PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Leistungssteigerung



Runni86
25.05.2010, 22:14
Hi Läufergemeinde,

vorab: Ich habe nach einem ähnlichem Thema gesucht, leider bin ich lediglich im Archiv fündig geworden und konnte das Thema (welches damals nur kurz angerissen wurde) nicht wieder hochziehen.

Ich laufe jetzt seit ca. 14-15 Monaten und das seit etwa November sehr ambitioniert. Vorher war ich relativ unsportlich und habe über Jahre hinweg gar keinen Sport betrieben. Über Motive für meine plötzliche Leidenschaft müssen wir nicht reden, ich denke viele von Euch werden nachvollziehen können, welche Dynamik und Faszination der Laufsport auslösen kann. Mich hats allerdings ziemlich gepackt und ich habe mir ehrgeizige Ziele für die Zukunft gesetzt. Die harten Fakten des Trainings sehen so aus, dass ich im Winter sehr viele Kilometer runtergespult habe. Ich würde sagen von Dezember bis Februar im Schnitt 90, danach hat sich das eher auf einen Schnitt von 70 eingependelt, da ich an verschiedenen Volksläufen teilgenommen habe und immer wieder Pausen einbauen musste. Der Umfang ist wahrscheinlich, gemessen an meiner Lauferfahrung, relativ hoch. Ich komme allerdings sehr gut damit zurecht und befinde mich im besten Alter (Mitte 20).

Seit meiner Umfangssteigerung habe ich meine Zeiten kontinuierlich verbessert. Ohne systematisches Training kam ich (mit deutlichem Übergewicht) auf ca. 45 Minuten. Nach meinem Wintertraining bin ich allerdings im Januar bereits im Training 38:45 gelaufen und im März dann im WK, bei sehr windigen Bedingungen, eine hohe 37 gerannt. Ein paar Wochen später 17:53 auf 5000m auf einer 400-m Bahn. In dieser Zeit habe ich während meines Trainings schon krasse Sprünge bemerkt, die Intervall-Einheiten wurden immer besser: Konnte ich im Dezember 8x1000 in ca. 3:50 halten, waren es im Januar schon 3:40 und Februar dann 3:35.

Was mich dazu veranlasst diesen Thread zu starten ist, dass mein Training zur Zeit etwas stagniert. Ich kam vor kurzer Zeit bei meine ersten HM auf eine glatte 1:24 (allerdings einige Höhenmeter, aber gemessen an der 5000er-Zeit wahrscheinlich etwas zu wenig) und auch bei meinen Intervallen merke ich keine großen Sprünge mehr. Heute zwar 10x1000 im Schnitt 3:31 aber auf dem allerletzten Schlauch.

Mir ist klar, dass man sich ab einem bestimmten Niveau nicht mehr so schnell verbessert und über Jahre irgendwann auch mal Schluss mit Leistungssteigerung ist. Allerdings hatte ich mir erhofft diesen Bereich noch nicht so schnell zu erreichen. Die Frage (1) ist nun , ob ich mich weiter gedulden muss und mein Training konsequent weiterführen sollte, oder, ob ich bereits weitere Reize setzen sollte. Eine Umfangssteigerung wird wohl wenig sinn ergeben. Meine Intervalle zu erweitern traue ich allerdings noch weniger zu, da ich hier bereits voll am Limit bin. Ein weiter Aspekt (2) dreht sich um das Thema Trainingsgestaltung, bisher schreibe ich mir meine Pläne selber zusammen und orientiere mich an den gängigen Plänen verschiedener Autoren. Ein Nachteil ist aber, dass ich bisher wenig Erfahrung mit Be- und Entlastungswochen (also Zyklisierung usw.) habe und irgendwie das Gefühl nicht loswerde, diese Materie noch nicht ganz fassen zu können. Ist es hier dringend erforderlich z. B. Greif oder Vicsystem (oder LA-Verein) zu machen, wenn man z. B. langfristig in einen Bereich von unter 35/10 kommen möchte? Letzteres (3) was mich noch interessieren würde, bezieht sich auf die individuellen Leistungsentwicklungen. Wie seid ihr in eurem Läuferleben vorangekommen? Ab wann habt ihr "Grenzen" gespürt und vor allem: wie habt ihr diese durchbrochen?

Vielen Dank für ein paar Tipps eines "Neulings" :wink:

erwin82
26.05.2010, 09:19
Also in 15 Monaten solche krassen Sprünge hab ich noch nie gehört! Respekt! :daumen: Eventuell könntest du deine Wochenkilometer "anders" füllen (qualitativ besser) mit LaufABC oder Kraft- Koordinationsübungen oder Rumpfstabilisation.
Bin da ein großer Fan von Dr. Marquardt (Laufbibel), da stehen viele solche Trainingseinheiten drinnen und sie sind auch sehr gut erklärt (Nutzen, Ablauf,...)

Henkr
26.05.2010, 16:21
Hallo,
ich schließe mich der Meinung von Erwin82 an. Je schneller du laufen möchtest, desto wichtiger werden Aspekte, die man vorher noch vernachlässigen konnte. Sprich der Laufstil und so.

Mich würde interessieren wie dein Trainingsplan genau aussieht. Daraus kann man vielleicht Verbesserungen ableiten.

Ich denke nicht, dass du schon an deiner Leistungsgrenze bist. Allerdings muss man feststellen, dass du dich in sehr kurzer Zeit stark gesteigert hast. Das kann (muss aber nicht) bedeuten, dass deine Sehnen und Bänder weitere Verbesserungen zunächst blockieren. Deshalb ich es jetzt wichtig zusätzlich den Laufstil mit Lauf-ABC, Sprints und Krafttraining gezielt zu verbessern.

Bei ausgewogenem Training merkst du recht schnell die Steigerung. Also erzähl doch mal, wie deine Woche so aussieht.

Grüße

Runni86
26.05.2010, 16:44
Ich habe bisher in der Tat Koordination und Krafttraining vernachlässigt. Irgendwie bin dafür einfach zu faul ;)

Meine Trainingswoche hat die sehr gängige Grundstruktur: 2 x Tempo (IV + TDL) und 1 x Lang (ca. 20-25) dazwischen langsamere Einheiten mit 10-14k.

Intervall-Einheiten baue ich so auf, dass ich auf einen Gesamtumfang von 8-10k komme. Also 4x2, 3x3 oder 8-10x1. Bei der Pausengestaltung orientiere ich mich an der Belastungsdauer, für die 1000er mache ich ca. 3' Pause, bei den längeren Intervallen natürlich eher mehr. Beim Tempo versuche ich das eher nach Gefühl - sprich: soviel wie eben geht. Das ist seit ca. 2 Monaten z. B. 3:30-3:32 für 8-10x1000m. Leider merke ich dabei eben, dass ich nicht schneller werde, die Einheiten fallen mir genauso schwer, wie noch im März. Das mag normal sein, allerdings hatte ich davor immer einen deutlichen Effekt gespürt: Ich konnte entweder mehr Wiederholungen laufen oder die Zeiten purzelten!

Tempoläufe mache ich meist so 8-10k in 3:55 min/km. Allerdings habe ich nachdem Halbmarathon vor, die Distanzen zu verkürzen und lieber 6k in 3:45 zu machen, wenn ich das hinbekomme. Empfehlenswert für eine 10er-Fokussierung?

Tja, 400er habe ich in letzter Zeit wenig gemacht. Vor allem, weil mir die relativ leicht fielen. Für den HM wollte ich eher auf längere Sachen setzen.

Hennes
26.05.2010, 16:52
Für den HM wollte ich eher auf längere Sachen setzen.

Meine Standardantwort dazu:

2-3 k einlaufen
3x4k im HMRT + 2km trab
2-3 k auslaufen

= 20-22km und ein netter Tempopart: go!

Ansonsten würde ich Dir einen konkreten Trainingsplan empfehlen, z.B. GREIF für ca 11€ im Monat ne Menge Abwechslung und sicher kein todschonen :teufel: Ja, gibt auch andere...

gruss hennes

Runni86
26.05.2010, 16:56
Ich glaube ein kleines Missverständnis: HM war schon, jetzt kommen wieder kürzere Sachen, aber trotzdem Danke.

Greif ist natürlich eine Option. Lohnt sich also?

Ich bedanke mich natürlich für jeden Trainingstipp, wollte jedoch nochmal meine Frage präzisieren: Sind solche - ich nenne es mal "Stagnationenen" - in der Leistungsentwicklung, ganz normal und mit etwas Geduld zu durchschiffen, oder sollte man bereits weitere Reize setzen? Da ist natürlich Koordination usw. schonmal ein guter Tipp. Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Ab wann habt ihr "Grenzen" gespürt und wie durchbrochen?

Henkr
26.05.2010, 17:27
Wie gesagt, dein Körper kommt an eine Grenze. Diese verschiebst du mit einem ausgewogenen Training. D.h. Dauerläufe, lange Läufe, Tempoläufe (TDL und Intervalle) und Krafttraining/Koordination.
Die Stagnation bei den Intervallen deutet eben darauf hin, dass dein Laufstil noch zu verbessern ist. 3:30 ist nach meinen Erfahrungen eine typische Geschwindigkeit dafür.

Mein Trainingsplan enthält die erwähnten Elemente von Anfang an und ich bin bis jetzt noch an keine Grenze gekommen, sondern habe mich stetig verbessert. Also wenn man nicht weiterkommt hat man meist einen Aspekt vernachlässigt - bei die eben den Laufstil.

Noch einem Tipp: Wenn du wissen möchtest, wie schnell du bei deinem Laufvermögen deine Trainingseinheiten absolvieren solltest (Intervalle, TDL und Dauerläufe), da haben mir die Tabellen von Jack Daniels einen guten Anhaltspunkt gegeben:

Tabelle: Tabellen nach Jack Daniels (http://carsten.codimi.de/daniels.html)

Rechner: Berechnungen nach Jack Daniels (http://www.fu-mathe-team.de/daniels.yaws)

Grüße

runningdodo
26.05.2010, 17:32
Ja, diese Stagnationen sind normal, man nennt das trainingswissenschaftlich ein Plateau.

5 Running Tips To Prevent Plateau | Interval Training and Running Tips | Treadmill Trainer Blog (http://www.mytreadmilltrainer.com/blog/114/5-running-tips-to-prevent-plateau/)

Man kann auch nich das ganze Jahr in Bestform sein, verschiedene Zeiten während des Jahresaufbaus sollten genutzt werden, um unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen.

Dem trägt das Prinzip der Periodisierung (http://www.sportunterricht.de/lksport/priperio.html) Rechnung.

Ich empfehle Dir Daniels Running Formula, wenn Du gut englisch sprichst, im Original

Amazon.com: Daniels' Running Formula (9780880117357): Jack Daniels, Alberto Salazar: Books (http://www.amazon.com/Daniels-Running-Formula-Jack/dp/0880117354)

Die deutsche Übersetzung heißt "Die Laufformel".

Ich finde ganz einfach, dass es das beste und kompletteste Trainingsbuch für Läufer überhaupt ist.

Respekt übrigens für Deine Zeiten, so trainingsjung ==> Du hast ganz offensichtlich ein ordentliches Ausdauertalent! :wink:

Runni86
26.05.2010, 17:39
Danke Euch für die Hinweise. Ich werde mal versuchen einiges über Laufstil-Übungen zu lesen.

Jack Daniels Laufformel kenne ich, allerdings habe ich nie das Buch gelesen, sondern lediglich mit dem Rechner gearbeitet, den ich immer sehr spannend finde! Ich werde mir das Buch bei Gelegenheit mal zulegen.

pep909
27.05.2010, 19:50
Hallo,
mir geht es ähnlich bin im Frühjahr 09 meinem ersten Wettkampf (9.8km) in 43min gelaufen im Herbst 09 meinen ersten HM in 1:31
Von Dez 09 bis April 2010 trainierte ich 4x die Woche im Schnitt ~66kmungefähr so wie du, sprich 1xlang 1xIntervall 1xTDL 1xDL
damit bin ich auf folgende Leistungen gekommen
5km 00:18:53 - HM 01:26:55 - 10km 00:36:24 - Marathon 02:58:07

Wie gehts jetzt weiter?
Lese grade Daniels Laufformel und werde über den Sommer ein paar Volksläufe machen und sehe ob ich mich noch verbessern kann.

Asenberger
27.05.2010, 20:49
Mir ist klar, dass man sich ab einem bestimmten Niveau nicht mehr so schnell verbessert und über Jahre irgendwann auch mal Schluss mit Leistungssteigerung ist. Allerdings hatte ich mir erhofft diesen Bereich noch nicht so schnell zu erreichen. Die Frage (1) ist nun , ob ich mich weiter gedulden muss und mein Training konsequent weiterführen sollte, oder, ob ich bereits weitere Reize setzen sollte. Eine Umfangssteigerung wird wohl wenig sinn ergeben. Meine Intervalle zu erweitern traue ich allerdings noch weniger zu, da ich hier bereits voll am Limit bin. Ein weiter Aspekt (2) dreht sich um das Thema Trainingsgestaltung, bisher schreibe ich mir meine Pläne selber zusammen und orientiere mich an den gängigen Plänen verschiedener Autoren. Ein Nachteil ist aber, dass ich bisher wenig Erfahrung mit Be- und Entlastungswochen (also Zyklisierung usw.) habe und irgendwie das Gefühl nicht loswerde, diese Materie noch nicht ganz fassen zu können. Ist es hier dringend erforderlich z. B. Greif oder Vicsystem (oder LA-Verein) zu machen, wenn man z. B. langfristig in einen Bereich von unter 35/10 kommen möchte? Letzteres (3) was mich noch interessieren würde, bezieht sich auf die individuellen Leistungsentwicklungen. Wie seid ihr in eurem Läuferleben vorangekommen? Ab wann habt ihr "Grenzen" gespürt und vor allem: wie habt ihr diese durchbrochen? Du hast in kurzer Zeit wirklich große Sprünge gemacht - Respekt!

Meine Meinung:
(1) Irgendwann solltest Du eine ruhige Phase einlegen, damit Dein Körper sich mal grundlegend erholen kann. Z.B. Umfang + Intensität herunterfahren, Crosstraining einbauen... Wenn Du schreibst, dass Du Dich am Limit bewegst was Umfang und Intensität angeht, dann solltest Du vielleicht mal einen Gang runterschalten.
(2) Was ich schon zu (1) angedeutet habe. Du könntest Dir mehr Gedanken zum Thema Periodisierung machen! Eine echte Alternative wäre natürlich, sich einem Verein anzuschließen und Dich dort von einem kompetenten Trainer trainieren zu lassen :zwinker5:!
(3) Bei mir geht auch alles ziemlich zügig voran. Auch ich sehe mich jedoch allmählich in der Situation, dass die großen Sprünge vorbei sind. Aktuell habe ich die Frühjahrssaison abgeschlossen und mache recht wenig - wie unter (1) angedeutet :D. Werde dann gut erholt in die Vorbereitung auf den Herbstmarathon gehen und versuchen, dort richtig Gas zu geben. Auf dem Weg dorthin gibt´s noch einige (wenige) schnelle Vorbereitungsläufe; die allerdings aus dem Training heraus ohne viel Tapering... mal schauen, was geht! Nach dem Herbstmarathon kommen dann evtl. noch ein 10er, ein HM und dann wird´s wieder deutlich ruhiger. Ich mache viel nach Körpergefühl und fahre damit für mich ganz gut. Kenne auch erfahrene Läufer, die mich kennen und hole mir von dort immer mal wieder ganz konkrete Tipps...

Viel Spass beim Planen...
Asenberger

Henkr
28.05.2010, 01:33
Ich weiß nicht ob die Periodisierung soll sinnvoll ist. Mit Mitte 20 und diesen Zeiten ist noch nicht das Ende der Fahnenstage erreicht. Das gibt es im Training noch so viel zu optmieren bevor man sich wie ein Profi ausführen muss. Und so lange man nicht in einem Übertrainingszustand ist, was solls.

Aber die Belastung, die jeder so verträgt, muss jeder für sich herausfinden.

Eugenex
29.05.2010, 16:25
Ab wann habt ihr "Grenzen" gespürt und vor allem: wie habt ihr diese durchbrochen?

Hi Runni86,

gespürt diese Grenze habe ich genau so wie du. Da wusste ich schon, hier ist meine Peakhöhe.

Zu nächstem Jahr setzte ich mir das Ziel, meine Leistungen zu übertreffen.

Das Trainingssystem nennt sich "saisonale Training", dabei geht hier darum, sich eine gewisse Zeit unter Belastung zu setzen. Durch die Halbierung dieser Belastung kommt ein Gegenreiz als Jojoeffekt. Dies ähnelt einer Superkompensation.

Ich darf leider die Details nicht weiter geben., kann aber aus eigener Erfahrung sagen - ca. 3% Leistungszuwachs für 3 Monate (ein überkonditioneller Zustand).

Ansonsten großen Respekt vor Dir und deiner Leistungen:daumen:

Runni86
29.05.2010, 17:01
Danke für eure Trainingshinweise. Vor allem das mit dem Lauf-ABC usw. werde ich in mein Training einfließen lassen. Mein Laufstil scheint in der Tat noch verbesserungswürdig, dass habe ich jetzt auch von einem Laufpartner erfahren. Im Internet finden sich ja verschiedene Übungen z. B. Anfersen oder "Hopserlauf" usw. Mal schauen, ob man damit auch ohne fremde Hilfe weiterkommt.


Das mit dem saisonalen Training und der Zyklisierung muss ich noch weiter verfolgen. Ich finde das gar nicht so leicht zu planen, da ich gerne Wettkämpfe "mitnehme" und erst spontan über einen Start entscheide. Das geht dabei natürlich etwas verloren.

Ansonsten werde ich mich einfach gedulden. Das Training läuft ja nicht direkt schlecht. Man war einfach "verwöhnt" durch die schnellen Steigerungen in der Vergangenheit. Wichtiger ist wahrscheinlich jetzt Konstanz und Verletzungsfreiheit.

Für die Respektsbekundungen natürlich auch herzlichen Dank. Aber ich glaube im Vergleich zu manch anderen Zeiten, stelle ich mich da ganz hinten an...

Beste Grüße und frohes Trainieren...

U_d_o
30.05.2010, 20:21
Hallo Runni86,

du beschäftigst dich seit (vergleichsweise) kurzer Zeit mit dem Laufsport. Anfangs liefst du von Verbesserung zu Verbesserung. Wenn man deine Entwicklung betrachtet, dann dürfte Laufsporttalent - das sich an vielen Teilaspekten festmacht - in nicht geringem Maß eine Rolle spielen. Du schreibst jedoch selbst, dass du hinsichtlich der Zyklisierung deines Trainings Verständnisprobleme hast. Wenn dem so ist, wirst du auch Probleme haben zu verstehen, dass eine erfolgreiche Laufkarriere systematisch über Jahre aufzubauen ist, um einen Läufer in den Zenit seiner Möglichkeiten zu bringen.

Vielleicht gibt dir die Tatsache zu denken, dass viele Leistungssportler nach längerer, erzwungener Pause mit deutlich besseren Leistungen ein Comeback feierten. Frauen zum Beispiel nach einer Schwangerschaft oder Männer nach Verletzungen. Wer ehrgeizig trainiert, kann sich kaum vorstellen ein paar Wochen entscheidend weniger zu trainieren. Vor allem weniger Umfang. Damit ist automatisch die Vorstellung von Leistungsverlust verbunden. In Wirklichkeit braucht der Körper immer wieder Phasen, in denen er vollkommen regenerieren kann, was ihm bei anhaltendem Training zu keinem Zeitpunkt gelingt. Langstreckler sollten zwei Höhepunkte im Jahr planen und danach jeweils mindestens 4 Wochen erheblich kürzer treten - im wahrsten Sinne des Wortes.

Nun ergibt es aber ab einem nicht exakt vorherbestimmbaren Niveau deiner Laufleistungen keinen Sinn mehr das Training einfach nur intensivieren zu wollen. Wie andere bereits anmerkten, spielen im oberen Leistungssegment Fehler eine Rolle, die bis dahin leicht mit etwas intensiverem Training zu überspielen waren. Möglicherweise wäre der Laufstil zu korrigieren. Zum Beispiel hinsichtlich Schrittlänge oder anfersen oder was auch immer. Das sind aber keine Veränderungen, die ein Läufer an sich selbst vornehmen sollte. Dazu gehört Fachwissen wie es geschulte Trainer in Vereinen haben. Und dazu gehört nicht nur ihr Wissen, sondern auch ihre Anleitung, Kontrolle und ständige Korrektur. Mit anderen Worten: Wenn du wirklich in die obere "Liga" vorstoßen willst, dann kommst du um eine fachmännische Betreuung nicht herum und solltest sie in einem Verein auch suchen.

Ich wünsche dir alles Gute :daumen:

Gruß Udo

Runni86
31.05.2010, 22:18
Hi Udo,

das ist ein guter Hinweis! Bisher habe ich einen Laufverein vor allem deshalb gemieden, weil ich am Laufen die Freiheit liebe, es tun zu können, wann man möchte. Im Jugendfußball hatte ich mit Vereinen keine tollen Erfahrungen gemacht. Das krasse Leistungsprinzip widersprach meinem Ideal, dass Erfolg auch eine rein subjektive Geschichte sein kann! Das wird natürlich niemals überall (also in jedem Verein) der Fall sein, soweit ist dass ja klar! Ich werde es mir trotzdem nochmal gut überlegen. Ich habe jetzt noch zwei interessante Veranstaltungen. Danach werde ich mal Klausur machen. Mal schauen, wie es so weitergeht. Heute lief es nämlich extrem gut. Unverständlicherweise bin ich bei meinen 8x1000m-Intervallen3:23/3:21/3:18/3:19/3:19/3:17/3:21/3:17 gelaufen (3' Pause)- das nenne ich mal "einen guten Tag" ;) Das ist sehr unverständlich, immerhin kratzte ich vorher, wie beschieben, bei 3:30-3:35 rum. Hoffe ich kann diesen Speed mit in den kommenden 5er nehmen...

runningdodo
01.06.2010, 10:28
Das mit dem Verein ist so eine Sache.

Bei mir in der Gegend ist der -- auch gute, ja sehr gute Läufer zu seinen Mitgliedern zählende -- Laufverein für mich nicht geeignet.

Der Trainer entscheidet aus dem Bauch heraus, bzw. von Äußerlichkeiten wie "Wieviele Leute sind grad da?" geleitet, welche Art von Tempo-Bahntraining gemacht wird, macht auch keine Periodisierung, kein vernünfiges Wintertraining etc. und verzichtet auf jede Intensitätssteureung via HF oder Laktat. Es ist einfach kein System drin.

Und bevor ich ihm und die Gruppe ständig mit Verbesserungsvorschlägen auf den Geist gehe, entscheide ich lieber selbst auf meinen Körper hörend (Hab ich heute Lust/Energie auf/für Tempotraining, oder muss ich, nur weil Dienstag ist?) wie ich trainiere.

Ich bin davon überzeigt, dass man, wenn man sich genügend beliest und immer wieder den Erfahrungsaustausch mit anderen Läufern sucht (z.B. in der Sauna), bei der Individualsportart "Laufen" oft besser bedient ist, wenn man selbst entscheidet, wie man wann was trainiert.

DerC
01.06.2010, 11:54
Das mit dem Verein ist so eine Sache.

Bei mir in der Gegend ist der -- auch gute, ja sehr gute Läufer zu seinen Mitgliedern zählende -- Laufverein für mich nicht geeignet.
Und es gibt nur einen Verein da??? :confused:



Der Trainer entscheidet aus dem Bauch heraus, bzw. von Äußerlichkeiten wie "Wieviele Leute sind grad da?" geleitet, welche Art von Tempo-Bahntraining gemacht wird, macht auch keine Periodisierung, kein vernünfiges Wintertraining etc.
Wieviele und welche Leute gerade da sind, ist durchaus ein mitentscheidender Faktor. Und aus dem Bauch ... da könnte doch einiges an Wissen und Erfahrung in die Entscheidungen einfließen...



und verzichtet auf jede Intensitätssteureung via HF oder Laktat.
Das braucht man ja auch wirklich nicht unbedingt, schon gar nicht auf der Bahn, wo man die Intensität wunderbar über das Tempo, Beobachtung und Läufer-Rückmeldung steuern kann.



Es ist einfach kein System drin.
Das ist natürlich schade, hat aber erstmal wenig mit der Art der Intensitätssteuerung zu tun.



Ich bin davon überzeigt, dass man, wenn man sich genügend beliest und immer wieder den Erfahrungsaustausch mit anderen Läufern sucht (z.B. in der Sauna), bei der Individualsportart "Laufen" oft besser bedient ist, wenn man selbst entscheidet, wie man wann was trainiert.
Sich selbst trainieren kann besser sein als bei einem unpassenden oder garunfähigem Trainer. Mit einem guten Trainer und einer guten Gruppe kannst du wiederum oft sehr viel mehr erreichen als als Einzelkämpfer.

Gruß
C.

Svenson
01.06.2010, 12:36
Was mich dazu veranlasst diesen Thread zu starten ist, dass mein Training zur Zeit etwas stagniert.


Also wenn das tatsächlich alles so stimmen sollte, was du dort schreibst, dann frage ich mich tatsächlich was du erwartest?
Schau dir mal Ergebnislisten von irgendwelchen Wettkämpfen in deiner Nähe an und schau welche Zeiten die Erstplatzierten dort laufen.
Und die Leute die dort auf den ersten Plätzen sind, laufen nicht erst wie du seit 14Monaten, sondern laufen seit mehreren Jahren stellenweise mit Trainer.

Du läufst momentan Intervalle von unter 3:20 und wunderst dich, dass es nicht weiter bergauf geht.
Nur mal eine Frage an Dich: Was erwartest du denn, was du für Intervalle laufen solltest? Innerhalb von ein paar Wochen plötzlich unter 3minuten oder was?
Du hast definitiv Talent, das ist steht außer Frage, aber erwarte nicht, dass du in 3 Wochen plötzlich ein Training von einem nationalen Spitzenläufer durchhalten kannst.

Sieh nun zu, dass du etwas für deine Grundlage tust, so dass du dann auch mal dein Tempo was du nun in den Intervallen läufst auf 5km oder 10km durchhälst und in den Zeiten wo du dich heute schon bewegst, geht es nur gaaaaaanz langsam und mit viel Arbeit weiter.

Ich laufe nicht annährend solche Zeiten wie du und wir laufen beide ungefähr gleich lang und sind gleich alt (knapp 1 Jahr Lauferfahrung, Alter: 25Jahre), aber wenn ich irgendwann mal deine Zeiten laufen sollte, wäre ich schon froh :-)

Rolli
02.06.2010, 13:22
Ich bin davon überzeigt, dass man, wenn man sich genügend beliest und immer wieder den Erfahrungsaustausch mit anderen Läufern sucht (z.B. in der Sauna), bei der Individualsportart "Laufen" oft besser bedient ist, wenn man selbst entscheidet, wie man wann was trainiert.

Hm... ob man das Saunawissen mit dem Wissen und jahrelange Erfahrung eines Trainers vergleichen kann, wage ich stark zu bezweifeln. Auch dass Läufer von einer Gruppe nicht profilieren soll, ist völlig falsch, weil schon die Wettkampfresultate beweisen, dass die Trainingszeiten deutlich schneller gelaufen werden können.

Das Du nicht das Glück hattest einen guten Trainer zu finde, kannst Du nicht darauf schließen, dass überall gleiche Verhältnisse herrschen und normalerweise fast immer gute bis sehr gute Trainer in den Vereinen tätig sind. Sonst verschwinden sie schnell in der Versenkung. Du musst noch bedenken, dass ein Trainer Interesse und Fähigkeiten mehrere Läufergruppen und Charaktere auf einem Platz steuern und den Mittelweg finden muss.

Gruß
Rolli