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Max Power
11.11.2007, 16:07
4. Zeiler Waldmarathon – 10.11.2007

Lächle, und du fühlst dich besser

Schnee & Regen, Matsch, massig Höhenmeter und blutige Nippel - alles was man eigentlich zum Laufen nicht braucht. Im Naturpark Haßberge gabs davon mehr als genug - also genau das Richtige für eine Flachland-Asphaltuschi wie mich.

Es ist halb acht Uhr morgens – ich steh im Bad, sehe zu wie sich der Regen der auf das Dachfenster prasselt sich langsam mit Schnee vermischt. Das wird er also – mein erster Halbmarathon bei Sauwetter. Auch gut – aber was soll ich anziehen.

Lange Hose – kurze Hose? Langarm oder Kurzarm-Shirt? Unterhemd? Jacke? ….
Derart unschlüssig begann ich meine Tasche zu packen – vorsichtshalber lang und kurz – um am Start kurzfristig entscheiden zu können.

Die Schuhwahl war diesmal auch nicht gerade einfach:
- Mizuno: ne, den bin ich schon 2 Wochen nicht mehr gelaufen
- Asics: den bin ich erst 3 mal und max. 10 km gelaufen
- Brooks: auf den hab ich heut keine Lust

Letztendlich entschied ich mich doch für den Brooks.

Alles eingepackt und mit den Kollegen Richtung Zeil gefahren. Irgendwas hatte ich vergessen – aber ich wusste nicht was. Auf der einstündigen Fahrt studierte ich noch mal das [URL="http://www.zeiler-waldmarathon.de/HTML/HOEHENPROFILE.HTM"]Höhenprofil – bei 420 HM wollen die Kräfte schließlich eingeteilt werden. Die ersten 3 km wollte ich mit etwa 6:00/km im Strom mitschwimmen bis die erste Steigung überwunden ist. Anschließend wollte ich mich bei etwa 5:30/km einpendeln und ab km 18 wenn’s bis zum Ziel nur noch bergab geht einfach laufen lassen. So sollte ich dann im Bereich von 1:55 bis 1:58 im Ziel ankommen.

In Zeil angekommen erwartete uns eine Mischung aus Regen und Schnee und die Frage was ich anziehen soll. Schließlich entschied ich mich für ne kurze Lauftight, T-Shirt und Laufjacke - denn nur die Harten kommen in den Garten (aber was soll ich da bei dem Sauwetter). Im Gemeindezentrum holten wir die Startunterlagen ab und fuhren mit dem Shuttle-Bus Richtung Start-Ziel-Bereich in den Wald. Vom Parkplatz des Shuttle-Bus waren es noch etwa 5 min Fußweg bis zum Start. Mittens im Wald war dort mit mehreren Zelten ein kompletter Start-Ziel-Bereich aufgebaut. Aufgrund der nassen Witterung sahen die Waldwege und nach 5 min einlaufen die Schuhe entsprechend aus. Aber es ist ja auch ein Waldmarathon, von dem her war ich seelisch auf derartige Wege und Gegebenheiten vorbereitet.

Pünktlich um 11.00 wurden wir auf die 21,1-km –Schleife in die Hassberge geschickt. Zu Beginn wollte ich mich nur im großen Pulk einfach mittreiben lassen ohne gleich zu überziehen – schließlich ging es jetzt erst mal 3 km bergauf. Bei 1. km-Schild ein Blick auf die Uhr – oh Schreck – 7:00 – eine gute Minute langsamer als geplant. „Bist wohl auf Betriebsausflug mit der Herzsportgruppe“ meldete sich der Wettkämpfer in mir. Also gut – hab ich mir gedacht und langsam das Tempo angezogen. Je mehr Höhenmeter wir machten, desto mehr verwandelte sich der Regen in Schnee, bis sich langsam eine leichte Schneedecke bildete. Ich laufe in kurzer Hose durch eine herrliche Winterlandschaft mit richtig dickem Schneegestöber – einfach nur geil. Nach etwa 6,5 km kam eine richtig knackige Steigung, die ich mich aber relativ unbeeindruckt hochkämpfte.

„Lächle und du fühlst dich besser“

stand am Ende der Steigung auf einem Schild. Ich muss sagen – es hat funktioniert

Durch die anhaltenden Schneefälle wurden die Wege stellenweise nun ziemlich rutschig. Deshalb wurde es immer schwieriger, es bei den Bergabpassagen einfach laufen zu lassen. Auch das Bergauflaufen war auf der von hunderten Läuferbeinen zertrampelten Schneedecke nicht gerade leicht.

An der zweiten Verpflegungsstation, die erste ließ ich aus, genehmigte ich mir einen Becher Mineraldrink, der angenehm lauwarm vorgewärmt war. Die ersten 10 km waren nach 49:45 absolviert, aber es ging schon wieder bergauf. Langsam wurde dieses dauernde Bergauf-Bergab richtig anstrengend. Von nun ab definierte ich km 18 als vorläufiges Ziel, weil es ab da ja nur noch bergab geht.

Ab jetzt liefen wir auch langsam auf die ersten Nordic-Walker auf – denen ich an dieser Stelle mal ein dickes Lob aussprechen muss. Entgegen dem was man manchmal von anderen Laufveranstaltungen hört wo Läufer und Nordic-Walker aufeinander treffen verhielten sie sich hier äußerst sportlich. Sie liefen zwar auch in Rudeln, aber im Gänsemarsch und am rechten Wegerand, so dass die schnelleren Läufer keineswegs behindert wurden.

Nach 15 km war ich mit 1:15 h immer noch voll auf 1:45 Kurs und genehmigte mir einen warmen Tee. Bei der folgenden Steigung wurde es jetzt aber richtig schwer. Die vorherigen Steigungen hatten mich scheinbar doch mehr Kraft gekostet als erwartet. Ein Läufer nach dem anderen sammelte mich auf dem schwierig zu laufenden Anstieg ein – jetzt weiß ich auch warum das Ding Naturpark Haßberge heißt. Aber was sollte ich tun – die Steigung hochgehen und mich womöglich von den Walkern überholen lassen? Zu allem Überfluss tappte ich auch noch in eine richtig fette Wasserpfütze und schöpfte einen ordentlichen Schuh voll kaltes Wasser. Mit nun eiskalten Zehen kämpfte ich mich weiter dem erlösenden 18-km-Schild entgegen. Bei einem Kontrollblick auf die Uhr war ich erstaunt. Trotz der vielen Läufer die mich überholt hatten, bin ich kaum langsamer geworden. Mit 1:31 nach 18 km lag ich noch gut in der Zeit und konnte mein Tempo nahezu beibehalten. Endlich war es da – jetzt nur noch 3 km locker bergab dem Ziel entgegenlaufen. Die Verpflegungsstelle ließ ich links liegen, die 3 km schaff ich auch so. Aber was ist das – da tun sich ja immer noch kleine, ca 100 m lange Steigungen auf die es zu bewältigen gilt – hört dieser Scheiß den nie auf. Bei km noch mal ein letzter Blick auf die Uhr – 1:36 – 2,1 km in 9 min. Da es jetzt fast nur noch bergab ging schien das so möglich. Aber da ich auf den verschneiten Wegen keinen Sturz riskieren wollte begrub ich meine Hoffnung auf 1:45 und stellte mich auf eine 1:46 – 1:47 ein – in Anbetracht der Witterung und der 420 HM trotzdem eine gute Zeit.

So ca. 1,5 km vorm Ziel stand an der Strecke noch eine humorvolle Werbung der örtlichen Brauerei – ich freute mich aber eher auf den warmen Tee im Zielbereich.

Dann kam endlich das 20-km-Schild. Ich konnte schon den Sprecher vom Zieleinlauf hören. Also jetzt noch mal alles geben und dem Ziel entgegenlaufen. Auf den letzten 500 m wurde ich noch von einem Läufer überholt, den ich mir aber 100 m vor dem Ziel wieder holte. Endlich im Ziel. Total dreckig, erschöpft, frierend aber auch unendlich froh da zu sein Stand ich total entkräftet und neben mir hinter dem Ziel wo mir ein wo mich ein Helfen um den Armtransponder bat. Total von der Rolle strecke ich ihm meine Rechte Hand entgegen und er nahm ihn mir ab – selber hätte ich das glaube ich in dem Moment nicht geschafft.

Immer noch völlig von der Rolle ging ich zum Getränkestand und holte mir einen heißen Tee, Kuchen und Kekse. Endlich kam ich wieder zu mir und schaute zum ersten mal wieder auf meine Stoppuhr die immer noch lief. Bei 1:46:11 drücke ich dann auf Stop. Bei Tee und Kuchen lernte ich noch einen Kollegen aus unserem Schweinfurter Werk kennen. Beim herumstehen im Wald wurde mir dann doch langsam kalt und ich machte mich auf dem Weg zum Shuttle-Bus um endlich ins warme Hallenbad zu kommen. Den ganzen Tag hatte ich das Gefühl irgendwas vergessen zu haben. Jetzt, beim Ausziehen in der Umkleide sah ich es – die Brustwarzen – Aua. Nach einer kurzen Dusche (Siefe auf aufgescheuerte Nippel - doppel AUA) entspannte ich meine kalten und erschöpften Glieder im warmen Schwimmbecken (Chlorwasser und wunde Nippel ...).

Abschließend ließen wir den Nachmittag im Festsaal der Stadt Zeil bei Kaffee und Kuchen gemütlich ausklingen.

Zusammenfassend ist der Zeiler Waldmarathon eine nicht mehr so kleine aber trotzdem feine Veranstaltung, die von den Verantwortlichen mit viel Herzblut und Liebe zum Detail organisiert wurde. Einfach eine Laufveranstaltung ohne irgendwelches überflüssiges TamTam drumherum, aber trotzdem mit allem was das Läuferherz begehrt. Einfach eine „Herausforderung im Naturpark Hassberge“.

Dadruch das der Lauf ursprünglich für 200 - 300 Teilnehmer konzipiert war (mittlerweile sind es etwa 800) ist das Orga-Team am Grübeln wie es die nächste Auflage gestalten soll. Ich hoffe Sie finden eine Lösung, um die einzigartige Stimmung beim Zeiler Waldmarathon zu erhalten.

Für die Statistik:
Offiezielle Zeit: 1:45:06 (Siegerzeit 1:18:49)
M HK Platz 13/31 – Gesamt 92/345

Thestral
12.11.2007, 10:22
Unter diesen Bedingungen einen derartigen Kurs in dieser Zeit zu finishen - mein allergrößter :respekt: !
Vielen Dank für diesen sehr anschaulichen Bericht. Ich konnte da richtig mitlaufen.
Gruß
Ralph

Kathrinchen
12.11.2007, 10:32
Aua, Dein Ava läßt den Rest vermuten... Ich gratuliere Dir zum erfolgreichen HM, wahnsinnig tolle Zeit bei den Höhenmetern und den weiteren Umständen.

Irgendwie bekomm sei Ihr alle Strongman-Kandidaten :zwinker2:

19joerg61
12.11.2007, 11:15
Super gelaufen und ein schöner Bericht von einem Wettkampf, an den du länger denken wirst.

Grüße

Jörg

Matman
12.11.2007, 11:21
Sehr schöner Bericht und so langsam bereue ich es noch mehr am Samstag nicht doch kurzentschlossen die knapp 27km Autofahrt auf mich genommen zu haben :klatsch:
Gerade, da ich ja sowieso laufen war.

Naja dafür nächstes Jahr :daumen:

P.S.Eine wirklich gute Zeit, gerade aufgrund der Strecke und der Witterung! :daumen:

Max Power
12.11.2007, 12:09
@joerg
an den WK werd ich sicherlich noch öferts denken - wieviele HM's läuft man schon im dichten Schneetreiben . Es war schon ein einzigartiger WK, im Gegensatz zu meinen anderen HM's, die alle mehr oder weniger beliebig austauschbar sind.

Vielleicht nehm ich dort irgendwann mal die Herausforderung des ganzen M an - ist allerdings zweimal die HM-Runde.

kid-a
12.11.2007, 13:47
ha! da war ich auch, beim marathon nach einer runde (geplant) ausgestiegen. was für ein wetter! aber geil :P

Max Power
12.11.2007, 14:20
Hats um 10:00 als ihr gestartet seid auch schon so geschneit.

Du warst ja mit deiner 1:46 auch ganz gut unterwegs.

kid-a
12.11.2007, 14:39
oben aus dem wald raus war schneesturm... man konnte meine startnummer kaum noch lesen vor lauter schnee, unglaublich.
ich wollte gemütlich im 5er schnitt laufen, das war bei den bergen und der witterung allerdings leichter gesagt als getan :P

bist du in forchheim am start? da werd ich gas geben und meine 10er PB weghauen!

Max Power
12.11.2007, 14:47
forchheim bin ich zu 95 % dabei. Ne 44er Zeit wäre schon toll - mal schaun obs klappt.