Der Münster-Marathon wurde schon mehrfach zur beliebtesten Marathonveranstaltung in NRW gewählt,- und das kann ich gut nachvollziehen. Er ist noch nicht so überlaufen und kommerziell wie die ganz grossen Events,- hat beinahe noch eine regelrecht familiäre Atmosphäre. Daher lief auch ich hier immer sehr gerne,- zumal Münster nicht allzu weit von meinem Heimatort entfernt liegt (nur 55 KM,- d.h. ca. 60 bis 70 Min. Fahrzeit mit dem PKW).
Am 13.09.26 war es hier bereits meine 9. Teilnahme! Im Jahr 2015 lief ich hier meinen allerersten Marathon überhaupt und in den Jahren 2017 und 2025 musste ich wegen Verletzung leider aussetzen.
In diesem Jahr verzeichnete Münster einen neuen Teilnehmerrekord: Über 4.300 allein auf der Königsstrecke,- dazu kamen noch die 28 KM-Distanz, die Staffeln etc., so dass insgesamt über 12.000 Teilnehmende dabei waren.
Der Streckenverlauf ist sehr reizvoll und spannend,- zunächst läuft es über 10 KM immer durch die Innenstadt (in der Altstadt auch mal etwas Kopfsteinpflaster) und danach am Aasee entlang zu den Aussenbezirken Nienberge, Gievenbeck und Roxel, wo stets eine tolle Stimmung herrscht.
In diesem Jahr erlebte ich zum ersten mal in Münster Regenwetter: Es setzte fast durchweg Nieselregen, was aber immer noch besser war als wenn es zu warm gewesen wäre,- dass hatte ich auch schon mehrfach erleben müssen und dann vor allem auf Hälfte 2 ziemlich gelitten.
Ja, meine Rennen hier liefen sehr unterschiedlich, nicht immer konnte ich meine Erwartungen erfüllen.
Mein absolutes Highlight gab es 2019, als ich bei Top-Bedingungen (relativ kühl) meine bis heute gültige PB (2:57,20h) aufstellen konnte. Da war es wirklich optimal gelaufen mit 2 fast gleichwertigen Hälften.
Manchmal gab es aber auch recht heftige Einbrüche,- vor allem, weil ich am Anfang zu viel riskiert hatte oder auch wegen der Wärme.
2018 bekam ich zudem bei KM 32 heftige Magen-Darmbeschwerden,- unvergessen. Ich schleppte mich aber dennoch ins Ziel.
Also angekommen im einmaligen Ziel auf dem Prinzipalmarkt war ich immer,- und zwar bis auf die Premiere 2015 stets unter 3:15h,- meistens unter 3:10h.
In diesem Jahr lief die Vorbereitung vor allem im Hochsommer ziemlich gut,- wobei es auch recht viele Einheiten bei Hitze (bis zu 36 Grad!) gab, die ich bewusst nicht scheuen wollte.
Insgesamt gab es 10 lange Läufe zwischen 28 und maxim. 36 KM Länge,- wobei die meisten zwischen 33 km und 35 km lang waren.
Diese jeweiligen Longruns wurden mit der Zeit auch zügiger gestaltet und ich erhöhte stufenweise darin den Anteil an MR-Pace (anvisiertes Renntempo).
Dazu Tempoläufe und Intervalltraining sowie die nötigen lockeren & regenerativen Dauerläufe.
Umfang Wochenschnitt etwa 95 KM (maxim. 107 KM) bei 5 bis 6 Einheiten pro Woche.
14 Tage vor dem Marathon startete ich noch bei einem 28,5 KM-Laufevent hier in meiner Region.
Mir war klar, dass sowas riskant ist und eigentlich zu nah am Hauptwettkampf, aber da ich noch keinen echten Vorbereitungs-WK gemacht hatte, wollte ich es doch wagen.
Es lief dann auch zufriedenstellend und ich konnte meine kalkulierte MR-Pace (4:21/km) hier gut durchbringen, ohne ans absolute Limit zu laufen. Also das hatte mir schon was gebracht und auch Selbstvertrauen gefördert.
Danach begann natürlich das nötige Tapering und letztlich stand ich mit recht frischen Beinen und Zuversicht an der Startlinie in Münster.
Mein Körpergewicht war auch runtergegangen,- am Starttag hatte ich (trotz gutem Carboloading!) um die 60 kg,- so wenig wie selten zuvor. (Grösse 178 cm).
Auch Körperfettanteil deutlich weniger (habe ich aber nicht genau gemessen).
Die Schuhwahl für das Rennen fiel auf meine vertrauten Brooks Hyperion-Elite 5, mit denen ich auch bei den letzten Longruns gut zufrieden war.
Ich rechnete mir schon eine Zeit um die 3:05h aus, dass schien von den Trainingsleistungen her realistisch zu sein.
Noch einmal unter 3 Std. wäre natürlich ein Traum,- aber ich glaube, dieser Zug ist für mich mit nunmehr 61 Lenzen doch abgefahren.
Dafür reichen auch meine Unterdistanzzeiten sowie meine leicht nachlassende Grundschnelligkeit nicht mehr aus.
Das ist halt dieser altersbedingte, unausweichliche biologische Prozess, dem sich niemand entziehen kann,- trotz regelmässigen Tempotrainings. Man kann ihn halt höchstens versuchen, deutlich zu verlangsamen.
Im Juni z.b. lief ich über 10 KM eine 41:35 Min., was für sub-3h einfach zu langsam ist.
Vergleich: Vor meiner PB im Jahr 2019 konnte im Sommer noch ca. 38:40 Min. auf 10km laufen !
Halbmarathon knapp unter 1:25h,- heute höchstens 1:28h.
In der Startphase hielt ich mich die ersten KM auch extra zurück und lies den 3h-Pacemaker mit der Gruppe ziehen.
Die ersten 3 bis 4 km waren noch etwa 10 bis 15 Sek./km langsamer als MR-Pace. Erst danach kam ich auch besser in den Rhythmus und pendelte mich bei ca. 4:20/km ein, was ich auch für angemessen hielt.
Die Stimmung in der City war wieder genial,- trotz des leichten Regens.
Wahnsinn, was die Orga hier jedes Jahr auf die Beine stellt und wie die Zuschauer an der Strecke einen anfeuern und motivieren.
Auch das Rahmenprogramm mit Showacts, Bands usw. ist immer aussergewöhnlich.
Es lief weiter recht rund bei mir: Die 10km-Marke erreichte ich bei 43:45 Min.,- was auf keinen Fall zu schnell war.
Das Feld zog sich nun immer mehr auseinander und ich lief nicht mehr immer in einer Gruppe.
Zum Glück herrschte ausserhalb der City kein allzu starker Wind,- aber gerade im Singlet spürte man doch manchmal einen ordentlichen Luftzug und die Haut & Stoff waren durch den Regen ohnehin schon klitschnass.
In einer Passage kam dann plötzlich ein irrsinnig schneller Läufer mit beeindruckend raumgreifenden Schritten an uns vorbeigeprescht! Ich erkannte ihn sofort: Es war kein Geringerer als der deutsche Elite-Läufer Hendrik Pfeiffer, welcher aber über die 28 KM-Distanz gestartet war, bei der der Startschuss erst später erfolgte.
So, ich versuchte, weiter mein eigenes Tempo ökonomisch zu laufen: Halbmarathon-Marke in 1:31,51h erreicht,- auch noch im Rahmen, und dann ab ca. 25 km wurde es schon auch fordernder und man musste mehr arbeiten.
Erste kleine Zipperlein wie leichte Seitenstiche machten sich bemerkbar und auch muskulär begann es schwieriger zu werden.
Ich fühlte mich aber noch einigermassen gut, auch wenn ich bereits ahnte, dass es mit der erhofften sub-3:05h knapp werden könnte.
Ich griff an den gut bestückten Verpflegungsstellen nun öfters zu ISO-Getränken. Gels bekam ich einfach keine runter,- damit hatte ich im Marathon schon immer Probleme gehabt.
Ab KM 30 ging es allmählich zur Sache, die Beine wurden schwerer und so ab KM 33 merkte ich, das sich die gewünschte Pace nicht mehr halten lies. Das Tempo fiel unweigerlich ab bis ca. 4:40-4:45/km, und ich betete schon fast, das es nicht noch zäher werden würde, was dann zum Glück auch nicht eintrat.
Aber es war jetzt nur noch ein Durchhaltekampf und der Versuch, einigermassen in Rhythmus bleiben.
Die Zuschauer (nun in Roxel) pushten einen schon super, oft wurde mein Vorname gerufen (stand ja groß auf der Startnr.), was wirklich geholfen hatte. Also an Aufgeben war überhaupt nicht zu denken.
Aber man sehnte schon sehr die KM-Schilder herbei, und endlich war man wieder in der City, wo man nochmal überwältigend empfangen und gefeiert wurde! In einer engen Passage z.b. standen die Cheerleaders ganz dich Spalier und man wurde hier regelrecht getragen. Wie in einem elektrisierenden Feier-Tunnel. Gänsehaut pur!
Und dann endlich erreichte man den Prinzipalmarkt der westfälischen Friedensstadt sowie den Zielbereich.
Ich befand mich im absoluten körperlichen wie mentalen Ausnahmezustand und zapfte bereits die autonome Reserve an,- eigentlich schon früher.
Aber jeder, der schon mal einen Marathon am obersten Limit bzw. Leistungsgrenze gelaufen war, kennt das sicher.
Das macht halt die Königsdistanz so einmalig und wahrlich auch so gefürchtet.
Auf die Uhr hatte ich schon länger nicht mehr geblickt, und auf der Anzeigetafel erkannte ich, dass es doch über 3:06h war,- genau genommen hatte ich dann eine Nettozeit von 3:06,39h stehen.
Hinter der Ziellinie war ich dermassen platt, dass ich die Medaille kaum richtig empfangen konnte und im ersten Moment fürchtete, zu kollabieren. Aber bloss nicht stehenbleiben, Hauptsache in Bewegung bleiben, wenn auch mit höllisch schmerzenden, extrem steifen Beinen.
Da fragte man sich einmal mehr, warum man sich das immer wieder antut.
Aber man wird ja auch belohnt,- z.b. mit AK-Platz 2 (M60),- nur ganze 21 Sek. hinter Platz 1. Also das hatte mich schon etwas gewurmt. Zu Platz 3 hatte ich wiederum sehr deutlichen Abstand erlaufen.
Also ich war nicht unzufrieden am Ende, auch wenn es nun nicht ganz wie erhofft gelaufen war.
Immerhin mein drittbestes Ergebnis in Münster und von meinen insgesamt 18 Strassen-Marathons steht die Zeit im Ranking auf Platz 6,- trotz fortgeschrittenen Alters.
Da darf man schon etwas stolz sein und ich nahm bei der AK-Siegerehrung denn auch den Preis u. die Urkunde in Empfang.
Gesamtplatz übrigens 151,- von ca. 3.500 im Ziel gewerteten Finishern.
Nun werde ich mich erstmal mit 14 Tagen Erholungsurlaub belohnen und in dieser Zeit sicher nur Wandern und Radeln,- Laufen wohl eher nicht.
Übrigens: Meine Uhr hatte eine Distanz von 42,51 KM (Schnitt 4:24/km) mit knapp 130 HM gemessen.
Also ganz flach ist die Strecke auch nicht, wegen einigen Brücken und zuweilen ganz leichten Anstiegen, was sich dann eben summiert über die lange Distanz.
Im Vergleich zu Hannover, wo ich auch schon mehrmals gestartet war, ist sie wohl auch nicht ganz so schnell.
Münster-Marathon 2026: Meine 9.Teilnahme
1
Zuletzt geändert von movingdet65 am 14.09.2026, 22:34, insgesamt 1-mal geändert.