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Hagel, Hektik und Hyäenen - Altstadtlauf Heppenheim 2023

Verfasst: 22.09.2023, 22:14
von MS123
Ich gestehe, der Titel hat recht wenig mit dem eigentlichen Lauf zu tun, aber in der heutigen Zeit gehört ein wenig Clickbait irgendwie dazu. Ganz weit hergeholt ist der Titel allerdings trotzdem nicht...

Als ich ca. 2 Stunden vor dem Start in Heppenheim ankomme stehen noch ca. 23°C und Sonnenschein zu Buche, doch Wetterapp als auch ein Blick gen Südwesten lassen erahnen, dass sich das bald ändern wird, denn eine kräftige Regenfront zieht auf.

In weiser Voraussicht parke ich mein Auto nochmal um, zwar nur zwei statt vier Minuten Fußweg von der Strecke entfernt, aber diese gewonnen vier Minuten werden später noch eine (für mich) wichtige Rolle spielen.

Denn während die um 18 Uhr die Wolken noch in blaugrauem Ton von Regen künden, sind sie um 18.45 - eine dreiviertel Stunde vor dem Start - bereits schwarzblau und fünf Minuten später zuckt der erste Blitz über den Himmel.
Für mich der Moment mein Aufwärmprogramm von der Straße, in die Sporthalle in der sich auch die Umkleiden befinden zu verlegen.
Mit stärker werdendem Regen und vermehrten Blitzen und Donner füllt sich dann die Halle etwas stärker. Anderen wiederum scheint es nichts auszumachen und sie laufen fröhlich durchs Gewitter, teils sogar mit Regenschirmen. :nee:

Gespannt verfolge ich den Wetterverlauf parallel zum Aufwärmen mittels App, Blick nach Draußen und Dauergeschreibsel mit meiner Besseren Hälfte einige Kilometer südwestlich, die das Ganze sozusagen vor mir erlebt.
Gegen 19.10 Uhr sieht es so aus, als könnte es zum Start um 19.30 tatsächlich vorbei sein.
Blitz und Donner entfernen sich langsam, nur der Regen hat sich scheinbar entschlossen noch zu bleiben.
19.22 entscheide ich mich den sicheren Unterschlupf zu verlassen, halte es zwar insgeheim trotzdem für eine dumme Idee.
19.24 bin ich am Auto, Regenjacke ja oder nein? Obwohl es mittlerweile nur noch 13°C hat, sich auch wirklich kühl anfühlt und noch immer kräftig regnet entscheide ich mich dagegen. Nur die Schirmmütze ist für mich als Brillenträger Pflicht.
19.26 stehe ich unter einer Überdachung neben dem Start und noch immer schüttet es.
19.29 geht es in die Startaufstellung. Wir stehen förmlich im Wasser... jetzt noch ein Blitz und das war's, denke ich mir. Fatalistisch, vor allem da es schon über 15 Minuten nicht mehr gewittert hat und die App auch keine Blitze weit und breit anzeigt... nur diese dunklen Wolken...

Dann geht es los.

5 verwinkelte Runden stehen für mich an, zusammen mit den 10km-Läufern und den Staffelteams, die jedoch beide 10 derselbigen zu absolvieren haben. 5 Runden mit ca. 20 Höhenmetern und etwa 30-40% Kopfsteinpflaster.
Am Start das übliche Chaos, wenn sich ca. 120 Läufer durch eine 5 Meter breite Startaufstellung quetschen.
Rund 150m gradeaus über den Veranstaltungsplatz auf normalem Asphalt, bevor es nach rechts durch eine Art Torbogen mit vier Treppenstufen in die Altstadt geht. Prompt schneidet eine Läuferin die Kurve und ich komme außer Tritt beim Versuch ihr nicht in die Hacken zu laufen. Oben nach der Treppe beginnt der Spaß erst richtig.
Direkt nach der letzten Stufe beginnt das Kopfsteinpflaster, welches uns für die nächsten rund 300-350m begleiten wird. Gleich geht es wieder um 90° nach links und für rund 30m leicht bergab, dann wieder scharf nach rechts.
Es ist das erste Mal, dass ich mit diesen Schuhen auf nassem Kopfsteinpflaster laufe und es ist eine Erfahrung für sich.
Ich hätte gefühlt auch über Eis oder Glasmurmeln laufen können. Wo auf dem nassen Asphalt noch guter Grip war, schlittere ich fröhlich durch die Gegend. Immerhin weiß ich direkt was mich erwartet und nachdem ich ohne Sturz weiterkomme, folgen wir der Strecke relativ gerade aus vorbei an alten Fachwerkhäusern und kleinen Gässchen.

Ich schwimme mittlerweile in den Schuhen und überall spritzt fröhlich Wasser umher, oben, unten, links, rechts... endlich mein Wetter :daumen:

Am Ende der Kopfsteinpflasterpassage beginnt der Anstieg. Erst scharf rechts und leicht nach oben mit freiem Blick auf die große Kirche, die sich imposant über der Altstadt erhebt, so wie eine lange Treppe, welche wir jedoch nicht laufen werden. Davor geht es nämlich nach links und hier ist echte Stimmung. War am Start und beim Eintritt in die Altstadt schon einiges los, hat man hier kurz das Gefühl durch einen Vuvuzela-Wald zu laufen.
Direkt im Anschluss biegt die Strecke wieder nach rechts und lässt uns einen Blick auf den rund 90m langen "Hauptanstieg" erhaschen. Es ist kein wirklich schwerer Anstieg aber er hat rund 20-30 fiese Meter in sich.
Danach heißt es Fahrt aufnehmen, denn es folgen nochmal rund 50 Meter flach und eine kurze Links-Rechts-Kombination über Kopfsteinpflaster, bevor die letzten rund 150m uns sämtliche gewonnenen Höhenmeter wieder verlieren lassen bevor wir nach rechts in den Start/Ziel-Kanal auf die nächste Runde einbiegen.

Durch die Wechselzone der Staffelläufe, dem Verpflegungsstand, den anfeuernden Zuschauern, dem Moderator und der laufenden Musik ist hier immer etwas "Chaos". Nichts für Leute mit Konzentrationsschwäche.

Nach dem Desaster von vor zwei Wochen bin ich sowieso schon relativ unambitioniert in den Lauf gegangen. Nach dem Chaos in den Minuten vor dem Lauf, war meine Zuversicht nicht besser und nach den ersten Rutscheinlagen auf dem Kopfsteinpflaster, hatte ich schon mit dem schlimmsten gerechnet. Bei meinem letzten Auftritt an gleicher Stelle war ich mit 23:15 gefinished.

Nach 4:34 war die erste Runde tatsächlich schon vorbei und ich war neugierig, was am Ende rauskommen würde.
Zwischenzeitlich hatte der Regen aufgehört und unter der Mütze wurde es ziemlich warm. Zwischenzeitlich hatte ich überlegt, das Ding irgendwo hinzupfeffern und nach dem Lauf wieder zu holen, aber bis ich ich entschieden hatte, war Runde 3 fast vorbei und da hätte es sich auch nicht mehr gelohnt.

So vergingen die weiteren Runden in einer Mischung aus Spaß, Tempo und jeweils 300m pro Runde gefühltem Schlittschuhfahren und Wassertreten.

Tatsächlich bin dieses Mal nicht ganz eingebrochen und konnte den Lauf dann doch noch richtig genießen und war am Ende mit 23:40 "nur" etwas langsamer als damals.

Leider waren es bei uns nur 39 Teilnehmer/Innen... genau so viele wie Staffeln am Start waren und auch nur 50 Läufer/Innen beim 10er. Immerhin waren die Kinderläufe gut besetzt, wobei die beiden Jugendläufe zusammen nur 22 Teilnehmer/Innen hatten.
Schade eigentlich, denn bei diesen war das Wetter noch echt gut.

Re: Hagel, Hektik und Hyäenen - Altstadtlauf Heppenheim 2023

Verfasst: 22.09.2023, 22:28
von heikchen007
Irgendwie warte ich noch auf den Part mit den Hyänen... :P

Re: Hagel, Hektik und Hyäenen - Altstadtlauf Heppenheim 2023

Verfasst: 23.09.2023, 07:21
von Dachbapp
Ja, ich warte auch auf die Hyänen....

Für mich war der Lauf ein Erfolg und hat Spaß gemacht.
Ich habe das Kopfsteinpflaster nicht als sehr rutschig empfunden, hatte meine geliebten
Saucony Kinvara Laufschuhe an. Nur die dunklen Ecken waren etwas gruselig.
Aber die Stimmung war trotz des Wetters sehr gut.
Mein Ergebnis: AK 1. von 2 Läuferinnen (W55), Gesamt 3. von 9 Läuferinnen.
Die beiden vor mir platzierten waren wesentlich jünger. So etwas gibt mir Motivation immer
weiter zu laufen. Mein größtes Ziel ist es mit 80 immer noch zu laufen.

Liebe Grüße

Re: Hagel, Hektik und Hyäenen - Altstadtlauf Heppenheim 2023

Verfasst: 23.09.2023, 11:39
von MS123
Naja... ich schrieb ja schon... Clickbait :peinlich:

Eine Anekdote habe ich aber noch vergessen. Beim Warmlaufen konnte ich beobachten, wie ein älteres Paar beim Ausparken rangierte. Sie stand dabei direkt hinter dem Auto und hat ihn durch Handauflegen auf die Heckscheibe zum Anhalten bewegen wollen. Das ganze sah nicht sehr sicher aus.
Ich bin dann hingegangen und habe die Frau angesprochen, dass es nicht sehr sicher sei sich bei sowas direkt hinter dem Auto aufzuhalten, denn, wenn er abrutscht oder Gas und Bremse verwechselt, kann das schnell böse ändern.
Nachdem sie davon unbeeindruckt war, meinte ich (gelogenerweise), dass ich aus solchen Szenen als Helfer schon Bilder gesehen habe, die sie mit Sicherheit nicht selbst sehen wolle. Das hat sie dann bewegt, langsam auf die Seite zu gehen.
Als ich dann im Weggehen meinte "Mir ist es am Ende egal, was Sie tun... es ist Ihre Entscheidung, es ist Ihr Leben" war sie ganz schnell neben dem Auto. :wink:

Nachtrag:
Ich bin mit den NB Rebel 3 gelaufen. Auch wenn ich gut gerutscht bin, habe ich noch andere Schuhe, mit denen ich z.B. bei Nässe gar nicht laufen kann, weil noch rutschiger.