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Mont Ventoux

Mont Ventoux

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Hallo

Mont Ventoux
Der kahle Riese inmitten der Provence – ein Berg voller Dramen, Tränen und Schicksale,

aber NICHT für mich !!!
Ich war bereits 1998 schon mal da oben, damals mit Frau und Kind und ohne jegliche sportliche Ambitionen, einfach nur den Radprofi`s zuschauen. Dieses Jahr war wieder Urlaub mit dem Wohnmobil in Südfrankreich geplant und der Stefan kommt auf die """bekloppte""" Idee, den Mont Ventoux hochzulaufen.

30.05.2022

Strecken- und Akkucheck vom E-Bike meiner Frau
Meine Frau wollte eigentlich mit dem Rad bis nach oben mitfahren, leider war ihr Akku bereits bei Km 8 fast leer, er war vorher schon einige viele Kilometer benutzt worden. Eigentlich war hier der Plan, den Mont Ventoux hochzulaufen, bereits gestorben. Ein kurzer, aber sehr heftiger Tod. Ohne zusätzliche Wasserversorgung wäre ich NIEMALS den Berg hoch- und wieder runtergekommen. Jetzt kam Plan B ins Spiel. Ich wollte am nächsten Tag wenigstens bis Km 11 laufen und dann umkehren um wenigstens einen Halbmarathon am Mont Ventoux geschafft zu haben. Also weiterhin auf Hochlaufen eingestellt, geistig und körperlich (es gab Nudeln und Tomatensosse zum Abendbrot --- sau lecker) und ich bin frühzeitig ins Bett. Die Nacht davor war wegen der Fahrt von Giessen nach Malaucene sehr kurz gewesen.
Mülltonne für Radler (die Strecke war sehr sauber) 31.05.2022

Ich hatte eine sehr unruhige Nacht und viele negative Gedanken im Kopf (von wegen Gipfel und so). Nichtsdestotrotz war ich bereits 05.40 Uhr richtig munter und stand demzufolge auch auf. ICH WOLLTE JA LAUFEN!!! Müsli essen, Kaffee trinken und Trinkblase füllen erledigte ich so nebenbei und sprach mit meiner Frau über alles Mögliche, nur NICHT über den Gipfel. Kurz nach 07.00 Uhr bin ich dann los Richtung Ortszentrum von Malaucene, um dann an der Kreuzung Richtung Mont Ventoux die Uhr zu starten und loszulaufen. Ich war gaaanz allein auf der Strasse nach oben unterwegs, kein Auto, kein Radfahrer und schon gar kein Läufer. :-):-):-) Die ersten Kilometer lief ich sowas von locker aufwärts. Es nieselte ganz leicht, Temperatur war wohl ca. 15 Grad (genau mein Wetter) und mein Kopf war frei und die Beine herrlich locker. Ich war hin- und hergerissen. Lauf ich bis hoch gibt es RICHTIG Ärger mit meiner Frau (wegen der ausgemachten Zeiten), laufe ich NICHT bis hoch, gibt es bis in alle Ewigkeit Ärger mit meinem Kopf, von wegen Gipfel NICHT erreicht. Ich wusste bis Km 8 NICHT, was ich machen sollte. Dann wurde mir die Entscheidung abgenommen, ich hörte hinter mir eine Fahrradklingel und dachte so bei mir, nanu, die Strasse ist doch frei und ein Rennrad mit Klingel wäre schon sehr ungewöhnlich und dann kam die für mich SEHR POSITIVE Überraschung.

Meine Frau kam auf dem Fahrrad angefahren und hatte eine zuzätzliche Wasserflasche dabei.

Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass mir jetzt nicht nur ein Stein, sondern ein ganzes Gebirge vom Herzen gefallen ist. Wahnsinn, verrückt, voll """bekloppt""" !!! Ich darf bis hoch laufen! Ich werde irre! Ich fasse es nicht! Ich habe nicht nur eine Freudenträne rausgedrückt. Mann oh Mann, war ich jetzt voll Freude, voll Adrenalin, voll mit sonst was. Egal was, Hauptsache laufen. Sie begleitete mich bis Km 13 und da füllte ich dann auf einem Hubschrauberlandeplatz meine Trinkblase auf und dann ging die Post ab Richtung Gipfel.
Jetzt waren es nur noch 8 Km und ich war voller Euphorie. Ich schaffe es !!! Jetzt gab es kein Zurück und kein Halten mehr. Ich will nach oben!!! Mittlerweile wurde die Strasse auch etwas voller. Die ersten Auto`s und auch Radler fuhren nach oben und überholten mich. Dies störte mich aber überhaupt NICHT. Ich hatte jetzt nur noch Eines im Kopf. Ich will den Turm berühren. Mehrere Radler zollten mir ihren Respekt, in dem sie mich abklatschten und einer rief mir in texanischem Slang zu : "Respekt, Respekt". Es wird doch nicht etwa der Herr Armstrong gewesen sein. :-):-):-) Bei Km 18 bekam ich dann doch einen GROSSEN Schreck. Ich hatte die letzten Bäume hinter mir gelassen und sah zum ersten Mal, ach nee zum zweiten Mal die Bergspitze. 1998 hatte ich sie ja zum ersten Mal gesehen. Es waren zwar nur noch 3 Km, aber die hatten es in sich. Die Serpentinen aufwärts waren sehr deutlich zu sehen und es ging gefühlt ständig 25% aufwärts. Mann oh Mann, was hatte ich mir da vorgenommen. Ich muss meinen Kopf irgendwo verloren haben, dass ich mir so etwas antue. Nichtsdestotrotz riss ich mich am Riemen und überzeugte meine Beine, dass sie im zügigen Stechschritt da hochmarschierten. Bei km 20,5 kam mir dann der Fotograf von der Firma Sport-Photo.fr entgegen und knipste mich mit seinem riesigen Fotoapparat. Sein Auto parkte am Strassenrand und ein bequem aussehender Sessel stand daneben. Jetzt kamen mir aber sehr komische Gedanken, von wegen hinsetzen und ausruhen und faulsein und so. Nichts da, sagte mein Kopf, du bist zum Laufen hier und NICHT zu irgendwelchen anderen Sachen. Gedacht und getan, weiter ging es. Endlich.

ICH WAR OBEN !!!

Nach knapp 3h hatte ich es geschafft.
Ich stand auf dem Plateau des Mont Ventoux in 1912m Höhe über dem Meeresspiegel.
Ich hätte platzen können vor Stolz.
Ich war, gefühlt, der erste Mensch da oben.

Jetzt drückte ich meine Uhr auf Stopp und speicherte den Lauf, da ich nicht wusste, wie lange der Akku noch hält.
Danach machte ich noch ein paar Foto`s für ein paar Radler. Auf die Idee, mir eine Flasche Cola oder Wasser in dem Kiosk zu kaufen und sie mit Hilfe meiner Uhr (Garmin Pay) zu bezahlen, kam ich überhaupt NICHT. Dieser Fehler sollte sich dann später als äusserst negativ herrausstellen. ICH BIN EBEN ALT!!!
Auf jeden Fall machte ich mich dann zu Fuss auf den Weg nach Malaucene, frohen Mutes und voller Adrenalin begann ich ich abwärts zu laufen. Nach ca. 500m kam mir dann o.g. Fotograf wieder entgegen und knipste mich wiederum mehrmals und jetzt gab er mir sogar seine Visitenkarte. Jetzt hatte ich sogar einen Fotobeweis, der Turm des Mont Ventoux und ich auf einem Bild. Das ich das erleben darf. WAHNSINN!!!
Auf den ersten 5 Km blickte ich mehrmals nach hinten, wenn ich ein Auto hörte. Der Hintergrund war ganz einfach, ich wollte per Anhalter nach unten kommen. Es hielt aber niemand an, also stellte ich mich auf einen zweiten Halbmarathon ein, dieses Mal jedoch nur abwärts. Dies gelang mir sehr gut. Ich wollte eigentlich mit einem Schnitt von 06.30 min/Km runterlaufen, aber wie das immer so ist mit meinen Plänen. Ich halte sie NICHT ein. So ungefähr bei Km 30 machte sich dann der Magen bemerkbar. Er hatte einfach nur Hunger. Auch die Oberschenkel wollten das ständige Abwärtslaufen NICHT mehr haben und fingen an zu meckern. Es war jetzt nur noch ein Zehner und der geht, ach nee läuft, bekanntlich immer. Mehrmals griff ich nun auch an den Rucksack, um den Füllgrad der Trinkblase zu ertasten. Der Widerstand der Trinkblase wurde immer geringer und der Wasservorrat wurde demzufolge immer weniger und es war mittlerweile Mittagszeit, also um einiges wärmer als am Morgen. Oweh oweh, wie sollte das ausgehen??? Jetzt verfluchte ich meine Gedankenlosigkeit, von wegen auf dem Gipfel Wasser kaufen und so. Also zwang ich mich alle 2 Kilometer zum Langsamlaufen , um gaaanz vorsichtig ein paar Schluck Wasser aus der Trinkblase zu saugen und ja nichts zu verschütten. ES GELANG MIR!!! Mittlerweile war ich bei Km 19 angekommen. Da waren doch tatsächlich rechts von der Strasse ein paar Touristen beim Boulespielen und als sie mich sahen, spendeten sie mir Beifall . Dies gab mir nochmal Auftrieb, um die letzten 2 Km zu laufen. Ich musste bis mitten in den Ort, um dann endlich den 21. Km vollständig in der Uhr und auch in den Beinen zu haben.
Vor dem Wohnmobil stellte ich dann fest: Die Trinkblase war komplett leer!!!
Es hat gerade so gereicht. Das war Massarbeit oder Glück oder wie auch immer.

Gruss Stefan

Fazit: Ich habe mich selbst auf den Namen: " Mister Mont Ventoux" getauft. :-):-):-)
Eine Blase am linken kleinen Zeh, sehr schwere Oberschenkel für die nächsten Tage und ein Kopf voller positiver Gedanken habe ich von diesem Lauf einbehalten.

DER BERG IST MEIN FREUND!!!
(Dem habe ich nichts hinzuzufügen.)
Und wieder springe ich über Pfützen oder mitten hinein!!! :-)
Nur diejenigen, die es riskieren, zu weit zu gehen, können herausfinden, wie weit sie wirklich gehen können. -T.S. ELLIOT
http://forum.runnersworld.de/forum/lauf ... athon.html
http://forum.runnersworld.de/forum/lauf ... 017-a.html
forum/threads/131192-Mont-Ventoux

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Toller Lauf und toller Bericht. :daumen: :daumen:

Und auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: deine Frau ist wirklich großartig und kennt dich zudem ziemlich gut. :nick: :teufel:
5 km - 22:23 (16.10.2022 - The Great 10K)
10 km - 44:40 (16.10.2022 - The Great 10K)
HM - 1:39:18 (28.08.2022 - Die Generalprobe)
25 km - 02:02:00 (15.05.2022 - S 25 Berlin)
M - 03:38:13 (25.09.2022 - Berlin Marathon)

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Hallo

Danke schön für eure für mich positive Rückmeldung und das Lesen meines Berichtes.

@ heikchen
Jaaaaaaa, du hast sowas von richtig Recht :-):-):-) und du darfst dich ruhig noch 100 Millionen Mal wiederholen. Es ändert sich nichts , DU HAST RECHT.

Gruss Stefan

PS: Anbei noch das Höhenprofil des Laufes.
Und wieder springe ich über Pfützen oder mitten hinein!!! :-)
Nur diejenigen, die es riskieren, zu weit zu gehen, können herausfinden, wie weit sie wirklich gehen können. -T.S. ELLIOT
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Ich hatte Deinen “Ausflug” ja schon bei Strava gesehen und zunächst (das Wort “Ventoux” triggert mich da halt schon) für eine Radeinheit gehalten. Erst als ich mich über die relativ lange Fahrtzeit downhill gewundert habe, ist mir aufgefallen, dass Du da hochgelaufen bist.

Klasse Aktion! So was mag ich unheimlich!

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Hey Stefan,
auch von mir: klasse Aktion, da geht es mir wie todmirror, so was liebe ich ja!
Musste einige Male lauf lachen beim Lesen, ich habe dich wirklich reden gehört! War herrlich!
Danke fürs Mitnehmen nach Frankreich, liebe grüße,
nachtzeche
"Die auf den Herrn harren kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden!" (Die Bibel, Jesaja 40,31)

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Hallo

Nachtrag zu meinem Lauf auf den Mont Ventoux.
Hab ich eben im Web geklaut, weil sie, wie ich finde, sehr ansehenswert sind.

Gruss Stefan
Und wieder springe ich über Pfützen oder mitten hinein!!! :-)
Nur diejenigen, die es riskieren, zu weit zu gehen, können herausfinden, wie weit sie wirklich gehen können. -T.S. ELLIOT
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Hallo

Ich hole diesen Faden nochmal hoch.

Ein kleines Quiz zur Auflockerung.

Diese Zeitung ist der Hit.
Wann kriegt ihr das endlich mit?
Diese Zeitung müsst ihr koofen.
Das ist 'ne Zeitung für die ... .

Die letzte Zeile kann ich NIEMALS ÜBERHAUPT GAR NICHT bestätigen.

Na, woher kommen diese Zeilen? Auf jeden Fall NICHT von mir.
Titel und Interpret?

Die Zeilen und Bilder habe ich aus der aktuellen Novemberausgabe der Runnersworld stiebitzt.
Viel Spass beim Lesen.

Gruss Stefan
Antworten

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