jede Verpflegungsstation meine, soweit ich mich erinnere gab es tatsächlich an jeder Meile eine davon. Dort gab es Gatorade und Wasser von den zahllosen fleißigen Helfern. Wenn die Pampe aus aufgeweichten und breitgetretenen Bechern zuviel wurde kehrten Helfer diese flugs mit einem großen Besen beiseite. Durch den Wechsel von Gehen, Laufen und in mich hineinhorchen war ich einige Zeit stark mit mir selbst beschäftigt und konnte die tolle Atmosphäre nicht wirklich aufnehmen. Ich arrangierte mich jedoch nach und nach mit der Situation und dachte ‚Hauptsache ankommen, die Zeit ist jetzt sowieso egal‘. Dadurch konnte ich langsam aber sicher wieder positiv auf die Zuschauer reagieren bzw. das ganze Drum und dran aufnehmen. Die Vielzahl an Bands und die gebotene Musik und Stimmung waren wirklich unglaublich und bescherte mir immer und immer wieder eine dicke Gänsehaut. Ungefähr bei km 34 war mir dann klar dass ich es bis zum Ende durchziehen kann und ich vielleicht sogar noch unter 5 Stunden ins Ziel kommen könnte. Kurze Zeit später gab es dann Bananen wovon ich 2 Stück verschlang. Dies gab mir nochmals Auftrieb, wenn vermutlich auch mehr über den Kopf als über den Körper. Zwischendurch ging es noch durch die Bronx. Hier war es nicht ganz so voll, die anwesenden Zuschauer waren jedoch auch hier voller Elan bei der Sache. In Erinnerung geblieben sind mir unter anderem zwei Rapper die lautstark und sehr cool performten und ein schwarzer Polizist der mir unter Anfeuerungsrufen ‚Fünf‘ gab. Einfach cool.
    Zurück in Manhattan war war es dann trotz immer wiederkehrender Gehpausen und weiterer Krämpfe einfach nur noch ein einmaliger Genusslauf bzw. eine Art intensiver Dauer-Rausch. Unglaublich laute Zuschauer, traumhaft sonniges Herbstwetter bei optimalen 10°C (im Schatten wohlgemerkt und davon gab es auf der Strecke nur wenig) und goldenes Laub als schließlich der Central Park in Sichtweite kam. Einmalig!
    Mit jeder weiteren Meile steigerte sich meine Stimmung, auch in dem Wissen doch noch relativ locker unter dem absoluten Minimalziel von 5 Stunden zu bleiben. Bei KM 40 sammelte ich dann noch einmal die letzten Reserven um dann schließlich mit Gänsehaut, erhobenen Armen und einem strahlenden Lächeln ins Ziel zu laufen.
    Ich war einfach nur dankbar und zufrieden dass ich es doch noch geschafft habe. Es war so unbeschreiblich die Medaille um den Hals gehängt zu bekommen, meine Trophäe nach diesem wirklich harten Kampf gegen mich selbst. Anschließend gabs noch einen 'big apple', eine Alufolie zum Warmhalten und den Finisher-Bag. Auch wenn das erst mein 2. Marathon überhaupt war habe ich eine Menge gelernt (und auch Lehrgeld gezahlt). Rückblickend ist dieser für mich trotz der deutlich schlechteren Zeit mehr wert als der 1.
    Die Zielzeit war übrigens 4 Std. 40 Min. und ich schäme mich nicht dafür!
    Als Fazit kann ich sagen dass ich jetzt weiß warum viele Läufer den New York Marathon als den absoluten Höhepunkt sehen. Die Zuschauer und die ganzen Stimmung sind wirklich unbeschreiblich.
    Zum Schluss noch ein paar kurze Highlights von unterwegs:

    Die Top Motto-Schilder:
    Free Beer
    Beer is near (bei KM 41)
    There is no wall (irgendwo zwischen KM 30 und 32)
    Black Toes are sexy
    No more bridges (in Manhattan nach der letzten Brücke)
    F*ck the wall
    (irgendein Name) i want to merry you
    You're the sh*t (in positivem Sinne)

    Die Top Motivationssprüche:
    Good Job, you're doing great (eigentlich ständig, immer, von allen und überall)
    You are halfway through (logischerweise bei KM 21)
    You guys are heros, you get up at 4 o clock in the morning to run 26 miles
    You are so great, you run 26 miles, i wouldn't even go 26 miles on the subway
    Und mein ganz persönlicher Favorit:
    Pain will go away, glory is forever (im Ziel von einer Helferin)

    Das Top Lied:
    U2 - Beautiful day (bei KM 40)

    PS: Mein Recorder hat es trotz Programmierung verrafft das Ganze aufzunehmen. Falls irgendein netter Leser dieser Zeilen die Eurosportübertrageung besitzt und mir diese (gerne gegen Bezahlung, PN reicht) brennen könnte wäre das riesig!!!

  2. #2
    Laufend unterwegs Avatar von Bräpe Wulf
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    Hallo Extrawelt,

    Glückwunsch zum "Durchgebissenhaben"! Wichtig ist, daß Du (hoffentlich) ohne Fieber gelaufen bist und den Marathon in großen Teilen doch genießen konntest. Wäre ja auch schlimm, tausende von km geflogen zu sein, um dann nur zu leiden.
    Nach meiner Rückkehr vom Karnevalsmarathon in Bad Driburg auch an Dich die Frage: Mit welchem Unternehmen bist Du geflogen und wo warst Du untergebracht? Zufrieden mit der Reiseleitung? Anschlußreise gemacht?

    Viele Grüße
    Wolfgang
    Ubi marathon, ibi bene (frei übersetzt: wo es einen Marathon gibt, geht's Dir gut!)
    Meine private Laufseite: http://www.spass-am-laufen.de

  3. #3

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    Hallo Wolfgang, danke für den Glückwunsch. Ich muss ehrlicherweise sagen dass ich der Verfassung wohl jeden Lauf in Deutschland hätte sausen lassen. Aber wer weiß wann nochmal die Möglichkeit kommt in New York zu laufen. Fieber hatte ich zum Glück nicht...das wäre dann allerdings auch der Punkt gewesen an dem ich nicht gestartet wäre!
    Und genossen habe ich den Lauf wirklich, wenn auch nicht über die komplette Strecke
    Zum Thema Reiseveranstalter kann ich nicht viel sagen da ich den Startplatz durch die Lottery bekommen und die Reise selbst organisiert habe.
    An Hotels kenne ich das 'The Mansfield' (44. Straße zwischen 5th und 6th Avenue, zentraler gehts kaum) und das 'Carlton on Madison' (Madison Avenue, Höhe 28. Straße, 2 Stationen bis Grand Central, auch relativ zentral gelegen), die beide ordentlich sind. Für die gepfefferten Preise darf man außer der Lage jedoch keinen allzugroßen Luxus erwarten und die Betten sind wirklich winzig. Das Carlton hat mir einen Tick besser gefallen (etwas größeres Zimmer, nicht so runtergewohnt).

    Gruß
    Hendrik

  4. #4
    Laufend unterwegs Avatar von Bräpe Wulf
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    Zitat Zitat von Extrawelt Beitrag anzeigen
    Und genossen habe ich den Lauf wirklich, wenn auch nicht über die komplette Strecke
    Danke, Hendrik, für die Infos. Zum Genuß: Ich liebe den Marthon immer besonders vorher, am Anfang und beim Überqueren der Ziellinie. Dazwischen nicht immer, aber wem sage ich das?

    Gute Erholung

    Wolfgang
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