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Alter/Erfahrung schützt nicht vor Sturheit

Alter/Erfahrung schützt nicht vor Sturheit

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44. Vaihingen Marathon am 15.02.26
 
 
Ich habe mein Laufen nicht eingestellt - ich laufe noch sogar Wettkämpfe/Marathons und hier
gibt es den Laufbericht zu meinen 1.Marathon in 2026 - etwas verspätet, aber hier ist er endlich!
Ohne große Pausen bin ich den Winter durchgelaufen, keine Wettkämpfe seit Mitte Dez25, doch
meine Trainingsrunden habe ich weiter gedreht, oft meine Standartrunde 11/12Km, selten mal
15 oder mehr und nur wenn's mal gar nicht gepasst hat, oder die Lauflust sehr gering war dann
halt mal nur 8Km. Doch als Aufbau für meinen 1.MA in 2026 waren es dann auch 25Km - das
brauche ich schon alleine um zu wissen: ich kann es noch!
Der Thermen-MA in Bad Füssing - wie so oft immer Anfang Februar - passt mir diesmal nicht, 
ich entscheide mich bei Christoph Holzapfel in Vaihingen (bei Stuttgart) meinen Marathonstart
in 2026 zu platzieren. Schon mehrfach bin ich bei Ihm gestartet auch wenn die letzte Teilnahme
schon etwas her ist.
So fahre ich am Sonntagmorgen dorthin - schon sicher ist, die wärmen Tage die ich z.T. schon 
im Training genossen habe sind erstmal vorbei, im günstigsten Falle werde ich einige Plusgrade
erwarten können und ganz wenig Sonne... eher bewölkt.
Entsprechend habe ich meine Laufklamotten gewählt: Lang, Lang mit Schlauchtuch um Hals und
Kopf und windabweisender Jacke, Handschuhe dürfen auch nicht fehlen. 
Es ist ein kleiner MA nach Statuten des MA100-Club, insgesamt starten heute 16 Läufer(innen),
davon absolvieren 14 den MA. Als ich ankomme, sehe ich gerade wie Einige auf Ihre 2.Runde
gehen - insgesamt liegen 4 Runden a' 10,5Km vor mir, vor der Ersten wird noch eine kleine Schleife
um ein Verkehrssschild gelaufen, dann los zur 1.Runde.
Die Strecke ist nur noch rudimentär markiert, es ist sicher schon eine zeitlang her das Christoph
die Markierungen ausgebessert hat, doch es gibt einen GPS-Track und zudem ist allen Teilnehmern
die Strecke "bestens bekannt"...
Ausgestattet mit Trinkgurt und Handy geht's endlich los... erst einige KM durch Vaihingen dann mehr
oder weniger raus auf Schotter- und Waldwegen. Ich erkenne gleich hier hat es ein wenig gescheit,
die Straße ist frei davon, doch auf manchen Autos liegen Spuren von leichten Schneefall, die bald 
verschwinden. Einige Straßen im Zick-Zack durch die Vaihinger Straßen, auch durch den S-Bahnhof,
kurz danach geht es seitlich weg, plötzlich ein versteckter kaum ersichtlicher Trail: "Im Himmel" heißt
das hier und für Jemand, der nicht weiß das Er hier lang muss, der wird es kaum entdecken. Doch
anders als es der Name vermuten lässt ist es hier und heute kein himmlischer Trail, eher ein rutschiger
und schlammiger Trampelpfad, den ich bei der nächsten Runde vermeiden werde, Christoph hat bereits
in der Ausschreibung darauf hingewiesen, falls der Pfad kaum passierbar ist, einfach parallel die Straße
weiterlaufen und etwas später nach links abbiegen und dann Richtung Waldweg laufen. Genauso werde
ich das in der 2.Runde machen.
So laufe ich dann weiter auf gut laufbaren, weil befestigten Weg durch den Wald... und nach 1KM er-
reiche ich eine Abzweigung - geht es nun hier geradeaus schon bergab, oder erst rechts halten und 
später links bergab? Plötzlich stehe ich vor dieser Frage, wo ich gar nicht dachte das es es hier eine
Frage sein könnte... Unsicherheit ergreift mich plötzlich und ich muss mich entscheiden - will nicht
extra auf dem Track auf dem Handy nachsehen: wird schon stimmen denke ich mir und laufe gerade
den Berg hinunter... da kommt demnächst eine Brücke zum überqueren und dann muss ich nach 
rechts - so meine Erinnerung.
Das ist im Prinzip auch so, doch irgendwie ist die Abfolge und die Umgebung anders als erwartet, war
die Brücke nicht viel später (und kleiner)? War da nicht ein längerer Weg so etwas nach rechts und
dann eine langgezogene Linkskurve bergab?
Die Zweifel werden größer und ich will schon umkehren, den Berg hochlaufen, da kommt der folgen-
schwere Gedanke, auch wenn es falsch sein sollte ich komme doch sicherlich da vorne irgendwie
wieder auf die Orginalstrecke und es werden sicherlich weniger Zusatzmeter, als wenn ich nun um-
kehre und wieder die Orginalstrecke suche...
Wider allerVernuft schalte ich auf stur und glaube/hoffe demnächst wieder auf den richtigen Weg
zu kommen... ich laufe weiter und weiter und merke ich entferne mich von diesem, laufe besten-
falls parallel dazu - wie sich später herausstellt, viel weiter nördlich. Auf einen breit ausgebauten
Freizeitweg, der Bürgerallee laufe ich weiter und ich weiß ich müsste irgendwo jetzt nach rechts
abbiegen, um in die Nähe meiner Strecke zu kommen. Warum ich den Sandweg, der mich dorthin
führen würde, verpasse weiß ich nicht, anscheinend bin ich von allen "guten Geistern" verlassen
und laufe verunsichert und bergauf immer weiter weg. Ich erreiche eine Art Wanderparkplatz,
hier treffe ich auf einige Gassigeher und frage nach Wegen und einer Bahnlinie, die ich fest in
Erinnerung habe. Doch wirklich helfen kann mir Niemand, ich kann aber erkennen das dort ein
Stück "rechts unten" wohl eine Bahnlinie führt...
Also runter da und ich hole mein Handy raus um mich grob zu orientieren, den GPS-Track finde
ich leider auf die Schnelle nicht und meine herausgeholte Brille ist dreckig und beschlagen. Also
geht es erst mal so weiter, als hätte ich mich nicht schon genug "verfranst", steil bergab über 
einen kaum erkennbaren Weg geht es runter, immer mehr nasses Laub macht Laufen/Gehen
schier unmöglich. Und trotzdem versuche ich schnell da runter zu kommen - es kommt, wie
es kommen muss: irgendwann rutsche ich heftig nach vorne weg, das auf den Po fallen ist fast
einkalkuliert... doch das genau da ein Baumstumpf unter dem Laub liegt an dem ich mir heftig
die linke Hüfte stoße (und prelle) natürlich nicht. Ich fluche und schimpfe selbst mit mir - werde
dabei von einem weiteren Gassigeher beobachtet, der heftig mit dem Handy telefoniert. Er unter-
bricht sein Telefonat und rennt zu mir, ich bin ja nun unten auf einem weiteren Schotterweg ange-
kommen... will einen Sani rufen. Ich winke ab und raffe mich auf, laufe sofort weiter und bin und
so richtig sauer... auf mich. Einige Minuten später wieder eine Weggabelung - nun nehme ich mir
endlich die Zeit mich zu sortieren, Brille putzen und mich auf dem Handy zu navigieren, okay es
braucht ein ganzes Stück bis ich zur Strecke zurückkomme, aber nun bin ich auf dem richtigen Weg.
So beruhige ich mich selbst, dann über Umwege gelange ich zurück und stelle fest ich bin nur
ungefähr 1,5KM weiter von dem Punkt wo ich falsch abgebogen bin... der Riesenbogen Umweg
den ich jedoch gelaufen bin, das waren mehr als 5KM... dabei noch ewig rumgerätselt und auf 
dem Po gelandet.
Endlich zurück auf der Strecke versuche ich mich zu sortieren: gedanklich als auch ausrüstungs-
technisch: Okay die verlorene Zeit und KM sind nun passiert und nicht zu ändern, das steckt mir
aber auch in den Knochen (bzw Muskeln), aber ich bin auch ziemlich verdreckt, Hose und Jacke,
die Handschuhe sind derart nass und voller Schmutz, die kriege ich hier nicht halbwegs sauber.
So laufe ich ohne weiter... und das merke ich bei der kalten Witterung schnell, aber im Auto, an
dem ich Ende der 1.Runde vorbeikommen werde habe ich keinen Ersatz - ich werde also die
restlichen ca. 35KM mit kalten Händen laufen müssen - was für ein Einstand in diesem Jahr...
 
Der Axel taucht plötzlich auf - auch Er ist schon länger unterwegs und hat sich auf der 1.Runde
verlaufen - da gibt es doch Gemeinsamkeiten und so laufen wir ein ganzes Stück zusammen und
unterhalten uns ein wenig. Wir kennen uns (vom Sehen) aus mehreren Läufen und Beide nun seit
einer zeitlang Rentner. Wir unterhalten uns noch über unsere "Laufclubs", ich startee ja seit vielen
Jahren für die LG Ultralauf (bin dort zahlendes Mitglied), Er startet unter dem Namen "3Asse" - das
war mal so eine "Schapsidee" wie Er berichtet, waren eben 3 Läufer die mehrfach gemeinsam zu
verschiedenen Läufen (unterschiedliche Distanzen) gestartet sind. Doch mittlerweile ist von den Drei
nur noch Er als Läufer übrig, "da wäre es nur konsequent nicht mehr als 3Asse zu starten", meint Er
schmunzelnd. So laufen wir die 1.Runde mit dem knackigen Anstieg beim Burggrafenweg (1KM vor
Rundenende) gemeinsam - statt der ca 10,5KM sind es bei mir nun bereits über 15KM, auch Axel
hat hat ein paar "Bonusmeilen" gesammelt. 
Nun es lässt sich nicht ändern und nach kurzer VP-Pause am Auto, die nassen/verdreckten Hand-
schuhe lasse ich da, geht's auf zur 2.Runde... eine kurze kalte Windböe schüttelt mich - und ob ich
die Moral für die restlichen 3 Runden noch habe - diese Frage stelle ich mir gerade ganz bewusst
nicht!
Axel will etwas schneller laufen, muss sich mal in den Wald verabschieden... so trotte ich nun
alleine vor mich hin. Um ein näheres Ziel vor Augen zu haben konzentiere ich mich erstmal darauf
den versumpften "Im Himmel"-Trail zu umlaufen, gut so, das werde ich bei den nächsten Runden
genauso handhaben, die Entfernung bleibt sich gleich. Anschließend der nächste Fixpunkt: dort wo
ich falsch gelaufen bin, wird nun natürlich besonderes aufgepasst... wie konnte ich nur vorhin???
Schon 1,5Km später bin ich dort wo ich wieder zur Strecke zurückkam... so einfach hätte ich es 
vorhin auch haben können. Aber nun ist vorbei mit "Selbstvorwürfen" - vielleicht kann ich ja sogar
noch etwas die Laufstrecke geniessen und im Idealfall komme ich heute auch noch ins Ziel. Das der
Blick zur Uhr jetzt eben "Nebensache" ist... klar wie Kloßbrühe...
Immerhin begegnen mir einige Freizeitläufer und Spaziergänger und ein paar Sonnenstrahlen lassen
sich mal kurz blicken. Ansonsten bin ich einfach froh um meine Laufausrüstung, die mich vor Kälte
und gelegentlichen Wind schützt. Okay die verdreckte Jacke tut trotzdem ihren Dienst... die Hände
müssen frösteln und dementsprechend bewege ich sie immer wieder "zwanghaft".
Gegen Ende dieser Runde kommen mir einige Mitläufer entgegen, Sie laufen diese Runde gegen den
Uhrzeigersinn, auch der Organisator Christoph kommt mir entgegen und begrüßt mich.
Endlich wieder kurze Verpflegung am Auto und auch gleich los zu Runde 3. Tatsächlich hole ich mir in
dieser Runde die Gewißheit zurück, auch die nächste und letzte Runde anzutreten... und mir (wie fast
immer) das Finish zu sichern. Das macht doch gleich wieder bessere Laune mit dieser Überzeugung
unterwegs zu sein und so hole ich auch mein Handy raus um einige Eindrücke/Fotos festzuhalten - wie
schnell sich doch die Stimmung drehen kann.
Als ich dann die letzte Runde in angriff nehme ist das Alles längst Selbstverständlichkeit und das ich
heute eben über 6Std unterwegs sein werde verkommt fast zur "Nebensächlichkeit"... noch ein paar
Fotos und ein letztes Mal den Burggrafenweg hochgestapft. Ich habe schon versucht die Steilheit dort
im Foto festzuhalten - es gelingt nicht, so lasse ich das lieber bleiben. Immerhin "behauptet" Komoot
das dort 10-12% Steigung zu Anfang sind - in der Spitze dann über 15% - gefühlt sind es wohl noch
mehr... das Ganze 4x ist kein Pappenstiel - die Alternative: gegen den Uhrzeigersinn und da runterzu-
laufen, dafür anderswo langgezogen (mit weniger Steigung) bergauf - das ist für mich keine erstrebens-
werte Alternative, also bleib ich dabei.
Kurzer Hingucker zum Abschluss jeder Runde ist der Kurzbaumstupf auf dem Laufweg (siehe Urkunde),
hier wurde wohl ein Baum gefällt in dessen unteren Stamm sich eine Tierhöhle befand - ich rätselte
noch ob das wohl ein Eichhörnchenkobel gewesen ist, aber ich kann mir kaum vorstellen das sie derart
tief ihre Höhle anlegen?
Nach 6:09 Std bin ich endlich im Ziel - nun es waren fast 47KM mit meiner "Bonusrunde" - endlich im
warmen Auto mache ich mich auf die Heimfahrt. Zum Aufwärmen brauche ich erstmal zwei Kaffee zum
Mitnehmen - wo ist also die nächste Tanke, mein Navi lotst mich hin... doch als ich ankomme, wird sie
gerade geschlossen - doch der freundliche Tankwart erklärt mir gleich wo die nächste (geöffnete) ist.
Dort wärme ich mich am heißen Kaffee und ein kleines Gebäck gleich dazu... und der Ärger über den
extra langen MA weicht schon dem "Trotzdem-Geschafft-Gefühl".
Mitte Februar ist der erste Marathon eingetütet - ja wieder mal den Widerständen getrotzt:
Ich kann's noch!
Sportliche Grüße,
Roland

Zu den Fotos:
1. Nur auf der 1.Runde nahm ich den Trailweg, anschließend die Parallelstraße: Im Himmel war nicht himmlisch
2. Hier der folgenreiche Fehler: Geradeaus statt rechts - bedeutet fast 5KM mehr
3. Rössleweg - tatsächlich etwas mehr Wasser wie bisher gesehen
runners.high - Nomen est omen :logik:
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