Hier mein kleiner überarbeiteter Reisebericht von unserer Ungarntour letztes Jahr.
Ich habe 4 Kinder und möchte mit jedem eine kleine aber unvergessliche Abenteuerreise in ihrem Teenageralter machen. Bisher mit dem Tourenrad, Alpencrossing Füssen-Meran mit meinem Ältesten 2018. Rennradreise Lindau-Bern mit meiner ältesten Tochter 2024.
Und hier Nummer drei:
Ausrüstung und Technik. Wir sind mit zwei Yeedo Meseq unterwegs, ergänzt um Gepäckträger vorn und hinten und diverse Anbauten für Wasser, Werkzeug und Stecklicht. Zwei kleine Minischlösser welche sich aber verbinden lassen. Der grüne Roller ist fast neu und hat seine original Bereifung der andere etwas älter aber mit neuen Schwalbe Big Apple/Big Ben. Neue Bremsbeläge auf beiden Rollern. Zur Navigation dient uns der Sigma Rox 4.0 Strecken sind mit Komoot vorgeplant als Fahrradstrecken wobei ich km für km nochmal durchgehe und anpasse. Campingausrüstung: Ist günstig und wenig/leicht. Billiges Zweimannzelt mit zwei Eingängen, Isomatten von Decathlon, Schlafsäcke einmal BW und einmal irgendwas ähnlich Großes und Warmes. Ansonsten bisschen Werkzeug, viele Gurte, minimales Essgeschirr, Electrolyte, Spirulina, Zahnbürste (etc.). Schuhe Salomon Alpahcross und Salomon Speedcross. Ich Radsportbekleidung mit rausgetrenntem Polster, mein Sohn Jogginganzug. Beide Mit Helm, welche wir aber auf ruhigen Abschnitten auch mal an den Lenker gehängt haben.
8. Juno 2025 Tag 1 Anreise.
Zeit in Bewegung 01:18 //Strecke 16,0km Durchschnitt 12,3km/h Vmax 36,5km/h 40Hm
Nachlassender Regen
Eigentlich sollte heute unsere große Tretrollertour von Österreich (Orth an der Donau) nach Budapest über Bratislava starten. Da in Österreich jedoch Dauerregen fiel, haben wir kurzerhand die erste Etappe ausgelassen und sind mit dem Auto durchgefahren bis zum reservierten Zimmer am Stadtrand von Bratislava. Am Abend hörte dann der Regen auf, und wir konnten noch eine kleine Runde durch die Stadt drehen. Als gelernter Ossi fühlt man sich ja hier ob der vielen Plattenbauten irgendwie heimisch, aber die Innenstadt hat auch ein paar schöne Seiten. Was mich beeindruckt hat, die Kirchen sind hier an Pfingstsonntag voll. So voll das die Leute bis auf die Straße stehen.
Morgen geht es dann richtig los. Das Wetter soll jeden Tag besser werden.
Tipp: Parken ist in Bratislava schwierig aber an den Vorstadtbahnhöfen gibt es einige kostenlose Parplätze welche am (Sonntag-)Abend leer sind. Montag früh dagegen voll.
9. Juno 2025 Tag 2 Bratislava-Novakpuszta
Zeit in Bewegung 05:38 Strecke 76,4 km Durchschnitt 13,6 km/h Vmax 35,3km/h Hm 60m
Heiter zunehmend warm und sonnig.
Heute mit Sonnenschein und einer guten Brise Wind, meist irgendwie von hinten, gestartet. Erstmal und das Gepäck angebracht, danach noch Frühstück in der nahegelegenen Kaufhalle. Dann raus aus Bratislava über die Donau und auf den Donauradweg. Eingewöhnungsphase; fahren mit Gepäck (gut) und Tempofindung. Super asphaltierte Strecke. Kurz ins drei Ländereck für Statshunter- und Geocachingpunkte. Später in Ungarn noch Geld geholt und Eis gegessen. Strecke war eigentlich gut. Am Ende hatte ich aber auf Feldweg geplant das war beschwerlich und extraweit. Am Ende waren es 76km. Das ging erstaunlich gut und bis auf die Füße fühlt sich mein Körper ganz entspannt an. Wir sind jetzt auf einem netten Hippiecampingplatz in Novakpuszta. Mal sehen ob es was zu essen gibt?! Der Koch hat leider vergessen am Samstag einzukaufen (wir auch) und heute ist in Ungarn Feiertag. Aber doch es war improvisiert, lecker und gemütlich.
https://www.kompaszkemping.com/de
Tipp: Landstrassen welche man in der Woche meiden sollte, lassen sich am Sonntag mitunter entspannt befahren.
10. Juno 2025 Tag 3 Novakpustza-Györ
GPS Aufzeichnung versehentlich gelöscht ca. 25km, flach
Sonnig, starker Wind meist von vorn.
Vormittags gingen wir es ruhig an. Es gab improvisiertes Frühstück zum Selbermachen. Über Mittag mieteten wir uns noch das Kanu vom Campingplatz für zwei Stündchen. Wirklich entspannter Campingplatz. Die 76km gestern waren zu merken, machten aber auch Lust auf mehr, vielleicht morgen. Heute ging es erstmal nur von Novakpustza nach Györ. Das waren zwar nur 25km aber bei heftigem Gegenwind genug. Ausserdem währe es Schade gewesen wenn wir Györ ausgelassen hätten. Die Stadt gefällt mir. Und wo ich neulich noch zu jemandem sagte: Früher war mehr Springbrunnen. Hier gab es das volle Programm; Springbrunnenshow zu Musik und Licht. Die ersten Langos sind auch verputzt und ob eines guten Angebotes logieren wir ganz fein im 3 * Hotel mit Frühstück. Der Portier fragte ob wir Fahrräder dabei haben: "Äh, ja sowas in der Art." Morgen gehts entweder 40 oder 90km weiter. Entscheidet sich nach quadriceps femoris und Beaufort. https://www.danubiushotels.com/de/unser ... hotel-raba

Bewegungszeit 06:25 Strecke 94,9 km Durchschnit 14,8 km/h Vmax 34,7 km/h Hm120
sonnig, zunehmend heiss, abschwächender Wind
Nach einem opulenten Frühstück im Hotel in Györ ging es auf sehr guten Radwege bis Komarno flott voran. Eigentlich als Tagesziel geplant aber ach; die Stadt war hässlich und es war viel zu früh um dort den restlichen Tag zu verbringen, also verlängerten wir bis Esztergom/Gran. Nach Komarno wurde die Strecke deutlich schlechter als gewohnt. Der Eurovelo 6 verläuft hier teilweise auf schlecht ausgebauten aber schnell befahrenen Bundesstraßen (gesamt ca. 15km) oder ist als Betonplattenradweg in desolaten Zustand. Da fing gleich der hintere Gepäckträger am grünen Roller an Geräusche zu machen. Der Vorteil mit dem Kickbike ist das man zumindest in den Ortschaften immer den Fussweg nehmen kann und mal von der Straße runterkommt. In der Summe waren es dann heute 95km und auch die ersten merkbaren Höhenmeter kamen ins Spiel, das ist viel aber immer noch nicht das totale Konditionslimit nur das Komfortlimit war überschritten. Die Fußskelette schmerzten etwas am Abend. Und der Trinkwasserverbrauch ist enorm. Ich habe gut 4l Wasser getrunken plus ein Gösser alkoholfrei zum Langos am Mittag und ein Redbull und eine viertel Melone am Nachmittag. Melone ist geil! Wasser und Zucker! Am Abend gabs dann im schönen Gran noch Burger und Reis. Und ein Bad im Campingplatzpool. Schöne Donau hier, schöne Stadt. Jetzt sind wir so richtig im Randonneur-Feeling. Unterwegs (ca. km 30) hatten wir einen Deutschen Gravelfahrer getroffen, dieser wunderte sich dann schon als wir Abends auf dem gleichen Zeltplatz waren. https://grancamping.hu/
Tipp: Ab Komarno bis Gran lieber den Radweg auf der slowakischen Seite nehmen. Der soll in hervorragenden Zustand sein.
12. Juno 2025 Tag 5 Esztergom-Szendentre
Bewegungszeit 04:49 Strecke 68,3 km Durchschnitt 14,2km/h Vmax 33,0km/h Höhenmeter 160m
zunehmend heißer
Heute war das Ziel in geplanten 63km ein Campingplatz vor den Toren Budapests.
Zuerst ging es noch einmal rüber in die Slowakei und dort auch noch einmal ein paar km auf Bundesstrassen. Aber bei wenig Verkehr und vor allem nahezu keine LKWs. Auf der Strecke trafen wir heute auch mehrfach ein Paar aus Dresden wieder, diese waren mit Biorädern seit Wien unterwegs und auf dem Weg nach Györ (Tag3) hatten wir sie immer wieder getroffen. Auch andere Radler hatten den gleichen Takt und sind am Abend wieder auf dem Zeltplatz.
Die Landschaft wechselte heute und statt Pusta gab es nun endgültig Donautal bzw. Donauhänge. So waren auch ein paar mehr Wellen im Profil von Bergen kann man bei 155Hm auf 68km noch nicht reden. Eine Dreiergruppe Inder oder Pakistani auf Fahrrädern überholte uns heute mehrfach und war dann auch auf der Fähre über die Donau mit dabei. Obwohl wir mit der Fährfahrt den EV6 eigentlich verlassen hatten und mit einer komootgeplanten Fahrradroute zum Camping per Navi fuhren kam wir dann doch wieder auf den EV6.
Scheinbar wechselt er ein paar Fähren flussabwärts auch die Seiten oder teilt sich wieder. Am Ende waren die 68km heute genug. Die 30km extra bis nach Budapest rein wären Quälerei gewesen und im Stadtverkehr auch nicht ungefährlich da die Konzentration nachlässt. Es war heiss heute. Abends auch hier nochmal ins Städtchen gerollert, es gab wieder Burger mit Pommes aber diesmal von der guten Art. Der Gepäckträger von meinem Sohn ist vom Sitzen gebrochen, konnten wir aber reparieren. Den Schlafsack hält er, sitzen ist nicht mehr.
https://pap-sziget.com/
Bewegungszeit 02:49 Strecke 37,7km Durchschnitt 13,4 km/h Vmax
tagsüber unangenehm heiß, abends dann schöne nachlassende Großstadthitze
Heute der letzte Tag. Morgen gehts nur noch zum Zug. Vom Camping ging es Richtung Budapest weiter auf dem EV6, der Budavari Palota (gibt einen Orden bei Statshunter!) lag am Weg und so nahmen wir den Kulturteil gleich am Anfang mit. Der Aufstieg dort war steil aber vor allem war es heiss. Gefühlt wurde es jeden Tag heisser, in der Großstadt natürlich noch unangenehmer als auf dem Land. Die Abfahrt von der Burg war dann nochmal schön, bevor es dann zum Biker-Camping-Platz ging. Seit Oktober 2025 leider dauerhaft geschlossen http://bikercamp.hu/. Dieser ist eine kleine Wiese hinter einem Stadthaus. Paar Randonneure sind schon da, auch ein bärtiger Franzose welcher auch auf dem gestrigen Zeltplatz war und uns heute während der Fahrt videointerviewt hat. Die Besitzer des Camps müssen deutsche Vorfahren haben, soviel Hinweisschilder wie hier hängen;) Ist aber ganz gemütlich. Zum Mittag gabs erstmal Döner, später kickten wir nochmals los, zur Stadtbesichtigung um Zugtickets zu kaufen. Dort am Schalter den Roller gezeigt: Ähm, ist das hier ein Fahrrad? Spontanes einstimmiges Nicken beim Bahnpersonal. Fahrt durch Budapest war auch ein großer Spaß mit den Rollern jetzt ohne Gepäck, natürlich mit Helm und auf dem Rückweg auch mit Licht. Da zeigten sich noch einmal alle Vorteile eines Roller; schneller Ampelstart, rauf auf den Fußweg runter vom Fußweg, Schnellstopp und abgestiegen...
Tipp: Der Schalter für internationale Zugickets ist im Bahnhof rechts ganz am Gebäude lang und dann und dann recchts (zweimal?) um die Ecke.
War die Reaktion von einem Bekannten. Andere fragten warum wir nicht mit dem Fahrrad fahren.
Wenn man die Sache anders herum betrachtet also vom Wandern oder Fastpacking (Ultraläufe mit Gepäck) ist so ein Roller ganz praktisch. Man muss sein Gepäck nicht tragen, man kann sich bergab mal ausruhen, man darf, anders als mit dem Rad, überall lang und es kann einem weniger als am Rad kaputt gehen.
Auf der anderen Seite ist man immer ein bunter Hund und viele (Radfahrer) nehmen ein nicht ganz ernst (Nach 95 Tageskilometern dann aber wieder doch) oder lachen sogar über einen. Das sollte man abkönnen. Und einer von gefühlt 500 hat so ein Leuchten in den Augen. Ein Spanier im Bikercamping in Budapest wahr ganz fasziniert, er hat schon 5 Fahrräder aber ach "oh, even with discbrake!"