Banner

Heide Ultra Trail 26.06.2021

Heide Ultra Trail 26.06.2021

1
Heide Ultra Trail 26.06.2021

Im Gegensatz zu etlichen anderen Läufen ist der HUT auch für 2021 NICHT abgesagt worden – wieso auch…
Somit nach dem Hamburger Kost-nix-Ultra der zweite Ultra, den ich in zwei aufeinander folgenden Jahren laufen würde – wobei der Kost-Nix zuletzt 2019 stattgefunden hat…

Meine Vorbereitung fand diesmal auch wieder „in Wellen“ statt, wobei es weniger Täler als im Jahr zuvor gab.
Zwar waren keine wirklich langen Läufe dabei, dafür von zwei kurzen Unterbrechungen abgesehen aber eine schöne Regelmäßigkeit.
Ende Mai der erste 20+ Lauf und eine knapp Woche später ein 30er bei strahlendem Sonnenschein ließen hoffen.

Natürlich war Peter wieder gemeldet und schaumermal ob es diesmal zuminnigens mit einem gemeinsamen Start klappen sollte. Er wollte mit einer Läuferin zusammen starten, die ihren ersten Ultra laufen sollte und wen ich mir ansah, dass die beiden einen 30er ums Steinhuder Meer in 5:55er Ø gelaufen sind… dann wären sie für mich eine Liga zu schnell.

Das Wochenende vorm HUT bin ich Freitag langsame 13, Samstag schnelle 5 und Sonntag nochmal 24Km gelaufen – ist zusammen auch ein Marathon :wink:
Entsprechend fühlten sich meine Beine am Montag an…

Peter musste nun doch allein antreten, nachdem seine diesjährige Begleitung aufgrund eines fiesen Insektenbisses ausgefallen war, und wir waren locker verabredet, um mal zu schauen ob wir ein gemeinsames Tempo fänden.
Und natürlich hatte ich Lust, in Begleitung zu laufen, zumal er die Strecke aus etlichen Teilnahmen kennt und ich somit nicht ewig aufs Handy glotzen müsste.
Auf der anderen Seite hat solch ein langer Lauf ganz allein auch seinen Reiz und punktet nicht zuletzt als charakterbildende Einheit :teufel:

Die Woche vorm HUT wollte ich noch einen lockeren 10er laufen, entschied mich aber dagegen, weil sich meine Beine doch recht müde anfühlten.
Dann eben ausreichend tapern und am WK-Tag entsprechend ausgeruht an den Start gehen.

Das vom letzten Jahr bewährte Dress inkl. der ebenfalls bewährten und gern im WK gelaufenen WaveRider_21 vervollständigten meine Ausrüstung.

Proviant diesmal zwei 0,5 Liter Flaschen mit jeweils 150ml Dextro gel und den Rest mit Früchtetee aufgegossen, dazu ein Dutzend getrocknete Datteln und eine Hand voll kleine Snickers.

Meinen normalen Rhythmus beibehaltend ging der Wecker um 4:30.
Frühstücken, gefühlt 100x die Liste kontrollieren, Sachen packen und um 6:15 uhr saß ich im Auto.
Zum Start/Ziel in Schneverdingen sind es ~1:15 Fahrtzeit und kurz vorher eine saubere Autobahn-Raste fürs Morgengebet :wink:
Angekommen an der Sporthalle war ich etwas verwirrt… also zumindest überrascht… in Erinnerung ans letzte Jahr hatte ich mit vielleicht fünf Leuten gerechnet… aber es waren bestimmt 30 Starter am Start versammelt.
Hej, das war ja (fast) wie ein ganz normaler WK zu ganz normalen Zeiten :hallo:
Peter signalisierte mir eine ausreichend große Parklücke und so durften die beiden Reihen-6er wieder nebeneinander parken :daumen:
Ein Hallo in die Runde, eine Faust mit Peter, umgezogen und nochmal kurz verschwunden, dann konnte es nach der Abmeldung beim Veranstalter Klaus um 8:01 Uhr losgehen.
Bis hierher alles nach „Plan“ und ich freute mich, zumindest nicht allein loslaufen zu müssen – ob wir ein gemeinsames Tempo fänden, würde sich später herausstellen.
Im Gegensatz zum letzten Jahr durften wir dies Jahr auch wieder auf der Originalstrecke durchs Pietzmoor laufen, d.h. einen quasi rechtwinkligen Kurs über einen Bohlenweg durchs Moor.
Dafür, und dafür war ich schon recht dankbar, entfiel der fiese Teil durch den Wald, den Klaus letztes Jahr in die Strecke *reingestrickt hatte – hüfthohe Diesteln und fußballgroße Hubbel am Boden luden nun echt nicht zum Laufen ein.

Klönen / laufen / laufen / klönen und zack waren die ersten 10Km in 1:06 geschafft.
Immer noch alles nach „Plan“ und nicht einmal navigieren müssen :zwinker2:
Die Lüneburger Heide ist ein so schönes Laufrevier, dass ich auch dies Jahr oft nicht wusste, wo ich zuerst hinschauen sollte… wie gut, dass ich etliche Bilder gemacht hatte – letztes Jahr :nick: in diesem Jahr war das anders, ich wollte unseren Lauf nicht unterbrechen bzw. nach einem Fotostopp hinterher rennen und ließ es mit dem Fotografieren sein.

Wir wurden von einem jungen Läufer überholt – natürlich kannte Peter ihn :wink: - der nach eigener Angabe aber nicht auf Streckenrekordjagd war, sondern die lange 80Km Runde lief. Über den sollten wir uns später noch wundern.


Wir überholten eine Läuferin, die Peter natürlich ebenfalls kannte und hatten eine kurzen Klönschnack – wenn ich mich recht erinnere, war die kurz vorher einen 100er gelaufen… da hat ein 52Km Lauf ja fast schon etwas von Regeneration :zwinker2:

So waren dann auch die zweiten 10Km gefühlt schnell geschafft und wir erreichten bei 2:16 das erste Mal den Verpflegungspunkt. Wie gesagt gefühlt schnell, denn den eigentlich perfekten Ø der ersten 10km hatten wir um 4min überschritten
Hier nahm ich die erste Hälfte aus einer meiner vorbereiteten Flaschen in denen ich zweieinhalb Päckchen Dextro Flüssiggel mit Früchtetee aufgegossen hatte. Dazu noch einen zusätzlichen halben Liter klares Wasser getrunken und zwei kleine meiner persönlichen Powerriegel bevor es nach ~10min weiter ging.
Nun kam der anspruchsvollste und landschaftlich schönste Teil des Kurses mit vielen Singeltrails und Höhenmetern.

Wir liefen immer noch zu zweit, hatten also ein gemeinsames Tempo gefunden.
Da die Wege hier oft so schmal sind, dass man nicht nebeneinander laufen kann, klönten wir an diesem Punkt der Strecke auch merklich weniger.
Für mich wieder einmal erstaunlich, dass es mir bei Halbzeit nicht wirklich schwer fiel zu laufen, obwohl meine Vorbereitung wahrscheinlich jeden Trainer die Hände überm Kopf zusammenschlagen ließe... zugegeben merkte ich die vergangenen gut 26Km natürlich in den Beinen, von der Puste her fühlte es sich aber überhaupt nicht angestrengt an.

Trotzdem fing ich an, dann und wann über Baumwurzeln zu stolpern und sinnierte noch vor mich hin, mich auf alle Fälle mehr auf den Untergrund zu konzentrieren, als ich zack auf der Nase lag.
Also jetzt nicht direkt auf der Nase, aber recht schwungvoll und kräftig auf dem rechten Knie gelandet und mich zum Glück mit beiden Händen abstützen können.
Sowas… ist mir ja noch nie passiert…
OK, im Training auf Schnee mal abgemault oder mich auf einer zugefrorenen Pfütze in den Spagat gerettet… doof nur, dass ich keinen Spagat kann und das dadurch ganz schön übel gezogen hat…
Zum Glück keine offenen Stellen und den Rest würde ich weg-atmen können.
Die ersten vorsichtigen Laufschritte bestätigten das und so liefen wir weiter.
Lag es daran, dass ich nach einer Augen-OP im vergangenen Jahr nicht mehr so gut gucken kann? Eigentlich nicht, denn sooo dramatisch schlechter geworden ist es mit der Sichtigkeit nicht.
Aber so wie ich diesmal durch unsere Gespräche keinen Blick für ein paar gute Schnappschüsse hatte, so fehlte mir ein wenig Konzentration für den Untergrund.
Was ich ansonsten vom Laufen dann und wann kenne: ich musste recht häufig gähnen… Sauerstoffmangel, Müdigkeit oder vielleicht kein Bock mehr?
Zudem, und das war wahrscheinlich noch viel entscheidender und hat den Ausschlag für den Sturz gegeben, lief ich viel zu dicht auf Peter auf und konnte die fiesen Fußangeln somit schlichtweg nicht rechtzeitig erkennen… und in diesem Fall auch nicht mehr reagieren.
So viel zur Sturz-Analyse bei Km28.

Durchgangszeit Km30 waren 3.33 und somit abzüglich der ~10min am VP weitere 5min überm Ø der ersten 10Km.
In Anbetracht von Untergrund und Höhenmetern allerdings alles im Rahmen und es ging letztendlich um keinen Rekord – ich hätte nur gern meine Zeit aus dem Vorjahr ein wenig unterboten.

Kurz bevor wir den VP bei Km36 ein zweites Mal erreichen sollten, kam dieser fiese Hügel, auf dessen Gipfel wir herum witzelten „Adrian, schneid mir die Augenlider auf, ich sehe dich nicht mehr“ :zwinker2:

Zum VP getrabt und dort saß Christian Hottas – hat einen Moment gedauert bis ich geschnallt hab, dass er noch auf dem Hinweg war… das würde ein langer Tag für die mittlerweile eingetroffene Ablösung – Klaus´ Tochter zusammen mit einer Freundin betreuten den Verpflegungspunkt.
Hier trafen wir auch auf meine Lokomotive aus dem Vorjahr und ich schielte wieder nach den bunten Gamaschen über seinen Schuhen – so viele Steinchen wie mich heute nervten, wäre es ggf. mal eine Überlegung wert…
Vergeht kaum schneller Zeit als beim Ultra am VP… diesmal wahrscheinlich um die 20min und ich war immer noch recht zuversichtlich, die Zeit vom letzten Jahr zu knacken. Der Blick auf die Uhr ließ uns dann auch schleunigst aufbrechen, wobei Peter schon seine Zweifel äußerte… wir lagen etwa bei 4:40 und hatten noch 16Km vor uns – auf der einen Seite „nur noch“, denn die Distanz ist gemütlich gelaufen in gut anderthalb Stunden zu schaffen… auf der anderen Seite „immer noch“, denn a) lagen weitere Steigungen vor uns und b) 36 Km hinter uns.
Egal, dann ggf. auch nicht in weniger als 6:28.

Mit der ersten Gehpause wurde aus „ggf.“ ein klares „eben“.
Störte mich allerdings überhaupt nicht :wink:
Durchgangszeit 40Km 5:08

Die Beine wurden schwerer, die Gehpausen häufiger und Peter ermunterte mich, einfach zu laufen wenn ich vielleicht doch noch (m)eine Zeit erreichen bzw. unterbieten wollte.
Aber drauf g´schissen… mir war es wichtiger, weiterhin zusammen zu laufen als mich die letzten 10Km jetzt tot zu machen.

Wir trafen auf eine einzelne Läuferin, die ein wenig vom Weg abgekommen war nachdem ihr Navi sie verlassen hatte.
Natürlich waren auch diesmal an allen Abzweigungen orangene Punkte mit Sprühkreide angebracht aber mit zunehmender Distanz und dabei abnehmender Konzentrationsfähigkeit kann man sowas auch mal übersehen…. Zumal eben keine großen Markierungen sondern wirklich nur einzelne oder mal ein paar mehr Punkte angebracht worden waren.
Ganz ehrlich jetzt? Ich war heilfroh, dass Peter a) mit seiner Uhr navigierte wenn es nötig war und b) die Strecke von seinen diversen Teilnahmen am HUT kennt. Weiterhin war ich froh, nicht die ganze Zeit das Handy in der Hand und vor Augen haben zu müssen – und merkte mir für später, mich unbedingt mal drum kümmern zu müssen, ob meine Garmin 920XT ebenfalls die sogenannte „Wurm-Navigation“ kann.

Den langen Single-Trail durch den Wald, bevor man die Hauptstraße quert und die letzten 7Km unbeschattete Schotterwege zu laufen hat, lief ich mal voran und merkte gleich einen Unterschied „im Kopf“. Bin ich zu schnell, bin ich zu langsam, ist meine Begleitung noch da… das kenne ich doch noch vom Motorradfahren – mit dem Unterschied, dass man da einen Rückspiegel hat 
Am Ende dieser schmalen Strecke nannte Peter mich „Maschine“…. Und ja, im Nachhinein erinnert lief ich diesen Teil der Strecke wirklich ein wenig wie eine zwar in die Jahre gekommene und nicht mehr zu Höchstleistungen fähige / willige, aber dennoch zuverlässig und gut funktionierende Maschine – oder kurz ausgedrückt: ich war im Tunnel.

Eine weitere Ermunterung von Peter, loszulaufen und ein weiteres Mal folgte ich nicht – und konnte mir einfach nicht vorstellen, dass Peter wirklich im Sylvestersee baden wollte… er tat es doch und ab da bin ich dann wirklich allein gelaufen. Nun also doch mal mit dem Handy in der Hand um nicht zuguterletzt doch noch irgendwo eine Abbiege zu verpassen.

Vorm Betonwerk links rein und Hurra, der quer überm Weg liegende Baum vom letzten Jahr war nicht mehr dort – also keine Verrenkungen beim Versuch, sich nach >50Km unbeholfen bücken zu müssen.

Nun einmal links bis zur Straße und dann rechts zur Schule – das war´s dann auch schon :hallo:
Also wäre es gewesen, denn irgendwie… habe ich das verpeilt und bin bis zur Hauptstraße gelaufen… also zweimal rechts und dann war ich im Ziel.
Peter kam durch sein Bad acht Minuten später an.

Nun erstmal umziehen und etwas essen – es gab auch Grill und Bier, aber irgendwie war mir heute nicht danach… Nudelsalat und Cola kam dafür richtig gut.

Erwähnter „junger Läufer“, der uns bei ca. Km11 überholt hatte, war auch schon im Ziel – er ist die 80Km in etwas über 6:30 gelaufen und hat mich in ehrfürchtiges Erstaunen versetzt… wir klönten noch etwas und er ist für den Mauerweglauf gemeldet um dort mit der StartNr 100 seinen 100ten Marathon zu laufen.

Eine gute ¾ Stunde nach Ziel- Ankunft saß ich im Auto, war sehr zufrieden mit mir und plante den nächsten Lauf.


In Zahlen

• 23 Finisher über die 52Km
• 6:45
• Gesamt Platz 10
• AK55 Platz 4


Fazit

• Mit meiner Vorbereitung komme ich immer noch ins Ziel – und das ist mein Ziel bei solch Läufen
• Mein erster Sturz überhaupt bei einem WK war zum Glück nicht schlimm und hatte bis auf ein dann und wann vernehmliches Ziehen im rechten Knie keine Auswirkungen – dafür aber einen wertvollen Lerneffekt
• Dextro Gel mit Tee aufgegossen… schmeckt zwar nicht so ätzend wie nur mit Wasser, hinterlässt gegen Ende eines Ultra aber trotzdem einen üblen Geschmack im Mund
• Auch die 2021er Ausgabe des HUT war eine absolut gelungene Veranstaltung, die es verdient hat, ein weiteres Mal gelaufen zu werden
• Eine der hübschesten Medaillen
• Und last not least: Ultralaufen ist geil 

2
Hi Michael,

Gratulation zum erfolgreichen Finish :daumen: :hurra: Schön geschrieben dein ausführlicher Laufbericht. Der hat mich inspiriert da auch mal mitlaufen zu wollen. :geil:
18.02. 3-Seen-Runde
19.02. Vaihingen
25.02. HaWei50
05.03. Neckarufer
23.04. LIWA
06.05. NASWUT
07.05. Trolli
08.07. Heuchelbergtr.
15.07. Maintal UT, 64km 1700hm
30.07. Schwarzwald Trophy 47km 1300hm
12.08. Mauerweg
26.08. Karwendel 52km 2300hm

3
Yes @ 6-Ender
Schön chillig war´s mit dir und gerne wieder.

Und Patrick hat doch ganz easy den 80er Streckenrekord um 27min. verbessert. Da lag ich mit meiner Frage ihm gegenüber doch nicht so falsch.
Dieses Jahr zählt er in Berlin sicher zu den Mitfavoriten.
Letztes Jahr hat er sich auf dem holprigen Geläuf schon der 52er SR in 4:10h geholt.
Hase (Silke) ist eine sehr gute Freundin der Familie und die ist in der Tat kurz vorher ihren ganz privaten ersten 100er gelaufen.
War Ersatz für den TTdR Bambinilauf, damit ihr Training nicht ganz für die Katz war.

Bibabadespaß lasse ich mir nicht nehmen, niemals ;)

2022 here we come.......

@ Klaus,
Die traumhafte Strecke wird dir gefallen.

4
Hi Michael

toller Bericht zu einem tollen Lauf, Danke.
Und Glückwunsch zum Finish...

Grüße
Cornelius
Bestzeiten: 17.08.2019 Mauerweglauf 100 Meilen 19.36.35 Stunden. 08.09.2018 RUNWINSCHOTEN (Holland) 100 km 9:33.30. 16.06.2018 Karlsruher Nachtlauf 80 km 7:55:45. Marathon 3:22.10. HM 1:34:32. 10 KM 43:37
Laufberichte: www.corneliusrennt.de
Antworten

Zurück zu „Laufberichte“