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  1. #1
    Einzig, nicht artig. Avatar von Foxi
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    Standard Stadt - Land - Fluss. 3. Heilbronner City-Triathlon am 24. Juni 2012

    Beharrlichkeit zahlt sich am Ende aus. So will ich denn doch mal dem beharrlichen Drängen einiger Foris nachgeben und den einen oder anderen Bericht reinstellen, den die verschiedenen Lauf- und Triathlon-Veranstaltungen 2012 nach sich gezogen haben. Für die zeitliche Verzögerung bittet die Redaktion um Nachsicht, für die Länge um Verständnis, für den Inhalt um Beachtung - und Nachahmung!


    Stadt, Land, Fluss
    Bericht vom 3. Heilbronner City-Triathlon am 24. Juni 2012

    Bilder können lügen, Texte bisweilen auch. Das weiß ich natürlich, als ich im Januar meine Jahreswettkampfplanung mache und in einer bekannten Triathlonzeitschrift blättere. Ein Sprint im Mai, eine OD im Juni - Heilbronn läge da genau richtig, auch von der Entfernung und der Anreise her. Der Fotobericht liest sich spannend, die ausdrucksstarken Bilder sind packend und anregend, laden direkt zum Mitmachen ein. Vom Schwimmen im Neckar ist da die Rede, von einer anspruchsvollen Radstrecke durch die "schwäbische Toskana" sowie vom Lauf durch die Altstadt, der sein Ziel direkt vor dem historischen Rathaus hat. Und allzu viel falsch gemacht haben die Organisatoren im Vorjahr anscheinend auch nicht, sonst würden nicht - so meldet es die Webseite - zahlreiche Triathleten der europäischen Spitzenklasse bereits zugesagt haben, ihre erste Mitteldistanz des Jahres ausgerechnet in Heilbronn zu bestreiten.

    Ich plane erstmal nur für die OD und melde mich - allen Zweifeln gegenüber Texten und Bildern zum Trotz - kurzentschlossen an. Aber Hamburg bleibt auf dem Zettel! Und die Mitteldistanz kommt auch noch irgendwann. Die Streckenlänge ist mit 1,5 - 40 - 10 km angegeben, ist also eine exakte Formbestimmung bei einem "richtigen" Triathlon, nach der Sprintdistanz in Calw Anfang Mai.

    Am Tag X finde ich dank guter Ausschilderung und auskunftsfreudiger Passanten schnell den Weg vom Bahnhof zum Meldebüro am Rathaus (ja, Zieltor und Tribünen sind schon aufgebaut!) und zum Wettkampfgelände. Meine Güte, die Wechselzone ist ja endlos lang, mindestens 200 m, da werde ich nachher eine Menge Zeit liegen lassen, zumal mein Wechselplatz gaaaanz hinten ist, in der vorletzten Reihe.

    Nach dem Einchecken und dem Einrichten des Wechselplatzes habe ich noch über 2 Stunden Zeit bis zum Start, weshalb ich den Athleten der Mitteldistanz zuschaue, die gerade den Neckar in ein brodelndes Gewässer verwandeln.
    Das mit den Eincheck-Zeiten sieht man in Heilbronn übrigens sehr streng: Wer da nicht pünktlich die Zone nach Ablauf der Zeit räumt, muss mit Ungemach in Gestalt eines Kampfrichters rechnen, der - wie Walter Eschweiler in seinen besten Zeiten - auch mal ostentativ den gelben Karton zückt, um ihn dann

    a) dem betreffenden Athleten unter die Nase
    b) und dann in den Himmel zu recken.

    Ich weiß, wovon ich schreibe, ich hatte nämlich angeblich seine "Anweisungen missachtet" und er müsse jetzt "ein Zeichen setzen". Bravo! Wo kämen wir sonst hin, wenn neben dutzender anderer Athleten auch noch Füchse die Wechselzone bevölkern und - ohne irgendeine Behinderung darzustellen - nach Ablauf der genehmigten Zeit einfach ihre Sachen richten und womöglich noch Fotos machen??

    Dementsprechend geladen, zwänge ich mich wenig später in der Nähe des Schwimmstarts am anderen Ufer in meine schwarze Pelle, gehe um kurz nach 11 ins Wasser, schwimme mich kurz ein und bin wenig später im Heer der 150 silber badebemützten Athleten unterwegs. Die 150 "Goldköpfe" sind schon vorher los.
    22° Wassertemperatur - hach, schwimmen mit Neo ist leicht und herrlich! 18 min durch das Getümmel bis zur Wendeboje, zurück auf der anderen Neckarseite und mit leichter Strömungsunterstützung sind es 15 min. Dank eines Geländers kann ich das Taumeln der ersten Schritte noch abfangen, dann mache ich mich auf den Weg zu meinem Fahrrad.

    Und mit demselben in der Hand (bis zum Ende der Wechselzone) und dann sitzend auf den Weg Richtung "Toskana". Dass da auch etliche Weinberge rumstehen, muss ich wohl überlesen oder komplett ausgeblendet haben, doch Beine und Lunge melden es lebhaft, als der erste lange Anstieg kommt. - Doch irgendwann rollt es, so sehr, dass ich kaum einen Blick für die Weinreben habe, keinen Blick für die dörfliche Begeisterung, für den Lavendel am Straßenrand (wie heißt eigentlich das Pendant zu "Grünstreifen"? Lilastreifen? ) und die ausgedehnten Weizenfelder sind auch nur für Fotografen interessant.

    Die engeren Kurven sind vorbildlich angekündigt und auch warnend ausgeschildert - da weiß man (zumindest annähernd), was auf einen zukommt. Nur mit den "topografischen Gegebenheiten" (a tribute to Frau Schmitt!) tue ich mich sehr schwer. Die langen Rampen kurbel ich im kleinsten Gang schnaufend und würdelos hoch , die langen Abfahrten erfordern auf dem rauhen Asphalt höchste Konzentration.

    Mein Tacho betreibt ständig wechselnde Zahlenspiele zwischen 9,0 und 59,8 km/h, und trotz der heftigen Wärme registriere ich innerlich fröstelnd, wie sich selbst dann noch einige Athleten - todesmutig auf dem Oberrohr liegend - ans Überholen machen und ratz-fatz hinter der nächsten Kurve verschwunden sind. Apropos "Tacho": Als der bereits eine Streckenlänge von 43 km vermeldet, ist von Heilbronn noch weit und breit nichts zu sehen, erst nach 46,9 km erreiche ich wieder die Wechselzone, wo ich auf den Pedalplatten etwas staksig zum Wechselplatz hopple, den PFE *) in den Ständer stelle, fast nicht in die Schuhe komme und schließlich die letzten beiden Runden zu jeweils 5 km laufend in Angriff nehme. Aber mal ehrlich: Was ist das für eine jämmerliche Ausgabe von "Angriff", wenn die schweren Beine nur mit Mühe einen 6er-Schnitt erlauben und man mental förmlich zerbröselt, sobald die recht tristen Bereiche der Fußgängerzone in Sicht kommen? Kleinste Anstiege am Ende der Allee am Neckarufer mutieren zum gefühlt dritthöchsten Berg Mitteleuropas... Ein alter Mann ist eben doch kein Schnellzug ...

    Einige Kollegen, mit denen ich mir vorhin erfolgreiche Duelle mit dauernden Überholvorgängen auf der Radstrecke geliefert und die ich dabei "abgekocht" habe, ziehen locker an mir vorbei, ohne dass ich es verhindern könnte. Die erträumte Drei-Stunden-Marke werde ich nie und nimmer schaffen (schon der überlangen Radstrecke wegen), und als ich zum ersten Mal am Eingang zur Zielgasse vorbeilaufe, weiß ich genau, warum unter einem entsprechenden Foto aus besagter Triathlonzeitschrift stand: "Die Zielgasse: Des einen Freud, des anderen Leid". Ich bin jetzt der "andere", schleppe mich in die zweite Runde, muss irgendwo an einer 180°-Kehre sogar von einem Ordner auf die richtige Spur gebracht werden und verfluche, dass ich in diesem Frühjahr so wenig ins Lauftraining investiert habe. Irgendwann darf ich dann auch müde in die Zielgasse einbiegen und über den roten Teppich Richtung Zieltor eilen.

    Puh!! Ein harter Wettkampf, bei dem ich alles gegeben habe und mit dem ich folglich zufrieden sein darf (besser: muss), selbst wenn sich die Zufriedenheit zur zäh und schleppend einstellt. Aber als nach der Siegerehrung der Profis mit Andi Böcherer, Felix Schumann, Daniel Unger, Sebastian Kienle und Timo Bracht sich ein kurzes Gespräch mit der 6-fachen Hawaii-Siegerin Natascha Badmann ergibt und sie mir herzlich gratuliert, bin ich doch verblüfft. "Mach weiter so!", sagt sie zum Abschied. Werd ich. In Hamburg ist die nächste Gelegenheit dazu.
    Nicht die Erkenntnis gehört zum Wesen der Dinge, sondern der Irrtum. (F. Nietzsche)

  2. #2
    kopfsalat2000
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    Daumen hoch

    Hallo Foxi!
    Ich hab jetzt erst deinen wunderbaren Bericht gelesen und hab noch mehr Lust auf die Kurzdistanz bekommen (wenn auch nicht unbedingt mit so einer Radstrecke wie in Heilbronn...) 2013 wird ein sportlich-spannendes Jahr werden!
    Viele Grüße, Martin

  3. #3
    Einzig, nicht artig. Avatar von Foxi
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    Rotes Gesicht

    Zitat Zitat von kopfsalat2000
    ... hab noch mehr Lust auf die Kurzdistanz bekommen (wenn auch nicht unbedingt mit so einer Radstrecke wie in Heilbronn...) 2013 wird ein sportlich-spannendes Jahr werden!
    Hi Martin,

    danke für das Kompliment. Ja, dazu war der Bericht auch gedacht ...
    Und einen Teil des spannenden Jahres 2013 werden wir sicherlich zusammen zurücklegen. Bei deiner ersten OD bin ich jedenfalls sicher dabei!
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  4. #4
    Avatar von MDeus
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    Glückwunsch zu Deiner Leistung, Foxi.

    Ich versuche grad, Kraulschwimmen zu lernen, und das dann ausdauernd zu betreiben.
    Im Radfahren und Laufen bin ich auch nicht grad schnell, aber so ein Jedermann-Triathlon würd mich schon mal reizen.
    Naja, erstmal sicherer auf den Distanzen werden und dann sehen wir mal weiter.
    Wünsche dir für 2013 alles Gute bei deinen weiteren Triathlons.
    Total genervt von der penetranten Werbung hier im Forum



    Hünsborn 2be Wild Radsplit 2016 ----> 01:16:13 --------------->20 km
    Osterlauf Paderborn 2017 -------------> 00:30:54---------------> 5 km
    SKS Bike Marathon Sundern 2017 ---> 02:11:37 --------------> 30 km
    MTB Marathon Neheim 2017----------> 02:27:53 --------------> 35 km
    10 km Plonka Lauf Salzkotten 2017---> 01:06:48--------------> 10 km
    Deutsche Post Ladies Run 2017--------> 01:03:59 -------------> 10 km
    SKS Bike Marathon Sundern 2018 ----> 02:28:09 -------------> 32.3 km
    Osterlauf Paderborn 2018 -------------> 01:03:48--------------> 10 km
    Deutsche Post Ladies Run 2018--------> 01:05:53 -------------> 10 km
    Münsterland Giro 2018-----------------> 02:29:08 -------------> 65 km

  5. #5
    Avatar von Kaya90
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    Standard

    Klasse Bericht und die Leistung kann sich sehen lassen. Habe auch vor, im Sommer in Heilbronn zu starten, ob OD oder MD ist noch ungewiss.

    Dein Bericht hat mich nun noch mehr angestachelt, in die Neckarmetropole zu pilgern.

  6. #6
    Einzig, nicht artig. Avatar von Foxi
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    Lächeln

    @ MDeus:

    Danke für die Glückwünsche! Aber ganz objektiv betrachtet war das keine allzu herausragende Leistung - da fehlte einfach eine Menge Erfahrung und wohl auch allerlei Training... Schließlich war das erst die zweite OD und die erste mit Freiwasserschwimmen.
    Zum Glück muss ich ja nicht mein Geld mit meinem Sport verdienen, sonst gäbe es nicht viel zu essen.

    Viel Erfolg bei deinen ersten Versuchen - eine Sprintdistanz sollte allemal drin sein; und wenn dir ein zügiges Brustschwimmen mehr liegen sollte, würde ich allein deswegen nicht unbedingt auf einen Wettkampf verzichten, das Regelwerk verbietet das ja nicht.

    Entscheidend ist, dass du deine Beine bei den folgenden Disziplinen noch brauchst - such dir also den für dich schnellsten und beineschonenden Stil aus.

    Toi - toi - toi!
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  7. #7
    Einzig, nicht artig. Avatar von Foxi
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    Standard

    Zitat Zitat von Kaya90 Beitrag anzeigen
    Klasse Bericht, und die Leistung kann sich sehen lassen.
    Danke für das Kompliment, aber 3:21 h ist nun wahrlich kein Ruhmesblatt. Dass ich am Ende so jämmerlich eingegangen bin, zeigt nur allzu deutlich, wieviele Rad- und Laufkilometer (vor allem in hügeligem Gelände!) mir letztlich im Training gefehlt haben.

    Zitat Zitat von Kaya90 Beitrag anzeigen
    Habe auch vor, im Sommer in Heilbronn zu starten, ob OD oder MD ist noch ungewiss. Dein Bericht hat mich nun noch mehr angestachelt, in die Neckarmetropole zu pilgern.
    Und?? Schon angemeldet? Ich habe erst einmal andere Wettkämpfe im gleichen zeitlichen Fenster mehr im Blick. HN ist was Feines, muss ich aber wahrscheinlich nicht zweimal nacheinander haben.

    Grüße nach Wiesbaden und viel Erfolg 2013!
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