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Laufschlacht im Teutoburger Wald: 54. Hermannslauf 2026

Laufschlacht im Teutoburger Wald: 54. Hermannslauf 2026

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Der Hermannslauf ist die grösste Breitensport-Veranstaltung in Ostwestfalen-Lippe und längst zum Kultlauf und Mythos geworden. Wer diesen Lauf bewältigt hat, egal in welcher Zeit, dem wird in der Region sofort grosser Respekt entgegengebracht.
Denn die 31,1 KM-Strecke zwischen dem Hermannsdenkmal bei Detmold und der Sparrenburg in Bielefeld hat es in sich: Der Schwierigkeitsgrad ist äusserst hoch, denn es geht praktisch ständig Auf und Ab und zudem wechselt oft der Untergrund: Mal Asphalt; dann plötzlich Sand-oder Waldboden. Und auch mal tückische Stein-und Schotterpassagen sowie Kopfsteinpflaster in Oerlinghausen kurz vor der 18 KM-Zwischenzeit.
Und ab KM 23 geht es dann auch noch steil die berüchtigten Lämershagener Treppen hoch!
Da wird man schon ordentlich gefordert und muss zudem hochkonzentriert bleiben, um nicht zu stürzen, umzuknicken oder anderen in die Hacken zu laufen.
Die nackten Zahlen von 560 HM bergauf und 750 M. bergab wirken eigentlich noch eher harmlos, sagen aber noch gar nichts darüber aus, wie schwer der Lauf wirklich ist. Das können nur jene beurteilen, die ihn schon bewältigt (und oft gelitten) haben.
Die Härte dieses Laufs besteht u.a. auch darin, das einige sehr schwierige und giftige Anstiege erst im letzten Drittel des Rennens kommen. Wer bis dahin sein Pulver schon verschossen hat, kann dann sein blaues Wunder erleben und jämmerlich einbrechen. Hier hat es schon so manche läuferische Schicksale gegeben. Selbst hartgesottene Spitzenläufer wie Florian Neuschwander (2019 einmal gestartet) mussten dies schmerzlich erfahren (nur Platz 5 und deutlich distanziert).
Also wer diesen Lauf unterschätzt oder unzureichend vorbereitet ist, hat praktisch schon verloren.
In diesem Jahr sind über 7000 teilnehmende Läuferinnen und Läufer plus ca. 1500 Wanderinnen und Wanderer am Start gewesen.
Bei der Online-Anmeldung waren die Startplätze innerhalb von ganzen 35 Minuten vergeben !!!
Und das trotz der starken Konkurrenz der parallel stattfindenden Marathon-Events in Hamburg, Düsseldorf, London ...
Dort wollte ich auch schon gerne mal starten,- habe mich dann aber doch wieder für den Hermann entschieden, weil er eben so speziell und einmalig ist. Zudem bin ich seit vielen Jahren in der Region verwurzelt.
Es war bereits meine 10.Teilnahme und bei der Anmeldung hatte ich unter "erwartete Zielzeit" wohlweislich 2:30h angegeben,- was sich später als sehr passend herausstellen sollte.
Kurz hatte ich überlegt, 2:20h anzugeben,- aber das wäre in diesem Jahr doch zu ambitioniert gewesen.
Sub-2:20h hatte ich zwar schon dreimal geschafft (PB 2:16,37h von 2022), aber da war die Form doch noch einen Tick stärker und zudem bin ich danach halt auch nicht jünger geworden. Bei Jahrgang 1965 darf man nun auch nicht mehr die allerhöchsten Erwartungen haben,- besonders nicht, was die reine Schnelligkeit anbelangt.
Die Vorbereitung hatte sich seit Beginn des Jahres doch noch recht erfreulich und solide entwickelt, nachdem ich mich in der 2. Hälfte des letzten Jahres mit einer sehr langwierigen Fussverletzung herumplagen musste, die für ca. 5 Monate kaum echtes Lauftraining zugelassen hatte. Es war aber wenigstens regelmässiges Radtraining (Gravel) möglich, wodurch ich meine Fitness, Grundausdauer & Gewicht in etwa halten konnte.
Die ersten Wochen des Jahres liefen noch recht zäh und holprig, aber seit Ende Januar kam ich dann besser in Fahrt und beim Tempotraining spürte ich kontinuierlich die Fortschritte. Und auch die langen Läufe klappten immer besser und später konnte ich in diese dann auch mehr Tempo integrieren.
Dann der erste grosse Härtetest: Königsforst-Marathon am 15.03. in 3:16,13h auf einer nicht leichten Strecke mit immerhin 360 Höhenmetern. Damit konnte ich sehr zufrieden sein und freute mich über den deutlichen Gewinn der AK M60.
Nach einer recht kurzen Regenerationsphase hatte ich dann noch 5 Wochen, um mich spezifisch auf den Hermannslauf vorzubereiten.
Dazu lief ich alle langen Läufe (31 KM) auf einem wichtigen Teilstück der Originalstrecke zwischen der Sparrenburg und Oerlinghausen-Tönsberg (einschliesslich der schweren Treppen-Anstiege etc.).
Auch diese Läufe klappten dann immer besser und wurden zügiger.
So war ich recht zuversichtlich vor dem Start des Teuto-Klassikers am 26.04. und hatte zum Glück auch keinerlei orthopädische Probleme.
Frühstück um 5:30h und dann ab zum nahegelegenen Bahnhof. Beim Blick zur Anzeigetafel dann der Schock: Verspätung der Regionalbahn um ca. 55 Minuten !!! :klatsch:
Ich war kurz davor, umzudrehen und mit dem PKW nach Bielefeld zu fahren, hatte aber noch genug zeitlichen Puffer, um immer noch ohne Hektik den Ort der Startunterlagen-Ausgabe zu erreichen. Also ruhig warten (mit einigen anderen Startern) und dann endlich um 6:50h in nur 15 Min. mit Zug zum HBF Bielefeld und von dort nur kurzer Fussmarsch bis zur Ausgabe in den Stadtwerken. Von dort fuhren dann die Zubringerbusse nach Detmold (Fahrzeit knapp 1 Stunde).
Das klappte alles noch erfreulich gut und entspannt.
Am imposanten Hermannsdenkmal angekommen, hatte ich dann immer noch 90 Min. Zeit, um mich vorzubereiten.
Mit 8 Grad war es noch recht frisch und immer mehr Teilnehmende bevölkerten das Arreal rund um den Startbereich.
Natürlich wurden auch viele Selfies vor dem mächtigen Cherusker-Fürsten gemacht.
Ich nahm noch eine reife Banane, zwei gut verdauliche Haferriegel und ein paar Datteln zu mir. Dazu viel getrunken.
Dann Kleiderbeutel packen und zu den LKWs` bringen. Hier herrschte dann schon hypernervöses Gedränge und vor den Dixies waren die Schlangen auch immer länger geworden.
Jetzt kam Hektik auf und die Zeit für das Einlaufen wurde knapp. Blieben nur noch 10 Minuten,- na ja, nicht ideal.
Schnell noch ein paar hundert Meter bergab durch ein Waldstück und bergauf,- na, klappt schon!
Dann zu Startblock A, in den alle Läufer mit Zeiten von unter 2:40h starten durften. Insgesamt gab es 5 Startblöcke, die zeitversetzt im Abstand von 6 Minuten losgelassen wurden.
Was ich kaum mitbekommen hatte: In den hinteren Startgruppen muss es wohl zu extremen Staus und Verzögerungen gekommen sein- später gab es zahlreiche Beschwerden deswegen.
Nun ja, mit mehr als 7000 Teilnehmenden waren es nochmals gut 1000 mehr als wie im Vorjahr und nun scheint wohl die Grenze sichtlich erreicht worden zu sein.
Der Start ist beim Hermann immer sehr heikel: Schon nach ca. 50 Metern geht es in eine scharfe Linkskurve und dann hart bergab auf einem zunächst recht schmalen, nicht gut zu laufenden Waldweg. Hier muss man in der Masse extrem achtsam sein und aufpassen, nicht mit andren zu kollidieren oder zu stürzen. Da sind auch mal harte Ellbogen gefragt. Ein paar leichte Berührungen gab es schon,- aber doch noch alles gutgegangen.
Ich versuchte, nicht auf Biegen und Brechen hier runterzuballern, sondern hielt mich eher zurück, um mir nicht gleich schon zu Beginn die Oberschenkel zu zerschiessen,- das kann nämlich auch passieren.
Es lief dann für 3 KM weiter bergab,- später auf Asphalt. Bloß nicht überpacen, lautete nach wie vor die Devise. Daher KM 1 auch nur in 5:02,- später etwas flotter bis 4:15 etwa ...
Aber ich merkte schon, als ich oft überholt wurde, dass ich einfach kein guter Bergabläufer bin. Meine Stärken liegen eher bergauf,- zumal ich relativ leicht bin (WK-Gewicht 62,5kg bei 178cm).
Unten im Heidental ging die Strecke dann über in eine sandige Passage, die nicht leicht zu laufen ist und ein gewisser Tempoabfall ist somit ganz normal.
Immer noch sehr eng auf der Strecke, Überholen ist hier noch sehr schwierig.
Dann bei KM 6 erste Getränkestelle und dann der erste echte Härtetest: Den Ehberg hoch!
Der hat es schon ins sich, die Steigung zieht sich ganz schön in die Länge. Hier merkte ich, dass ich ganz gut hochkomme mit kürzeren Schritten mehr auf Vorfuß, höherer Frequenz und stärkerer Armarbeit.
Aber auch hier galt: Nicht überziehen und auf die HF achten!
Ähnlich wie beim Marathon muss man sich immer wieder bewusst machen, dass man die Körner noch dringend für Hälfte 2 und erst recht für das schwere letzte Drittel benötigt!
Ehberg runter dann wieder eher defensiv und auf einem eher flacheren Teilstück steuerten wir parallel zum Truppenübungsplatz Augustdorf (Senne) auf die Panzerbrücke zu, wo man immer Gänsehaut bekommt, denn man wird hier von extrem vielen Zuschauern begeistert empfangen und angefeuert. Hier spürt man endgültig, wofür sich das harte Training gelohnt hat!
Es herrschte Bomben-Stimmung (ähm,- darf man diesen Begriff überhaupt noch benutzen? Und auch noch in Bezug auf einen Truppenübungsplatz?,- hm ...). :gruebel:
Das gute Wetter wirkte sich natürlich auch positiv auf die Stimmung aus.
Über 8 KM waren nun gelaufen, und dann führte es die riesige Läuferschar wieder auf einen langgezogenen Waldweg auf die 10km-Marke zu.
Blick auf die Uhr: Sub-2:30h schien im Soll zu sein. Also Ruhe bewahren und im Rhythmus bleiben.
Aber frisch fühlten sich die Beine nun nicht mehr an.
Nächste Getränkestelle in der "Stapellager Schlucht",- zum ersten mal auch zu ISO gegriffen. Hier kann man sich gut vorstellen, wie anno 9 oder 10 nach Chr. Geburt der legendäre Arminius mit seinen Truppen die Römer in den Hinterhalt getrieben, überfallen und besiegt hatte (auch wenn Historiker und Archäologen mir jetzt widersprechen würden, denn es wurde ja längst der Ort Kalkriese im Osnabrücker Land als Hauptschauplatz der Schlacht ausgemacht,- wobei nach neueren Erkenntnissen es aber doch gut möglich gewesen sein kann, dass zumindest Teile der Schlacht hier im Teuto stattgefunden haben können,- alles nicht so ganz sicher).
Mit schon etwas Bammel lief es nun in Richtung Tönsberg,- vor dem muss jeder Respekt haben, denn der hat es in sich: Steigungsgrad zwischen ca. 10 und 17%.!!! :geil:
Eine junge Läuferin neben mir fragte, wie lang denn diese Steigung wäre, und ich erwiderte leicht keuchend: "So ca. 800 Meter, schätze ich ..."
So genau wusste ich das aber gar nicht mal. Evtl. sind es auch nur 400, 500 bis 600 Meter gewesen,- aber die kommen einem eben hier viel länger vor.
Auf jeden Fall: Es zog sich! Neben mir verfielen schon so Manche in den Gehmodus, was mir aber gerade noch so erspart blieb. Da spürte ich dann doch meine ganz guten Bergauf-Eigenschaften. Aber es wurde natürlich extrem langsam und zäh. Puls nah am roten Bereich. Ich wollte hier ein Gel nehmen,- verzichtete aber. Ich bekomme die ohnehin schwer runter und hatte schon immer so meine Probleme mit Gels.
Kurz vor dem Gipfelpunkt ermutigte ich das junge Mädel: "Fast geschafft!",- also sie ist gut drangeblieben.
Auf dem Kammweg oben Richtung Oerlinghausen musste man erstmal wieder seinen normalen Rhythmus finden. Es lief zunächst wellig und später bei KM 16 dann bergab den Tönni wieder runter.
Vor dem Ort lief es dann zunächst über das gefürchtete Kopfsteinpflaster. Manche liefen hier ganz rechts auf der Regenrinne,- ich zum Teil auch,- aber ganz eng neben einer Mauer her,- sehr heikel! Diese Passage ist wirklich nicht ohne.
Und dann war man auch schon im absolut geilen Stimmungsnest Oerlinghausen,- wohl mit der Höhepunkt des Hermanns.
Wahnsinn, wie viele Begeisterte hier dicht an dicht auf den Bürgersteigen stehen und uns zujubeln und anfeuern,- hier herrschte ohne zu übertreiben Tour de France-Feeling!
Nach einer ganz scharfen Linkskurve (hier war ich vor 2 Jahren bei einem Trainingslauf auf regennasser Strecke mal gestürzt) steuerte man auf die 18,3km-Zwischenzeit mit grosser Versorgungsstation zu.
Mit 1:27,25h lag ich hier gut 1 Minute hinter meiner Zeit aus dem Vorjahr,- aber sub-2:30h war immer noch machbar.
Also keine Panik: Erstmal ruhig auftanken und dann schnell weiter in den gewohnten Rhythmus kommen, auch wenn es nicht mehr so leicht fiel.
Hinaus aus dem Ort und dann zuerst stark bergab mit einigen kniffligen Kurven und dann in den Wald Richtung Schopketal.
Aber davor gab es noch eine ganz fiese, giftige, schlecht zu laufende Steigung zu bewältigen, die einem den Zahn ziehen kann.
Aber gepackt,- wenn auch mühevoll.
Im Schopketal spürte man dann doch schon die Sonneneinstrahlung, schließlich war es bereits nach 12.30h.
Aber Temperatur ca. 15 Grad war noch erträglich,- die letzten Jahre war es hier wärmer gewesen.
Durch den Wald strebten wir auf den Wandweg (Asphalt) zu, ein erneut recht langgezogener Anstieg,- puuhhh!
Dann wurde es aber wieder so richtig abschüssig. Diesen Abschnitt war ich schon sehr oft im Training gelaufen und das half mir heute sicher auch.
Bei KM 23 erreichten wir eine der wohl gefürchtetsten Stellen des Hermanns: Die Lämershagener Treppen! :geil:
Über 40 Stufen sehr steil hoch! Hier staut es sich oft, weil viele Läufer mit schweren Beinen nur mühsam hochgehen können.
Ich packte es aber so gerade noch laufend bzw. zügig gehend über die letzten 10 Stufen,- aber es war schon ein Kraftakt und HF drohte nun an den Anschlag zu kommen.
Nicht von ungefähr fällt hier oft die Vorentscheidung an der Spitze. Nicht selten hat der 16fache Sieger Elias Sansar hier seine Verfolger abschütteln können.
Oben kurz ein paar Schritte gehend verschnaufen und dann allmählich wieder in Rhythmus kommend war ich froh, eine weitere Schlüsselstelle überstanden zu haben.
Jetzt nur noch 8 KM bis ins Ziel! Aber auch diese sind nicht zu unterschätzen: Nur 1,5 KM weiter begegnet einem zum Beispiel die "Rote Wand",- erneut ein ganz fieser, steiler Anstieg über rot gefärbten lehmig-sandigen Untergrund, der zudem mit tückischen Spurrillen und Steinen durchzogen ist. Muss das jetzt noch sein?
Aber irgendwie quält man sich hier doch immer wieder hoch,- wobei mir das im Training oft leichter gefallen war. Gut, da war man natürlich auch nicht so hart am Limit gelaufen wie heute beim WK. und hatte nicht soviel Laktat in den Beinen gebildet.
Erstmal wieder runter und dann wieder hoch zum Funkturm "Eiserner Anton",- erneut sehr kräftezehrend. Hier stand ein Fotograf, und später auf den Bildern erkennt man so richtig die Strapazen, die den Läufern ins Gesicht geschrieben sind. Es trennt sich nun immer mehr die Spreu vom Weizen.
Dann mal ein gut zu laufendes Flachstück (1,2km), dass später abschüssiger wird. Hier kann man nochmal gut auf Tempo kommen (wenn man denn wirklich noch kann!).
Nun, zumindest noch an die 4:15/km gekommen,- ähnlich wie im Training. Aber Beine schmerzen jetzt deutlich mehr,- muskulär wurde es immer schwieriger.
Beim weiteren Getränkestand habe ich diesmal auf die gewohnte Cola verzichtet und lief einfach vorbei,- irgendwie wollte ich mich wohl nicht bremsen. Ob das so klug war?
Es wird nun die Osningstr. (natürlich gesperrt für den Lauf) überquert und dann der letzte so richtig harte Brocken, der wirklich übel und gemein ist: Zunächst wieder einige steile Treppen hoch und dann noch weiter bergauf über steiniges Geläuf mit ganz kleinen Trippelschritten. Man denkt, man käme kaum vorwärts! Aber immerhin so gerade noch den Gehmodus vermieden und die anfeuernden Zuschauer motivierten zusätzlich. Sowas hilft schon sehr.
Mann was war ich froh, als ich auch diese schwere Hürde überwunden hatte!
Nur noch knapp 5 KM und jetzt weiß man, dass man es packen kann, denn die Strecke verläuft nun noch über Wellen und dann mehr bergab in Richtung Bielefeld.
Aber Achtung: Da ist noch die tückische, sehr steinige Bergab-Passage, die in eine Senke führt, in der es schon so Manchen "geschmissen" hat. Und tatsächlich stürzt ein Läufer vor mir! Aber zum Glück kann er sich noch ganz gut abrollen und sofort wieder aufrichten und weiterlaufen,- ansonsten hätte ich ihm aufgeholfen. Er scheint keine grösseren Blessuren erlitten zu haben.
Also man muss hier echt bis zur Promenade hochkonzentriert bleiben,- auch auf dem engen Waldweg hinab zur "Habichtshöhe" (Gaststätte), von wo es dann nur noch ca. 3 KM bis zum Ziel sind.
Ich war nun längst im "Tunnel" und reinem Durchhaltemodus,- konnte es bergab auch nicht mehr so gut rollen lassen. Es war reiner Kampf.
Es wird die Bodelschwingstr. überquert, kurz nochmal bergan und dann wird es eher flacher, aber dennoch nicht so einfach zu laufen, da zum Teil auf Schotterweg.
In Richtung "Brands Busch" (Hotel-Restaurant) hatte man aber endlich wieder Asphalt unter den Sohlen und man konnte sich gut 2 KM vor dem Ziel fertig machen zum langen Endspurt auf der Promenade.
Zuvor aber noch die beiden "Tränenhügel",- zu einfach soll es ja nun nicht werden!
Zur Rechten kann man nun bereits Blicke auf Bielefeld erhaschen und an beiden Seiten der Sparrenburg-Promenade werden die applaudierenden Zuschauer nun immer zahlreicher und das Spalier dichter.
Ich hätte ja gerne zurück gewunken und meiner Freude Ausdruck verliehen,- war aber einfach zu sehr im "Endkampfmodus" und nur darauf bedacht, mich irgendwie durchzubeissen.
Es wurde nun abschüssiger und endlich war von Weitem das heiss ersehnte Ziel zu sehen und die elektrisierende Stimme des Moderators zu hören.
Ich konnte mit letztem Willen nochmal etwas pushen, als ich sah, dass es wohl für sub-2:30h reichen würde,- überquerte dann aber wirklich auf der allerletzten Rille die Zielmatte und stoppte die Uhr: 2:29,23h.!
Puuhh, das war knapp. Aber Hauptsache, gepackt und den 10. Hermann bewältigt.
Im Ziel dann Medaille, Glückwünsche und noch von Jens ("Red Desire", aus dem RW sub-3:20h-Forum) angesprochen, der mich gut 5 KM vor dem Ziel überholt hatte, was ich gar nicht bemerkt hatte. Na ja, auf Small Talk war mir jetzt eigentlich noch nicht zumute,- hatte mich aber doch gefreut über den Treff. Dann aber erstmal reichlich auftanken.
Später war ich sehr überrascht, dass die Zeit immerhin noch zu Platz 4 in der AK M60 gereicht hatte,- zu Platz 3 fehlte auch nur gut eine Minute. (238 Läufer in dieser AK).
Das allumfassende Fazit nach dem Rennen ist aber im Grunde so wie jedes Jahr: Der Hermannslauf verlangt einem wirklich alles ab,- ich kenne kaum einen anderen Lauf, der so hart und anspruchsvoll ist (den Rennsteig-Ultra mal ausgenommen. Sehr hart waren auch der Rothaarsteig-Marathon und der Königsforst-Marathon).
Der tagelange starke Muskelkater und die Müdigkeit danach sprachen auch wieder Bände. Waren aber auch wieder Zeichen dafür, dass man alles gegeben hatte und am obersten Limit gelaufen war.
Jedes Jahr fragt man sich, warum man sich sowas antut,- aber natürlich werde ich höchstwahrscheinlich im nächsten Jahr wieder hier starten! Man wird ja auch entschädigt von der grandiosen Stimmung.
Zur Orga: Die 75 € Startgebühr lag 10 € höher als wie in den letzten Jahren,- das kam nun nicht unerwartet. Ich finde sie eigentlich noch o.k. in Anbetracht des enormen Aufwands`, den die vielen Ehrenamtlichen hier zu bewältigen haben. Allein schon der aufwendige Bustransfer nach Detmold; THW, Verpflegungsstände etc.
Kritik gab es im Nachhinein von vielen Läufern aus den hinteren Startgruppen, dass es dort schlichtweg viel zu voll war und es zu extremen Staus und Verzögerungen gekommen war. Davon bekam ich kaum was mit, kann die Kritik aber schon etwas verstehen.
Mit über 7000 Teilnehmenden müsste die Grenze doch nun wirklich erreicht sein,- viel mehr wird die Strecke einfach nicht verkraften können.
Überlegen sollte man sich, ob man den Start nicht um eine Stunde auf 10.00h vorziehen sollte. Denn womöglich kann es Ende April doch schon recht warm werden.
Die Medaillen waren in diesem Jahr auch nicht so wertig wie früher,- na ja, also das kann ich noch verschmerzen, habe ja schon genug aus den vergangenen Jahren gesammelt.
Zieleinlauf auf der Sparrenburg-Promenade Bielefeld Zieleinlauf auf der Sparrenburg-Promenade Bielefeld
Dateianhänge
Etwa 1 Stunde nach Zieleinlauf Etwa 1 Stunde nach Zieleinlauf

Re: Laufschlacht im Teutoburger Wald: 54. Hermannslauf 2026

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Danke für den tollen Bericht! - Ich sehe die Stellen noch vor meinen Augen
Die vielen Wanderungen in meiner Kindheit (Rheda ist Heimatstadt)

MEIN Hermannslauf fand 1972 statt - mit damals noch 35 Km - ich war mit 13 Jahren bei den Wanderern.
Da ich schneller war als die Eltern erlaubten sie mir alleine davon zu ziehen. Als Sportler vertraute man anderen Sportlern.
Und so zog ich irgendwann mit einer Britischen Soldatengruppe aus Güterloh Richtung Ziel und musste ENGLISCH sprechen!
Im Jahr danach stand ich jubelnd meinen Vater auf der Promenade ins Ziel zu schreien.

Ich werde diesen Lauf nie wiederholen.
Aber ich bin den gesamten Hermannsweg 2020 von Anfang bis Ende alleine gewandert.
Mein geliebter Teutoburger Wald ist so wunderschön.

So, die zurückdenkende Oma ist schon wieder weg - nochmals Danke
12.05.2007 / 12.05.2012 / 09.04.2013 / 27.05.2017
...an Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit
In dieser Nacht der Nächte, die uns soviel verspricht
Erleben wir das Beste, kein Ende ist in Sicht
(Toten Hosen)
__________________________________________

BIG 25 Berlin 2015 HM 2:14:xx

Re: Laufschlacht im Teutoburger Wald: 54. Hermannslauf 2026

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@movingdet65
Danke für den schönen Rennbericht... :daumen:

Mich kann man ja mit Höhenmeter jagen... aber die Stimmung bei diesem Lauf wird ja unisono als großartig beschrieben. Vielleicht schaffe ich es ja mal als Zuschauer dahin.
5 km - 21:41 (18.10.2025 - SportScheck Run)
10 km - 44:40 (16.10.2022 - The Great 10K)
HM - 1:38:42 (24.08.2025 - die Generalprobe)
25 km - 02:02:00 (15.05.2022 - S 25)
M - 03:38:13 (25.09.2022 - BM)
50 km - 04:32:07 (17.03.2024 - Werderseelauf)

Re: Laufschlacht im Teutoburger Wald: 54. Hermannslauf 2026

4
d'Oma joggt hat geschrieben: 12.05.2026, 23:58 Danke für den tollen Bericht! - Ich sehe die Stellen noch vor meinen Augen
Die vielen Wanderungen in meiner Kindheit (Rheda ist Heimatstadt)

MEIN Hermannslauf fand 1972 statt - mit damals noch 35 Km - ich war mit 13 Jahren bei den Wanderern.
Da ich schneller war als die Eltern erlaubten sie mir alleine davon zu ziehen. Als Sportler vertraute man anderen Sportlern.
Und so zog ich irgendwann mit einer Britischen Soldatengruppe aus Güterloh Richtung Ziel und musste ENGLISCH sprechen!
Im Jahr danach stand ich jubelnd meinen Vater auf der Promenade ins Ziel zu schreien.

Ich werde diesen Lauf nie wiederholen.
Aber ich bin den gesamten Hermannsweg 2020 von Anfang bis Ende alleine gewandert.
Mein geliebter Teutoburger Wald ist so wunderschön.

So, die zurückdenkende Oma ist schon wieder weg - nochmals Danke
@d'Oma joggt : Ich möchte mich noch bedanken für deinen Kommentar!
Das ist sehr interessant und bewegend zu lesen, dass du einen so persönlichen/familiären Bezug zu diesem Lauf hast. Bei mir waren es mein Vater, Onkel & Cousin, die früher in den 70er & 80er Jahren den Hermannslauf bestritten hatten,- da wollte ich ihnen natürlich auch irgendwann mal nacheifern.
Hatte aber lange gedauert (meine erste Teilnahme war erst 2015).
Ich habe jetzt nochmal nachgesehen in dem Buch über die Historie des Hermannslaufs von den Gründern Schlüter & Gehrmann, dass in den 70er/80er Jahren tatsächlich viele Läufer von den britischen Streitkräften teilgenommen hatten,- auch einige Spitzenläufer, die den Lauf sogar gewonnen hatten.
Als Kind war ich mit meinen Eltern als Zuschauer an der Sparrenburg, und ich weiß noch, wie einer der Gewinner tatsächlich Tony Marshall (!) hiess,- genau wie der Schlagersänger! :P
Bleibt zu hoffen, dass der Breitensport-Charakter der Veranstaltung auch in Zukunft erhalten bleibt und der Lauf ganz im Sinne der Gründer nicht zu sehr kommerzialisiert wird.

P.S.: Übrigens: Beim Münster-Marathon möchte ich dieses Jahr auch wieder starten! Letztes Jahr musste ich leider verletzungsbedingt absagen.
Wird jetzt aber langsam Zeit, dass ich mich anmelde!

Re: Laufschlacht im Teutoburger Wald: 54. Hermannslauf 2026

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movingdet65 hat geschrieben: 13.05.2026, 21:21

P.S.: Übrigens: Beim Münster-Marathon möchte ich dieses Jahr auch wieder starten! Letztes Jahr musste ich leider verletzungsbedingt absagen.
Wird jetzt aber langsam Zeit, dass ich mich anmelde!
Wir waren noch nie ausverkauft - sogar beim Coronalauf nicht.
Kommen und anmelden geht dann auch noch - ob Sonntag morgen - da kann ich nicht garantieren.
Und deinen Namen malen wir dann sorgfältig mit einem dicken Edding auf die Startnummer

Aber jetzt anmelden ist natürlich besser.
12.05.2007 / 12.05.2012 / 09.04.2013 / 27.05.2017
...an Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit
In dieser Nacht der Nächte, die uns soviel verspricht
Erleben wir das Beste, kein Ende ist in Sicht
(Toten Hosen)
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BIG 25 Berlin 2015 HM 2:14:xx

Re: Laufschlacht im Teutoburger Wald: 54. Hermannslauf 2026

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Danke für deinen schönen Bericht! Und mit dem Muskelkater hast du sowas von Recht! Ich hatte danach einen derartigen solchen, dass ich mir vornahm: wenn du den nochmal laufen solltest, nimmst du hinterher drei Tage Urlaub und packst vorher den Kühlschrank voll, damit du nicht die Treppe runter zum Einkaufen musst!
Muss gleich mal nach meinem Laufbericht suchen, ich hatte die Teilnahme ja einer Challenge mit zwei anderen Frauen hier aus dem Forum zu verdanken, die aber nicht mehr dabei sind. Das war 2009.

Re: Laufschlacht im Teutoburger Wald: 54. Hermannslauf 2026

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Danke auch hier von mir für den sehr gut geschriebenen Bericht :daumen: Wirklich starke Leistung von dir mit der erreichten PB vor ein paar Jahren, und in Anbetracht der Umstände mit der Vorbereitung ein umso mehr beachtliches Ergebnis in diesem Jahr.
Tolle Streckenbeschreibung von dir mit ein paar Hintergrundinformationen, wozu auch ich noch gerne ein paar Facts beitragen möchte.
Der 16fache Seriensieger und "Herminator" Elias Sansar absolvierte dieses Jahr die Strecke in PB. Das zeigt doch, dass die Streckenbedingungen recht gut waren. Elias läuft wie ich in der AK45 und verlor in diesem Jahr nach den 31,1Km den Zielsprint gegen den deutlich jüngeren Florian Bochert mit 9 Sekunden.

Mir jedenfalls macht der Lauf trotz der Anstrengung unheimlich viel Spaß, insbesondere wegen dem Support an den Hotspots der Laufstrecke. Dafür bin ich sehr dankbar und auch den beschriebenen Bustransfers von Bielefeld nach Detmold finde ich die Nenngebühr von 75€ noch in Ordnung. Allerdings bin auch ich der Meinung, dass mit der Anzahl der Starter wohl die Grenze des derzeit machbaren erreicht ist.
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