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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage an die Ärzte: laufen und depressionen



elia
03.01.2004, 18:23
Hallo forum,

in einem vorangegangenen thread wurde gerade das Thema Depressionen und laufen angesprochen, dazu eine frage:

seit ca. 1,5 Monaten nehme ich das Antidepressivum Fluoxetin. Nach anfänglichen Beschwerden mit allerlei Nebenwirkungen, die sich langsam wieder eingependelt haben, habe ich seitdem den Eindruck, dass meine Ausdauer nachgelassen hat, bzw. beim Laufen mein Puls ziemlich erhöht ist.
Z.Bsp: bei langsamen Dauerläufen Durchschnittspuls von 159, vorher ca. 140 und ich erreiche häufig auch Pulswerte von 188.
Bin im übrigen weiblich und 33 Jahre.

Kann das mit dem Medikament zusammenhängen und spielt sich das vielleicht wieder ein?

Danke.
Grüße von Elia

PS: Bin kein Neuzugang hier im Forum, habe mir aber wegen des Themas einen zweiten Nick zugelegt.

Toronto21
03.01.2004, 18:40
Bezüglich deines zweiten Nicks

Wovor hast du Angst? Depressionen kommen leider in unser westlich zivilisierten Welt viel häufiger vor, als man denkt. Die wenigsten trauen sich, darüber zu sprechen, was ich für ein Grundübel halte. Viele Depressive neigen leider dazu, sich in sich zu verkriechen und ihre Probleme mit sich selber auszumachen. Ein ganz schwerer Fehler, weil man da sehr leicht in eine Abwärtsspirale gerät. Besser wird einem davon jedenfalls nicht und die wenigsten schaffen es, sich selber zu helfen, weil ihnen die Kraft dazu fehlt.

Du, wer immer du bist, bist nicht verrückt und ich glaube, die wenigsten hier in diesem Forum würden dich für einen Jammerlappen halten. Ich will hier nichts beschwören, aber hier sind eine Menge sehr positiv emotionaler Menschen in diesem Forum, die sich noch an so einfachen Dingen wie einen Lauf freuen können. Das zeigt mir zumindest, daß das alles sehr nette Menschen sind.

Bezüglich deiner Antidepressive kann ich nichts sagen. Antidepressive schalten u.a. Träume aus. Mit Antidepressiva werden Träume weitgehend unterdrückt. Ich kann mir also vorstellen, daß sie sich auch auf dein Herzkreislaufsystem auswirken. Bin allerdings diesbezüglich Laie. Ich wünsche dir auf alle Fälle alles Gute!

The jazz things in life. http://www.laufen-aktuell.de/_laufen_laufsport_/_images/extra_smilies/xtrasmilies/party018.gif

www.smueve.de
Startnummer 11604 beim Olympus Marathon Hamburg 2004

Wesergebirgsläufer
03.01.2004, 19:04
Hallo Elia,
das liegt garantiert an den Medikamenten. Mein Bruder hat das gleiche erlebt. Ihm wurde das Laufen damit unmöglich.
Ich bin kein Arzt und weiß nicht wie es Dir auf Dauer damit geht.
Aber ich kann Dir aus eigener Erfahrung zeigen, wir es mir damit ergangen ist.

http://www.wesergebirgslaeufer.de/14009/home.html



Auf jeden Fall brauchst Du viel Geduld und glaub an DICH
Und wenn Du läufst, dann schließ Dich einer Gruppe an, das ist die beste Medizin.

Gruß aus dem Weserbergland
-Rainer-




Startnummer 289 beim Rennsteig SM

elia
03.01.2004, 19:04
hallo toronto21:
danke für deine nette antwort.
ich bin mir bewusst, dass so eine doppelidentität problematisch ist und finde das normalerweise auch nicht so okay. in diesem fall habe ich länger darüber nachgedacht, und mich trotzdem dazu entschlossen, nicht wegen der vielen netten foris, sondern wegen mancher gäste.



Original von Toronto21:
Ich will hier nichts beschwören, aber hier sind eine Menge sehr positiv emotionaler Menschen in diesem Forum, die sich noch an so einfachen Dingen wie einen Lauf freuen können. Das zeigt mir zumindest, daß das alles sehr nette Menschen sind.


das sehe ich ganz genauso.
da dies aber ein offenes forum ist (gottseidank) und ich hier sonst mit foto vertreten bin, war mir das zu heikel. andererseits hast du sicher recht, dass die tabuisierung dieser krankheit ein grundübel ist.

zu den träumen: seitdem ich das medikament nehme, träume ich eher ziemlich viel und vor allem ganz shcön wirr.:stupid:

laufen soll ja grundsätzlich helfen, aber da ich jetzt in so einem leistungstief bin, frustriert mich das zusätzlich und das medikament muss ja auch längerfristig genommen werden.

dir alles gute und das buch, dass du im anderen thread angesprochen hast, werd ich mir auch mal besorgen, hört sich interessant an.

liebe grüße
elia

Toronto21
03.01.2004, 19:17
Original von elia:
hallo toronto21:
danke für deine nette antwort.
ich bin mir bewusst, dass so eine doppelidentität problematisch ist und finde das normalerweise auch nicht so okay. in diesem fall habe ich länger darüber nachgedacht, und mich trotzdem dazu entschlossen, nicht wegen der vielen netten foris, sondern wegen mancher gäste.

das sehe ich ganz genauso.
da dies aber ein offenes forum ist (gottseidank) und ich hier sonst mit foto vertreten bin, war mir das zu heikel. andererseits hast du sicher recht, dass die tabuisierung dieser krankheit ein grundübel ist.

dir alles gute und das buch, dass du im anderen thread angesprochen hast, werd ich mir auch mal besorgen, hört sich interessant an.

liebe grüße
elia


Da hast du allerdings auch wieder Recht. Hätte ich in Betracht ziehen müssen. Siehst du, so daheim fühle ich mich hier schon, daß ich denke, von außen schaut eh keiner rein. :))

Das Buch kann ich in der Tat wärmstens empfehlen. Das ist teilweise Augen ganz weit öffnend, vor lauter Staunen. :idee: Kam gerade zur rechten Zeit in mein Leben.

The jazz things in life. http://www.laufen-aktuell.de/_laufen_laufsport_/_images/extra_smilies/xtrasmilies/party018.gif

www.smueve.de
Startnummer 11604 beim Olympus Marathon Hamburg 2004

Ella
03.01.2004, 19:20
Hallo elia,

"richtige" Depressionen, also nicht "nur" depressive Verstimmungen, sind eine Krankheit, die aus einem biochemischen Ungleichgewicht von verschiedenen Botenstoffen im Gehirn resultieren.

Glücklicherweise ist die Akzeptanz dieser Tatsache in den letzten Jahren innerhalb der Gesellschaft immer mehr gestiegen.

Trotzdem kann ich deinen Entschluß, hier anonym Fragen zu stellen, verstehen und auch nachvollziehen.

Jeder hat eine "dunkle Seite" in sich, die er nicht gerne jedem zeigen möchte.

Leider kann ich mangels eigener Erfahrungen hinsichtlich Antidepressiva nicht konkret auf deine Frage antworten.

Aber ich möchte dir trotzdem alles Gute wünschen, daß du mithilfe der Medikamente aus deinem dunklen Tal herausfindest.

Vielleicht solltest du diese Problematik direkt beim nächsten Arzt-Termin ansprechen. Möglicherweise gibt es Alternativ-Präparate, die diese Nebenwirkungen nicht haben?

Lieben Gruß von Ella



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http://www.erc.on.ca/new_home/hp_running_pony.gif Das Laufpony

waldlaufer
03.01.2004, 19:33
Hallo elia,
ich würde auch den arzt darauf ansprechen, bei mir im beanntenkreis konnte diese person mit hilfe des laufens sogar die medikamente absetzen. aber ausschleichen mit dem doc.und die war wirklich ganz schlimm beieinander. ihr hat das laufen geholfen.
dir wünsche ich gute besserung u. geduld.

waldi

mal wieder in zwangspause

pedi
03.01.2004, 19:50
Das ist wirklich schon ein starkes Medikament, das du da einnehmen mußt und ich denke mal, dass du dir bestimmt schon den "Beipackzettel" durchgelesen und für dich gesehen hast, dass da ne ganze Menge an Nebenwirkungen auftreten können - aber nicht müssen.
Du für dich aber hast festgestellt, dass dein Puls erhöht ist und die Ausdauer nachgelassen hat. Rede mit deinem Arzt, erzähl ihm, dass du läufst und das es dir wichtig ist, dies auch weiterhin zu tun. Suche zusammen mit ihm nach einem anderen Medikament, das dein Laufen zuläßt. Laufen ist eine Sportart, die grundsätzlich gut für die Psyche ist, das ist nichts neues und deinem Arzt sicher bekannt.
Ich wünsche dir alles Gute!!

Liebe Grüsse
Petra

runbikerun
03.01.2004, 20:42
hi elia
vom ärztlichen standpunkt aus gesehen können die von dir beschriebenen nebenwirkungen durchaus zum fluoxetin passen. meiner ansicht nach solltest du aber das laufen auf jeden fall weiter machen, da von regelmässiger körperlicher betätigung auch ein nicht unerheblicher positiver einfluss auf eine depression zu erwarten ist.
gute besserung
klemens

biking is like paradise
running is like heaven

JuergenF
03.01.2004, 21:03
Was Ella darstellt, ist nicht eine unumstößliche Tatsache, sondern die schulmedizinische Sicht. Diese muß keinewegs stimmen, um es einmal ganz ganz vorsichtig auszudrücken...

LG, Jürgen
http://www.antipsychiatrie.berlinet.de/fapi/fapi.htm

elia
03.01.2004, 21:06
vielen dank euch allen erstmal für die guten wünsche, laufen aufgeben kommt auch nicht in frage und ich hoffe, das bleibt auch so.
habe mir nur mehr erhofft von der "lauftherapie" und nicht noch einen zusätzlichen leistungseinbruch. und geduld gehört sowieso nicht zu meinen stärken, aber da heisst es wohl erstmal ziele runterschrauben und sich an dem freuen, was man hat.

@wesergebirgsläufer
sehr nette, informative homepage! :)

für weitere tips und anregungen bin ich dankbar,
liebe grüße
elia

Ella
03.01.2004, 21:35
Original von JuergenF:
Was Ella darstellt, ist nicht eine unumstößliche Tatsache, sondern die schulmedizinische Sicht. Diese muß keinewegs stimmen, um es einmal ganz ganz vorsichtig auszudrücken...

LG, Jürgen
http://www.antipsychiatrie.berlinet.de/fapi/fapi.htm



Hallo Jürgen,

ich denke, auch bei Depressionen muß unterschieden werden zwischen Prädisposition, akute Situation und Behandlungsmöglichkeiten.

Allerdings begebe ich mich hier argumentativ mangels eigener Erfahrung auf dünnes Eis.

Ich würde das nach meinem Verständnis mit einer Entzündung vergleichen - auch wenn der Vergleich vielleicht hinkt.

Die Anfälligkeit für die Entzündung ist durch die Lebensumstände gegeben, die akute Situation ist dann biochemisch durch den Anstieg von Entzündungsmarkern zu definieren und der Heilungsverlauf kann durch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten beeinflußt werden. Dabei kann der Körper durch "Hausmittel", alternative Medizin oder auch durch entzündungshemmende Medikamente unterstützt werden. Ohne jegliche Behandlung kann die Entzündung ebenfalls (je nach Ursache) abklingen -nur dauert das Ganze dann meist länger und hat möglicherweise Nachwirkungen.

Wenn ich dieses Szenario auf eine Depression anwende, so ist die Anfälligkeit sicherlich durch die Lebensumstände gegeben, möglicherweise auch vererbt.

Die akute Depression ist nach derzeitigem Stand der Forschung durch ein Ungleichgewicht von verschiedenen Botenstoffen im Hirn gekennzeichnet, analog zu den Entzündungsmarkern im Blut.

Viele Dinge können eine Depression positiv beeinflussen. Sport, Ernährung, alternative Behandlungsmethoden sind sicherlich nicht zu vernachlässigen. Aber analog zu den entzündungshemmenden Medikamenten sind auch Antidepressiva wirksam und in bestimmten Fällen notwendig.

Was mir wichtig ist, ist, daß Depressionen eben keine "Geisteskrankheit" im eigentlichen Sinne darstellen und keine Ursache sind, sich zu verkriechen und zu schämen.


Ella



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http://www.erc.on.ca/new_home/hp_running_pony.gif Das Laufpony

Wesergebirgsläufer
03.01.2004, 21:45
Was mir wichtig ist, ist, daß Depressionen eben keine "Geisteskrankheit" im eigentlichen Sinne darstellen und keine Ursache sind, sich zu verkriechen und zu schämen.


Hallo Ella,
du sprichst mir aus der Seele.
Als ich das begriffen hatte, da ging es wieder aufwärts.

Gruß aus dem Weserbergland
-Rainer-

http://www.wesergebirgslaeufer.de/14009/home.html









Startnummer 289 beim Rennsteig SM

Uschi
03.01.2004, 21:58
Original von Wesergebirgsläufer:
http://www.wesergebirgslaeufer.de/14009/home.html




Hallo Rainer,

ich bin sehr berührt und auch mächtig beeindruckt von deiner Biographie der letzten 20 Jahre. Hut ab!

Wie gut, dass Leute wie du hier schreiben und als Vorbild dienen können. Danke für diesen Link :)

Liebe Grüße
Uschi



Es mag sein, dass ich meine Ziele nie erreichen werde, aber ich kann sie schauen, mich an ihnen erfreuen und sehen, wohin sie mich leiten. (Louisa M. Alcott)

Wesergebirgsläufer
03.01.2004, 22:06
Es mag sein, dass ich meine Ziele nie erreichen werde, aber ich kann sie schauen, mich an ihnen erfreuen und sehen, wohin sie mich leiten. (Louisa M. Alcott)

Hallo Uschi,
das ist für mich die schönste Weisheit, die ich hier gelesen habe.
Danke.
Gruß aus dem Wesergebirge
-Rainer-





Startnummer 289 beim Rennsteig SM