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Experiment: Schuhsohle aus MTB-Reifen

Experiment: Schuhsohle aus MTB-Reifen

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Für ein altbekanntes Problem stelle ich hier mal ein neues Thema ein.
Zuletzt hatte es mich ziemlich geärgert, dass ich für das Tretrollerfahren 3 Paar Schuhe pro Jahr wegwerfen durfte. Nur weil das Profil an der Schuhspitze verschlissen war. Was ich im Internet an Sohlenmaterial gefunden hatte, sagte mir nicht zu. Nun fahre ich an meinem Roller auf dem Hinterrad seit geraumer Zeit den Schwalbe Pick Up. Der Reifen ist langlebig bei gutem Nässegrip. So lag der Gedanke nicht fern, einen MTB-Reifen aus dem gleichen Material (Addix) in Stücke zu sägen und diese unter die Schuhe zu kleben. Eine ähnliche Idee steht bereits seit Jahren im Forum. Für den Allround-Einsatz schien mir der Schwalbe Johnny Watts mit Blockprofil gut geeignet (Ausführung: Faltreifen, Größe 65-622).

Bild 1: Bei meinen bisher verwendeten Trailrunning Schuhen musste ich erst mal einige nicht abgewetzte Stollen wegschneiden, um die Klebefläche zu vergrößern. Auch wenn die Schuhe nur an der Spitze verschleißen, muss auch die Fläche unter dem Ballen beklebt werden, weil das Auftreten sonst unangenehm ist.


Dann habe ich vier Kleber ausprobiert:
Kövulfix: hält nicht am Reifengummi; Ripcare: hält auch nicht am Reifengummi; Shoe Goo: hält, ist aber krebserregend; Shoe Goo II: hält und soll nicht mehr krebserregend sein. Also bin ich bei Shoe Goo II geblieben. Aushärtezeit drei Tage, Verarbeitungs-/Aushärtetemperatur mind. 20°C.


Obwohl die Klebung im Prinzip zuverlässig hält, lässt sich ein Reifenstück mit einer dünnen Schraubendreherklinge abhebeln und abreißen.
Nach gut 100 Testkilometern stellte sich heraus, dass das Reifenstück unter dem Ballen nicht zu lang sein darf. Das Reifenstück ist weniger flexibel als die Sohle, macht daher die Abrollbewegung nicht so gut mit und löst sich allmählich von der Sohle ab. Also die Stücke wieder abgerissen, nochmal mittig durchgesägt, und mit etwas Abstand zueinander aufgeklebt, siehe Bild 2.

Bild 2: Hier sind die Reifenstücke getrennt und mit 2-3 mm Abstand zueinander geklebt. So ist das Ganze flexibel genug für die Abrollbewegung und hält bereits 300 km.


Die Haltbarkeit des Reifenprofils dürfte bei 800 km liegen. Aber das muss sich noch zeigen. Das Zusatzgewicht pro Schuh liegt bei 40 Gramm.
Angenehmer Nebeneffekt: der Reifengummi hat auf Straße nass/trocken mehr Grip als sämtliche Schuhe, die ich bisher zum Rollerfahren ausprobiert habe. Damit kann ich weicher auftreten und bin auf langen Touren fußschonender unterwegs. Auf Sand ist der Grip mit den bisherigen Schuhen vergleichbar.
Jetzt heißt es erst mal rollern und schauen, wieviel Kilometer Reifen und Kleber letztendlich durchhalten.
Fortsetzung folgt.

Re: Experiment: Schuhsohle aus MTB-Reifen

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Hallo zusammen,
nach weiteren 350 km, also jetzt insgesamt 650 km, habe ich mal die Profiltiefen verglichen: neu 5,5 mm und an der am stärksten verschlissenen Stelle sind es noch 2,5 mm. Wenn ich das Reifenprofil „glatt fahre“, könnten sogar 1000 km möglich sein. Der Kleber hält bislang auch.
Fehler im ersten Bericht: Der Abstand zwischen den Reifenstücken beträgt ca. 5 mm (nicht 2-3 mm).
Bei der Gelegenheit habe ich noch eine weitere Idee aus dem Forum ausprobiert: Schuhe mit „negativer Fersensprengung“. Dafür habe ich meine Minimalschuhe mit 0 mm Fersensprengung und Straßenprofil hergenommen und wie oben beschrieben mit Reifenstücken beklebt. Das Straßenprofil sollte mir das Stollenschneiden ersparen.
Mit dem aufgeklebten Reifenprofil lag der Ballen 7 mm höher, als die Ferse. Beim normalen Gehen fand ich das anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Auf dem Roller hingegen fuhr es sich sofort deutlich leichter. Die „negative Fersensprengung“ wirkt wie ein tiefer gelegtes Trittbrett. Man spart also Kraft. Außerdem erfährt das Standbein durch den erhöhten Ballen eine leichte Wadendehnung.
Leider hat der Minimalschuh mit 3 mm Sohlendicke zu wenig Dämpfung. Ab 20 km Streckenlänge aufwärts fing es im Ballen an zu stechen. Außerdem ließen sich die Reifenstücke und Kleber von den Schuhen sehr leicht und rückstandslos wieder abreißen. Mehrere 100 km hätte ich dieser Klebung nicht zugetraut. Vermutlich ist die Sohle zu flexibel. Minimalschuhe sind also keine Lösung.
Im Forum gibt es zum Glück Vorschläge für „normale“ Laufschuhe mit Dämpfung und 0 mm Fersensprengung. Da brauchte ich nicht lange suchen. Schuhe sind bestellt. Mal schauen, ob das ganze mit den neuen Schuhen funktioniert.
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