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11. Bergischer 6/12Std-Lauf an der Raststätte Remscheid 29.06.2024

11. Bergischer 6/12Std-Lauf an der Raststätte Remscheid 29.06.2024

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12Stunden-Lauf an der Eschbachtalsperre Remscheid

Immer auf der Suche nach einem passenden Lauf - diesmal gerne etwas länger (das
Langlaufen sollte wegen dem anstehenden Mauerweglauf ausgebaut werden) - bin ich
fündig geworden. Ich bin dort noch nie gelaufen - bisher war das auch "nur" ein 6Std-
Lauf, da diesmal auch 12Std angeboten werden, könnte sich die lange Anreise nach 
Remscheid lohnen. Ich kenne den Veranstalter Olli Witzke vom Deutschlandlauf 2017,
so weiß ich schon mal das der Lauf sicherlich gut organisiert ist, zumal es ja schon die
11.Auflage (bisher jeweils 6Std) ist. Auch das "bergische Land" kenne ich von damals,
es hat mir gut gefallen, bin aber froh das es kein Lauf mit ausgiebigen Höhenmetern ist.
Der Start ist am Samstag um 8Uhr, für mich (mit 500Km Anreise) keine Chance ohne
vorherige Übernachtung teilzunehmen - zum Glück habe ich am Freitag kurzfristig einen
Tag Urlaub bekommen. 
So bin ich am Freitagabend vor Ort, an der Raststätte in Remscheid (Ost) am Serways
Hotel, ich parke dort und werde gleich den Vorteil haben, mein Auto steht direkt an der
Laufstrecke am Start/Ziel. Ich entdecke bereits die aufgebauten Pavillons (VP) und später
auch den Veranstalter Olli. Da ich am nächsten Tag zeitig starten muss, verschwinde ich
bald im Hotelzimmer.
Um 7Uhr stehe ich mit meiner Kühlbox am VP und finde einen gut erreichbaren Platz dafür,
restliche Dinge verstaue ich ein paar Meter weiter in meinem Auto. Dann melde ich mich
nach und bekomme noch 2 Tassen Kaffee und kleines Frühstück - von den hier Startenden
kenne ich mal ausnahmsweise Niemand, auch wenn Einige meines Vereins "LG Ultralauf"
dabei sind - der Verein ist ja deutschlandweit und organisiert sich überwiegend online
(Homepage, Email, usw.). Da kennt man längst nicht Alle, manche nur mal gesehen,
andere gar nicht.
Punkt 8Uhr geht es los - Ablauf einer Runde (genau 3Km):
Start (und Ziel) die Pavillons am Parkplatz direkt vor dem Serways Hotel an der Raststätte,
es geht langgezogen einige hundert Meter über den Parkplatz und die Zufahrtsstraße dazu
(geteert). Dann Rest verläuft mehr oder weniger auf gut befestigten Wald- bzw. Schotterwegen,
recht nah an der Talsperre entlang und doch sieht man gar nicht so oft das Wasser, es sei denn
man streckt sich danach (am besten natürlich wenn man über die Staumauer läuft). Kurz zuvor 
steht ein Denkmal am Wegrand, es bildet Justus, Robert Böker (Kommunalpolitiker und Kaufmann)
ab. Er hat den Bau der ersten Trinkwassertalsperre Deutschlands vorangetrieben. Ab 1881 wurde es
gebaut, in Betrieb ging es 1884. Es wurde aus mehreren Brunnen gespeist und überbrückte immer
wieder aufkommende Wasserknappheit. Das Wasser wurde nicht nur als Trinkwasser gebraucht, damit
wurden auch Mühlen und Wasserräder betrieben, die sonst oft monatelang still gestanden sind.
Weiter zum Verlauf - ​d​​​​​er Weg führt durch schattigen Wald, verläuft ohne nennenswerte Steigungen,
wenig Wurzel und nur gelegentliche Steine, auf die man aufpassen sollte. Alles im Allen ist es eine
Strecke wie man sie sich an einen warmen, sonnigen Tag wünscht, dabei wird es heute zum Glück gar
nicht sooo sonnig - allein schon die aufkommende Schwüle macht den Teilnehmern zu schaffen - da hilft
auch der Wald nicht!
Zuletzt über die Staumauer geht es auf Teerboden hinüber, dann kommt die "größte Steigung" eine Art
Rampe (auf Schotterweg) hier müssen ca. 30 Höhenmeter überwunden werden, bevor es nach links über
ein geöffnetes Tor wieder zur Verpflegung an den Pavillons geht - hier liegt auch die Zeitmessmatte, der
momentane Zwischenstand wird an einer Anzeigetafel am Ende des VP-Bereichs angezeigt. 
Auf den tollen Wegen um die Talsperre sind wir nicht alleine - zahlreiche Spaziergänger und Radfahrer
genießen die schattenspendende Bäume und zunehmend gesellen sich auch einige Hobbyjogger dazu,
drehen so manche Runde mit uns bzw. uns entgegen.
Was habe ich mir vorgenommen:
Die ersten 6Std möchte ich relativ flott laufen - nicht viel langsamer als bei meinen letzten 6Std-Läufen
(52-56Km), um dann zu sehen was noch geht. Gerne mehr als die 84Km beim Schwabacher Infinity-Loop
Mitte März (da bin ich am Tag zuvor bereits einen MA gelaufen) - was ich sicher weiß meinen Rekord bei
meinem lange einzigen 12Std-Salinen-Lauf in Bad Dürkheim Laufleistung 110,5Km werde ich nie mehr in
die Nähe kommen - lang, lang (2016) ist das her. 
Ich beschließe schnell eine Taktik - jede 2.Runde werde ich trinken, sonstwie verpflegen. Würde ich es jede
Runde machen hätte ich schnell einen "Wasserbauch" - da laufe ich ganz schlecht... und seltener kommt bei
den Temperaturen (in der Spitze 25-27Grad) nicht in Frage. Zu den Getränken die am VP angeboten werden
(Wasser, Iso, Cola, Apfelschorle, usw.) habe ich noch in meiner Kühlbox unterm Tisch: Gel, Salztabletten,
eigener Iso, verdünntes Cola. Jeder Teilnehmer erhält einen Becher mit seiner Startnummer markiert an
einem festen Platz - ein gutes System! 
Wir sind um 8Uhr gestartet - bis 20Uhr, die 6Std-Läufer-innen starten um 10Uhr - d.h. es sind ab da ca. 120
Leute auf der Strecke, das ist keineswegs ein Problem, das verteilt sich gut auf 3Km. Um 16Uhr werden dann
die 6Std-Läufer gestoppt - per lauten Pistolenknall, Sie legen Ihre Markierung mit der Start-Nr. ab (Restmeter-
vermessung) und gehen zum Ziel. Wir machen es zuletzt genauso - doch vorher gesellen sich noch 8-9 1Std-
Läufer-innen zu uns, Sie laufen die letzte Stunde von 19-20 Uhr mit uns.
Ich ziehe meine Kreise, relativ gleichmäßig und checke nur gelegentlich mal die Km - als ich um 14Uhr die
6Std-Marke erreicht habe - genau 52Km zeigt meine Messung an - also ein etwas unterdurchschnittliches
Ergebnis für 6Std, aber ich will ja noch weiter laufen... ich hüte mich aber davor es einfach hochzurechnen.
Da kann, abgesehen von der Ermüdung, so viel passieren - und so kommt es ja auch...
Nach etwa 10Std verspüre ich plötzlich (extrem unverhofft) einen heftigen Krampf im rechten Oberschenkel...
ich muss sofort stehen bleiben. Woher kommt denn da nun plötzlich ein Krampf - ich hatte bestimmt seit
6Jahren keinen mehr, habe mich auch gut verpflegt (Gel und Salztabletten incl). Ich kann es nicht ändern,
er ist nun mal da, ich gehe, versuche ihn rauszudehnen oder sonstwie... weiter gehen ist angesagt. Nach
ca. halben Km versuche ich mal wieder leicht anzulaufen - und es geht... aber einige Minuten später (wohl
aus lauter Empathie) der linke Oberschenkel - jetzt dauert es wenige Minuten und ich kann vorsichtig
weiterlaufen. Das mit dem kompletten  durchlaufen (auch die Rampe hoch) ist nun vorbei - ebenso mein
Plan nur jede 2.Runde am VP zu verweilen. Ich versuche so gut es eben geht zu laufen... doch der Krampf
meldet sich immer wieder mal - rechts wie links. Als ich mal wieder am VP stehe, zieht es mir derart heftig
in den rechten Unterschenkel, auftreten unmöglich, ich halte mich am Gestänge der Pavillons fest und stemme
dagegen. Es lässt tatsächlich wieder nach - wenn das sich wiederholt dann hilft wohl nur noch abbrechen.
Ich laufe wieder raus und versuche es erneut - ich habe immerhin 81Km sehe ich  auf der Anzeigetafel und
es dürfen gerne noch einige mehr werden... Kraft und Wille sind noch reichlich da.
Ich drehe weiter eisern meine Runden... wenn auch langsamer, da gelegentliche Krämpfe mich zum Gehen zwingen,
aber ich kann auch immer wieder laufen. Als mir mal wieder ein Radfahrer entgegenkommt weiche ich auf die falsche
Seite des Weges aus, hier habe ich schon bald ein paar Wurzeln und Steine ausgemacht... nix Schlimmes, aber ich lief
bewusst immer auf der anderen Wegseite. Als ich aus Versehen hier laufe passiert es prompt, mit meinem "Schlurf-/
Schlapp-Schritt bleibe ich hängen und falle blöd hin. Nicht weiter schlimm, aber ich blute am rechten Knie und muss
es dringend am VP auswaschen, der Ellbogen ist kaum der Rede wert. Aber meine Lauflust ist ungebrochen, was
geht noch? So setzte ich mir ein 90Km-Ziel das ich auch erreiche, es sind noch über eine halbe Stunde Zeit,
also die nächste Runde - erledigt... ich schnappe mir meine Markierung für die Restmeter und laufe wieder raus...
und tatsächlich schaffe ich noch 2,125Km bis das Schlusssignal ertönt. Auf dieser letzten Runde hatte ich mein Handy
aus dem Auto geholt und mache ein paar Fotos auf der Strecke, als ich dann dem Ziel entgegen gehe mache ich die
letzten Bilder. Ein paar Minuten sitzen und ein Finisherbier, dann packe ich meine Kühlbox ins Auto, fahre zur
Ladestation und hänge das Auto dran. Mit Klamotten und Kulturbeutel gehe ich zum Hotel - Olli hat einige Zimmer
für uns blockiert - da können wir duschen und uns umziehen... herrlich!
Als ich herunterkomme und ins Nebenzimmer gehe fängt Olli gerade mit der Siegerehrung des 1 und 12-Std-Lauf an.
Ich habe mit 95,125Km einen 8.Platz erreicht - in der AK60 den 2.Platz - ich bin sehr zufrieden... nach den widrigen
Umständen... 
Ich verabschiede mich von den noch verbliebenen Läufer-innen, beglückwünsche vor allem die Läuferin die heute
hier Ihren 100.MA gelaufen ist - Sie ist vor 3Jahren hier Ihren 1.MA gelaufen, damals gab es ja nur einen 6Std-Lauf.
Mein Auto ist voll geladen und ich breche auf. Das Länderspiel (Deutschland-Dänemark) und das sehr unruhige Wetter
(samt Spielunterbrechung in Dortmund) - ist ja nicht weit weg, hält mich wach. So fahre ich fast bis Würzburg durch,
mache einen Ladestopp und ein kleines Powernapping und bin früh am Morgen schon wieder Zuhause.

Grüße Roland 

Zu den Fotos:
1. Ankunft am Freitagabend am Hotel
2. Es ist bereits vorbereitet
3. Die Eschbachtalsperre vom Hotel aus gesehen
runners.high - Nomen est omen :logik:
Dateianhänge

Re: 11. Bergischer 6/12Std-Lauf an der Raststätte Remscheid 29.06.2024

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Hallo ZenZone,
ich freue mich über Deine positive Rückmeldung und das Du Freude am Lesen hattest.
Das mit dem positiv bleiben und Widrigkeiten standhalten/durchhalten ist gewissermaßen eine meiner "Kernkompetenzen", es gibt schnellere und ausdauernde Läufer wie mich - doch meine Erfahrenheit und der Wille mich "durchzubeißen" und trotzdem Freude und Spaß daran zu haben - das ist etwas was mich auszeichnet... und deshalb laufe ich gerne und viel - v.a. auch Wettkämpfe jeder Art.
Genau deshalb mein Motto:
KEEP THE FIRE BURNING

Gruß Roland
runners.high - Nomen est omen :logik:

Re: 11. Bergischer 6/12Std-Lauf an der Raststätte Remscheid 29.06.2024

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Hallo Heike,
ja eben - diese Krämpfe - sie kamen für mich wie aus "heiteren Himmel" - ich kann es heute noch nicht nachvollziehen...
Eigentlich habe ich ja alles getan (soweit ich meinen Körper kenne) um sowas zu vermeiden, aber man lernt ja nie aus...
Es gibt halt immer wieder Überraschungen - und damit umzugehen ist halt das was man braucht um auch lange Läufe durchzustehen.
Zum "trotzdem durchziehen" habe ich ja eine Antwort weiter oben schon was geschrieben...
Ich wünsche Dir weiterhin alles erdenklich Gute, vor allem viel Freude beim Laufen ... und natürlich die passende Gesundheit/Fitness dazu.
Gruß Roland
runners.high - Nomen est omen :logik:

Re: 11. Bergischer 6/12Std-Lauf an der Raststätte Remscheid 29.06.2024

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Hallo Klaus,
erstmal Danke für die Anerkennung.....
Nun das mit dem "raushauen" - ich bin tatsächlich zur Zeit in einer passablen Form (für mein Alter und den Umständen gesehen).
Eine Spur besser als letztes Jahr wohl noch - dies zu halten... zu verbessern ist nicht einfach - man arbeitet ja "nebenbei" noch - und andere Hobbies und Verpflichtungen brauchen auch Zeit - gut die familiären Umstände sind bei mir zur Zeit ganz gut. Da hast es Du nicht ganz leicht, aber das kenne ich (aus der Vergangenheit) auch in "ähnlicher" Weise.
Aber Zweifel bleiben bei mir auch - und wird es immer geben - ich sage es oft genug zu meinen Bekannten/Freunden, die glauben für mich ist ein Marathon so eine "Art Spaziergang" - jeder Marathon will erst mal gelaufen sein ... und ich tue gut daran die 42,2Km (und alle anderen Strecken) ernst zu nehmen - ich nehme sowas nicht auf die leichte Schulter - und habe trotzdem meine Freude daran!
Gruß Roland
runners.high - Nomen est omen :logik:

Re: 11. Bergischer 6/12Std-Lauf an der Raststätte Remscheid 29.06.2024

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Hallo Stefan,

danke und nochmals Danke - nun wenn das mit den Krämpfen gewesen wäre hätte ich mir schon ein paar KM mehr erhofft.
Aber ich will nicht undankbar sein - unter diesen Umständen bin ich mit den 95Km sehr zufrieden.
Aber am WE in Dettenhausen dürfen es schon ein paar mehr werden... ich habe ja doppelte Zeit - sagt man so einfach, wenn man die Umstände die dort kommen noch nicht so kennt....
Zumindest bin ich diese Woche auch einigermaßen zufrieden - mein Challenge-Alternative-MA... hat diesmal nicht geklappt, die Alternative hatte eben 800Hm - das ist für einen "normalen MA" doch ziemlich viel.
Ja klar meine Absicht in Dettenhausen eine gute Vorbereitung für das Mauerwegläufle auf die Bahn zu stellen steht fest!!!
Bist Du wohl auch dort?
Gruß Roland
runners.high - Nomen est omen :logik:
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