Banner

Eine echte Herausforderung: Pommel2K

Eine echte Herausforderung: Pommel2K

1
Pommel2K - 2x Wanderweg 1000 HMR-Weg 09.06.2024

Nach dem Doppeldecker (Rennsteig-SM + Würzburg-MA) war ich ja erstmal
ein paar Tage an der Ostsee (nahe Usedom) und bin dort erfolgreich vor den
heftigen bayrischen Regenfällen geflüchtet - in Nordbayern war es nicht so
schlimm. Ich habe mich erholt am Strand, unter der Woche war nicht viel los
und ich bin ausgedehnt am Strand spaziert. Ganz lassen konnte ich das mit
dem Laufen natürlich nicht, ich bin 2x einen Trainings-Halb-MA gelaufen. Das
war mal recht warm, das 2.mal hat der Himmel doch seine Schleusen geöffnet
und ich bin über eine Stunde durch prasselnden Regen gelaufen... mehrfach 
wurde ich von vorbeifahrenden Autofahrer bemitleidet und Motorradfahrer, die
sich untergestellt hatten zeigten mir den Vogel... na wenn mal so richtig nass
ist - dann kann man auch weiterlaufen...
Das Wochenende an dem ich heimgefahren bin war auch noch ohne Wettkampf
geplant, bis ich einige Tage zuvor mal wieder eine Veranstaltermail bekam.
Gerhard Börner, Erfinder und langjähriger Veranstalter der Kultveranstaltung:
Ultratrail Junut, der auch auf einem Wanderweg stattfindet, startet auch ab und
an einen Spendenlauf, diesmal der 11.Pommel2K (Pommelsbrunn bei Hersbruck)-
2K steht für 2Kilo und bedeutet 2x den 1.000HM Wanderweg, der die Form einer
"8" hat (Nord- + Südschleife), die 2x in unterschiedlichen Richtungen durchlaufen
wird. Ich persönlich kenne den Gerhard schon lange - habe zwar nicht beim Junut
teilgenommen (ein sehr, sehr harter Trail), aber bei einigen "Freundschaftsläufen"
und dort hat Er mich zum Ultralaufen gebracht.
So überlege ich mir das nochmals genau mir dem freien WE und letztendlich sage
ich zu und fahre am Sonntagmorgen nach Pommelsbrunn.
Mir ist klar, der Lauf wird anstrengend und lang - meine Trailschuhe sind dringend
nötig und zum Laufen werde ich nur gelegentlich kommen, dazu sind Steigungen
und steiles Gefälle zu oft vorhanden, als das man da zügig vorankommt, vor allem
wenn man da etwas ungeübt bin... so wie das bei mir der Fall ist. So stelle ich mich
auf viele Stunden ein, die ich auf den 46Km unterwegs sein werde - einen echten
Cut-Off gibt es wohl nicht, es wird lediglich mit den letzten Finishern nach ca. 10Std
gerechnet. Das sollte auch für mich machbar sein.
Als ich dort ankomme, am Parkplatz der S-Bahn sind fast alle Starter schon da - ein
Pavillon steht auch bereit, man kann sich dort bei jeder Schleife des Wanderwegs
bedienen... oder eben am geparkten Auto sich verpflegen (so mache ich das). 
Ansonsten gab es für jeden der Läufer Tracks für die "Schleifen" des Laufs in der
jeweiligen Laufrichtung und am Pavillon liegt ein Block mit Liste der Teilnehmer aus
wo man seine Zwischen- und Endzeit einträgt.
Punkt 8Uhr wird gestartet und ziemlich genau 30Läufer(innen) gehen auf die erste
Runde (Nordschleife gegen Uhrzeigersinn). Nach einigen hundert Metern durch den
Ort gucke ich schon nach oben und bin froh das ich meine Trailschuhe an den Beinen
habe - sie sind dringend notwendig! Und trotz früher Morgenstunde komme ich ganz
schnell ins schwitzen. Mein mitlaufender Track auf dem Handy hat sich irgendwie
verabschiedet, ich aktiviere ihn vorerst nicht, da sehr viele Läufer, die sich hier gut
auskennen (Wiederholungstäter) unterwegs sind. Ich versuche mich an Einem mit
passenden Tempo mich "dran zu hängen" - Sie laufen zu Zweit, kennen sich schon
länger auch von Läufen hier und auch ich kann gelegentlich zur Unterhaltung
beitragen und komme auch ohne Stöcke noch halbwegs hinterher. Übrigens sind
hier wohl fast Alle mit Stöcken unterwegs, die Sie zumindest teilweise einsetzen.
Da bin ich die Ausnahme und oute mich wohl schon deshalb als wenig "Trailerfahren",
aber ich schaffe es dranzubleiben was es mir erspart ständig die Wanderschilder
suchen zu müssen, bzw ständig den Track zu verfolgen. Es geht ca. 1,5Km fast
nur steil aufwärts (Zankelstein), da muss ich in der 3.Runde wieder runter denke
ich mir so, das wird absolut heftig - das wird nix mit Downhill-Modus, da werde
ich genauso langsam runterkrabbeln wie jetzt hoch.
Dann wird es kurzzeitig entspannter, bevor es anschließend wieder hoch geht -
zum Hofberg, den Herrenberg streifen wir nur...eigentlich geht es beständig 
rauf und runter. Ein längeres ebenes Stück zum schnellen Laufen hat Seltenheit,
da geht es auch durch Wiesen mit sehr hohen Gras...auch da ist schlecht zu
laufen. Wege sind mit spitzen Steinen und Wurzelfallen übersät, da bin ich
einfach etwas vorsichtig - hier böse "auf die Fresse zu fallen" ist sicherlich
folgenschwer... bis hier eine ärztliche oder sonstige Hilfe kommt... das kann
dauern. Es ist genügend Zeit sage ich mir - genieße es und lasse Dich auf
dieses fremde Terrain ein und versuche unbeschadet durchzukommen, egal
mit welcher Zeit...
Der Ort Heuchling bleibt rechts liegen und nach etwa 5Km haben wir den 
nördlichsten Punkt der Rund erreicht (den Kreuzberg), gleich danach hoch
zum Leitenberg... es sind auch "echte Wanderer" unterwegs, die uns jedoch
eher verstört hinterher schauen. Wenn wir wirklich mal auf freies Gelände
kommen, spüren wir: es wird immer wärmer, gut das wir den Großteil der
Strecke im Wald unterwegs sind. Schnell greife ich zum Trinkgurt um den
Flüssigkeitsverlust vorzubeugen, das ist bei den heftigen Aufstiegen absolut
notwendig. Weitere Steigungen nennen sich Ammersbühl, Pleßelberg und
Schleußberg. Bei Km9 ist Pommelsbrunn wieder zu sehen, da geht es nun
endlich schneller voran und durch den Ort laufen, nach gut 10Km und über
1:38Std stehe ich am Auto und verpflege mich, fülle den Trinkgurt auf und
am Pavillon trage ich meine Zwischenzeit ein.
Auf zur 2.Runde, Südschleife mit dem Uhrzeiger - und wieder geht es nach
wenigen Metern bergauf... was sonst. Die "Mühlkoppe" stellt sich uns in den
Weg, gelegentlicher Ausblick auf das Dörfchen Arzlohe inklusiv. Dann baut
sich der Hochberg vor uns auf, einer der höchsten Erhebungen (619m) -
in Schleifen und Windungen geht's bergab, der Wasserberg wird nur gestreift.
Nun beginnt der intensive und kräfteraubende Aufstieg zum "Hohler Fels",
hier haben wir 20Km erreicht und können einen herrlichen Ausblick zum
Happurger Stausee genießen, ausgelegt als Wasserkraftwerk, jedoch seit
vielen Jahren außer Betrieb und lange als unrentabel wegen sehr hoher 
Kosten für Instandsetzung gehalten, gibt es seit einigen Jahren wieder Pläne
ihn für Energiegewinnung (wenn "Regenerative" Pause machen) zu reaktivieren.
Der herrliche Ausblick (siehe Foto) bleibt davon unbenommen - hier verweilen
auch andere Wanderer und sogar E-Biker/Mountainbiker haben es hierher
geschafft und genießen das Panorama.
Nachdem ich mein Handy nach den Fotos verstaut habe geht's runter, aber 
eben nur kurzfristig flott - es ist z.T. so heftig bergab das nur in Trippelschritten
gelaufen/gegangen wird. Abgelöst wird es durch einen ca. 2,5Km (fast durchgängigen)
Wurzel-/Steinpfad... hier ist links wie rechts das Gelände sehr abfallend - da
möchte ich keineswegs hinfallen/hängenbleiben. Ich bin sehr vorsichtig, dadurch
wird der Abstand zu meinen Mitläufern etwas größer. Als ich über eine "Wurzelrampe"
auf einen Weg runterspringe sehe ich Sie nicht mehr - geht es gegenüber weiter,
oder links bzw. rechts des Weges? Ich suche nach einem Wanderschild und finde
es schließlich - schon an der nächsten Abzweigung bin ich wieder ratlos, kein
Schild zu entdecken... ich laufe einen "vermutlich richtigen Weg", nachdem ich
längere Zeit kein Schild sehe, aktiviere ich wieder den Track auf dem Handy (muss
dazu die Brille rauskramen), es dauert bis die Navigation einsetzt - inzwischen
bin ich schon zurückgelaufen und habe die andere Abzweigung genommen und
nach 200m ein entsprechendes Schild gefunden. Kurz danach bin ich leicht abwärts
laufend aus dem Wald raus, jetzt scheint das Navi zu funktionieren... spinnt aber
bei der nächsten Feldwegkreuzung ... meine "vorsichtige Ahnung" schickt mich auf
den richtigen Pfad, abwärts durch einen Einsiedlerhof hindurch, ein Hinweisschild
zeigt auf einen weiteren Feldweg, der ist in Kürze zwar fast mit kniehohen Gras 
bewachsen, aber als Weg erkennbar. Es kommt mir der erste Läufer entgegen. Er
geht bereits auf die 4.Schleife (in entgegengesetzter Richtung) - ich frage kurz noch
wieweit zum Ende dieser 2.Schleife ist: knapp 1,5Km meint Er und ich antworte Ihm:
Stolze Leistung! Nun geht es relativ flott voran, bevor das steile, felsige Gefälle kommt,
da heißt es VORSICHT... aber nun endlich rein nach Pommelsbrunn LAUFEN!!!
Ich verpflege mich am Auto und frage nach wann meine ehemaligen Mitläufer denn
bereits zur 3.Schleife aufgebrochen sind: Da sind zwei vor mindestens 10min los -höre
ich, also werde ich die nimmer erreichen. Ich trinke noch direkt am VP und trage meine
Zeit ein... da kommt noch eine Läuferin an. Ich frage Sie ob wir zusammen weiter laufen
wollen, oder ob Sie lieber alleine unterwegs ist. Gerne läuft Sie in Gesellschaft meint Sie,
wenn mir das zu langsam ist dann kann ich ja alleine weiterlaufen... so warte ich kurz bis
Sie Ihre Getränke aufgefüllt hat, dann laufen wir die 3.Runde (Nordschleife mit Uhrzeiger).
Hier haben wir den Vorteil das der Einstieg nicht so extrem steil beginnt, jedoch das Ende,
den Zankelstein runter bis nach Pommelsbrunn wird heftig. Doch vorher stehen restliche
8Km auf dem Programm, nun wird's durch steigende Temperatur richtig schweißtreibend,
der Getränkevorrat aus dem Trinkgurt schwindet schnell. Letztendlich ist der Abstieg nach
Pommelsbrunn endlich da und durch die Ortschaft gebe ich Gas, ich will reichlich trinken
am Auto und VP. Dort sitzen schon die ersten Finisher und feiern mit Bier am Pavillon und
nebenan in der kleinen Kneippanlage im Wasser.
Meine Mitläuferin hat sich nun auch verpflegt und wir gehen auf die letzte lange Südschleife
(noch ca 23Km). Vorm Anstieg noch an einem kleinen Brunnen erfrischendes Nass ins Gesicht
und los geht's ... beschwerlich hoch, die Ermüdung wird spürbarer und als wir endlich die
erste Anhöhe erreicht haben kommt der mit hohen Gras bewachsene Feldweg und der einsame
Hof ist mir wohlbekannt. Ein weiterer Km freies Gelände dann erreichen wir den schattenreichen
Wald. Immer wieder fragen uns Wanderer was hier für eine Veranstaltung sei, so viele Leute
unterwegs, die nicht "wirklich Zeit zum Wandern haben"....
Nochmals hoch zum "Hohlen Fels" mit seinen tollen Ausblick auf Stausee dahinter der Arzberg,
links davon die Ortschaft Deckersberg. Doch lange halte ich mich nicht auf - wir wollen weiter
unserem Ziel entgegen. Davon trennen uns nun noch ca 8Km und reichlich bergauf und -ab.
Irgendwann bleibt meine Mitläuferin etwas zurück und meint, ich solle einfach zulaufen, ich
habe sicher noch größere Reserven als Sie. Ich fühle mich gerade halbwegs okay und so mache
ich es dann auch, versuche immer wieder zu laufen, wenn es irgendwie die Kraft und das Profil
erlaubt und komme so besser voran als erhofft. Meine zuletzt ungefähr errechnete Zielzeit von
9Std korrigiere ich schrittweise nach unten. Tatsächlich sind die Laufpassagen etwas länger und
häufiger - macht auf die Pace erheblichen Einfluss. Die Km-Spreizung bei der Pace ist erheblich,
sie geht von 7min/Km bis 16min/Km, wenn ich mal die Zeiten wo ich am VP mich versorgte
ausklammere. Aber wer sich das Streckenprofil des Pommel2K (siehe unten auf Foto) ansieht
wird das verstehen können. Irgendwann bin ich über sämtliche Steine, Wurzeln und sonstigen
Stolperfallen der Wege gelaufen, ohne das es mich wirklich hingelegt hat... ein paar Mal habe
ich mich noch abfangen können... und komme endlich aus dem Wald raus, die letzten hunderte
Meter laufe ich noch auf Asphalt gen Pommelsbrunn und geselle mich nach 8:34 Std zu den
Finishern an den Pavillon - endlich ein Bierchen und mich hinsetzen. Ich gebe natürlich noch
etwas in die bereitgestellte Spendenbox (für die Feuerwehrhelfer bei Überflutungen nahe
Regensburg - die auch immer beim JUNUT bereitwillig unterstützen). Dann verabschiede ich
mich bald - da schaffe ich es noch rechtzeitig direkt mit Laufklamotten zur Europawahl in meine
Gemeinde. Die Muskel und Sehnen werden mir diesen Trail noch lange in Erinnerung behalten.
Die tollen Eindrücke von der Strecke werde ich noch viel, viel länger in mir behalten. Guckt
Euch die untenstehenden Fotos an - Trail as you can... mir wurden ganz deutlich meine Grenzen
aufgezeigt, was mich aber nicht wirklich erstaunt hat.
Gruß Roland
 

Zu den Fotos:
1. Wissenswertes zum 1.000HM-Wanderweg
2. Strecken- und Höhenprofil des Pommel2K
3. Die Trailgemeinde versammelt sich zum Start
runners.high - Nomen est omen :logik:
Dateianhänge

Re: Eine echte Herausforderung: Pommel2K

5
Die Gegend und das Laufterrain sehen richtig klasse aus, aber auch recht anspruchsvoll. Sauber durchgezogen. Ich glaub ich hätte da auch meinen Spaß gehabt, trotz der Mühen. Ich werde morgen zum 3. Reichenau Marathon gehen, mit 180 hm und fast 30 km Asphalt. Das wird eine ganz andere Challenge, aber ich freu mich auf drauf, ein Stück Bodensee zu sehn, das ich noch nicht kenne.
18.05. Vaihingen Marathon 05:05:52
;15.06. Reichenau Marathon 04:57:00
22.07. Vaihingen Marathon 05:02:25
23.07. RUR 04:52:52
06.07. Heuchelbergtrail 50
13.07. 24-h Lauf Dettenhausen
28.07. Schönbuch Trophy 47, k 1300 hm
17.08. 100 M Berlin

Re: Eine echte Herausforderung: Pommel2K

6
Roland du Tier, habe gestern bei deinem Status auf WhatsApp gesehen du bist am Tag draug zum Auslaufen beim Würzburg Marathon gestartet und hast in einer Bombenzeit gefinished. Mensch Kerle, deine aktuelle Form macht mich neidisch, Chapeau, da wirst du Berlin im August wohl so richtig rocken. Freut mich für dich
18.05. Vaihingen Marathon 05:05:52
;15.06. Reichenau Marathon 04:57:00
22.07. Vaihingen Marathon 05:02:25
23.07. RUR 04:52:52
06.07. Heuchelbergtrail 50
13.07. 24-h Lauf Dettenhausen
28.07. Schönbuch Trophy 47, k 1300 hm
17.08. 100 M Berlin

Re: Eine echte Herausforderung: Pommel2K

7
Hallo Klaus,
ja das Ding mit dem Trail war nicht ohne... ist ja eigentlich nicht so meins, aber DAS musste mal wieder sein... und irgendwie habe ich es ja durchgezogen.
Während Du den Bodensee unsicher gemacht hast und bei den "Schweizer Kollegen" unterwegs warst bin ich beim Metropol-Marathon gestartet - der Erste der nun endlich von Fürth nach Nürnberg ging. Das hat ja jahrelang gedauert bis Sie das endlich geschafft haben, schön war's und natürlich gab es mal wieder etwas "Besonderes".. das wirst Du dann in Kürze im Laufbericht hier lesen können.
Das mit dem Rennsteig-SM und den Würzburg-MA war ein blitzsauberer Doppeldecker - sogar die Zeiten waren ganz akzeptabel (wenn man berücksichtigt das es ein DD war).
Nun das mit den längeren Einheiten muss ich auch noch etwas üben, sonst bin ich am Ende beim Mauerwegläufle doch etwas überfordert... und das will ich ja auch nicht...
Vielleicht sehen wir uns ja vorher noch - sind auch bei mir noch ein paar Unwägbarkeiten, zum Glück ist es bei mir etwas stabiler wie bei Dir - Du weißt ja im Moment nie ob Du da oder dann wirklich unbekümmert laufen gehen kannst, bzw. einen Wettkampf durchführen kannst. Dazu wünsche ich Dir alles Gute - ist sicherlich nicht einfach dabei beständig zu bleiben und die Lauflust aufrecht zu halten - bis bald Klaus...
Gruß Roland
runners.high - Nomen est omen :logik:
Antworten

Zurück zu „Laufberichte“