Da wir meine Marathons gern mit Urlauben verbinden, und wir beide noch nie in Irland waren, ist die Wahl für den Frühjahrsmarathon dieses Jahr auf einen recht kleinen aber landschaftlich schönen Lauf gefallen: Den Glendalough "Lap of the Gap" Marathon Ende Mai, in den Wicklow Mountains südlich von Dublin.
Anmeldung:
Problemlos übers Internet; ärztliches Attest oder so ist in Irland nicht erforderlich. Der Preis war mit €70 nicht allzu hoch, im Startgeld inbegriffen ist dabei sogar ein Funktionsleibchen! Wobei man dazu sagen muss, dass der Veranstaltungsaufwand nicht besonders groß ist - es gibt Chipzeitnehmung und Verpflegung an der Strecke, aber beides nur mit minimalstem Aufwand (kaum Zwischenzeiten; nur Wasser an den Ständen); die Strecke ist auch bis auf den Startbereich nicht abgesperrt.
Teilnehmer:
Es gab in diesem Jahr 182 Finisher über den vollen Marathon und 312 über die ebenfalls angebotene Halbdistanz, also eine recht kleine Veranstaltung. Ich war dann auch viele Kilometer lang recht einsam unterwegs!
Die Strecke:
Der Grund für die geringe Teilnehmeranzahl dürfte nicht zuletzt im Streckenprofil zu finden sein:
https://lapofthegap.com/2024/04/26/lap- ... p-marathon
Man sieht schon, dass es kaum einen flachen Kilometer auf dieser Strecke gibt. Laut diesem Profil sind es ca. 800hm rauf und wieder runter; aus Erfahrung weiß ich natürlich dass diese Zahlen nicht wirklich viel aussagen wenn eine Strecke ständig uneben ist; wirklich "merkbare" Höhenmeter sind es aber immer noch genug, ich komme auf ca. 500hm ernste Steigungen.
Die Strecke startet oberhalb des unteren Sees im Touristenhotspot Glendalough (gälisch Glen da Loch, "Zweiseetal"), dann geht es ca. 2km eher flach nach Laragh, wo man auf die "Hauptstrecke" gelangt - am Glenmacnass Wasserfall vorbei rauf in die dramatische Heidelandschaft der Wicklow Mountains. Nach dieser langen Steigung geht es mehr oder weniger flach zur "Sally Gap" (Gap entspricht eher einem Sattel als einem Pass), dann wellig durch Gräben oberhalb des schönen Loch Tay vorbei und danach eine lange Gefällestrecke runter ins Tal nach Oldbridge (wo unser Campingplatz war). Dort, bei km 35, wartet die schärfste Steigung des Tages, und dann geht's wellig (aber mehr runter als rauf) ins Ziel nach Laragh, wo auf den letzten 500m noch einmal eine fiese Steigung lauert!
Die gesamte Strecke ist asphaltiert; es war praktisch überall wirklich angenehm zu laufen ohne grobe Belagsschäden.
Für den Halbmarathon läuft man nur bis oberhalb des Wasserfalls und kehrt dann nach direkt nach Laragh zurück - die landschaftlich tollen Teile werden da praktisch komplett ausgespart.
Organisation:
Die Nummernausgabe und T-Shirt-Verteilung fand am Vortabend in Laragh in einem Pub statt; man konnte aber auch am Lauftag selbst noch die Nummer holen, und die T-Shirts gab es noch im Ziel. Marathonmesse oder so gab es keine.
Das Startgelände in Glendalough und die ersten Kilometer bis Laragh waren abgesperrt; danach findet das Rennen auf öffentlichen Straßen statt. Daher wird auch vom Veranstalter extra darauf hingewiesen, dass Kopfhörer streng verboten sind! Auch sind die Läufer angehalten, am rechten Straßenrand zu laufen (woran sich dann kaum wer gehalten hat). Der Zieleinlauf war oberhalb der Hauptstraße in Laragh (daher die fiese Steigung am Ende) vor der Schule; Duschen gibt es keine.
Wegen der exponierten Lage in den höheren Bereichen ist bei Schlechtwetter die Mitnahme einer Windjacke Pflicht; diesmal war es sonnig, also waren wir ohne unterwegs.
Vom Ablauf her wurde der Marathon eine halbe Stunde vor dem Halbmarathon gestartet, das war sehr angenehm. Der Start findet bereits um 07h30 statt - eben weil die Straßen öffentlich sind und im Lauf des Tages der Verkehr natürlich stärker wird.
Mein eigener Lauf:
Mein letzter Marathon bzw. überhaupt Wettkampf ist schon lange her (Prag Marathon letztes Jahr); wegen einer geplanten OP im September mit anschließender Schonung konnte ich erst ab Dezember wieder trainieren. Wegen der Schwierigkeit des Profils habe ich in der Vorbereitung diesmal mehr Wert auf lange Läufe und Höhenmeter statt auf Tempotraining gelegt; überhaupt wollte ich das Rennen eher als Genusslauf bestreiten. Daher hatte ich auch mein Smartphone dabei, um unterwegs ein paar Fotos zu machen.
Als Schuhe hatte ich diesmal ein neues Paar Saucony Kinvara 14 an den sockenlosen Füßen (hatte ich schon auf 40km getestet, sehr zufrieden); oben trug ich ein weißes Singlet und eine dicke Schichte Sonnencreme aufgrund des wolkenlosen Himmels.
Meine Elisabeth setzte mich mit dem Auto in Laragh ab und ich trabte die ca. 2km zum Start gemütlich aufwärmend; dort hatte ich dann noch 5min Zeit für leichtes Dehnen und dann ging es auch schon unaufgeregt los.
km 0-12 (ca.)
Wie auf den britischen Inseln üblich waren alle sehr gelassen, es gab keine Rempeleien oder Leute die viel zu schnell starteten. Die ersten Kilometer bis Laragh bemühte ich mich, einen guten Rhythmus zu finden und jedenfalls den Puls niedrig zu halten in Erwartung der kommenden Steigungen. In Laragh schwenkten wir auf die "Hauptstraße" rauf zur Sally Gap ein (wie alle anderen Straßen an dem Tag mehr oder weniger einspurig) und dort stellte ich schnell fest, dass das vom Veranstalter geforderte Rechtslaufen standhaft ignoriert wurde. In Irland herrscht ja Linksverkehr, und vermutlich war es daher für das Gros der Teilnehmer (kaum Ausländer am Start) einfach Gewohnheit, sich links zu halten. Um diese frühe Tageszeit war aber ohnehin noch kein Verkehr. Auch das Läuferfeld hatte sich ab km2 schön durchsortiert und ich nahm Tempo auf und begann Kollegen zu überholen, meine Pace hier war ca. 4:35. Leider meldete sich bald danach der Darm und ich begann, Ausschau nach einem etwas geschützten Fleck zu halten um mich zu erleichtern; kurz nach km8 fand ich dann eine versteckte Feldeinfahrt und hockte mich auf die Seite. Ein kg leichter ging's dann wieder auf die Strecke, und ich begann Leute zu überholen die ich schon zuvor überholt hatte. Insgesamt war es bis dahin aber sehr angenehm gewesen, es war zwar praktisch wolkenlos aber um diese frühe Zeit warfen die Bäume noch genug Schatten, es war richtig fein.
Bis dahin war die Steigung moderat gewesen, ab km9 kamen wir aber aus dem Wald heraus und es wurde deutlich steiler, teils über 5%, während wir den Hang neben dem Glenmacnass-Wasserfall erklommen. Der Wasserfall selbst war jetzt nicht so beeindruckend aber ein Foto habe ich dennoch geschossen (wir waren die gesamte Marathonstrecke bereits am Vortag mit dem Auto abgefahren, hatten den aber von dieser Stelle nicht fotografieren können weil man dort mit dem Auto nirgends parken konnte).
Nach dem Wasserfall wurde es wieder flacher, und am Ende der Steigung gab es einen Verpflegungsstand sowie eine Zwischenzeitnehmung und den Wendepunkt für die Halbmarathonis. Ich kam an der Stelle als 15. durch, wie ich später aus der Ergebnisliste entnehmen konnte - wegen meiner Klopause hätte ich eigentlich angenommen dass da noch wesentlich mehr Läufer vor mir unterwegs waren.
Beim Verpflegungsstand nahm ich mir einen Becher Wasser und trank diesen auch vollständig aus. Wegen der geringen Anzahl an Ständen - nur alle 5-7km - und des sonnigen Wetters erachtete ich es als notwendig, wirklich überall zuzugreifen wo es ging. Bei diesen Labestationen musste man übrigens immer stehenbleiben, weil die Abfallbehälter nur ca. 10m weiter aufgestellt waren. Außer man wollte seinen Becher einfach am Straßenrand entsorgen, was aber kaum wer tat - einzelne Becher habe ich schon gesehen.
km 12-22 (ca.)
Ab jetzt befanden wir uns in der Heidelandschaft; dank des schönen Wetters echt ein tolles Erlebnis. Noch dazu herrschte hier steifer Rückenwind und die langen Steigungen hatten ein Ende, es ging in sehr sanften Wellen richtung Sally Gap. Ein paar Kilometer nach der Labe stand die Elisabeth am Streckenrand und ich trank noch ein paar Schlucke Tee beim Auto bevor es weiterging. Vor mir erblickte ich in weiter Ferne einige Läufer denen ich bis zur Sally Gap langsam näher kam; an der Labe bei km 17 überholte ich eine graumelierte Dame aus den Niederlanden, die spätere Siegerin des Damenrennens (und das in der AK60!) - ohne Fahrradbegleitung, die Organisation war wie erwähnt recht hemdsärmelig. Ab hier wurde langsam auch der Verkehr mehr, wobei aber kaum Autos am Weg waren, dafür ein paar Motorräder aber vor allem viele Rennradfahrer, die uns anfeuerten ("well done").
Bei der Sally Gap selbst - eine wichtige Straßenkreuzung, auch wenn alles dort nur einspurig ist - lief ich auf zwei jüngere Dubliner auf, die ich dann bei der Labe und Zwischenzeit bei km 22, kurz hinter der Kreuzung, einholte. An der Stelle war ich 14. im Rennen. Dort ist auch der höchste Punkt des Kurses mit fast 500m Seehöhe (der tiefste ist auf ca. 130m). Meine Pace war dort etwas wechselnd aufgrund des Geländes aber immer unter 4:30, teils sogar unter 4:10.
km 22-30 (ca.)
Ab jetzt ging es nach Südosten und nominell wieder abwärts, aber das Gelände dort war ganz anders beschaffen als am Weg zur Gap; viel felsiger und von Gräben durchsetzt so dass es ständig rauf und runter ging. Unter anderem überquerten wir die "PS I Love You"-Brücke wo anscheinend ein gleichnamiger Film gedreht worden war, den ich nicht kannte, und rechterhand kam dann das Loch Tay in Sicht. Am Vortag bei der Streckenbesichtigung waren wir dort ausgestiegen und die paar Meter runter zum Aussichtspunkt gegangen, das ist wirklich ein tolles Stück Landschaft; von der Straße = Laufstrecke aus sieht man nicht so toll runter aber das war nicht schlimm, ich war immer noch in einem guten Rhythmus und es machte richtig Freude zu laufen, wenn es hier auch natürlich keinen Rückenwind mehr gab - zumindest kam er nur von der Seite und nicht entgegen! In den aufwärts führenden Passagen zogen mir die zwei jungen Dubliner immer ein wenig davon und abwärts holte ich sie wieder ein, hier merkt man vermutlich den Tiroler in mir. Bei einem größeren Parkplatz dann erneut eine Labestation und ca ab km 28 ging es ernsthaft runter ins Tal - vor uns ein weites Panorama raus ins Flachland mit den bekannten Vartry Stauseen. Dort stand wieder die Elisabeth und steckte mir einen Müsliriegel zu (wie erwähnt, an den Stationen gab es tatsächlich ausschließlich Wasser).
km30-35 (ca.)
Kurz nach km30 biegt die Strecke von der "Hauptstraße" auf eine noch kleinere Nebenstraße richtung Oldbridge ab, was viel Sinn macht weil die nächte parallele Verbindung (durch Roundwood) die absolute Hauptverkehrsader der Region ist. Auf unserem Sträßchen dagegen war überhaupt nichts los, allerdings waren wir jetzt mehr oder weniger herunten im Tal - die schöne Aussicht weg, dafür wurde es warm und fast stickig. Zum Glück war bei ca. km32 wieder eine Labestation. Hier fiel dann einer der beiden Dubliner zurück. Ich fühlte mich noch ganz ok, wußte aber dass die härteste Steigung des Tages noch bevorstand. Daher: Haushalten! Den letzten Kilometer runter nach Oldbridge durchquerten wir einen sehr hübschen Laubwald, dann ging's über die namengebende Brücke und auf den härtesten Teil der Strecke.
km 35-Ziel:
Gleich hinter der Brücke fing die Steigung an; hier lag die Einfahrt zu unserem idyllischen Campingplatz und die Elisabeth feuerte mich noch eimal an. Der verbliebene Dubliner zog mir hier davon; ich verfiel bei ca. 15% Steigung in schnelles Gehen - überholte aber dennoch noch einen Kollegen. Diese Steigung hat ca. 80hm, zum Glück nimmt das Gefälle nach oben hin ab und ich fing schnell wieder an zu traben - oben angekommen war es ein feines Gefühl, den schwierigsten Teil hinter mir zu haben! Nur geht es von hier weg keineswegs durchgehend runter ins Ziel, sondern die Strecke verläuft wellig bis fast vor Laragh. Bei km 37 dann der letzte Stand mit Wasser, ich trank meinen Becher und setzte mich wieder in Bewegung - keine Kollege vor mir in Sicht, keiner hinter mir, da lässt der Ehrgeiz dann auch zu wünschen übrig. Wie es mir ab und zu beim Laufen geht, ging mir ein Ohrwurm im Atemrhythmus nicht mehr aus dem Sinn (in diesem Fall der Mitgrölrefrain aus Road of Resistance) und so kam ich halbwegs flüssig bis km 41, wo es dann ungemütlich steil runterging nach Laragh - nach mittlerweile fast dreieinhalb Stunden Laufen waren die Beine einigermaßen steif und von federndem Stil war da nicht mehr viel zu spüren, da musste ich mich echt konzentrieren und war froh als ich unten auf der Hauptstraße ankam! Am rechten Straßenrand ging's über die große Kreuzung dort und dann auf die letzte Herausforderung, die nur ein paar hunder Meter lange aber 10% steile Brockagh Lane rauf zur St. Kevin's Church - und an deren Ende dafür wieder steil runter zum Ziel bei der Schule - eine echte Prüfung, und hier war ich (wie schon einige male zuvor) froh darüber, dass ich mir den Kurs am Vortag bereits zur Gänze angeschaut hatte!
Ins Ziel kam ich dann als 13. (und zweiter in meiner AK50). Meine Zielzeit: 3:28:40 - damit war ich sogar etwas flotter gewesen als gedacht; ich hatte der Elisabeth gesagt ich würde vermutlich so 3h30-40 brauchen. Laut meiner Laufuhr waren davon ca. 3min Pausen gewesen (also meine Klopause plus die Stehpausen bei den Labestationen), reine Laufzeit wäre also eine 3:25er Zeit gewesen, aber natürlich lässt sich das schwer genau sagen weil in den Pausen ja auch der Puls wieder runtergeht.
Man hängte mit eine kleine Medaille um und wollte mir gleich noch ein Funktionsleibchen aufdrängen aber so gierig bin ich dann doch nicht; dafür vernichtete ich ein paar Äpfel und eine Banane. Anschließend ging's ins Pub wo ich auch schon die Nummer abgeholt hatte; leider war ich so schnell gelaufen dass es noch keine Mittagskarte gab, daher belohnte ich mich mit einem herzhaften Frühstück!
Fazit:
Eine sehr nette Veranstaltung in einer sehr hübschen Landschaft (die aber bei entsprechendem Wetter auch das Potential hat so richtig eklig zu sein), hemdsärmelig veranstaltet wie so viele Laufveranstaltungen auf den britischen Inseln. Mit dem schwierigen Profil und den giftigsten Steigungen gerade am Ende des Rennens sicher nichts für Anfänger, aber mit guter Einteilung und dank des schönen Wetters war das ein wirklich sehr sehr schöner Marathon für mich! Ich weiß jetzt dass die Ausdauer wieder da ist und werde im Herbst wohl wieder ein paar flachere Kurse unter die Sohlen nehmen.
Bewährt haben sich übrigens die Kinvara - obwohl ich keine Socken anhatte, gab es nicht die geringste Reibestelle oder Blase, und die Dinger laufen sich einfach super mit wunderbarem Gefühl für den Belag - eben wegen des Profils hatte ich eher auf diese gesetzt als auf meine sonst üblichen Rennpatschen (Endorphin pro bzw Fastwitch 9) und ich habe die Wahl keine Sekunde bereut - im Gegenteil überlege ich, die vielleicht auch auf einem flachen Kurs auszutesten.
Ein schöner Tag in den Wicklow Mountains: Glendalough Lap of the Gap Marathon 2026
1
Zuletzt geändert von GeorgSchoenegger am 12.06.2026, 14:52, insgesamt 1-mal geändert.