Also, Weihnachten finde ich eigentlich prima. Gut, man könnte den Ablauf noch in meinem Schweinehundesinne optimieren: Besinnlich lange ausschlafen, bei allerlei Verwandten besinnlich durch Frühstück, Mittagessen, Kaffeetafel und Festessen futtern, reich beschenkt werden und den Abend mit „Die Hard“ oder einem anderen besinnlichen Kugelhagelinferno krönen.

So weit sind wir dann doch nicht: Herrchens Familie nimmt leider viel zu viele umständliche Programmpunkte selbst und im eigenen Haus in die Hand. Und sie pflegt Rituale, die ich aus Schweinehundesicht grundsätzlich infrage stellen würde: Kindergottesdienst, Musik, Gesang und ähnlich‘ Gedöns.

Aber Hauptsache: Kein Laufen.

Nicht, dass Herrchen es nicht probiert hätte. Hähä, aber sein Vorstoß, mit den Kindern „zur spirituellen Erdung“ vor der Bescherung durch den Wald zu laufen floppte total. Könnte daran gelegen haben, dass er „Oh, du fröhliche!“ als Running Cadence („Oh-oh-oh, du-frrööö-li-chähh!“) interpretierte. Jendenfalls hing danach der Haussegen nicht nur schief, sondern gleich tot überm Zaun.

Und seit seine an der Gitarre verjazzte Version von „Ihr Kinderlein kommet“ im eisigen Blick seiner Schwiegermutter kläglich verendete, hat er ohnehin einen schweren Stand als weihnachtlicher Zeremonienmeister.

Heiligabend habe ich also Ruhe. Wenn da doch nur der Zweite Weihnachtstag nicht wäre! Seit langem hält sich dort hartnäckig ein lästiger Brauch: Egal ob Kälte, Regen oder Schnee, Herrchen geht mit ein paar Kumpels aus Schultagen, die Weihnachten mal wieder in der Gegend sind, lange laufen.

„Sonst bekomme ich die ja nie zu Gesicht“, rechtfertigt er dieses Unterfangen. „Außerdem fühlt es sich richtig weihnachtlich an.“

Was er an verschneiten Waldwegen, eisigen Atemwolken und tauben Fingerkuppen weihnachtlich findet, versteht niemand. Als gemeinsame Rechtfertigung trägt das Grüppchen immerhin Weihnachtsmannmützen. Bergauf, bergab traben sie durch den Wald, schießen lustige Handyfotos, quatschen, ratschen, philosophieren und es ist ihnen allen ein Wohlgefallen.

„Das ist doch die Hauptsache, oder Marvin?“, fragt Herrchen.

Seufz. Ich hoffe nur, dass wir rechtzeitig zu „Die Hard IV“ wieder zuhause sind.