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Ein verlängerter Städtepartnerlauf

Ein verlängerter Städtepartnerlauf

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Von Plauen nach Hof sind es nur 33KM - was tun?
 
Immer auf der Suche nach Läufen (mind. MA-Distanz) bin ich unterwegs.
Klar es würde fast jeden Tag einen entsprechenden Lauf geben, aber wenn
ich dann "meine Maßstäbe" anlege werden es schnell weniger - ich möchte
ja nicht für jeden Lauf stundenlang durchs Land (oder Ausland) fahren, das
würde meinen Zeit- und Kostenrahmen sprengen, den ich bereit bin aufzu-
bringen. Zudem sollten die Zeitabstände nicht zu lang oder kurz zwischen
den Wettkämpfen sein - das ist jedoch bei mir sehr unterschiedlich dieses
Empfinden, wann die Zeit reif ist für einen neuen MA. Ich suchte nach einen
Wettkampf so Mitte bis Ende August und nicht zu weit entfernt, ohne Über-
nachtung machbar. Der letzte war erst am 12.08. bei Ulli in Crailsheim - am
4. bzw 5. WE fand ich einfach nichts Geeignetes, auf der Seite des MA100-Club
fand ich einen Hinweis auf einen Städte-Partnerschafts-Lauf von Plauen nach Hof.
Ich folgte einem entsprechenden Link und landete bei KSB-Vogtland, fand aber
nur eine Maximalstrecke von 33KM - das ist ja dann nix für mich...
Ich rätselte noch warum es trotzdem auf der Seite ausgeschrieben war - etwas
versteckt fand ich einen Hinweis, es gibt eine Verlängerung des Laufs auf 42,5KM.
Das wäre es doch - verantwortlich für diese Verlängerung ist ein gewisser Gerd
Schremmer den man kontaktieren soll. Bei diesen Namen wurden einige grauen
Zellen aktiviert, der Name kam mir bekannt vor. Tatsächlich bin ich schon einige
Läufe mit Ihm gelaufen und habe mich zuletzt im Naabtal auch mit Ihm etwas
unterhalten. Ich telefonierte mit Gerd und schnell waren Detail geklärt.
Bevor der eigentliche Lauf am Sportplatz des SV Concordia Plauen startet wird
bereits eine ca. 10KM-Runde durch Plauen gelaufen, Start am Rathausturm in der
Innenstadt. Ich sollte bereits um 6:30Uhr da sein und ein kleines Stück weg auf
einen Privatparkplatz auf Gerd warten. 2Std. Fahrzeit ermittelte ich und stand da-
mit vor dem Problem: doch eine Hotelzimmer in Plauen, oder mitten in der Nacht
loszufahren. Ich entschied mich für die 2.Variante und damit war klar, bei der noch
andauernden Hitzewelle, der letzte MA-Start war erst 3Tage zuvor (auch sehr heiß)
konnte ich nur sehr defensiv laufen. Das war aber durch den Städtelauf-Charakter
eigentlich sowieso vorgegeben. Es gab verschiedene Laufgruppen für die drei Start-
orte, für uns war ja nur der Startort Sportplatz in Plauen interessant. Man läuft dort
in einer Gruppe los, es gibt jeweils einen Führungsläufer(in) der nicht überholt wird.
Auf der Strecke gibt es insgesamt 6 Verpflegungsstellen und da könnte man auch
mal eine Laufgruppe wechseln, wenn da welche aufeinandertreffen. Durch die VP's
erspare ich mir den Laufrucksack, ein Trinkgurt sollte reichen.
Ich melde mich also auf der Homepage des KSB-Vogtland für den 33KM-Lauf an.
In der Startgebühr von 26Euro ist eine Urkunde und der Busrücktransport von Hof
nach Plauen enthalten - die Verlängerung zum MA, organisiert von Gerd ist kosten-
los. 2 Tage vorm Lauf bekomme ich noch eine Mail mit den letzten Infos, u.a. hat
sich kurzfristig die Strecke etwas verändert - wegen eines kleineren Waldbrands
laufen wir eine verändere Route (etwas außerhalb von Plauen), dadurch wird die
Länge geringfügig erhöht.
Bereits vor 4Uhr muss ich aufstehen und kurz darauf losfahren... nicht meine Zeit,
doch wie immer hat es auch eine positive Seite, noch ist es relativ kühl... später
wird es sehr warm werden.
Pünktlich zur vereinbarten Zeit treffe ich Gerd am Parkplatz, wir laufen Richtung
Innenstadt und Er erzählt mir ein wenig zur Städtepartnerschaft zwischen Hof
(Bayern) und Plauen (Sachsen). Sie wurde im Oktober 1987 anlässlich des Milliarden-
kredit (vermittelt durch Bayers MP F.J. Strauß) unterzeichnet und gilt als historische
deutsch-deutsche Besonderheit vor dem Fall der Mauer. Der zugehörigen Lauf findet
dieses Jahr zum 35Mal statt.
Wir treffen am Rathausinnenhof auf die anderen Starter, 5 Läufer werden die 10KM-
Erweiterung zum Sportplatz im Süden von Plauen laufen. Auch ein Kleidersack wird
mit Auto dorthin transportiert und dann umgeladen zum Ziel nach Eisteich-Hof.
Nach dem Startfoto geht es auch gleich los mit einer Sightseeing-Tour durch die Alt-
stadt von Plauen. Gerd erzählt ein wenig an welchen Gebäuden wir vorbeilaufen und
ich habe eben mit Entsetzen feststellen müssen, ich habe mein Handy im Auto liegen
gelassen. Die Fotos die es hier zu sehen gibt stammen also von Aufnahmen von Gerd
und anderen Läufern.
Wir laufen kreuz und quer durch Plauen und kommen bald an den Mühlgraben (Bach)
und Weiße Elter (Fluss) - hier kann man gut laufen, Freizeitwege asphaltiert/geschottert
bringen uns auf eine Runde südlich von Plauen. Gerd lotst uns und erklärt schon mal wo
wir nachher mit der Gruppe lang laufen werden. Noch ist es einigermaßen okay mit den
Temperaturen, doch ein paar Anstiege lassen die ersten Schweißtropfen fließen. Nach ca.
10KM und einer guten Stunde erreichen wir das Sportgelände des SV Concordia Plauen
in der Südvorstadt.
Dort herrscht emsiges Treiben und Vorbereitung für den Start des Städtelauf. Unsere 
Dropbags werden vom Auto in einen Transporter umgeladen und wir stellen uns gleich
mal in die Schlange für unsere Start-Nr., obendrein gibt es noch ein Funktions-Laufshirt
das ich noch schnell in den Beutel dazu packe.
Ein Moderator kündigt den baldigen Start an und gibt noch einige Anweisungen, dann 
geht es auch schon los. Wir laufen im Pulk um ein paar Straßenecken und an einer Fuß-
gängerampel müssen wir erstmal stoppen. Doch bald sind wir draußen aus der Stadt
und ich kann mich ein wenig mit dem Führungsläufer unterhalten. Dann muss Er genau
auf den Streckenverlauf achten, es ist die Umleitungsstrecke wegen des Waldbrandes.
Die 30-40 köpfige Laufgruppe ist wieder an der Weißen Elster unterwegs, es geht süd-
westlich weiter und bald passieren wir das Örtchen Straßberg. Nach zwei weiteren KM
haben wir den ersten VP (Kürbitz) erreicht - auf meiner Laufuhr habe ich bereits17,5KM.
Die Verpflegung geht etwas schleppend da wenig bereits eingeschenkt war und so ver-
gehen einige Minuten bis alle Läufer(innen) zu trinken haben, hier gibt es nur Wasser.
Nach knapp 10min gibt der Führungsläufer das Aufbruchsignal und es geht gleich mal
bergauf.
Gerd macht mir gleich mal klar das Vogtland in dem wir hier unterwegs sind zählt zu den
deutschen Mittelgebirgen, da kommen noch so manche Höhenmeter auf uns zu. Damit ist
auch klar der Schweiß rinnt heute noch heftig und trotz Mütze werde ich noch genug Sonne
direkt ins Gesicht bekommen... das kenne ich ja nun schon aus einigen Läufen zuletzt!
Immer wieder geht es noch oben... und endlich sind wir am nächsten VP Deichselberg, den
sind wir wohl hochgelaufen. Hier gibt es zum Glück auch Iso und ich kann mir den Vorrat im
Trinkgurt noch aufsparen. Jetzt da wir knapp 23KM hinter uns haben, kommt die 2.Laufgruppe
gerade am VP an, als wir loslaufen - später werden sich diese und andere Laufgruppen immer
mehr "vermengen".
Bis zum nächsten VP geht es nun auf einer Art "Hochebene" nur etwas rauf und runter, die Sonne
brutzelt nun schon gewaltig runter, ohne Steigung schon schweißtreibend genug. Da es ja eine
Art "Hobbylauf" ist sind da Viele unterwegs die mit den 33KM (+Hitze) schon gewaltig an Ihre
Grenzen kommen - das drückt etwas das Durchschnittstempo der Gruppe. Andere gehen nur noch
und warten wahrscheinlich auf folgende Laufgruppen. Markiert ist nur sporadisch und wenn man
den Weg nicht bereits kennt kann man sich schnell verlaufen...
Ich kann mich auf Gerd verlassen und noch laufen wir gut in der Gruppe mit. Immer wieder gibt es
tolle Aussichten über das Vogtlandgebirge, u.a. Pferdekoppeln und Fernsicht (leider ohne belegbare
Fotos). Wie angekündigt ist der nächste VP (Krebes) KM27 überlaufen, da hier auch andere Lauf-
gruppen nach und nach starten, auch eine Gruppe Nordic Walking startet hier. Da es anschließend
einige Engstellen (an Bergauf-Passagen) gibt und die Verpflegung kaum erreichbar... es gelingt mir
eine Wasserflasche zu ergattern, machen wir uns vorzeitig auf den Weg. Gerd kennt den Weg und so
kommen wir erstmal gut durch die trailartigen Pfade. Doch dann kommt eine schnellere Gruppe an
uns vorbei, wir machen Ihnen Platz, dieses Tempo können wir definitiv nicht mitgehen. Ein Glück das
dieser Aufstieg größtenteils im Wald (und damit schattig) verläuft. Als wir die HM wieder runterlaufen,
Richtung A72 sind wir nur teilweise im Wald. 1KM nach Unterquerung der Autobahn erreichen wir VP
Heinersgrün (ca. 32,5KM) Die schnelle Gruppe ist längst weg und die Nächste noch hinter uns, so sind
wir fast alleine da. Ein freundlicher Helfer reicht mir sogar ein fast kühles Bier... welch eine Wohltat, da
probiert sogar Gerd etwas.
Nun aber geht's wieder aufwärts.. und das auf freien Feld, alle Schweißporen öffnen sich und die Erfrisch-
ung von eben ist gleich dahin. Wir laufen nun im grünen Band, die ehemalige Grenze zwischen beiden
deutschen Staaten, ganz klar den den Lochbodenplatten, die hier verlegt sind zu erkennen. Nur sieht es
hier eher nach "braunen Band" aus, da die ungewöhnlich vielen heißen Wochen zuletzt fast alles an Gras
verbrannt haben. Wir erreichen eine Landstraße mit Streckenposten, da wir hier einige hundert Meter an
der Straße langlaufen müssen.
Der VP Ullitz (33 KM) liegt etwas abseits am Waldrand, ich brauche jede Menge Flüssigkeit und muss die
Vorräte im Trinkgurt auffüllen, schnell noch eine Pinkelpause. Jetzt ist es passiert, ich aber Gerd aus den
Augen verloren... was nun? Eine schnelle Gruppe ist eben angekommen und Einige brechen auch gleich
wieder auf - so versuche ich mich (zumindest eine zeitlang) dranzuhängen. Wird schon irgendwie weiter-
gehen, denke ich mir, im schlimmsten Fall muss ich eben auf die nächste Gruppe warten.
Ich habe Glück, als ich nimmer hinterher komme ist das Gelände so übersichtlich das es klar ersichtlich
ist wie es weiter geht. So laufe ich jetzt fast alleine weiter, es gibt praktisch keinen Schatten mehr... und
das bleibt bis ins Ziel so. Als ich einen überholenden Läufer frage wo der nächste VP komme, zeigt Er nur
nach vorne, da kommt noch einer gleich bei Amazon... ich gucke Ihm verdutzt hinterher. Aber bald ist klar
was Er meint hat: Über eine Brücke queren wir die A93, eine Abfahrt mit entsprechenden Industriegebiet
ist in der Nähe - dort har Amazon ein großes Verteilzentrum, sogar die Straße dort heißt entsprechend.
In etwas Entfernung  befindet sich das Örtchen Gumpertsreuth, nur wenige Häuser und an einer Scheune
der letzte VP (KM 39,5). Auch hier bekomme ich einen Becher Bier - nun also auf nach Hof... mal sehen
ob ich den Gerd noch irgendwo einholen kann?
Weiter über freies Gelände, mal etwas Asphalt, aber auch Wiesenwege und Feldwege, rauf und runter -
alles dabei... aber mit jeden Schritt komme ich naher an Hof. Da vorne entdecke ich wieder einen Läufer-
pulk, da könnte mein Lauffreund dabei sein. Ich versuche etwas schneller zu werden - soweit das jetzt
noch möglich ist und tatsächlich erreiche ich die Gruppe. Gerd ist dabei und ich sehe Ihm an, er kämpft
gewaltig - mehr als ich. Wir laufen ein Stück zusammen und Er meint, ist nicht mehr weit - das letzte
Stück findest Du auch so... oder laufe den Anderen hinterher. Das mache ich dann auch, es geht nun
endlich fast nur abwärts, rein nach Hof - einige Markierungen helfen bei der Orientierung, doch an ent-
scheidender Stelle fehlen wieder welche... ich warte auf Nachfolgende und durch einen kleinen Park und
Liegewiese am Lettenbachsee erreiche ich das Ziel am Eisteich. Dort ist das Ziel aufgebaut... und reinge-
laufen... Uhr gestoppt: 6:02 Std bei fast 44KM habe ich drauf - nun das ist heute vielen schwierigen Um-
ständen geschuldet... aber egal, ich habe es geschafft bei der Hitze!!!
Ich schütte mehrere Becher Flüssigkeit in mich hinein - nach wenigen Minuten ist Gerd da, ein Finisher-
foto. Dann kommt der Moderator zu Ihm, Er weiß das Gerd den MA organisierte, der holt mich dazu und
schon müssen wir ein kleines Interview geben - wieviel MA/Ultras wir denn schon gelaufen sind (auch Gerd
hat da einiges vorzuweisen) - und wie man das alles schaffen kann usw. - die üblichen Fragen eben.
Dann bekommen wir unsere Urkunden und Medaillen, gleich nebenan liegt unser Gepäck, dann können wir
an der Eissporthalle zum Duschen gehen. Welch eine Wohltat den ganzen Schweiß und das Salz los zu werden.
Dann gehen wir nebenan in den zugehörigen Biergarten, Bratwurst mit Bier, Kaffee und Kuchen... das brauche
ich jetzt dringend. Wir haben genügend Zeit, der Bus fährt erst um 16Uhr zurück. Als wir dann ganz gemütlich
nach Plauen zurückfahren... wir müssen auch die anderen Startorte anfahren, schlafe ich fast im Bus ein.
Da muss ich mir an der Tanke noch einen großen Kaffee holen um die 2stündige Autofahrt gut zu überstehen.
Ich danke Gerd für die tolle Organisation der Stadtlauf-Verlängerung, damit ein MA daraus wurde.
Respekt Gerd!
Gruß Roland
 
Zu den Fotos: (größtenteils von Gerd Schremmer)
1. Ankündigung im Internet zum Städtepartnerlauf
2. Fünf Marathonis starten am Rathausturm in Plauen
3. Am Sportplatz in Plauen stellt sich die Laufgruppe zum 33KM-Lauf auf
runners.high - Nomen est omen :logik:
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