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Routine kann sooo schön/entspannend sein

Routine kann sooo schön/entspannend sein

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30. Gedächtnislauf in Würzburg 21.03.2026
 
Zuerst mal ein paar Fakten zum Lauf:
Es ist die 30.Auflage dieses Gedenk-/Gedächtnislaufs - in Gedenken an die Bomben-
nacht am 16.März 1945. Ein Funkspruch wurde abgehört: 550 Britische Bomber sind
in Anflug auf Würzburg und da es dort praktisch keine Luftschutzkeller gab sollen die
Bewohner aus der Stadt (dem Main entlang) fliehen - diese Strecke laufen wir nun.
Ausführlicher habe ich dazu in vergangenen Berichten geschrieben.
Ein Lauf ohne Gebühr (6 verschiedene Strecken werden angeboten), um Spenden für
einen guten Zweck wird gebeten.
Spende wird überwiesen - Start-Nr. druckt man sich selbst aus, oder bei Nachmeldung
vor Ort, wird sie da am Rathausplatz ausgedruckt.
Gepäckdienst (Transport zum Ziel) gibt es nur für die längste Strecke (44 KM) nach
Gemünden.
Um das Zurückkommen zum Start bzw. Heimreise kümmert man sich selbst - in meinem
Fall bedeutet es wohl, ich gehe anschließend 20min zum Bahnhof, fahre mit dem Zug
nach Würzburg und laufe dort wiederum zum Auto. Mal sehen ob sich eine schnellere
Alternative bieten wird?
Es gibt ein paar VP's mit einfacher Erfrischung, Ziel-VP in Gemünden.
Zeitmessung übernimmt man selbst mit seiner Laufuhr.
Ich bin bei dieser doch recht ungewöhnlichen Laufveranstaltung mit der schönen
Laufstrecke - immer am Main entlang (in Fließrichtung, nord-/westlich) zum 4x dabei.
Die Wetteraussichten waren nicht wirklich eindeutig, eher gemischt - auf der Autofahrt
erwischte mich gleich mal ein heftiger 5minütiger Regenschauer... doch ich bleibe zuver-
sichtlich und gelassen.
In der Nähe des Mains (wir werden in Kürze hier vorbeilaufen) parke ich auf einen großen
Parkplatz und spaziere mit meinen Laufbeutel Richtung Innenstadt/Rathaus, mache ein 
paar Fotos und freue mich über ein paar Sonnenstrahlen, die heute noch gelegentlich
hervorspitzen. Im Allgemeinen hat uns das schöne Frühlingswetter, erst mal wieder
die kältere und nasse Schulter gezeigt - doch ich bin genügsam und schon froh, es soll
nun nicht bzw. wenig regnen. Noch bin ich unschlüssig welches Laufoutfit ich endgültig
wähle, aber ich bleibe dabei was ich anhabe kurze Hose, langes Shirt - die Überziehhose
und Jacke verstaue ich am Rathausplatz, dem Startplatz noch im Dropbag.
Als ich ankomme sind noch wenige Teilnehmer hier, doch bald füllt es sich und am Stand
von Kolping-Mainfranken kann man sich mit Handy nachmelden und spenden, für die Start-
Nr. steht ein Drucker bereit.  
So kommen laut Veranstalteraussage mit 824 Anmeldungen die höchste Teilnehmeranzahl
in der Geschichte des Laufs zusammen - ob die auch Alle gestartet (und gefinisht) haben,
steht auf einem anderen Blatt. 
Ist es wirklich die 30.te Auflage? Diese Frage stelle ich Günter Herrmann (als ich Ihn ent-
decke) dem Veranstalter dieses Laufs, habe ich doch auf der Homepage gelesen, der Lauf
fand das erste Mal im Jahr 2006 statt und lassen wir mal die Coronawirren (mit z.T. virtuellen
Läufen) außen vor, so würde es doch nunmehr (bestenfalls die 20.te Auflage sein - nicht wahr? 
Ein Beteiligter klärt mich auf, der Lauf fand wohl mehrere Jahre im ganz kleinen Rahmen, sozu-
sagen inoffiziell statt und da begann man die Zählung, die man später, als er "offiziell ausgetragen
wurde" einfach fortgesetzt hatte.
Auch auf fast vollen Startplatz finde ich kaum Laufbekannte, nur ein paar Gesichter erkenne ich
wieder, doch immer wieder werde ich gegrüßt... wer soviel rumkommt bleibt nicht unbekannt...
Die Wetterlage stellt einige Mitläufer(innen) vor Rätsel - wie ich mitbekomme: nun doch mit
langer Hose? Oder Jacke an-/ausziehen? Meine Erfahrung und Routine lässt mich diese Fragen
zum Glück ganz gelassen ertragen - ich glaube (bin mir nahezu sicher) ich habe die richtige
Wahl getroffen. Wetter kann sich ändern, doch ich passe mich da schon an, bzw. kann damit
umgehen. 
Meinen Kleiderbeutel gebe ich bei einem Kleintransporter ab und die wenigen Beutel, die dort
deponiert sind, lassen für mich nur die Folgerung zu: auch Heute werden recht Wenige die
längste Strecke unter die Beine nehmen. Endgültige Ergebnislisten gibt es bei diesem Lauf nicht.
Doch mit höchstens 35-40 Finisher auf die 44KM-Strecke liege ich sicher nicht schwer daneben.
Wie immer gibt es ein paar nachdenkliche Worte zu diesem Lauf vom Veranstalter kurz vorm
Start, doch die leistungsschwache Lautsprecheranlage verzögert den Start... und verstehen tut
man auch wenig, mit Glockengeläute wird der Start ausgelöst und die Teilnehmer(innen) drücken
ihre Laufuhren.
Das erste Stück durch die Innenstadt fährt ein Polizeiauto vorneweg, ein Stück Fußgängerzone, die
Brücke über den Main und eine kleinere Ausfallstraße - ein Helfer weist uns anschließend den Weg
zum Mainufer. Kurz darauf laufen wir schon am Rande des Parkplatz und wir sind auf dem Freizeit-
weg entlang des Fluss. Es gibt nur wenig Markierungen, z.T. gar keine - einen GPS-Track hätte man
sich laden können, oder einfach immer am Main entlang. Bis Karlstadt auf dem linken Ufer, anschließ-
end auf der rechten Mainseite, in Gemünden dann weg vom Main und einen knappen KM durch
das Städtchen. Mit der Erfahrung der bisherigen Teilnahmen gehe ich mit absoluter Zuversicht auf
die Strecke... da geht nix schief!
Da ich das Angebot an den VP's nicht gut abschätzen kann habe ich sowieso meinen Trinkgurt umge-
schnallt und ich werde ihn auch bei Gelegenheit nachfüllen, doch allzu großen Bedarf wird es nicht
geben, dazu müsste die Sonne schon wesentlich intensiver rauskommen, als es vorausgesagt ist.
So laufe ich ganz für mich mein Tempo, in einem anfangs großen Lauffeld, das sich jedoch immer
weiter auseinanderzieht... und später wird das Feld ausgedünnt: die ersten Ziele sind nach 5KM
(Zell am Main) und 10KM (Margetshöchheim) erreicht.
Es wird etwas wärmer und entsprechend schwitze ich auch, doch für mich ist das alles im normalen
Rahmen. Immer wieder werde ich beim Vorbeilaufen von anderen Läufer(innen) begrüßt: Du auch
wieder dabei! - oder dergleichen höre ich sicherlich 7-8mal.
Es gibt heute keine große Zeitambitionen - ist ja auch kein "echter Wettkampf" - davon lasse ich
mich gerne anstecken und so ist einfach gut Ankommen Ziel für mich genug.
Wir laufen mal sehr nah, mal etwas weiter am Main entlang und gelegentlich kommen auch Rad-
fahrergruppen von hinten, oder auch uns entgegen - die guten Wege lassen ein Vorbeifahren ohne
Probleme zu, es gibt sogar ein paar Radbegleitungen... mit Zwei von diesen unterhalte ich mich auch
kurzzeitig. Die erste Frage ist immer, wo ist denn mein Ziel - und bei der Antwort: bis zum Ende in
Gemünden, ernte ich Erstaunen... das sind ja über 44KM - na klar, lautet meine lapidare Antwort!
Da vorne kommt auch wieder ein VP - eher eine reine "Wasserstelle", die Helfer sind etwas überfordert,
kommen mit der Ausgabe nicht hinterher - so gibt es eine kleine Schlange. Ich meide diese und will
mich schon aus meinem Trinkgurt bedienen, da reicht mir ein freundlicher Helfer, der seitlich steht zwei
Wasserbecher mit den Worten: "für den treuen Stammgast" - ich weiß nicht recht wie mir geschieht, 
nehme aber dankend an und verabschiede mich - als hätte ich es bestellt... denke ich verwirrt?
Nächstes Ziel ist Zellingen, hier steigen wieder Einige nach 16KM aus und ein paar Getränke gibt's
auch, die Sonne wird mal kurz stärker und lässt mich zweifeln ob nicht ein Shirt mit kurzen Ärmeln
die bessere Wahl gewesen wäre.
Am Halbmarathonziel in Himmelstadt steigt ein Großteil der Mitläufer(innen) aus, hier gibt es leider 
auch weder Iso noch Cola, doch zwei Becher alkoholfreies Bier tun es auch, eine willkommene Abwechs-
lung zum Wasser. 
Und schon bald freue ich mich über meine langen Ärmel, etwas Wind und kurzzeitiger Regen geben
mir wieder Gewißheit: meine Laufoutfit ist richtig gewählt und ich hatte sowas eingeplant - es ist
geradezu entspannend, ich habe all das erwartet und es kann mich in keinster Weise überraschen.
Andere fädeln verzweifelt an Rucksäcken, Bauchtaschen oder sonstwo herum, zerren Regenjacken
hervor... ich laufe seelenruhig weiter... das hört ja gleich wieder auf - und genauso kommt es auch.
Nun laufen wir auch schon auf Karlstadt zu, dem vorletzten Stop bei KM28, dabei müssen wir kurz
vorher vom Mainufer links nach oben, die Treppen zur "Alten Mainbrücke" hoch, den Fluss über-
queren, dann rein in die Innenstadt. Auf einem kleinen Marktplatz ist unser VP - in Ermangelung
von Alternativen trinke ich nochmals 0%-Bier und fülle mir auch noch etwas in den Trinkgurt. Einige
Aussteiger sitzen auf den Bänken ringsum und wünschen mir viel Glück für die letzten 16KM... da
wartet also noch was auf mich.
Jetzt also weiter auf der rechten Flussufer, einige Passanten feuern mich an als es raus aus der Stadt
geht und nun teilweise keine Mitläufer(innen) zu sehen sind.
Jetzt zieht es sich dahin, diese letzte, lange Teilstrecke - es wird noch einen VP geben und weil sich 
die Sonne auch noch blicken lässt, werde ich noch Fotos machen. Mir fällt ein, ich habe noch überhaupt
kein Gel genommen... das hole ich gleich mal nach, das Einzige während des Laufs. 
Auch wenn es etwas wenig Abwechslung gibt, die Strecke am Main entlang ist trotzdem schön... ich 
kenne sie aber schon, die Sicherheit heute wieder problemlos zu finishen, macht zufrieden und bringt
dieses Gefühl mit sich: ich bin glücklich diese Läufe ohne großen Probleme absolvieren zu können!
Eine Läuferin die langsam von hinten aufschließt reißt mich aus diesem "Wohlfühlgedanken" - werde
ich plötzlich viel langsamer, oder hat Sie noch soviel Reserven für einen "langgezogenen Endspurt" - es
sind noch ca. 10KM? Klar ich werde etwas langsamer, aber doch nicht wesentlich, eigentlich "im üblichen
Rahmen" - sollte ich etwas mehr Ehrgeiz an den Tag legen?... versuchen mitzuhalten? Nach einem derart
langen "Battle" bis Gemünden ist mir eigentlich nicht zumute, also bleibe ich bei meinem Tempo und lasse
Sie ziehen...
Einige KM später, der letzte VP kommt näher, kann ich sie gelegentlich sehen. Sie macht kurze Gehpausen,
hat sich wohl etwas übernommen und vorm VP kann ich Sie überholen und beim kurzen Stop bleibt es dabei.
Doch anscheinend ist nun Ihr Ehrgeiz geweckt (oder war es schon) und Sie schließt schnell wieder auf, ist an
mir vorbei. Da ich noch ein paar Fotos machen will, hänge ich mich nicht dran.
Mit Blick auf Adelsberg (ca. KM39) hole ich das Handy raus und knipse... da vorne ist Sie ja noch - schnell
stecke ich es ein und nun ist doch mein Ehrgeiz geweckt... kann ich Sie noch einholen?
Sie blickt sich um und will es nun wohl auch wissen - keine Gehpausen mehr. So wird das sehr schwierig für
mich, aber es bleiben noch ein paar KM... nun also doch ein langgezogener Endspurt? Dazu reicht meine 
Kraft nicht wirklich, aber ich werde schneller und habe das Gefühl ich komme etwas näher. Doch das Ziel
Gemünden ist bald erreicht, Sie ist noch zu weit weg, die Gleise der Bahnstrecke sind schon nimmer zu
sehen, die Stadtmauer versperrt uns den Blick nach rechts, da dürfte schon der Bahnhof sein. Da vorne
geht es nun durch das Tor und über die Straße nach Gemünden rein. Als ich die Fußgängerampel erreiche
und drücke, sehe ich Sie in der Stadt verschwinden. Ich versuche es trotzdem weiter, die Wegweisung ist 
eher rudimentär und vielleicht bremst Sie das... ich sollte die Strecke wissen und so sause ich (gefühlt) über
das Kopfsteinpflaster der Altstadt. 
Da kommen noch zwei Brücken bevor es nach rechts zum Schulgebäude (das Ziel) geht - soviel weiß ich.
Über den Mühlgraben und der Fränkischen Saale geht es dann in die Häfnergasse und den Hofweg zum
Ziel. Meine Erinnerungen an die Strecke und der nicht für möglich gehaltene "Endspurt" verschaffen mir
tatsächlich die entscheidenden paar Sekunden Vorsprung zum Ziel, auch wenn es nicht wirklich eine Rolle
spielt, ich drücke meine Uhr ab - 4:44 Std. Ich gratuliere meiner Verfolgerin - doch als ich ein Zielfoto
machen lassen will, der Schreck: mein Handy ist weg, es ist mir wohl nach den letzten Fotos aus meiner
Tasche gerutscht, die ich im Eifer des Gefechts nicht mehr ganz zugemacht hatte....
Jetzt schießen mir wilde Gedanken durch den Kopf - was tun? Das Handy ist erst gut ein Jahr alt, okay
paar Kratzer und so, aber halt nicht alt und vertraut... Datenbackup sollte halbwegs aktuell sein... ob ich
es noch finden kann? Mein Blick schweift und ich entdecke da Fahrräder stehen - mal fragen, ob ich eins
ausleihen kann und auf dem Mainweg ca. 10KM zurückfahren? Wenn es aber nicht direkt auf dem Weg
liegt... kaum auffindbar? wenn es schon Jemand anderer gefunden hat?
Da kommt der nächste Läufer an... und ein Radfahrer - nein Sie haben kein Handy gefunden/gesehen?
Ich trinke erst mal und will mir eine Jacke aus dem Kleiderbeutel holen - da kommen die Nächsten
an, zwei junge Läufer, die gemeinsam laufen. Ich gehe hin und frage erneut... da holt einer ein Handy
hervor und frägt ob es meins ist? JA KLAR - DAS IST ES!!! Ich rufe es richtig laut und bedanke mich zig-
mal für "meine Rettung" - kein Zurückfahren, keine unendliche Suche - alles gut!
Das Glück und die Gelassenheit des Tages kehrt genauso schnell zurück, wie es eben verloren gegangen
war. Ich schnappe mir den Dropbag und gehe in die Schulaula rein... nachdem ich das Zielfoto machen
konnte und mich nochmals bedankt habe. Nun heißen Kaffee und Kuchen, ein Finisherbier und Eintrag
in die Zielliste... jetzt breitet sich wohlige Zufriedenheit aus... die verstärkt sich noch, als ich nach ein
paar Anfragen eine Mitfahrgelegenheit nach Würzburg erhalte. Ein nettes Pärchen, Sie ist gelaufen, Er 
hat betreut und holt sie nun ab, nimmt mich gerne mit - Er fährt mich bis zum Parkplatz wo mein Auto
steht... was bin ich heute für ein Glückspilz. Ein nettes Gespräch bei der Heimfahrt nach Würzburg ist
noch dabei - wir tauschen uns über Laufmotivationen und "allgemeine Lebensfragen" aus und verab-
schieden uns herzlich.
Auf der Heimfahrt kann ich mich einfach nur dankbar sein über einen derart gelungenen Lauftag mit
vielen Glücksmomenten die ich bei diesem Friedenslauf erleben durfte - Routine und Glück!
 
Herzliche Grüße,
Roland 
 
Zu den Fotos:
1. Auf dem Weg zum Rathaus (Start): Alte Mainbrücke mit Heilige Jungfrau Maria - Patrona Franconiae und im Hintergrund die Würzburg
2. Hier werden noch Nachmeldungen angenommen und Start-Nr. gedruckt
3. Kurz vorm Start am Rathausplatz
    
runners.high - Nomen est omen :logik:
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