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Kleeblatt trifft Kaiserburg - aber bitte flott!

Kleeblatt trifft Kaiserburg - aber bitte flott!

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Metropolmarathon von Fürth nach Nürnberg 16.06.2024


Ein Lauf soll Wirklichkeit werden der so schon seit Jahren geplant ist - den Fürthmarathon als
Städteverbindung nach Nürnberg zu laufen. Diese Idee wurde schon vor vielen Jahren geboren,
scheiterte aber immer wieder an den verschiedensten Umständen. Im vergangenen Jahr war er 
bereits kurzzeitig schon angekündigt, doch dann fiel der komplette MA aus, verschiedene größere
Veranstaltungen (u.a. der Kirchentag) machten es (scheinbar) unmöglich einen passenden Termin
zu finden und die vielen freiwilligen Helfer, die man für so eine Veranstaltung braucht, zusätzlich zu
motivieren...
Wie auch immer - dieses Jahr sollte es soweit sein, sogar neue Sponsoren und ein neues Veranstalter-
Team wurden hervorgezaubert (leider auch zu neuen Höhen beim Startgeld hat man sich entschieden).
In Nürnberg gag es seit zig Jahren keinen Marathon mehr - 2x versuchte sich ein "Universa-MA" Sponsor
gleichnamige Versicherungsgesellschaft. Doch der Sponsor mochte nicht mehr, es fand sich kein Neuer
und so war er dann gestorben - immerhin konnte ich in diesen 2Jahren (2004+2005) teilnehmen und
in meiner "Fast-Heimatstadt" einen MA laufen. Damals bin ich noch locker so um die 3:30Std die 42,2Km
gelaufen. 2007 startete dann Fürth die Erstausgabe seines Marathons und ich war fast in jeden Jahr dabei.
Nun bei meiner 11.Teilnahme ging es also von der Fürther Freiheit (ein Innenstadtplatz) zum Nürnberger
Hauptmarkt (die "gute Stube" in der Nachbarstadt). Es sollte ein Lauf sein, der auch die Städte verbindet - 
Nürnberg und Fürth pflegen seit vielen hundert Jahren eine Art Rivalität, die sich nicht nur (aber auch) auf
die Fußballvereine beschränkt - gerne nennen sich die Mannschaften auch heute noch "die Altmeister" - es
ist lange her, aber da haben diese 2 Vereine die Deutsche Fußballmeisterschaft "fast unter sich ausgemacht".
Genau genommen war es um die Jahre 1925 - 1930 als sich die beiden Mannschaften bei den Meisterschaften
fast abwechselten.
Die Strecke in Fürth ist weitestgehend gleich geblieben, nur wird die Halbmarathonrunde eben nun nur einmal
gelaufen, die sonstigen 2x 10,5Km die anschließend zu absolvieren waren geht es eben nun nach Nürnberg.
Bei der Halb-MA-Marke ist man ziemlich genau an der Stadtgrenze und läuft dann in Nürnberg die 2. Hälfte.
In Anbetracht dessen das es sich sozusagen um eine Premierenveranstaltung handelt wurde auch etwas mehr
Interesse geweckt und es haben sich fast 1.500 Läufer(innen) für den 10Km Lauf angemeldet - für den Halb-MA
waren es ca. 2.300 und für den Marathon immerhin ca. 1.000. Ich bin schon mal gespannt wie gut Sie das 
organisiert haben - immerhin wird der Großteil der Teilnehmer(innen) anschließend zum Start zurückfahren...
mit den öffentlichen Verkehrsmittel eben - das kann man mit der Startnummer als Fahrkarte auch bequem
erledigen - auch ich mache das, da ich einen vorzüglichen Parkplatz am Fürther Bahnhof gefunden habe, recht
nah zum Start. Dafür bin ich dann auch zeitig vor Ort und kann mich in aller Ruhe umsehen, meine Unterlagen 
abholen, Kleiderbeutel abgeben usw. Da treffe ich dann schon wieder einige "alte Bekannte" - Manfred Kranz,
sowie Andreas Bettingen und seine Judith aus München. Es wird Zeit in die Startaufstellung zu gehen und als
ich da drin stehe mache ich mir erstmals Gedanken, wie und was heute so meinem Körper zuzumuten ist.
Klar ist eigentlich nur, letzten So. der Trail in der Hersbrucker Schweiz, das war für mich fast grenzwertig, da
bin ich an meine Grenzen gestoßen und es waren andere Muskeln und Sehnen die ich anschließend intensiv
spürte... so sehr das ich nach dem Auslaufen am Folgetag (unbedingtes Muss für mich) und dem anschließenden
Ruhetag noch einen weiteren lauffreien Tag einlegte - sehr ungewöhnlich für mich - aber in diesem Falle bitter
nötig gewesen. Auch danach bin ich nur beschwerlich wieder in Tritt gekommen, doch hier und heute wollte ich
natürlich unbedingt dabei sein. 
Da es heute noch nicht so warm ist, es wird wohl auch nicht sehr heiß, "nur" warmes Wetter ist angekündigt, so
stelle ich mich mal in der Nähe des 4:15 Zielläufers auf - das ist schon gewagt...finde ich, doch was letztendlich
dabei rauskommt ist eher unbestimmt und von der Ausdauer ab Km 25/30 bestimmt. Ich kann ja mal energisch
loslegen - mit einer Art "Ankomm-Modus" werde ich schon irgendwie ins Ziel kommen, so mein Plan.
Also dann erst mal die etwas steifen Glieder in Schwung setzen, nicht zu vorsichtig loslaufen so geht's los auf der
Fürther Freiheit zum Startschuss, über den Bahnhofsvorplatz und die Gebhardtstraße laufen wir in altbekannter
Manier Richtung Nürnberg. Doch bevor der 1Km erreicht ist biegen wir Richtung Pegnitz- und Rednitzgrund ab.
Hier laufen wir abseits von Wohn- und Ausfallstraßen nordwestlich am fließenden Wasser entlang. Bereits nach
3Km unterhalb einer Brücke steht der 1.VP, ich bediene mich gleichmal mit einem Becher Iso und bemerke ich bin 
tatsächlich sehr flott unterwegs, Km-Zeiten um 5:30min ist für meine Verhältnisse nur was für den "schnellen
Anfang"... das renkt sich bald von selbst ein....in der Tat werden es dann Km-Zeiten um die 5:45min, auch noch
ziemlich schnell für Jemand der "eigentlich schwere Beine" von einem heftigen Trail hat. Ich lasse mein "wie-von-
selbst-gewährtes-Tempo" zu und werde schon merken "was ich davon habe"...
Weiter geht es im Pegnitzgrund durch den Fürther Stadtpark, entlang des Fluss hat man kaum den Eindruck sich
in der Stadt zu bewegen. Als sich Pegnitz+Rednitz vereinen wird daraus die Regnitz, wir laufen bis zur Querung
daran entlang. Einer Bahnlinie folgen wir nur kurz, hakenschlagend geht es Richtung Main-Donau-Kanal, vorbei an
einem Golfplatz und dabei auch der 2.VP. Auf einer Auffahrt zur Südwesttangente, die parallel zum Kanal verläuft
müssen wir hoch, über die Brücke, um dann gleich nach rechts abzubiegen und den Kanal auf anderer Seite in 
südlicher Richtung zu begleiten (von KM10-13). Nach einer Kehre laufen wir noch näher am Kanal (nördlich), bis
wir ihn kurz darauf überqueren. Wir sind in Unterfürberg gelandet, hier gibt es wieder mehr Anfeuerung und
Zuschauer an der Strecke, wir laufen Richtung Innenstadt weiter. An einer Kleingartenanlage ist immer mächtig
was los, kurz darauf und einige Wohnstraßen später sind wir bereits wieder im Grüngürtel der Rednitz. Mächtige
Bäume spenden uns Schatten und das ist auch gut so, die ersten Ungeübten kämpfen bereits mächtig mit der
aufkommenden Wärme  - für mich ist noch Alles im Lot, ich lange an den VP's ordentlich zu, auch wenn es mich
jeweils kurz ausbremst (Pace kommt dann nahe 6min/Km), ansonsten halte ich mein Tempo noch gut und wenn
es richtig rollt bin ich auch mal nahe an 5:30. Derart zufrieden laufe ich nun durch die Fußgängerzone und einige
Seitenstraßen... die Besucher der Außengastronomie und Laufsportbegeisterte machen hier mächtig Krawall und
stimulieren mich zusätzlich. Ich weiß bei Km20 sind wir nahe der Fürther Freiheit (Startgelände) und dort laufen
wir durch einen moderierten Hotspot mit reichlich Musik, schon biegen wir ab und laufen Richtung Nürnberg.
Die 21Km-Markierung erwartet uns fast direkt an der Stadtgrenze und mit der Zwischenzeit (nur knapp über
2Std) kann ich sehr zufrieden sein. Wir laufen versetzt zur Hauptverbindungsstraße, die sich auf Fürther Seite
noch Nürnberger Straße nennt, in Nürnberg heißt sie dann natürlich folgerichtig Fürther Str. Diese Strecke hat
man leider nicht für uns Läufer gesperrt, wir laufen nachdem wir den ersten Nürnberger Stadtteil (Schniegling)
erreicht haben mal wieder sehr nahe an der Pegnitz und damit im Grünen. So bleiben wir sehr oft von der 
kräftigeren Sonneneinstrahlung verschont, wobei ich jetzt bemerke wie sich so manche "Möchtegern-Marathonis"
sehr, sehr plagen müssen - ob die noch das Ziel erreichen?
Als ich meine Zeit checke bemerke ich auch einen Rückgang der Pace, doch noch ist es wesentlich geringer als
ich befürchtet habe. Im Uferbereich des Flusses auf Rad-/Fußwegen laufen wir weiter, vorbei an einem Afrika-
Festival von dem zahlreiche Zelte und Trommelmusik kündigen. Ich blicke nach links, hier ist der Stadtteil Sankt
Johannis, hier habe ich jahrelang in Nürnberg gelebt... das ist Jahrzehnte her. Plötzlich werden wir weggeleitet
vom schattigen Pegnitzgrund, das bedeutet es geht bergauf Richtung Johannisstraße und als wir sie überqueren
laufe ich fast an der Wohnung vorbei, die einst meine Heimat war. Noch ein paar Höhenmeter warten auf uns,
quer durch den mir bestens bekannten Stadtteil (auch wenn er sich sehr verändert hat) Richtung Burgberg.
Das Publikum feuert an: gleich seid Ihr oben, dann ist das Gröbste geschafft - über den Neutorgraben geht es
nochmals nach oben zum Vestnertorgraben. Wir sind hinter der Nürnberger Kaiserburg angelangt, hier gibt es
das Hexenhäusla, einen kleinen, feinen Biergarten direkt an der Burgmauer - viele Nürnberger kennen dieses
"versteckte Kleinod" nicht, da es eben auf der Rückseite der Burg liegt. 
Mitten durch die Nürnberger Altstadt, etwa 1Km nördlich laufen wir am Ziel "Hauptmarkt" vorbei (man sieht
das nicht, nur ich als Ortskundiger weiß es eben). Ein Stück laufen wir am Burggraben + Altstadtmauer (sofern
noch vorhanden) entlang. Gleichzeitig ist es der höchste Punkt der Strecke, aber Höhenmetern, außer vorhin
hoch zur Burg, sind kaum zu spüren. Auch jetzt geht es nachher nicht raus auf eine der größeren Ringstraßen,
wir bleiben erstmal innerhalb der Altstadt und laufen östlich den Maxtorgraben und Spitzenberg hinunter.
Wir verlassen über eine Fuß-/Radwegunterführung die Innenstadt und laufen zwischen Prinzregentenufer und
wieder mal Pegnitz entlang, bald wird aus dem Fluss der Wöhrder See, tatsächlich fließt die Pegnitz durch diesen
kleinen langgezogenen See. Wieder sind wir meistens gut geschützt vor großer Sonneneinstrahlung, die Wärme
macht immer mehr Mitläufern zu schaffen, so werde ich mal wieder zum Dauerüberholer bzw. ich sammle Sie
eben ein, da mein Durchhaltevermögen ungebrochen ist, auch wenn der Km gelegentlich einige Sekunden länger
dauert. Eigentlich habe ich mit einem "größeren Einbruch/Verlangsamung" gerechnet, doch mein Körper liefert
weiterhin Energie ... woher frage ich mich manchmal selbst. Immer dann wenn es mal etwas an Zusatzmotivation
mangelt sind bestimmt aufmunternde Zuschauer an der Strecke - auch eine Sambaband oder andere Stimmung
(gerne mit Musik) wird von mir gerne angenommen... Sie werden aber auch entsprechend von mir angeheizt,
genauso wie mir das gefällt: ein Geben und Nehmen.
Kaum haben wir den Wöhrder See erreicht Km30 entdecke ich schon den Sandstrand der hier vor einigen Jahren
angelegt wurde, wir laufen auf dem Johann-Soergel-Weg direkt am See entlang, sozusagen die Flaniermeile hier.
Der Nord-West-Ring wird von uns unterquert und bei Km 32,5 verlässt uns die Halb-MA-Route, wir Marathonis
laufen weiter östlich eine Schleife, wenden erst über der Pegnitz (der See ist passe) wieder zurück nach Westen.
Kurz darauf passieren wir die 35Km-Marke, sind mit der Halb-MA-Strecke vereint, von den Läufern ist Niemand
mehr auf Strecke, gut so, da es hier nur kleine asphaltierte Wege sind, wunderschön im Grünen (gut beschattet)
ich überhole weiterhin und gelegentlich sind wirklich Welche erstaunt: woher hat der jetzt noch die Kraft?
Ich genieße meine Reserven und gebe weiter Gas - immerhin scheint mir jetzt eine sub 4:15 möglich, "Wundertüte
Roland" hat mich heute mal wieder selbst überrascht. Das motiviert mich natürlich zusätzlich und so kommt auch
mal wieder eine Pace von 5:45 bzw. 5:40 min/Km zustande... da werde ich doch meine Zielzeit noch ein wenig 
verkürzen müssen.
Auf der Südseite geht's nun an der Pegnitz und Wöhrder See Richtung Stadtmauer, jeder Km wird von mir freudig
begrüßt, bei Km39 unterqueren wir wieder den Altstadtring und sind innerhalb der Stadtmauer. Hier gibt es gleich
mal wieder ein kleines Stimmungsnest das ich gerne aufsauge und in Energie umwandle.
Auf kleineren Altstadtstrassen geht es weiter in die Innenstadt, an der Zentrale des Hauptsponsors müssen wir
natürlich auch vorbei, das ist sicherlich so gewollt... Am VP winke ich ab, ich habe noch einen kleinen Rest im
Trinkgurt, das reicht. Nun aber noch ein paar Mitläufer einsammeln und die Hatz ins Ziel beginnt....
Über den Kornmarkt vorbei am Germanischen Nationalmuseum, abbiegen auf die "Straße der Menschenrechte"-
ein Denkmal mit Tor und beschrifteten Säulen, weiter durch Gassen und Straßen, teilweise im wilden Zick-Zack,
durch Fußgängerzone, vorbei an der Lorenzkirche und Einkaufstempel und Km41. Jetzt nähern wir uns der letzten
Pegnitzüberquerung am Trödelmarkt und ich weiß der Hauptmarkt ist nimmer weit. Die Zuschauermengen hinter
den Absperrgitter werden immer zahlreicher und laut, sehr laut - ich stachle Sie an und Sie werden noch lauter -
das ist nach meinen Geschmack... und so fliege ich die letzten hundert Meter ins Ziel. Der Einlauf auf der "guten
Stube" in Nürnberg hat schon was... ich reiße immer wieder die Arme hoch und schwebe fast ins Ziel.... als ich
über der Linie bin vergesse ich fast meine Uhr zu stoppen. Ich weiß tatsächlich nicht sicher, bin ich noch (netto)
unter 4:05 Std geblieben oder knapp drüber. 
Erstmal total happy mich verpflegen und ein Finisherbier, ein paar Bekannte, die nach und nach eintrudeln
begrüßen, später checke ich dann meine Zeit als ich schon meinen Dropbag samt Handy in Empfang genommen
habe.
Die offizielle Nettozeit: 4:04:48 - ich bin total perplex... wie habe ich DAS hingekriegt, es ist meine beste   
Marathonzeit seit 6Jahren! Das mit dem zusätzlichen lauffreien Tag war wohl genau richtig - ich hatte Sorge
das mit der "Belastungssteuerung" nicht optimal hinzukriegen ... da passte wohl Alles!!
Ein Fazit des ersten gemeinsamen Metropolmarathons Fürth/Nürnberg:
Vieles hat gepasst - was mir etwas "sauer aufgestoßen ist" - es wurde praktisch alles getan (vor allem in
Nürnberg) um ja keine große Straße sperren zu müssen... ja wenn man so eine Laufveranstaltung haben will,
dann sollte man auch mal kurzfristige Verkehrsumleitungen einkalkulieren, sonst hat man das Gefühl der Lauf
soll vor den Autofahrern "versteckt" werden. Man hatte z.T. wirklich nicht das Gefühl das man 42Km durch 
zwei Städte gelaufen ist - was ja auch was für sich hat - soviel Grün in Fürth und Nürnberg - klar bei Wärme
hat das auch sein Gutes. Etwas mehr Sightseeing hätte dem Lauf (und vielen auswärtigen Gästen) sicherlich
gut gestanden. Im nächsten Jahr dann umgekehrt - der Start in Nürnberg, das Ziel in Fürth - ich bin dabei
und gespannt.
Ich gehe nochmal kurz an den Zieleinlauf, begrüße Andreas und seine Judith und mache ein paar Fotos, dann
ziehe ich mich in einem Zelt um und fahre total glücklich mit der U-Bahn zurück zum Fürther Bahnhof, dann
bin ich mit dem Auto in 20min Zuhause und genieße das Wetter auf meiner Terrasse... tja Roland da ist es
wohl mal an der Zeit irgendwann die 4 Std anzugreifen, denke ich bei mir!

Keep The Fire Burning - Roland 

Zu den Fotos:
1. So wurde der Metropolmarathon beworben - von Fürth nach Nürnberg
2. Der Start an der Fürther Freiheit lässt noch etwas auf sich warten
3. Im Ziel am Nürnberger Hauptmarkt - mit viel Trubel und einer flotten Zeit
runners.high - Nomen est omen :logik:
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