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Mein Jungfrau-Marathon 2023 (Das bisher härteste was ich je gemacht habe)

Verfasst: 11.09.2023, 13:56
von RunBastiRun
Hallo zusammen

letztes WE fand der Jungfrau-Marathon statt an dem ich teilgenommen habe.
Da der Lauf quasi bei mir um die Ecke ist (bin vor zwei Jahren in die Schweiz gezogen) konnte ich es mir nicht nehmen lassen mich Mitte Februar für den Lauf anzumelden. Vor knapp zwei Jahren hat mich das "Lauffieber" erwischt und nachdem es damals mein Ziel war mal einen HM zu Laufen unter 2h und ich mir immer wieder neue Ziele setzen muss (ansonsten werde ich zu "gemütlich"), wollte ich diese Challenge mit dem Jungfrau-Marathon angehen. Also hiess es ab März/April diesen Jahres den Trainingsumfang zu erweitern und neben längeren Läufen auch mal die Berge im schnelleren Tempo hoch wandern.
Und nun war es also soweit, 09.09.2023, Start Jungfrau-Marathon in Interlaken. 42.2km / 1950 Höhenmeter
Chronik der Schmerzen:
Um 5 Uhr ging der Wecker. Frühstücken war angesagt und um halb sieben Abfahrt nach Interlaken (von mir zu Hause gut 25 Minuten mit dem Auto). Meine Eltern und Schwester sind extra aus DE gekommen um mich an der Strecke zu supporten. Mit einem Zuschauerticket hatte man die Möglichkeiten die Strecke mit dem Zug abzufahren und an den markanten Punkten ein und aussteigen bis hoch ans Ziel.
Da ich in Interlaken arbeite konnte ich einen Tag vorher schon meine Startnummer abholen und an der Pasta-Party teilnehmen. Bereits umgezogen nur noch meine Tasche abgeben für den Transport und noch schnell das Angebot eine Massage wahrnehmen. Ich hatte kurz überlegt mich noch "warm zu Laufen". Da es aber bereits kurz vor dem Start um 8 Uhr schon fast 20 Grad hatte und genug Zeit war warm zu werden entschloss ich mich doch lieber die traditionellen Fahnenschwenker und Alphornbläser mir anzuschauen die kurz vor Start spielten. Apropo "warm". Es sollte eines der wärmsten Jungfrau-Marathons werden. Blauer Himmel (was für die Aussicht ganz schön ist), aber eben auch knalle warm.
Wohl mit ein Grund warum von den ursprünglich 4000 gemeldeten Teilnehmern "nur" 3600 an den Start gingen. Und das gut 15% den Lauf abbrechen mussten.
Mein Ziel? Da ich vorher noch nie diese Distanz gegangen bin und ich (im nachhinein zum Glück) die Strecke, vor allem den zweiten Teil ab Lauterbrunnen, nur vom Höhrensagen kannte und aus Videos, sagte ich mir "So 5h30min wäre ganz schön". Aber ohne ein wirkliches Gefühl für zu haben. Primär war ankommen das Ziel. Speziell nach den ein oder anderen Geschichten von Leuten die ich hier kenne die teilweise mehr als 15mal diesen Lauf gemacht haben.
Unterwegs gibt es zwei "Checkpoints" die man in einer gewissen Zeit passieren muss. In Wengen, bei km30.5 in 4h:25min und Abzweigung Wixi bei km38.5 in 5h50h. Diese Zahlen merkte ich mir mal.

Nun ging es also los. Bei super Stimmung unter den Läufern und den Zuschauern fiel der Startschuss und ab ging es. Nach einer Schlaufe durch Interlaken ging es nach km5 in Richtung Wilderswil wo man nach km10 durchkam. Bis dahin alles "easy". Wollte mich eh mit der Pace zurückhalten um Körner zu sparen und das klappte auch ganz gut.
Mein Ziel/Plan war es relativ entspannt die Hälfte der Distanz in knapp unter 2h zu laufen. Aber schnell war mit klar, dass wird eng! Denn ab km10 ging es bis Lauterbrunnen stetig nach oben was ich so ein wenig unterschätzt hatte. Also hiess es bei km 21 in Lauterbrunnen 2h16min. Aber, nicht schlimm. Die Stimmung war genial mit vielen Menschen an der Strecke und viel Musik.
Super waren auch die sehr vielen Verpflegungsposten die bei dem Wetter ein Segen waren (ich trank während dem ganzen Lauf gut 5 Liter und musste nur 1x kurz austreten ;) ).
Nun gut, Lauterbrunnen passiert, eine kleine Schlaufe gelaufen und dann..... ja dann beginnt der Jungfrau-Marathon erst so richtig. Denn bis dahin waren nur gut 300hm geschafft und es standen noch über 1600hm an. Ab km25 gab es dann auch warme Boullion zu trinken was etwas "komisch" war, aber, zumindest für mich, eine wichtige Sache um gegen Krämpfe anzukämpfen.
Jetzt kam "Die Wand". Ein Torbogen markierte die Stelle und wurde begleitet von Pink Floyd "Another brick in the wall". Für manche "Das Tor zu Hölle". Glaube 27 Serpentinen, knapp 2km, über 400hm und bis zu 40% Steigung bis nach Wengen auf knapp 1300 m.ü.M..
Plötzlich war es vorbei mit der Lockerheit mancher, Gespräche wurden eingestellt und die Stille des Waldes wurde durch lautes Keuchen und teilweise Fluchen in allen Sprachen (75 Nationen nahmen Teil) durchzogen. Und auch die Distanzschilder änderten sich. Waren sie vorher wie bekannt in Abständen von 1km aufgestellt wurde jetzt in 250m Abständen gemessen (was es nicht wirklich angenehmer machte). Aber, Blick nach vorne und konstant einen Schritt nach dem andere.
Endlich "Wengen". Der weltbekannte Auto-freie Ort in den Berner Alpen. Neben der Lauberhornabfahrt im Januar ist der Jungfrau-Marathon das Event im Ort.
Der traditionelle Fahnenschwenker begrüsste uns. Die Stimmung im Ort, die Menschenmassen! Ein echter Push!Und der erste Checkpoint bei km30.5 war geschafft nach 3h52min. Heisst auch, für 4.5km brauchte ich dann 1h36min. Ein wahrer Kampf da hoch. Doch die einmalige Stimmung als man quer durch Wengen lief (ausnahmsweise flach) entschädigte für so manches und die berühmte zweite Luft kam.
Aber kaum verliess man Wengen gab es dann wieder nur noch eine Richtung. Nach oben! An joggen war so gut wie nicht mehr zu denken, nur noch bei den kleinen Abschnitten die mal flach waren nutze man die Chance und Abwechslung und "erhöhte" ein wenig das Tempo. Es kam einen vor als würde man fliegen und wäre super schnell unterwegs ;)

Die Sonne knallte jetzt erbarmungslos, die die zu Beginn zu schnell angingen oder sich nicht die Zeit nahmen mehr als nur einen Becher Wasser etc. zu nehmen wurden jetzt bestraft. Man sah reihenweise Läufer zwischen km 30 und 35 anhalten, aussteigen. Krämpfe, Übelkeit und zu viel Sonne....
KM38.5, der letzte Checkpoint nach 5h26min. "Ziel" 5h30min war durch. Aber das spielte schon lange keine Rolle mehr. Ankommen war viel wichtiger geworden. Noch 3,7km, aber auch noch über 300 Höhenmeter. Auch mit Wanderwegen war es vorbei. Jetzt ging es über Stock und Stein und Geröll.
"Gemein" war auch, hatte man einen weiteren steilen Anstieg geschafft und man kam über die Kuppe und dachte "endlich", sah man in der Ferne den nächsten harten Anstieg und die Läufer wie an einer Perlenkette aufgereiht.

KM 40, die Moräne. Ein schmaler Grat. Zur rechten Eiger, Mönch und Jungfrau. Ein Traumanblick, der ein wenig ablenkte.
Dann noch die traditionellen Dudelsackspieler (Gänsehaut) die einem nochmal die letzte Motivation geben sollten für den letzten km und die letzten 100 Höhenmeter. Und dann war es geschafft, über einen roten Teppich ging es natürlich, bergauf, durchs Ziel an der Station Eigergletscher auf 2360 m.ü.M..
Es war geschafft, nach 6h36min.. Etwas schneller wäre wohl gegangen, doch gerade auf den letzten 2-3km konnte man, auch wenn ich etwas schneller hätte gehen können, kaum bis gar nicht überholen. Aber wie gesagt war die Zeit zweitrangig und ankommen war primär das Ziel. Platz 2033 war es am Ende dann auch, mehr oder weniger im Mittelfeld.
Übrigens, der Sieger bei den Männern brauche 3h4Minuten. Mehr als doppelt so schnell wie ich :). Ja moin.... Eine Schweizerin gewann bei den Damen. in 3h40min.

Auch wenn es für mich die bisher härteste, sportliche Herausforderung war habe ich keine Sekunde bereut! Ein absoluter Traum dieser Lauf. Stimmung, Atmosphäre und Landschaft 10 von 10.
Extremen Respekt auch vor den vielen vielen Helfern an der Strecke die bei diesen Temperaturen alles gegeben haben um die Läufer durch zu bringen. Auch haben viele, die an der Strecke wohnen, Wasserschläuche oder Outdoor-Duschen bereit gestellt um für Kühlung der Läufer zu sorgen. Das war wirklich grandios!

Der Abend war dann schnell erzählt. Nach der Medaille, Finisher-Shirt und einem alkoholfreien Bier ging es dann mit der Gondel in 15 Minuten wieder runter nach Grindelwald. Duschen, nochmal eine Massage gönnen und dann nach Hause Beine hochlegen. Etwas überraschend für mich, das ich "nur" schwere Beine habe. Sonst aber mehr oder weniger fit bin.

Für mich war es definitiv nicht der letzte Jungfrau-Marathon ;) 2024 ist fest im Blick!

Für alle die noch "Bewegtbilder" sehen wollen, habe ich ein Video gemacht wo ich ein wenig "berichte" von unterwegs.
https://www.youtube.com/watch?v=nX5erSfk8OY

Re: Mein Jungfrau-Marathon 2023 (Das bisher härteste was ich je gemacht habe)

Verfasst: 13.09.2023, 20:50
von heikchen007
Puuuh, fast 2000 Hm bei einem Marathon, dass wäre ja nix für mich .. Aber umso Respekt habe ich davor, dass du dich da durchgekämpft hast. :daumen:

Danke für den Bericht. Nur das Video geht leider nicht...

Re: Mein Jungfrau-Marathon 2023 (Das bisher härteste was ich je gemacht habe)

Verfasst: 13.09.2023, 23:00
von Leissprecher
Hallo

Saustarke Leistung die du da abgeliefert hast.
👍👍👍

Geniesse diesen Triumph ausgiebig

Gruss Stefan

PS: Diesen Lauf würde ich meinem alten Körper auch mal antun.

Re: Mein Jungfrau-Marathon 2023 (Das bisher härteste was ich je gemacht habe)

Verfasst: 14.09.2023, 07:25
von Axel_rennt
RunBastiRun hat geschrieben: 11.09.2023, 13:56 Für alle die noch "Bewegtbilder" sehen wollen, habe ich ein Video gemacht wo ich ein wenig "berichte" von unterwegs.
https://www.youtube.com/watch?v=nX5erSfk8OY
Schade, dass Video ist leider nicht verfügbar.
Tolle Leistung! Chapeau! :daumen:

Edit: Hier habe ich das Video gefunden:
https://www.youtube.com/watch?v=64AKlh6WlU0

Re: Mein Jungfrau-Marathon 2023 (Das bisher härteste was ich je gemacht habe)

Verfasst: 14.09.2023, 08:17
von heikchen007
Axel_rennt hat geschrieben: 14.09.2023, 07:25 Edit: Hier habe ich das Video gefunden:
https://www.youtube.com/watch?v=64AKlh6WlU0
Klasse Video mit richtig tollen Impressionen! :daumen:

Re: Mein Jungfrau-Marathon 2023 (Das bisher härteste was ich je gemacht habe)

Verfasst: 15.09.2023, 20:37
von RunBastiRun
Danke dir 👍
Ja war ein Kampf 😉 Aber es hat sich gelohnt!

Ja sorry der Link ging auf einmal nicht mehr . Hier der neue,

https://youtu.be/64AKlh6WlU0?si=hz7yFITOWpxqGSYo
heikchen007 hat geschrieben: 13.09.2023, 20:50 Puuuh, fast 2000 Hm bei einem Marathon, dass wäre ja nix für mich .. Aber umso Respekt habe ich davor, dass du dich da durchgekämpft hast. :daumen:

Danke für den Bericht. Nur das Video geht leider nicht...

Re: Mein Jungfrau-Marathon 2023 (Das bisher härteste was ich je gemacht habe)

Verfasst: 15.09.2023, 20:38
von RunBastiRun
Danke dir 💪💪

Hier der Link nochmal 😉

https://youtu.be/64AKlh6WlU0?si=hz7yFITOWpxqGSYo
Axel_rennt hat geschrieben: 14.09.2023, 07:25
RunBastiRun hat geschrieben: 11.09.2023, 13:56 Für alle die noch "Bewegtbilder" sehen wollen, habe ich ein Video gemacht wo ich ein wenig "berichte" von unterwegs.
https://www.youtube.com/watch?v=nX5erSfk8OY
Schade, dass Video ist leider nicht verfügbar.
Tolle Leistung! Chapeau! :daumen:

Edit: Hier habe ich das Video gefunden:
https://www.youtube.com/watch?v=64AKlh6WlU0

Re: Mein Jungfrau-Marathon 2023 (Das bisher härteste was ich je gemacht habe)

Verfasst: 16.09.2023, 18:57
von Rennschnecke 156
Vielen Dank für den Bericht und das Video.
Ich werde bei meinem nächsten "Berg" daran denken, wieviel steiler es bei dir war und wie die Moräne beschaffen war.
Gruß RS